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Schlagwort: Malerei

ANIMAL UTOPIA – Hoffnungsvoll nach vorne malen

Das Buch ANIMAL UTOPIA beleuchtet das künstlerische Schaffen von Maler Hartmut Kiewert und schenkt Hoffnung ohne die Realität zu verklären. Kunst mit gegenwärtigen Praktiken verknüpfen Im Vorwort eröffnet Publizistin und…

Das Buch ANIMAL UTOPIA beleuchtet das künstlerische Schaffen von Maler Hartmut Kiewert und schenkt Hoffnung ohne die Realität zu verklären.

Kunst mit gegenwärtigen Praktiken verknüpfen

Im Vorwort eröffnet Publizistin und Journalistin Hilal Sezgin die Auseinandersetzung mit Kiewerts Gemälden anhand ihrer assoziativen Betrachtung. Sie stellt klare Bezüge her zwischen den utopischen Malereien Kiewerts, den realen Praktiken der Tierproduktionsindustrie und den Verhaltensweisen von Schweinen. Das Gemälde Herbst (2012) erinnert Sezgin an ein reales Ereignis, das sich 1959 in Australien ereignete. Beim Unfall eines Tiertransporters mit Schweinen konnten „etliche von ihnen entkommen und bildeten im Namadgi National Park eine beständige Population“. (ANIMAL UTOPIA, 12)

Bild: Harmut Kiewert, Herbst, Öl auf Leinwand, 60 x 100 cm, 2012

Was-wäre-Wenn in Bild und Text

Mit Worten bringt Sezgin auf Papier, was Kiewert mit Pinseln auf der Leinwand festhält, wenn sie beschreibt, was alles möglich wäre, wenn ein Schwein den gegenwärtigen Haltungssystem entkommen könnte. „Schweinemütter würden sich bequem hinlegen, um ihre Jungen zu säugen. Sie würden ihnen Nester in kleinen, mit Laub gepolsterten Gruben anlegen und müssten die Nase nicht in traurigen Ersatzhandlungen über den leeren Spaltenboden schieben.“ (ANIMAL UTOPIA, 13)

Kiewerts Gemälde spielen laut Sezgin „mit einem Was-wäre-wenn, aber es ist kein naives Was-wäre-wenn, sondern eines, in dem Absperrungen und Schranken und Wunden noch sichtbar sind.“

Bild: Hartmut Kiewert, Nest, Öl auf Leinwand, 150 x 190 cm, 2013

Kunstgeschichte schreiben

Die Texte zu Kiewerts Werken hat Kunsthistorikerin und Herausgeberin der Fachzeitschrift Tierstudien, Jessica Ullrich, verfasst. Ullrich beschreibt Werke und die künstlerische Entwicklung Kiewerts, stellt kunsthistorische Bezüge her, vollzieht eine Einordnung der bildlichen Darstellungen in Kiewerts Werkkomplex und zeichnet ein ausführliches Porträt seines Schaffens. Auf vermittelnde Art eröffnet Ullrich den Rezipient*innen den Zugang zu Kiewerts Kunst.

Bild: Hartmut Kiewert, Randstreifen, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm, 2015

Kunst als Medium der Hoffnung

Am Ende des Textteils, bevor der 100-seitige Farbbildteil beginnt, verweist Jessica Ullrich auf die Bedeutung des Begriffs Utopie und präsentiert zwei Begriffsdefinitionen. Die des Philosophen Max Horkheimer, für ihn ist Utopie „die Kritik dessen, was ist und die Darstellung dessen, was sein soll“ und die Definition des Philosophen Ernst Bloch, für ihn steht Utopie für das „Denken nach vorn“. (ANIMAL UTOPIA, 85) Die Essenz von Kiewerts künstlerischer Postition fasst Ullrich an mehreren Textstellen und konstatiert zu guter Letzt: „Die auf seinen Tableaus realisierten Ziele einer imaginierten, aber sich tatsächlich gesellschaftlich vorbereitenden Revolution der Tier-Mensch-Beziehung sind Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit für alle Spezies. Und so bleibt auch für Hartmut Kiewert der Geist der Utopie dem Prinzip Hoffnung verbunden.“ (ANIMAL UTOPIA, 85)

ANIMAL UTOPIA ist eine Künstlermonografie mit gesellschaftlicher Relevanz. Ausführlich und erkenntnisreich gelingt die Auseinandersetzung mit herrschafts- und gesellschaftskritisch Kunst. Kunst, die den Mut hat sich den tief verwurzelten karnisitischen und speziesistischen Denktraditionen in der Gesellschaft kritisch gegenüber zu stellen.

ANIMAL UTOPIA
Verlag compassion media, 2017
Hardcover, 28 Euro
ISBN 978-3-9816425-6-8

Website des Künstlers Hartmut Kiewert
Statement des Künstlers zu Theorie und Praxis seiner Maltechnik

Vielen Dank für das Rezeptionsexemplar an compassion media!

ANIMAL UTOPIA ist hier erhältlich.

 

Wer jetzt gleich noch mehr über einzelne Kunstwerke und Hartmut Kiewerts Kunst lesen möchte, sei auf folgende KUNST HALLT NACH Kolumnen verwiesen:
Kunst verändert den Blick – ANIMAL UTOPIA

Da sitzt ein Schwein am Sofa – Nachhalltige Kunst von Hartmut Kiewert

Herrschaft und Gewalt im Fadenkreuz – Hartmut Kiewerts Gewährsmänner

 

Was magst du an Kunstbüchern/Katalogen besonders?

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Kunst verändert den Blick – >ANIMAL UTOPIA<

„Die letzte Tierfabrik wurde geschlossen. Ehemalige Tierproduktionsstätten verfallen zu Ruinen.“ So, oder so ähnlich könnte eine News-Meldung aussehen, wenn Hartmut Kiewerts >ANIMAL UTOPIA< wahr wird und Menschen den Blick auf…

„Die letzte Tierfabrik wurde geschlossen. Ehemalige Tierproduktionsstätten verfallen zu Ruinen.“ So, oder so ähnlich könnte eine News-Meldung aussehen, wenn Hartmut Kiewerts >ANIMAL UTOPIA< wahr wird und Menschen den Blick auf das Tier nachhaltig veränderten.

Utopische Kunst als Gesellschaftskritik

Der Künstler Hartmut Kiewert schafft seit mehreren Jahren politische Kunst und legt in seiner künstlerischen Auseinandersetzung den Fokus auf gesellschaftsrelevante Themen. Im speziellen beschäftigt ihn das herrschaftliche Ausbeutungssystem von sogenannten „Nutztieren“. Seine Kunst bezieht Stellung zur Problematik der vorherrschenden Mensch-Tier-Beziehung und verdeutlicht mit emanzipatorischer Kraft: „Schau mal, so könnten wir auch mit Tieren umgehen“.

Kiewert zeigt, wie es sein könnte, wenn sich die von Objektivierung und Herrschaft geprägte Beziehung zwischen Mensch und Tier verändert und ein friedliches Zusammenleben möglich wird. So manche Unbequemlichkeit in Zusammenhang mit dieser Veränderung spricht Kiewert klar an, wenn er beispielsweise in Interviews sagt: “Menschen sollten aufhören Schweine zu züchten, gefangen zu halten und zu töten.”[1]

Bild: Hartmut Kiewert, Teppich III, Öl auf Leinwand, 160 x 190 cm, 2017

Inhaltlich nimmt Kiewert bei manchem Werk Bezug auf historische Anhaltspunkte, die den aktuellen Blick auf das Tier geprägt haben. Beispielsweise im Werk „Gewährsmänner“, wo er den Philosophen René Descartes und den Gegenwartskünstler Damian Hirst in ein Jagdgemälde von Gustave Courbet des 19. Jahrhunderts setzt. Mit diesen Aneignungen und Reinszenierungen kunsthistorischer Werke, wie auch in den Gemälden Im Freien“ oder „Evolution of Revolution , rüttelt er an gegenwärtigen Konventionen und stellt historische Bezüge her, die entschlüsselt werden wollen.

ANIMAL UTOPIA, Verlag compassion media, erscheint im Herbst 2017

Kommenden Herbst erscheint im Verlag compassion media ein Katalog, der über 100 Werke des Malers Hartmut Kiewert zeigen wird. Das gemeinschaftliche Projekt des zeitgenössischen Künstlers mit dem Verlag, >ANIMAL UTOPIA<, soll dazu beitragen „langfristig eine neue Sicht auf Tiere zu etablieren“, den „rein anthropozentrischen Blick zu relativieren“ und den Betrachtenden ermöglichen, „diesen fühlenden sozialen Lebewesen auf eine neue, empathische Art zu begegnen.“

Das Vorwort im Katalog stammt von Philosophin und Journalistin Hilal Sezgin, die Begleittexte von Kunsthistorikerin und Tierstudienherausgeberin Jessica Ullrich.

Bild: Harmut Kiewert, Herbst, Öl auf Leinwand, 60 x 100 cm, 2012

>ANIMAL UTOPIA< unterstützen

Zur Finanzierung des Projekts wurde die Crowdfunding Kampagne >ANIMAL UTOPIA< gestartet, die sehr erfolgreich angelaufen ist. Bis 20. August 2017 kann jede*r das Projekt unterstützen und damit dazu beizutragen, dass „aus der Utopie eines friedlichen Zusammenlebens im Idealfall ein Ist-Zustand“ wird.

Denkst du politische Kunst kann unseren Blick verändern?

 

Zur Crowdfunding Kampagne >ANIMAL UTOPIA<
Website des Künstlers Hartmut Kiewert
Statement des Künstlers zu Theorie und Praxis seiner Maltechnik

Weitere Artikel zur Kunst von Hartmut Kiewert auf The bird’s new nest:
Da sitzt ein Schwein am Sofa! Nachhal(l)tige Kunst von Hartmut Kiewert
Herrschaft und Gewalt im Fadenkreuz – Hartmut Kiewerts „Gewährsmänner“

[1] Da sitzt ein Schwein am Sofa! Nachhal(l)tige Kunst von Hartmut Kiewert

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KUNST HALLT NACH: Kunst und Nachhaltigkeit? Reines Wasser – Die kostbarste Ressource der Welt

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? In meiner Kolumne stelle ich mir unter anderem diese Frage. Den Auftakt dieser Entdeckungsreise bildet ein Besuch der von Stella Rollig und Magnus…

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? In meiner Kolumne stelle ich mir unter anderem diese Frage. Den Auftakt dieser Entdeckungsreise bildet ein Besuch der von Stella Rollig und Magnus Hofmüller kuratierten Ausstellung „Reines Wasser. Die kostbarste Ressource der Welt“, die bis 15. Februar 2015 im Lentos Kunstmuseum Linz geöffnet hat.

Wasser macht sauber, glücklich und gesund, ist überlebensnotwendig und wirtschaftlich interessant. Wasser steht im Fokus der künstlerischen Werke von insgesamt 58 KünstlerInnen und KünstlerInnengruppen, die in der Ausstellung präsentiert werden.

Eine riesige Fotografie von Daniel Canogar (siehe Titelbild) katapultiert das Thema Wasserverschmutzung mit einem Schlag in die Ausstellungsräumlichkeiten. Inspiriert vom Great Pacific Garbage Vortex [1] zeigt das Foto unter anderem Trink- und Waschmittelflaschen, Getränkedosen und Plastiktaschen, die in helltürkisem Wasser schwimmen, mitten darin zirka 55 Personen.

The Yes Men, B'EAU-PAL, 2009, mixed installation | © The Yes Men

Bild: The Yes Men, B’EAU-PAL, 2009, mixed installation | © The Yes Men

Eine attraktiv wirkende, jedoch fiktive Wassermarke ließen The Yes Men entstehen. Die Installation thematisiert einen schrecklichen Chemieunfall im Jahre 1984 im indischen Bhopal. Im Zuge ihrer künstlerisch-aktionistischen Aktion wurde die Nachricht verbreitet, der Chemiekonzern Dow Chemical wäre bereit, Entschädigungen an die geschädigten Menschen zu bezahlen. Die Verantwortlichen des Chemiekonzerns waren gezwungen, die angekündigten Entschädigungszahlungen in der Öffentlichkeit zu dementieren.

Das einundzwanzig Minuten dauernde Video „Flooded Mc Donald’s“ von Superflex, zeigt eine menschenleere, nachgebaute Mc Donald’s Filiale, die langsam mit Wasser überflutet wird. Von vormals knusprigen Pommes bis zum bunten Kinderspielzeug wird alles vom langsam ansteigenden Wasser erfasst – Kurzschlüsse bei elektrischen Geräte und immer trüberer werdendes Wasser sind die Folge. Thematisiert wird der Klimawandel. Mc Donald’s als weltgrößter Rindfleischproduzent hat hier wohl einiges zu verbuchen.

Wie eng Kunst mit Tierschutz zusammenhängen kann, kommt mit dem Werk „Freitagsessen“ von Klaus Rinke – wohl unbeabsichtigt – zum Ausdruck. Dazu zwei Bilder seiner Installation.

Klaus Rinke, Freitagessen, 1987, Wassertisch (mit 12 Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Bild: Klaus Rinke, Freitagsessen, 1987, Wassertisch (mit 12 Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Klaus Rinke, Freitagessen, 1987, Wassertisch (ohne Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Bild: Klaus Rinke, Freitagsessen, 1987, Wassertisch (ohne Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Neben der Objektbeschriftung zum Werk „Freitagsessen“ ist in der Ausstellung folgender Hinweis zu lesen: „In der ursprünglichen Version von 1987 enthielt der Tisch 12 lebende Karpfen. Dies ist aufgrund des heute geltenden österreichischen Tierschutzgesetzes nicht möglich.“ Neben der Installation wird eine Videoaufnahme von den im Tisch schwimmenden Fischen gezeigt, bevor diese entfernt wurden.

„Hast du heute schon genug getrunken?“ Positiv und mit einer klaren Handlungsanweisung endet die Ausstellung mit einer „Hommage an den Genuss“ [2] von frischem und sauberem Wasser, das nicht selbstverständlich aus der Wasserleitung kommt. Das Lebenswerk von Peter Dreher umfasst um die fünftausend Gemälde von demselben Wasserglas, um die 50 wurden in der Ausstellung gezeigt.

Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, Das Glas, 1974 bis heute, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm | Courtesy WAGNER + PARTNER. © Bildrecht, Wien 2014

Bild: Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, Das Glas, 1974 bis heute, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm | Courtesy WAGNER + PARTNER. © Bildrecht, Wien 2014

„Zu zeigen, dass Wasser weit mehr ist als Mittel zum Zweck“ [2] ist Anliegen dieser Ausstellung, die meinem Eindruck nach behutsam versucht, die Menschen an ein Thema heranzuführen, dass gesellschaftskritisches Potenzial und politischen Sprengstoff in sich trägt.

 

Katalog-ReinesWasser

Stella Rollig, Magnus Hofmüller (Hrsg.)
REINES WASSER. Die kostbarste Ressource der Welt. Publikation zur Ausstellung im LENTOS Kunstmuseum Linz Jung & Jung Verlag
Hardcover, 160 Seiten, farb. Abbildungen, dt.,
ISBN 978-3-99027-064-6

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? Kennst du Kunstwerke oder KünstlerInnen, die dieses Thema aufgreifen?

 

Quellen:

[1] Das Phänomen Great Pacific Garbage Vortex beschreibt die Ansammlung von Kunststoffmüll im Ozean und die Wirbel (lat. Vortex), die die kleinen Kunststoffteilchen zum Meeresboden transportieren, welche so ins Ökosystem gelangen.

[2] ROLLIG, Stella, Ein guter Tag, in: Reines Wasser. Die kostbarste Ressource der Welt, (Saalheft zur Ausstellung, 3.10.2014 – 15.2.2015, Lentos Kunstmuseum Linz), Linz, 2014, S. 28

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