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Da sitzt ein Schwein am Sofa! Nachhal(l)tige Kunst von Hartmut Kiewert

Schweine auf Sofas, Teppichen und Parkettböden – diese Bilder irritieren nicht nur kurzfristig die Wahrnehmung, sie haben das Potenzial unsere Sichtweise nachhaltig zu verändern. Künstler Harmut Kiewert befreit die Schweine…

Schweine auf Sofas, Teppichen und Parkettböden – diese Bilder irritieren nicht nur kurzfristig die Wahrnehmung, sie haben das Potenzial unsere Sichtweise nachhaltig zu verändern.

Künstler Harmut Kiewert befreit die Schweine aus „den menschengemachten Ausbeutungsarchitekturen“ und zeigt sie „an Orten, an denen sie üblicherweise nicht vorkommen, weil sie hinter den Wänden der Mastanlagen und Schlachthöfen verborgen bleiben“.

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Hartmut Kiewert, Sight Unseen 2, 2016, Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm

Soziale Konstrukte in Frage stellen

Dabei geht es nicht um die Vermenschlichung von Schweinen oder ein Plädoyer „für Schweine als ‚Haustiere'“, sondern der „Irritationsmoment, das Disparate der gezeigten Situation“ wird genutzt, um „die Kategorie ‚Nutztier‘ in Frage zu stellen“, so der Künstler.

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Hartmut Kiewert, Parkett II, 2011, Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm

Diese Kunst hat den Mut gesellschaftsrelevante Themen aufzugreifen und mit emanzipatorischer Kraft bezieht sie Stellung zu den thematisierten Problematiken. Für den herrschaftskritischen Künstler sollte „die Beziehung von Menschen zu Schweinen frei von Herrschaft und Ausbeutung sein und immer auf freiwilliger Basis geschehen“. Für die Realität bedeutet das: „Menschen sollten aufhören Schweine zu züchten, gefangen zu halten und zu töten.“

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Hartmut Kiewert, Nest, 2013, Öl auf Leinwand, 150 x 190 cm

Kiewerts Werkserie Utopia ist „die Verbildlichung einer möglichen, friedlichen Koexistenz und Interaktion auf Augenhöhe zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Tieren“.

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Hartmut Kiewert, Café, 2016, Öl auf Leinwand, 134 x 200 cm

Folgende drei Bilder hängen an meinen vier Wänden – über dem Sofa, beim Schreibtisch und in der Diele. Momentan sind es Poster – doch ich träume von den Originalen.

Emanzipatorische Kunst trifft Kunstgeschichte

Mit den Werke Im Freien und Evolution of Revolution verknüpft Kiewert seine Utopia mit kunsthistorischen Elementen. Im Jahr 1863 wurde der Maler Èduardo Manet vom französischen Salon zurückgewiesen, als er sein Gemälde Frühstück im Freien vorstellte, auf dem er eine nackte Frau mit bekleideten Männer auf einer Wiese Picknicken lässt.

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Édouard Manet, Frühstück im Freien, 1863, Öl auf Leinwand, 208 × 264 cm | Bild: Public Domain

Über 150 Jahre später rüttelt Kiewert an den herrschenden Konventionen, wenn in seinem Bild Im Freien „die Schweine nicht in der Kühltasche, sondern am Gehweg anzutreffen sind“.

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Nackte Frauenhaut wird in Kiewerts emanzipatorischer Kunst bedeckt. So auch im Bild Evolution of Revolution, es zeigt eine Neuinterpretation von Eugéne Delacroixs Die Freiheit führt das Volk an von 1830.

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Eugène Delacroix, Die Freiheit führt das Volk an, 1830, Öl auf Leinwand, 260 x 325 cm | Bild: Public Domain

Im Werk wird neben Schwein, Rind, Lamm und Geflügel auch das durch Edoardo Kac berühmt gewordene GFP Bunny (2000) aus der Knechtschaft des Menschen befreit. Der grüne Hase steht hier nicht als Symbol für BioArt, sondern repräsentativ für jegliche Verwendung von Tieren in der Kunst.

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Hartmut Kiewert, Evolution of Revolution, 2012, Öl auf Leinwand, 180 x 225 cm

Schweinerealitäten thematisieren

Es hat mich sehr berührt, als ich die dargestellte Szene zum ersten Mal sah und den dazugehörigen Werktitel las. Heute hängt diese Darstellung direkt über meinem Schreibtisch, sie motiviert und inspiriert mich dazu vorherrschende Schweinerealitäten zu erkennen, mich zu empören, Fragen zu stellen und darüber zu schreiben.

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Hartmut Kiewert, Wir verlassen die Erde, 2012, Öl auf Leinwand, 150 x 200 cm

Denkst du künstlerische Werke können unsere Sichtweise auf „Nutztiere“ verändern?

 

Website des Künstlers Hartmut Kiewert
Statement des Künstlers zu Theorie und Praxis seiner Maltechnik
Kolumnenbeitrag: Herrschaft und Gewalt im Fadenkreuz – Hartmut Kiewerts “Gewährsmänner”

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The Maker Project: Makes you feel at home

Zelte in allen Knallfarben und Größen stehen auf den Wiesen, vereinzelte Socken und vielleicht auch ein paar Handtücher hängen auf Seilen dazwischen. Kinder laufen mit nacktem Oberkörper durch die Gegend…

Zelte in allen Knallfarben und Größen stehen auf den Wiesen, vereinzelte Socken und vielleicht auch ein paar Handtücher hängen auf Seilen dazwischen. Kinder laufen mit nacktem Oberkörper durch die Gegend und spielen Ball, während die “Großen” relaxt mit der Gitarre und dem Trembalo in den Händen in den Stühlen lümmeln. Ich kann mir schon vorstellen, wie es hier im Sommer aussieht.

Doch jetzt ist der englische Winter im Anflug – und Maker Heights auf der Rame Halbinsel versinkt im Matsch und in der Düsternis der Wolken, die den schnellen Prasselregen bringen. Woran es dann wohl liegt, dass ich mich dennoch auf Anhieb zu Hause fühle?

“Komm, jetzt zeige ich meine zweite Heimat!”, so hat mich meine Gastgeberin Jo kurz vor meinem Abschied von ihrer Patchworkfamilie, von ihrem (buchstäblich) immer offen stehenden Haus und damit von Cornwall hierher mitgenommen. Zum Maker Project auf den Maker Heights, nur fünf Autominuten von ihrem Daheim entfernt. Und doch wieder eine andere Welt – genauso wie vor ein paar Tagen, als ich von Plymouth hier ins versteckte Eck Cornwalls und somit in eine andere, eine noch immer eine Spur “heilere” Welt gefahren bin.

Alternaltivcommunity, Veranstaltungsräume, Künstlerateliers, Platz für Ideen und die Umsetzer dieser, ein von Volunteers betriebenes Kaffeehaus, verlängertes Wohnzimmer – es ist schwer in nur eine Kategorie einzuordnen, was sich hier in den alten Gebäuden des Maker Projects verbirgt. Vor mittlerweile über 15 Jahren haben sich die ersten Leute angesiedelt, um die Mauern der früheren Baracken hoch über der Gemeinde Maker-Rame vor dem Abriss und den riesigen Grund vor der Bebauung mit Hochhäusern zu schützen. Maler, Musiker, Wedding Planner, Pferdehalter: Die Vielfalt derer, die sich hier eingemietet haben ist genauso bunt wie das 44,5 Hektar große Areal an sich. Dazu tragen natürlich die vielen Künstler bei, denn sie werden besonders vom Maker Project angezogen. “Es sind keine lukrativen Businesses, die hier zu finden sind,”, hat mir Jo bei der steilen Auffahrt erzählt, die aber nach einiger Zeit in den engen Rüttelstraßen Cornwalls harmlos erscheint, “doch wir nehmen gerade so viel ein, dass das Areal weiterhin uns gehört und wir es weiter bewirtschaften können.”

Wir, das sind die Mitglieder des Rame Conservation Trusts, die zwischen zehn (Single) und 25 (Familie) Pfund pro Jahr einzahlen (also zwischen zwölf und 31 Euro) , damit die Gebäude auf Maker Heights erhalten und bei Bedarf renoviert werden können. Profitieren dürfen aber alle, auch die, die sich nicht beteiligen: “Jeder kann nach Maker Heights kommen.”, erzählt mir Jo von freitäglichen Treffen der Gemeinde hoch über dem Dorf Millbrook selbst, von Livekonzerten und Festivals. Oder vom Bonfire am Samstag, das ich leider versäumt habe, weil auch in London und Umgebung einiges auf mich wartet.

Vorbei an Fußball spielenden Kindern, die sich – mit Gummistiefeln ausgerüstet – auch von der drohenden Regenwolke nicht abschrecken lassen, zeigt mir Jo weiter The Maker Project. “Im Winter setzt eine gewisse Faulheit bei den Künstlern ein.”, meint sie, die den nächsten Poetry Slam mitorganisiert, und fügt erklärend hinzu: “Die Gebäude sind in der Kälte einfach zu schlecht zu heizen.” Das ist vermutlich mit ein Grund, warum wir bei den Ateliers heute vor verschlossenen Türen stehen. Statt Kunst schauen wir uns deshalb lieber Jos selbst gebaute Jurte an. Auch das Nomadenzelt ist schon ausgeräumt und für den Winter vorbereitet: “Normalerweise sind hier ein Doppelbett, ein Kasten und Teppiche drin.”, beschreibt Jo das mongolische Riesenteil, das sie im Sommer Gästen zu Verfügung stellt.

Seit zwei Jahren kann man hier auf Maker Heights nämlich campen: Übernachten kann man im eigenen Zelt oder in einem der Campingwägen der DorfbewohnerInnen, die hier auch jetzt herumstehen. Oder eben in einer Jurte wie die von Jo. Einfach perfekt für meinen nächsten Besuch in Cornwall denke ich und bin restlos überzeugt, als ich mich im Blick aufs weite Meer und bis ins nahe Dartmore verliere.

“Schnell, der Regen kommt!”, reißt mich Jo aus meinen Träumereien. Und sie hat natürlich recht: Wir schaffen es gerade noch, die Tür hinter dem Maker Junction Café zu schließen. Es ist ohnehin einen Besuch wert: Es wird vor allem von Freiwilligen betrieben, die hier auf Maker Heights auch wohnen können. Zwei kleine Buben laufen in den üblichen zu großen Gummistiefel herum, eine Gruppe von vier Menschen sitzt beieinander und zeichnet, der Laptop liefert Chillout-Musik, an den Wänden werden Töpferworkshops, Bandproben und Co angekündigt, im Hinterraum laden Bücherregale und Billardtische ins verlängerte Wohnzimmer ein. Und während Jo schon wieder einmal eine ihrer zahlreichen FreundInnen getroffen hat, belohne ich mich an der Theke mit Kaffee und Kuchen: Gerade richtig, um auf das Ende des Regens zu warten und sich noch einmal so richtig „at home“ zu fühlen, im Maker Project…

 

Die Website über das Maker Project und den Rame Conservation Trust ist im Entstehen: www.themakerproject.org.uk

Ich befinde mich auf den Spuren des Reisebuchs “Eat-Surf-Live”. Wenn ihr mehr dieses Projekt erfahren und die beiden Autorinnen Katharina und Vera unterstützen möchtet, schaut auf startnextOffenlegung: Avis stellte mir für die Cornwall-Recherchereise ein Mietauto zu Verfügung. Herzlichen Dank dafür! Die Meinungen und Ansichten in den Geschichten bleiben die meinen.

3 Kommentare zu The Maker Project: Makes you feel at home

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