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Schlagwort: politische Kunst

Lähmende Endlosschleifen durchbrechen – Radikalkunst von Chris Moser

Ein Gipsschädel als Perpentuum Mobile der „Denk“-Bewegung. Flexischläuche verbinden die Gesichtsöffnungen mit der Wirbelsäule und vice versa. Chris Moser veranschaulicht in seiner neuesten Skulptur einen Kreislauf der vermeintlichen Ohnmächtigkeit und…

Ein Gipsschädel als Perpentuum Mobile der „Denk“-Bewegung. Flexischläuche verbinden die Gesichtsöffnungen mit der Wirbelsäule und vice versa. Chris Moser veranschaulicht in seiner neuesten Skulptur einen Kreislauf der vermeintlichen Ohnmächtigkeit und fordert Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.

Von den Augen in den Hinterkopf, aus dem Ohr zum Mund, aus der Nase ins Rückenmark, aus dem Hinterkopf ins Auge, aus dem Mund zum Ohr, aus dem Rückenmark in die Nase. Sinneseindrücke und Wahrnehmungswelten sind auf einen in sich rotierenden Mechanismus beschränkt.

Solo-Bubble-Performance

Der Bildhauer Chris Moser nimmt Bezug auf das sich im Kreis drehende Denken von Menschen, auch im Sinne einer Unabrückbarkeit von Überzeugungen und ideologischen Glaubensystemen. Im Gegensatz zum Werk „homo ABER„[1] argumentiert diese Figur nicht gegen Reflexionen der Außenwelt, sondern entzieht sich völlig der Auseinandersetzung mit dieser. Die Wahrnehmungswelt dieses Wesens wird auf die eigene Vorstellungswelt reduziert und (Selbst-)Reflexion ist damit unmöglich.

Bestehende Ansichten, Meinungen, Glaubenssätze und Denkformen zirkulieren unentwegt. Es scheint, als könnte nichts neues, anderes in diesen Kreislaufs hinzu kommen. Eine skulpturale Gestaltung der soziokulturellen Filterblase #Bubble? Eine Art Endlosschleife einer Solo-Bubble-Performance?

Chris Moser bei der Arbeit am Werk: EIGENverantwortlich! VERschwörung? SELBSTbestimmt, Sockelbüste, Gips und Accessoires, 2017

Selbstbestimmt den Kreislauf durchbrechen

Selbstreflexion und das ausdrückliche Hinterfragen von „eingespielten Abläufen“ fordert Chris Moser. Um die konfrontative Wirkung zu verstärken steht die Büste auf einem Sockel und wird damit auf Augenhöhe der Betrachter*innen gesetzt. Moser wendet sich direkt an die Betrachter*innen seiner Werke und konfrontiert sie mit provokanten Fragen:

„Sind immer die ANDEREN das problem?
oder eigene gewohnheiten?
teil des problems oder teil der lösung?
… sind die einfachsten erklärungen tatsächlich die besten?
– beeinflussen, manipulieren & versklaven euch wirklich ‚die medien‘ – die ihr doch freiwillig konsumiert?
– haben ‚die grosskonzerne‘ wirklich zuviel macht
– dennoch kauft ihr freiwillig ihre produkte?
– fristet ihr wirklich euer dasein im ‚erzwungenen materialismus‘ während ihr materialistische bedürfnisse stillt?
– ist am ende vielleicht gar keine ‚verschwörung‘ verantwortlich für dieses kranke leben, sondern ihr selbst?
– scheissen euch womöglich gar nicht die ‚mainstreammedien‘ den kopf voll, sondern ihr selbst?“

Chris Moser, Skizze der Arbeit: EIGENverantwortlich! VERschwörung? SELBSTbestimmt!, Sockelbüste, Gips und Accessoires, 2017

Schläuche rausreißen!

Chris Moser wendet sich direkt an die Akteur*innen im gesellschaftlichen System. Diese Akteur*innen sind wir. Jeder und Jede einzelne*n von uns, die dieser Gesellschaft angehören und durch das eigene, oft unreflektierte Verhalten, zum Bestehen problematischer Zustände beitragen. Mit enormer Dichte konfrontiert uns der politische Künstler mit Themen wie Konsumverhalten, Materialismus, Kapitalismus, medialer Manipulation und Verschwörungstheorien. Indirekt nimmt er Bezug auf vorherrschende Ideologien, deren prägende Wirkung und Dominanz, die meist unerkannt und unsichtbar bleiben und ermutigt zum Durchbrechen der eigenen Denk- und Handlungsgrenzen.

Danke an Chris Moser für die Erlaubnis, die ersten Fotografien des Werkes „EIGENverantwortlich! VERschwörung? SELBSTbestimmt!“ in diesem Kolumnenbeitrag zu veröffentlichen.

Chris Moser lebt und arbeitet als Künstler, Buchautor und politischer Aktivist in Tirol.
Künstlerische Medien: Bildhauerei, Grafik, Collage/Assemblage
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Neueste Publikation: Chris Moser, Viva la Rebellion. Ein Aufruf zum Widerstand, 978-3-902873-58-3, Kyrene, 2016 – gelesen von Victoria Windtner.

[1] Bist du ein Homo ABER? – Radikalkunst von Chris Moser

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Kunst verändert den Blick – >ANIMAL UTOPIA<

„Die letzte Tierfabrik wurde geschlossen. Ehemalige Tierproduktionsstätten verfallen zu Ruinen.“ So, oder so ähnlich könnte eine News-Meldung aussehen, wenn Hartmut Kiewerts >ANIMAL UTOPIA< wahr wird und Menschen den Blick auf…

„Die letzte Tierfabrik wurde geschlossen. Ehemalige Tierproduktionsstätten verfallen zu Ruinen.“ So, oder so ähnlich könnte eine News-Meldung aussehen, wenn Hartmut Kiewerts >ANIMAL UTOPIA< wahr wird und Menschen den Blick auf das Tier nachhaltig veränderten.

Utopische Kunst als Gesellschaftskritik

Der Künstler Hartmut Kiewert schafft seit mehreren Jahren politische Kunst und legt in seiner künstlerischen Auseinandersetzung den Fokus auf gesellschaftsrelevante Themen. Im speziellen beschäftigt ihn das herrschaftliche Ausbeutungssystem von sogenannten „Nutztieren“. Seine Kunst bezieht Stellung zur Problematik der vorherrschenden Mensch-Tier-Beziehung und verdeutlicht mit emanzipatorischer Kraft: „Schau mal, so könnten wir auch mit Tieren umgehen“.

Kiewert zeigt, wie es sein könnte, wenn sich die von Objektivierung und Herrschaft geprägte Beziehung zwischen Mensch und Tier verändert und ein friedliches Zusammenleben möglich wird. So manche Unbequemlichkeit in Zusammenhang mit dieser Veränderung spricht Kiewert klar an, wenn er beispielsweise in Interviews sagt: “Menschen sollten aufhören Schweine zu züchten, gefangen zu halten und zu töten.”[1]

Bild: Hartmut Kiewert, Teppich III, Öl auf Leinwand, 160 x 190 cm, 2017

Inhaltlich nimmt Kiewert bei manchem Werk Bezug auf historische Anhaltspunkte, die den aktuellen Blick auf das Tier geprägt haben. Beispielsweise im Werk „Gewährsmänner“, wo er den Philosophen René Descartes und den Gegenwartskünstler Damian Hirst in ein Jagdgemälde von Gustave Courbet des 19. Jahrhunderts setzt. Mit diesen Aneignungen und Reinszenierungen kunsthistorischer Werke, wie auch in den Gemälden Im Freien“ oder „Evolution of Revolution , rüttelt er an gegenwärtigen Konventionen und stellt historische Bezüge her, die entschlüsselt werden wollen.

ANIMAL UTOPIA, Verlag compassion media, erscheint im Herbst 2017

Kommenden Herbst erscheint im Verlag compassion media ein Katalog, der über 100 Werke des Malers Hartmut Kiewert zeigen wird. Das gemeinschaftliche Projekt des zeitgenössischen Künstlers mit dem Verlag, >ANIMAL UTOPIA<, soll dazu beitragen „langfristig eine neue Sicht auf Tiere zu etablieren“, den „rein anthropozentrischen Blick zu relativieren“ und den Betrachtenden ermöglichen, „diesen fühlenden sozialen Lebewesen auf eine neue, empathische Art zu begegnen.“

Das Vorwort im Katalog stammt von Philosophin und Journalistin Hilal Sezgin, die Begleittexte von Kunsthistorikerin und Tierstudienherausgeberin Jessica Ullrich.

Bild: Harmut Kiewert, Herbst, Öl auf Leinwand, 60 x 100 cm, 2012

>ANIMAL UTOPIA< unterstützen

Zur Finanzierung des Projekts wurde die Crowdfunding Kampagne >ANIMAL UTOPIA< gestartet, die sehr erfolgreich angelaufen ist. Bis 20. August 2017 kann jede*r das Projekt unterstützen und damit dazu beizutragen, dass „aus der Utopie eines friedlichen Zusammenlebens im Idealfall ein Ist-Zustand“ wird.

Denkst du politische Kunst kann unseren Blick verändern?

 

Zur Crowdfunding Kampagne >ANIMAL UTOPIA<
Website des Künstlers Hartmut Kiewert
Statement des Künstlers zu Theorie und Praxis seiner Maltechnik

Weitere Artikel zur Kunst von Hartmut Kiewert auf The bird’s new nest:
Da sitzt ein Schwein am Sofa! Nachhal(l)tige Kunst von Hartmut Kiewert
Herrschaft und Gewalt im Fadenkreuz – Hartmut Kiewerts „Gewährsmänner“

[1] Da sitzt ein Schwein am Sofa! Nachhal(l)tige Kunst von Hartmut Kiewert

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