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Schlagwort: musik

Grün im großen weißen Norden – Wychwood Farmer’s Market

Ich habe ein Ritual. Jeden Samstagmorgen stehe ich auf und laufe mit einer Freundin etwa 15 Minuten zum Wochenmarkt. Der Whychwood Farmer’s Market in Toronto hat sein Zuhause in einer…

Ich habe ein Ritual. Jeden Samstagmorgen stehe ich auf und laufe mit einer Freundin etwa 15 Minuten zum Wochenmarkt. Der Whychwood Farmer’s Market in Toronto hat sein Zuhause in einer alten Straßenbahnhalle, die heute für unterschiedliche Gemeinschaftsprojekte genutzt wird. Eines davon ist der Markt. Ein weiteres Projekt ist ein Gemeinschaftsgarten, der sich draußen neben der Halle befindet. Der Ertrag aus diesem Projekt wird unter anderem auf dem Wychwood Markt verkauft.

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Wenn wir die Halle betreten sind wir umgeben von brummendem Leben. An den beiden gegenüberliegenden Enden der Halle spielen jede Woche unterschiedliche Musiker. Ob Gitarre, Kontrabass, Hang, Geige oder Trommel – ich habe schon vieles gesehen. Große Kinderaugen blicken fasziniert auf die Instrumente oder tanzen zu der Musik. Doch die Instrumente sind nicht die einzigen Geräusche in dem emsigen Bienenstock. Man hört die Leute lachen und plaudern, hört Tofu in der Pfanne brutzeln oder den Blender einen neuen Smoothie zubereiten. Die Halle ist gefüllt mit Leben.

Für mich ist der Markt eine der besten Möglichkeiten einzukaufen. Die Produkte, die angeboten werden, sind regional und saisonal, ein Großteil biologisch. Zusätzlich ist der Einkauf dort aber auch einfach unglaublich persönlich. Jede Woche treffe ich dort dieselben Menschen und weiß, dass sie das Gemüse mit angebaut haben. Es ist eine ganz andere Begegnung mit meinen Lebensmitteln im Vergleich zur unpersönlichen Massenware im Supermarkt.

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Aber neben Grünkohl, gelben Möhren und Pastinaken gibt es hier auch fertige Speisen. Drei Backstände verkaufen Brot und Brötchen, weitere bieten Desserts an. Besonders schön ist, dass es dabei eine große vegane und rohköstliche Auswahl gibt. Außerdem werden grüne Smoothies, selbst eingelegtes Gemüse oder selbst gemachtes Apfelkompott, Kichererbsen-Tempeh und andere Leckereien angeboten. Der Markt ist also nicht nur zum Einkaufen von Gemüse, sondern auch zum Essen geeignet. Selbst wenn ich manchmal nicht viel kaufe, ist der Besuch jedes Mal ein schönes Erlebnis, weil die Atmosphäre dort so lebhaft und positiv ist. Jeden Besuch beim Wychwood Market runde ich mit einem glutenfreien und veganen Blueberry-Streusel Mini-Muffin ab. Der schmeckt wirklich magisch gut und ich nehme mir jedes Mal vor, das Geheimnis in meiner eigenen Küche zu lüften.

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Zufrieden laufen wir wieder nach Hause und freuen uns darüber, dass seit dieser Woche der Frühling auch endlich bei uns angekommen ist. Eine kleine Fahrradtour zum See beweist: Auch dieser ist mittlerweile aufgetaut.

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Basel Tattoo: Wenn Männer in Uniform mit der Müllabfuhr tanzen

Da riskierte ich doch glatt einen Blick: Strammen Schritts zog er an mir vorüber, der rotblondhaarige Hüne im Schottenrock, an dessen breiter Brust Orden über Orden gerade noch so Platz finden….

Da riskierte ich doch glatt einen Blick: Strammen Schritts zog er an mir vorüber, der rotblondhaarige Hüne im Schottenrockan dessen breiter Brust Orden über Orden gerade noch so Platz finden. Fast wartete ich darauf, dass er seinen Dudelsack zückt. Tat er aber nicht. Und wir waren auch nicht in Schottland, wie die Szene annehmen ließe, sondern mitten in der Fußgängerzone von Basel, der beschaulichen Schweizer Stadt im Dreiländereck.

Wobei beschaulich wohl der falsche Ausdruck war, denn der Mann im Schottenrock war nicht der einzige „Exot“ in der Stadt. Einmal im Jahr machen nämlich über tausend Männer (und Frauen) in Uniform das kleine Basel unsicher. Zehn Tage lang zur Basel Tattoo, der zweitgrößten Militärmusikparade der Welt.

Die Basler Tatoo ist die 2. größte Militärmusikveranstaltung der Welt. Foto: Doris

Die Basler Tattoo ist die zweitgrößte Militärmusikveranstaltung der Welt.

„Wie kommt ausgerechnet die neutrale Schweiz zu einer Militärmusikparade?“, richte ich naiv meine Frage an Andrea Schäfer, Sponsoring Manager der Veranstaltung, die uns vor der großen Generalprobe letzten Samstag durch die Hallen der ehemaligen Kaserne und jetzigem Austragungsort der Show führte. Weit muss sie ausholen: Zurück geht die Geschichte nämlich bis ins Jahr 2001. Damals, als der Basler Erik Julliard und seine Kollegen vom Edinburgher Tattoo, dem größten Musikfestivals Schottland, zurückgekommen und mit Pauken und Trompeten in ihrer Heimatstadt empfangen worden sind. Es war nämlich eine kleine Sensation, dass ausgerechnet diese Basler Trommelgruppe als erste Privatband an der Militärmusikveranstaltung teilgenommen hatte, wo sich normalerweise königliche Garden neben Polizeigesandte einreihen.

    2015 feiert erst die Basler Tattoo ihren 10. Geburtstag. Foto: Doris

2015 feiert die Basler Tattoo ihren 10. Geburtstag, beliebt ist sie jetzt schon.

Die Sensation geht weiter: 2004 veranstalteten Erik und ein paar Motivierte selbst die erste Basel Tattoo. „Wir haben geglaubt, wir machen das einmal und nie wieder.“, erzählt Andrea, die übrigens als einzige vom dreiköpfigen Ursprungsteam noch im Einsatz ist und füge hinzu: „Doch dann waren wir schon im ersten Jahr ausverkauft!“ Und 2015 feierte die Basel Tattoo ihr zehnjähriges Bestehen.

Andrea Schäfer führt uns durch den Backstage-Bereich. Foto: Doris

Andrea Schäfer führt uns durch den Backstage-Bereich.

120.000 Besucher – 90 Prozent davon aus der Schweiz – werden auch nächstes Jahr wieder bei den 15 Shows erwartet, die zwischen 20. und 30. Juli in Basel stattfinden. Die Generalprobe, zu der die Anrainer gratis kommen dürfen und die wir besuchten, nicht mitgezählt. Was das für einen logistischen Aufwand bedeutet, kann ich bloß erahnen, während uns Andrea bei der Backstage-Führung mit Zahlen bombardiert: Neben den 23 Full-time-Mitarbeitern leisten 529 ehrenamtliche Helfer rund 35.000 Arbeitsstunden, eben so viele Mahlzeiten werden für die Arbeitenden und Musiker serviert. In der „Cast Bar“ im Backstage-Bereich – einer für solche Veranstaltungen einzigartigen Annehmlichkeit – fließen 10.000 Liter Bier in die durstigen Münder der Helfer sowie Bands und 430 Kilogramm Limetten werden in der Zeit für Caipis geschnippelt.

Ein Blick Backstage vor der Generalprobe. Foto: Doris

Ein Blick Backstage vor der Generalprobe.

„Where are you from?“ – zwei Kollegen nutzen die Gelegenheit, in dem Gewusel einen großen Schwarzen in grüner Uniform abzuknipsen und gleich die Frage aller Fragen zu stellen, schließlich sind 23 Formationen aus vier Kontinenten bei der Basel Tattoo. Und wir hatten gleich einen besonderen Fall erwischt: Der Schwarze ist nämlich Teil des „Royal Corps of Musicians“ aus dem Königreich Tonga – mit 40 Stunden ist ihnen zumindest der Preis für die längste Anreise garantiert.

Das Königreich Tonga ist ebenfalls mit einer Performance vertreten. Foto: Doris

Das Königreich Tonga ist ebenfalls mit einer Performance vertreten.

Vom Technik-Raum, in dem sich die Mikros stapeln und Men-in-Black geschäftig ein Kabel hierhin, ein anderes dorthin stecken, bis hin zum Dachgeschoß, in dem die Bildschirme und Sprechanlagen für den Moderator vorbereitet werden – kein Raum der Kaserne, in der jetzt ein Schule untergebracht ist, bleibt in diesen vierzehn Tagen ungenutzt. Allein in den Aufbau des Ganzen sind wohl zigtausende Arbeitsstunden geflossen – nicht nur von den Organisatoren, sondern auch von der Schweizer Armee. Die hilft nämlich seit jeher bei der Basel Tattoo mit und bekommt im Gegenzug über die Stiftung Basel Tattoo Charity Gelder für gemeinnützige Organisationen oder Projekte zur „Förderung des Militärmusikwesens“, wie es so schön heißt. Damit schlägt die Basel Tattoo die Brücke zum Ursprungsgedanken solcher Militärmusikveranstaltungen. Diese wurden nämlich vor 60 bis 70 Jahren dazu gegründet, um Gelder für die Hinterbliebenen aus der Armee zu sammeln.

Ausverkauft ist die Basel Tattoo seit Jahr 1. Foto: Doris

Ausverkauft ist die Basel Tattoo seit Jahr eins.

„Oft machen wir solche Backstage-Führungen nicht,“, erklärt Andrea, „schließlich wollen wir den Zauber und das Charisma der Veranstaltung erhalten.“ Sprachs, und schon waren wir mitten im Gedränge, wurden zu unseren Plätzen geschoben, hatten noch einige Diskussionen ob der richtigen Sitze – und dann begann es.  Drei Stunden Militärmusik! Drei Stunden Trompeten, Trommeln, Trara und ganz viel Nationalstolz! Drei Stunden beste Unterhaltung, wer hätte das gedacht!

Auch die Band of Life Guards, die berittene Formation der Queen, kam mit 30 Pferden aus England angereist - samt Pferdemist. Foto: Doris

Auch die Band of Life Guards, die berittene Formation der Queen, kam mit 30 Pferden aus England angereist – samt Pferdemist.

Denn auch wenn ich anfangs mehr als skeptisch war, sie hat mich positiv überrascht, die Basel Tattoo. Dem konnten auch die bösen „Pssts“ der Damen aus der Vorderreihe nichts anhaben, die uns tötende Blicke nach hinten warfen, als wir über einige Auftritte lachen mussten. So sehr manche im bunt durchmischten Publikum die Veranstaltung bitter ernst nahmen, die Bands sahen das oft ganz anders und lieferten – im Sinn von Erik und seinem Team – Entertainment pur. Da durfte die lokale Müllabfuhr beim Wegräumen des Pferdemists aus der berittenen Performance der britischen Queen selbst in Formation tanzen…

Tanzende Müllabfuhr - eine meiner liebsten Showeinlagen bei der Basel Tattoo. Foto: Doris

Tanzende Müllabfuhr – eine meiner liebsten Showeinlagen bei der Basel Tattoo.

…und wurde lautstark mit Jubelrufen angefeuert sowie hoch leben lassen! Da tanzte eine andere Formation – ich glaube, es waren die Franzosen – frech im Gangnam Style, und die Norweger ließen ihre Gewehre durch die Luft wirbeln. Solche kurzweiligen Momente lassen mich die inbrünstig angestimmten Hymnen – vom Baslerlied bis „Waltzing Matilde“ – gleich wieder vergessen. Und auch die Anstrengung, mit Müh und Not ein paar Brocken des Basler Deutsch-sprechenden Moderators zu verstehen.

Das große Finale. Foto: Doris

Das große Finale.

Als um 23 Uhr das große Finale mit – faszinierend leisem – Feuerwerk angekündigt wurde, war ich überrascht, dass es schon so spät war. „Das dauert jetzt noch zirka eine halbe Stunde.“, flüsterte mir meine Baseler Begleitung ins Ohr. Gut, so konnte ich mich noch etwas länger an den Männern in Uniform erfreuen…

 

Wer die Basel Tattoo live erleben möchte, der muss bis zum nächsten Jahr warten: Der Vorverkauf für die Basel Tattoo 2016 startet im DezemberLast but not least für alle, die mich gefragt haben, was Tattoo mit Militärmusik zu tun hat. Das Wort kommt vom Belgischen „taptoe“, was soviel wie Zapfenstreich und somit den Beginn der Nachtruhe im Heer bedeutete.

Offenlegung: Ich wurde von Schweiz Tourismus und der Stadt Basel bei dieser Recherchereise unterstützt. Die Meinungen und Ansichten dieser Geschichte bleiben meine eigenen.

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Von Musik, der Liebe und Zufällen, die es gar nicht gibt…

„…und stell dir vor, wer mein Blind-Date in Paris war: Meine große Liebe, die ich zehn Jahre nicht gesehen hatte!“ Colettes Augen leuchten, ihre Stimme zittert noch vor lauter Freude…

„…und stell dir vor, wer mein Blind-Date in Paris war: Meine große Liebe, die ich zehn Jahre nicht gesehen hatte!“ Colettes Augen leuchten, ihre Stimme zittert noch vor lauter Freude als sie mir ihre Geschichte erzählt. Wir sitzen im Pub mit unaussprechlichem Namen, „An Teach Beas“ (übersetzt: „Das Kleine Haus“), in Clonakilty im Süden Irlands. Colette habe ich gerade erst kennen gelernt, aber ich weiß schon viel über sie: Dass ihr Mann vor wenigen Jahren gestorben ist zum Beispiel, und dass ein Bekannter sie vor einiger Zeit nach Paris mitgenommen hat. Aber nicht nur sie, sondern auch einen seiner Freunde, und der hat sich als eben jene verloren geglaubte Jugendliebe aus der irischen Heimat entpuppt. Sagt’s und schnappt sich – noch bevor ich völlig in melancholische Romantik abdrifte oder mich an Rosamunde Pilcher erinnert fühle – ihren mittlerweile Angetrauten und singt ein Ständchen.

Die Live Band, wegen der alle das Lokal gestürmt haben. Foto: Doris

Die Live Band, wegen der alle das Lokal gestürmt haben.

Mit einem Zufall hat unser Aufenthalt in der irischen Kleinstadt Clonakilty, in der Nähe von Kinsale und Baltimore, am Nachmittag desselben Tages auch begonnen: „Ich war da schon einmal!“ Kaum bei der Einfahrt des Bed & Breakfast angekommen, platzte meine Freundin Steffi bereits heraus: „Das gibt’s doch nicht. Beim letzten Mal habe ich ebenfalls hier geschlafen!“ Ich weiß nicht, wer ungläubiger und überraschter aus der Wäsche schaut: Sie oder wir – Marietta und ich -, die wir auf den Hinterbänken den ersten Blick aufs weiße Herrenhaus der Macliam Lodge erhaschten.

Nahe Clonakilty gibt es auch wunderschöne Sandstrände. Foto: Doris

Nahe Clonakilty gibt es auch wunderschöne Sandstrände.

Was für ein Zufall, dass wir uns ausgerechnet in der Unterkunft einquartiert haben, in der Steffi vor einigen Jahren ihren Geburtstag gefeiert hat. Absicht war es jedenfalls keine, haben wir doch schlicht und einfach das erste freie Bed & Breakfast genommen, das uns am Vortag in unserer ersten Herberge vorgeschlagen wurde. So macht man das schließlich auf spontanen Roadtrips durch Irland, ich – oder besser gesagt wir – zumindest.

Irische Musik, hier geht´s lang. Foto: Doris

Irische Musik, hier geht’s lang.

Mehr Plan hingegen steckte hinter unserer Abendgestaltung: Ein Pub musste her, am besten mit Livemusik, aber das sollte ja in einem typisch irischen Städtchen an einem Samstagabend leicht zu finden sein. War es auch!

Und wir waren nicht die einzigen mit dieser Idee. Keine halbe Stunde später – wir haben gerade unser erstes Pint getrunken – ist das kleine Lokal rappelvoll. Ich übertreibe nicht: Kein Sessel, kein Barhocker, keine Ecke ist mehr frei. Überall sitzen, lachen, plaudern, trinken Menschen, Paare und Singles, Junge und Alte. Da grüßt jeder jeden, es wird geherzt und umarmt, es werden alte und neue Bekanntschaften geschlossen, Geschichten erzählt – wie die von Colette. Wir drei – eine US-Amerikanerin, eine Deutsche, die in Irland lebt, und eine österreichische Reisende – sind mittendrin, gehören dazu. Okay, wir singen nur leise oder gar nicht mit, wenn die irischen Klänge der Live MusikerInnen erklingen – wir können ja schließlich nicht den Text – und wir stimmen auch nicht selbst ein Liedchen an, wie unsere Mitfeiernden. Aber wie die anderen sind wir berauscht von der Musik, der ausgelassenen Stimmung, den freundlichen Menschen – und sicher auch ein bisschen vom Bier…

Irland ist voller Musik - zumindest in Clonakilty. Foto: Doris

Irland ist voller Musik – zumindest in Clonakilty.

Was für ein Glück wir an diesem Abend haben, erfahren wir erst beim Frühstück am nächsten Tag: Normalerweise gehen die Einheimischen am Samstag nicht ins An Teach Beas, denn die Live Band spielt in einem anderen Pub. Reiner Zufall, dass es gerade an diesem Wochenende anders war…

P.S.: Dass ich als Vegetarierin ausgerechnet Clonakilty – Heimat von Irlands berühmtestem Black Pudding alias Blutwurst – als meine Lieblingskleinstadt auserkoren habe, ist zugegeben schon etwas ironisch. Vor allem weil Colette – die mit der Wiedervereinigungsgeschichte – keine Geringere als Colette Twomey war, ihres Zeichens Besitzerin von „Clonakilty Blackpudding“. Wo die Liebe hinfällt… 

6 Kommentare zu Von Musik, der Liebe und Zufällen, die es gar nicht gibt…

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