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Schlagwort: Gemeinschaft

Grün im großen weißen Norden: Anhaltende Kälte und Erfahrung mit Meetup

Als wollte Kanada mir zeigen wie kalt es hier sein kann, gibt der Winter das Land nicht für den Frühling frei, sondern hält es weiterhin mit kalten Temperaturen in seinem…

Als wollte Kanada mir zeigen wie kalt es hier sein kann, gibt der Winter das Land nicht für den Frühling frei, sondern hält es weiterhin mit kalten Temperaturen in seinem eisernen Griff. Noch immer sind Schal, Mütze und Handschuhe oberste Pflicht, wenn ich das Haus verlasse; immer noch muss ich mich mindestens dreimal am Tag eincremen und habe trotzdem trockene Haut; und noch immer warten wir alle sehnlich auf die Knospen an den Ästen und stabile Plusgrade. Mittlerweile haben auch die Kanadier genug von der Kälte und jeder, den ich treffe, erzählt mir, dass der Winter hier noch nie so lange angedauert hat. Bei diesen Temperaturen spielt sich das Leben nach wie vor hauptsächlich drinnen ab. Doch das bedeutet nicht, dass man alleine zu Hause hocken muss. Ich habe in der letzten Zeit verschiedenste Dinge erlebt. Eines davon war ein Meetup Treffen.

Meetup ist eine globale Plattform, die Menschen die Möglichkeit bietet, sich zu vernetzen. Doch dabei geht es nicht um eine rein digitale Vernetzung, wie beispielsweise bei Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien. Meetup möchte echte menschliche Begegnungen fördern und den Zusammenhalt von örtlichen Gemeinden stärken. In insgesamt 196 Ländern gibt es Meetup Gruppen zu allen möglichen Interessenbereichen. Man kann per Suchfunktion nach interessanten Gruppen stöbern oder ganz einfach eine eigene erstellen. Die Leiter einer Gruppe erstellen Termine für Treffen, beispielsweise gemeinsame Restaurantbesuche, Leseabende oder Ausflüge. Per Mausklick kann man sich eintragen und so Teil des nächsten Treffens werden.

Ich hatte vor meinem Aufenthalt in Kanada noch nie von Meetup gehört, obwohl diese Gruppen auch in vielen deutschen Städten existieren. Als ich vor einiger Zeit darauf stieß, machte ich mich gleich auf die Suche nach potenziell interessanten Gruppen. Es erschien mir eine gute Möglichkeit, Leute und neue Seiten der Stadt kennen zu lernen sowie sich über Themen auszutauschen, die mich interessieren. Ich suchte mir ein paar Gruppen zu den Themen vegane Lebensweise, Nachhaltigkeit, Meditation und gesunder Lebensstil und habe mich für einige Treffen eingetragen. Letzte Woche war ich bei meinem ersten Treffen der Gruppe Healthy Lifestyle. Der Treffpunkt war fresh, eine kleine vegetarische Restaurantkette mit vielen veganen Gerichten. Wir waren insgesamt zu siebt und studierten begeistert die leckere und vor allem größtenteils sehr gesunde Speisekarte. Das Essen war gut und ein Gesprächsthema reihte sich an das nächste.

MeetUp

Ich fand es schön, mich mit Fremden zu treffen, die dennoch alle ein gemeinsames Interesse haben. Ich habe sehr verschiedene Menschen kennen gelernt und Gespräche über gesundes Essen, Ernährungsweisen, Reisen, das Gesundheitswesen, biologischen Gartenanbau und über Fahrradfahren und die Relevanz von Helmen, Lebensmittelverschwendung und Unterschiede zwischen Europa und Kanada geführt. Nicht zuletzt hat auch das leckere Essen seinen Teil zu einem runden und bereichernden Abend beigetragen.

Morgen gehe ich zu einem veganen Brunch-Meetup einer anderen Gruppe. Auch darauf freue ich mich schon. Ich denke, dass beides einen Reiz haben kann. Es ist schön, interessante Gespräche mit fremden Menschen zu führen. Genauso schön stelle ich es mir aber vor, sich öfter mit der gleichen Gruppe zu treffen und eventuell sogar kleine Projekte auf die Beine zu stellen oder einfach nur eine entspannte Zeit miteinander zu verbringen. Man wagt sich also trotz der andauernden Kälte nach draußen; auch wenn sich diese Dinge zunächst noch vorwiegend drinnen abspielen. Aber der Frühling kommt bestimmt.

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Der Traum vom Ökodorf, das durch Europa rollt

„Wenn ich meine Träume nicht lebe, bin ich mir dann selbst treu?“ Dalida sitzt mir gegenüber in einem kleinen Wiener Café. Die Decke hat sie sich gegen die Kühle, die…

„Wenn ich meine Träume nicht lebe, bin ich mir dann selbst treu?“ Dalida sitzt mir gegenüber in einem kleinen Wiener Café. Die Decke hat sie sich gegen die Kühle, die von außen hereindringt, auf den Schoß gelegt, vor ihr dampft der wärmende Tee. Seit einigen Wochen sind wir zwei schon in Kontakt, endlich hat es auch mit dem persönlichen Treffen geklappt: Ich wollte sie kennen lernen, diese Frau, die sich dafür entschieden hat, ihre Träume zu leben.

Oder besser gesagt ihren Traum. Den vom Reisen. Aber nicht irgendwie, nicht irgendwann, nicht mit irgendwem: „Ich plane in der Gemeinschaft einer Gruppe durch Europa zu reisen, wie die Zigeuner und Nomaden von Ort zu Ort zu ziehen und dabei Städte, Dörfer, Menschen und die Natur aus einer anderen Perspektive als der gewöhnliche Tourist kennen zu lernen.“ Schritt für Schritt hat sich dieser Traum in ihr Leben geschlichen. Immer wieder hat die 46-jährige Mutter dreier Kinder ihrer allein stehenden Freundin geraten, auf Reisen zu gehen, diese Freiheit auszunutzen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Dalida beschlossen hat, selbst ihrem eigenen Rat zu folgen – denn es gibt schließlich nie den „idealen Zeitpunkt“, um die Träume zu leben: Sie stellt ihre Ideen online, auf einen Blog, verrät anfangs nur den engsten FreundInnen davon. Auch ihr Lebensgefährte weiß über lange Zeit nichts von ihren Plänen – er ist kein großer Träumer und darum war es ihrer Meinung nach besser, ihn erst einzuweihen, als die Pläne konkretere Formen annahmen. Mittlerweile ist er genauso eingeweiht wie der 9-jährige Felix, der die gebürtige Kroatin auf der Reise begleiten wird. Ein Jahr hat sie sich genommen, ein Jahr, das nach Schulende im Juli 2013 beginnen soll – und sich vielleicht auch mit einer anderen Reise kreuzt. Vielleicht, denn die genaue Route steht noch nicht fest: „Es soll sich der Traum jedes einzelnen Mitreisenden erfüllen.“ Ein Grund, warum es wichtig ist, sich möglichst von Anfang an am Planen und Umsetzen zu beteiligen und seine Wünsche einzubringen.

Mehr dazu erfahre ich in unserem Gespräch:

Welche Träume können wir leben? Foto: Dalida Horvath

Doris: Dalida, wie können wir uns deine Reiseidee vorstellen? 

Dalida: Ich plane in der Gemeinschaft einer Gruppe durch Europa zu reisen, wie die Zigeuner und Nomaden von Ort zu Ort zu ziehen und dabei Städte, Dörfer, Menschen und die Natur aus einer anderen Perspektive als der gewöhnliche Tourist kennen zu lernen. Im Mittelpunkt stehen ökologische Werte, Liebe zu Menschen, Tieren und Pflanzen, Leichtigkeit und Einfachheit, Freude und Lebenslust! Wir wollen so etwas wie „Fußabdrücke der Nachhaltigkeit und der Liebe“ hinterlassen.

Fix an Bord sind wir vier, inklusive meinem Sohn. Bei unserem letzten Treffen waren wir sechs Frauen und zwei Buben, wobei noch keine endgültigen Entscheidungen gefallen sind. Dann gibt es auch noch einige andere, die sich für das Projekt interessieren, aber bis jetzt noch nicht zu unseren Treffen kommen konnten. Wir wissen noch nicht genau, wie wir reisen werden. Das ist nicht so einfach…

Du sprichst von einem fahrenden Ökodorf, ein Bild, das ich sehr mag: Was zeichnet dieses Bild für dich aus?

Der Begriff „fahrendes Ökodorf“ ist spontan bei einem Gespräch mit einer interessierten Freundin entstanden. Als jede Menge Ideen in mir zu sprießen begannen, wollte ich alles mögliche in diese Reise hineinpacken: Unterwegs sein, ökologisch reisen, in Gemeinschaft reisen, selber Strom erzeugen und Gemüse anbauen… Viele Bilder entstanden, aber ich weiß noch nicht genau, wie es sich und was sich umsetzen lässt. Außerdem kommt es drauf an, was wir als Gruppe wollen.

Viele Bilder entstehen - und vergehen. Foto: Dalida Horvath

Hast du schon einmal eine längere Reise gemacht oder wie kam es zu der Idee?

Ich habe in meinem Leben schon einige Reisen unternommen, aber keine länger als ein Monat. Doch meistens fand ich die Reisen zu kurz. Letztes Jahr war ich einige Male unterwegs und musste mich jedes Mal überwinden, nach Hause zu fahren. Es war auch schwierig, mich wieder in den Alltag einzufinden. Der Drang zu reisen, unterwegs zu sein, ließ sich nicht mehr unterdrücken. Also habe ich auf mein Herz gehört und beschlossen, Reisegefährten zu suchen.

Was sind deine Erwartungen an das Nomadenleben?

Also Erwartungen habe ich keine, weil ich prinzipiell Erwartungen als hinderlich betrachte. Erwartungen verhindern, dass man offen für Neues ist. Man weiß doch nie, was am besten ist.

Wie lebst du jetzt: Auch in einem Ökodorf – oder hast du schon mal in einem gelebt?

Nein, in einem Ökodorf habe ich noch nie gelebt, obwohl ich schon seit 20 Jahren von einem Leben in Gemeinschaft träume. Ein klein wenig habe ich mir eine kleine Ökowelt geschaffen, da, wo ich lebe: Direkt an der Donau, in einer Kleingartensiedlung, mit einem eigenen Minigarten, in dem ich mein Gemüse anbaue und dem Gefühl der Natur richtig nahe zu sein.

Ein Ziel ist es, der Natur nahe zu sein - wie hier in Kroatien. Foto: Dalida Horvath

Gibt es ein Ziel hinter diesem Projekt? Wenn ja, wie lautet es?

Mein Ziel ist es, auf möglichst ökologische Art und Weise zu reisen, wobei wir als Gruppe bestimmen werden, was für uns ganz persönlich ökologisch machbar ist. In erster Linie wollen wir uns wohlfühlen und darauf schauen, dass unsere Bedürfnisse befriedigt werden. Unser Ziel ist es auch, das Leben in einfacher Form zu genießen, uns nicht von materiellen Gütern einengen zu lassen.

Du möchtest ohne Geld unterwegs sein – wie kann ich mir das vorstellen? Und wie stellst du dir das vor?

Meine ursprüngliche Idee ist, ohne Geld zu reisen und darauf zu vertrauen, dass auch uns gegeben wird, wenn wir bereit sind zu geben. Ich dachte daran, den Menschen unser Können zur Verfügung zu stellen, unsere Talente und selbstgeschaffenen Produkte anzubieten und im Gegenzug von Menschen das zu erhalten, was wir brauchen. Inwieweit oder in welcher Form das machbar ist, wollen wir erst besprechen. Ich kann dir nicht sagen, ob es tatsächlich ganz ohne Geld geht, da ich keinerlei Erfahrungen habe. Der Gedanke des Gebens und Teilens, ohne direkt etwas zu erwarten, gefällt mir allerdings sehr gut.

Was sind die nächsten Schritte – und vor allem die nächsten Herausforderungen?

Bei unserem nächsten Treffen wollen wir uns für eine passende Art des Transportmittels entscheiden. Da wir mit Kindern reisen wollen und diese zu Fuß oder mit dem Rad überfordert wären, wollen wir eine für alle geeignete Art des Reisens finden. Auch Pferde und Esel haben wir überlegt, doch da fehlt es uns an genügender Erfahrung mit diesen Tieren. Es gibt noch sehr viel zu tun, bevor wir losstarten können! Wobei beim nächsten Treffen ein Bekannter einer Bekannten dabei sein wird – und der hat einen ökologischen Bus als Transporter vorgeschlagen. Das wäre natürlich großartig, dann könnte ich auch meinem Sohn einen sicheren Rahmen bieten!

Gibt es ein Motto für die Reise?

Mir gefällt das Motto: Love in Action! Oder auch das Motto: Einfach Leben – einfach sein.

Danke, Dalida, für das Treffen und das Teilen deiner Träume! 

 

Hat sich Dalidas Traum erfüllt? Konnte sie ihre Reise in Gemeinschaft durch Europa umsetzen? Das erfährst du auf Dalidas Blog.

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Als Nomade leben, arbeiten und die Welt verändern? Es geht!

„Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen….

„Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen. Seit er 16 ist, ist er auf einer unternehmerischen Reise – als Nomade. „Ich schätze, ich kann mein Dorf in Moldawien Heimat nennen, aber da bin ich nur ein paar Wochen im Jahr.“ Den Rest der Zeit ist der „chronische Unternehmer und Aktivitätsjunkie mit sechs Start-Ups in Planung und großen Misserfolgen“ als selbst ernannter „Veränderungsagent“ unterwegs in ganz Europa, um positive, nachhaltige Projekte durchzuführen. Ich habe Tudor zu seinem Lebensstil und seinen Projekten befragt – und vielleicht inspirieren sie auch dich:

Doris: Tudor, du bezeichnest dich als „Nomade und Unternehmer“ – was genau machst du? 

Tudor: Ich habe meine unternehmerische Laufbahn gestartet als ich 16 war, während meiner Zeit auf dem College in Moldawien, als ich Wirtschaft studiert habe. Nach einigen Monaten kam mir der Gedanke, dass man die Seite der wirtschaftlichen Entwicklung nur dann verstehen kann, wenn man selbst ein Unternehmen gründet und zum Wachsen bringt. Das Konzept des Nomadentums kam 2011 dazu, als ich von Moldawien nach Rumänien übersiedelt bin und dort aktiv an lokalen und regionalen Treffen in Europa teilgenommen habe. Damals habe ich eine einfache Entdeckung gemacht: Du kannst mit deinem Unternehmen keine globale Auswirkungen haben oder haben wollen, wenn du nicht mit deiner Gemeinschaft in Kontakt bist, deine Märkte kennst, starke Netzwerke pflegst, kulturelle Hintergründe anschaust und das, was die Menschen bewegt, wo auch immer sie sind.

Jetzt bin ich dabei, ein Sozialunternehmen namens Dreamups zu gründen, ausgehend von Österreich. Das Team ist aber sehr international und besteht aus Nomaden.

Screenshot der Website Dreamups.

Dreamups ist im August 2012 gestartet, die Plattform möchte als eine Art „Bibliothek“ fungieren, in der jeder sein Buch/sein Wissen einbringen und mit Gleichgesinnten teilen und jeder alles Wissen übernehmen/ansehen kann. Alle Anweisungen aus der Bibliothek sind nachhaltige und mit Leidenschaft entwickelte Lösungen. Die Idee ist, Lösungen in einem simplen “do it yourself” Format zugänglich zu machen, um von lokalen Gemeinschaften und Individuen weltweit genutzt zu werden.

Foto: Tudor Tadev

Wann und warum hast du dich für ein Leben als Nomade entschieden?

Ich nenne es keine Entscheidung, es war mehr als Lebensstil, der sich über die Zeit entwickelt hat, als ich versucht habe, mich weiter zu bewegen, zu lernen und mein Netzwerk zu schaffen. Zumindest jetzt, wo ich mich um weniger Dinge kümmern muss und mehr Bewegungsfreiheit habe, möchte ich so viel wie möglich entdecken und gleichzeitig etwas Positives für die Welt kreieren.

Was sind die größten Herausforderungen und Chancen deines Lebensstils? 

Die größte Herausforderung sind wohl die Ressourcen – du hast keinen fixen Job und du musst ja von etwas leben, also musst du entweder als Freelancer gut sein, oder dein Start-Up läuft so gut, dass es deine Kosten deckt. Eine andere Herausforderung ist dein Können und das Vertrauen: Wie organisierst du deine Arbeit und einen Erfolg außerhalb eines normalen, geregelten Büroalltags, manchmal mit Menschen, die auf der anderen Seite des Ozeans leben? Sozial: Manchmal ist es hart, sich in eine lokale Gemeinschaft zu integrieren und alle Möglichkeiten zu entdecken, die sie für dich bietet. Das Geheimnis ist, den Fluss zu genießen, Menschen zu vertrauen und dich selbst jeden Tag zu fragen: Welchen Wert habe ich für andere geschaffen?

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Kannst du bitte deine Reise beschreiben? Die Landkarte auf deiner Website sieht spannend aus! 

Naja, die Landkarte ist einfach zu erklären: Ich habe einige Projekte in Moldawien, Rumänien und Österreich gegründet. Die restlichen Länder habe ich mehr für Gemeinschaftsprojekte, Konferenzen, Kongresse und zur unternehmerischen Forschung besucht. Andere wie die Niederlande oder Deutschland sind potenzielle Umfelder für zukünftige Entwicklungsprojekte. In den nächsten Jahren werden die Punkte auf der Landkarte rasant zunehmen, nachdem ich plane, jedes Jahr neue Länder anzuschauen, dort zu leben und innerhalb der Dreamups Gemeinschaft zu arbeiten.

Foto: Tudor Tadev

Du lebst gerade in Österreich – ist das das Ende deines Nomadendaseins oder bloß eine Pause? 

Der genaue Ort ist Dreamicon Valley, Siegendorf, eine halbe Stunde südlich von Wien. Da ist auch das Hauptquartier der Dreamups und der Platz, an den wir alle drei Monate zusammenkommen, um zu evaluieren und die nächsten Schritte für die kommenden drei Monate zu überlegen. Den Rest der Zeit bin ich unterwegs, um Möglichkeiten zu entdecken und positive Auswirkungen auf die Welt zu haben.

Was sind deine größten Projekte bisher, worauf bist du am meisten stolz? 

Eine meiner besten Erfahrungen war TEDxChisinau.com, ein großartiges Team und etwas, was ich geschafft habe, zum Wachsen zu bringen und dadurch Lösungen für die lokale Gemeinschaft zu schaffen. Jetzt führt Elena, eine Freundin aus Moldawien, das Projekt und sie übertreffen alle Erwartungen, die wir im ersten Moment hatten. Ich liebe das, was sie derzeit machen. Die zweite Sache sind meine Lebenserfahrungen, all die großartigen Menschen, die ich getroffen habe, und meine Bankrotterklärungen; sie haben meine Zukunft enorm bereichert. Das letzte und aufregendste ist mein neues Baby, Dreamups – eine globale Plattform für Menschen, um nachhaltige Lösungen zu entdecken und zu erschaffen. Es ist einfach riesig und ich freue mich sehr auf seine Entwicklung.

Foto: Tudor Tadev

Kannst du auch noch etwas Genaueres zu deinem neuen Projekt, einem Buch verraten? 

Die Arbeitslosenrate wird in Zukunft noch mehr werden, weil alles automatisiert und technologisiert wird. Dann können wir zu dem Moment kommen, wo Menschen in vielen Bereichen nicht mehr gebraucht werden. Aber es gibt einen Platz, wo man sie immer brauchen wird – in ihrer Gemeinschaft und der Familie. Ich stelle mir eine Zeit vor, wenn Menschen zu ihren Wurzeln zurück kommen und ein viel mehr von den Werten geprägtes Leben führen, zum Beispiel ihr eigenes Essen produzieren, Selbstgemachtes und Upcycling-Produkte nutzen. Es ist großartig zu begreifen, dass wir unsere Fähigkeiten außerhalb des Arbeitsmarkts einsetzen können und trotzdem unseren Lebensunterhalt verdienen und Mehrwert schaffen. Das wird der Moment sein, an dem jede Person ein Künstler, ein Erschaffer sein darf. Das Buch nennt sich “DO nomads” und wird eine interaktive Reise mit Aufgaben und Herausforderungen sein, die es zu meistern gilt, und deshalb wird die Erfahrung für jeden Leser einzigartig sein. Eine Geschichte in Echtzeit, die die Erfahrung anderer Menschen darstellt und Einblicke gibt, wie man Neues erschafft und diesen Weg meistert. Es ist eine Reise über vier Jahre, und ich hoffe, dass das Stück Kunst 2015 öffentlich zugänglich wird. Um zu verstehen, was ich sage, lest am besten Robots Will Steal Your Job, But That’s OK von Federi Pistono oder We Are All Artists Now von Seth Godin.

Danke, Tudor!

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Meine Lieblingsrezepte aus der Yoga-Küche auf Hawaii

„Essen ist mir ja normalerweise egal,“, sagt sie und schenkt mir dabei ein begeistertes Lächeln, „aber hier schmeckt es großartig!“ Ein schöneres Kompliment kann eine Köchin nicht bekommen, also serviere…

„Essen ist mir ja normalerweise egal,“, sagt sie und schenkt mir dabei ein begeistertes Lächeln, „aber hier schmeckt es großartig!“ Ein schöneres Kompliment kann eine Köchin nicht bekommen, also serviere ich diesem Gast gerne und mit stolzgeschwellter Brust eine extra Portion Salat. Schließlich habe ich als Freiwillige beim Kochen in der Yoga Community Kalani auf Big Island, Hawaii geholfen.

Mahlzeit - auf dem Lanai, dem Essensbereich in Kalani. Foto: Jess Scranton

Nun mag sein, dass im paradiesischen Umfeld von Hawaii alles besser schmeckt, doch nachgekocht kann man sich das fitte Urlaubsfeeling auch nach Hause holen. Deshalb haben mir die Köche und Köchinnen von Kalani hier einige ihrer veganen Lieblingsrezepte – jeweils für sechs Personen – verraten. Was für ein Zufall, dass es sich dabei auch um meine Highlights handelt.

Morgendliches: George’s Bio-Ahorn-Granola

Ob es daran liegt, dass Dessertchef George’s Granola bisher als „Geheimrezept“ unter Verschluss gehalten wurde oder daran, dass es einfach soooo köstlich ist: Die meisten Gäste fragen, wie man das Granola auch Zuhause auf den Frühstückstisch zaubert. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet:

600g Haferflocken, nicht gekocht
Jeweils 130g von mindestens vier dieser Zutaten:
– Pekannüsse
– Mandeln
– Pinienkerne
– Sonnenblumenkerne
– Kokosflocken
– Walnüsse
– Kürbiskerne
– Erdnüsse
– Sesam
1 ½ Teelöffel Zimt
1 Teelöffel Muskat
1 ½ Teelöffel Salz
90g brauner Zucker
2 Teelöffel Vanilleextrakt
1 Tasse Ahornsirup
150g Kokosöl oder Erdnussöl

Den Ofen auf 170 Grad vorheizen. Alles mit den Händen gut vermischen und dann auf einem Blech auflegen. Zusammendrücken, damit die Granola flach wird. Rund 20 Minuten Backen bis es braun wird, dazwischen nicht verrühren. Vollständig abkühlen lassen und schließlich in einem luftdichten Behälter aufbewahren.

Nichts für SuppenkasperInnen: Grüne Papaya Suppe

1 mittelgroße Zwiebel, geschnitten
2 Zehen Knoblauch, ebenfalls geschnitten
2 Esslöffel Ingwer
2 geschnittene Karotten
1 bis 2 grüne Papaya, geschält, entkernt und in Würfel geschnitten
1 bis 2 Esslöffel Kochöl
150g geschälte Tomaten, geschnitten
1 Teelöffel getrockneter Oregano
1 Teelöffel getrocknete Petersilie oder 1 Esslöffel frische Petersilie, gehackt
Meersalz zum Abschmecken
2 kg lange Reisnudeln (Sai Fun)
0,70 l Gemüsesuppe

Das Öl in einem Suppentopf erhitzen, darin die Zwiebeln anbraten, bis sie hellbraun sind. Karotten, Knoblauch und Ingwer dazu geben und für weitere drei Minuten erhitzen. Tomaten, Papaya und Kräuter hinzufügen. Danach mit der Gemüsebrühe aufkochen, die Nudeln dazu geben und für weitere 15 Minuten (oder bis die Nudeln fertig sind) kochen. Heiß servieren.

Variation: Man kann auch Spinat oder anderes grünes Gemüse hinzufügen. Mit grünem Zwiebel garnieren, Sprossen und Koriander oder Kresse beifügen.

Auf dem Bauernmarkt in Hilo gibt es übrigens eine andere empfehlenswerte Köstlichkeit aus grüner Papaya: Den Green Papaya Salad von Ratana’s Green Papaya Salad, einem kleinen Stand unter den anderen Essensshops. Ich habe ihn probiert – er ist köstlich!

Knackiges: Spinat- und Brunnenkresse-Salat mit Himbeer-Vinaigrette

300g Spinatblätter
60g Brunnenkresse
15g getrocknete Cranberries
15g geröstete Walnüsse
30g geschnittene rote Zwiebel
30g frische Himbeeren
8 Esslöffel Olivenöl
2 Teelöffel Sherryessig
1 Teelöffel Balsamico Essig
Salz und frisch geriebener Pfeffer

Für das Dressing den Essig und die Hälfte der Himbeeren in einen Mixer geben, dann mit Öl mischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Salatzutaten mit dem Rest der Himbeeren und dem Dressing abrühren. Sofort servieren.

Sowohl die Suppe als auch den Salat kann man als Vorspeise, als pūpū (so der hawaiianische Ausdruck) genießen. Oder einfach so, weil alles ʻono (= köstlich) ist!

Lasst es euch schmecken!

 

Mehr Rezepte aus der Yoga-Küche: The Many Flavors of Kalani Oceanside Retreat – a guide to heavenly cuisine by the kalani culinary arts team, Copyright 2009 via Kalani

Dieser Beitrag ist ein Vorgeschmack auf mein Reise-Buch über meine Zeit in der Yoga-Community auf Hawaii. Darin gibt’s noch mehr Rezepte und vor allem viele „Schmankerl“ von Big Island und den anderen Inseln: Hawaii – zwischen Yoga, Lava und Kochtöpfen. Drei Monate in einer Community auf der Trauminsel

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Donauwandern: Einladung zum Mitmachen!

„Liebe Doris, vielleicht könnte dich unser Projekt interessieren…“, Mails wie dieses von Helene flattern nicht jeden Tag in meine Inbox. Wenn, dann sind sie aber meist eine Beachtung wert, am besten…

„Liebe Doris, vielleicht könnte dich unser Projekt interessieren…“, Mails wie dieses von Helene flattern nicht jeden Tag in meine Inbox. Wenn, dann sind sie aber meist eine Beachtung wert, am besten noch eine nähere – und so war es auch diesmal.

Hallo, hier bin ich! Meinen vom Aufenthalt in Werfenweng prall gefüllten Rucksack ins Eck werfend – zum Auspacken Zuhause war keine Zeit, ich komme direkt vom Zug – schaue ich in um die zwanzig Augenpaare, neunzehn davon mir persönlich unbekannt. So sieht sie also aus, die Gruppe „engagierter Menschen, die eine nachhaltige Entwicklung im Donauraum initiieren“ will und mich – mit genanntem Anfangsmail – zu einem ersten Treffen in Wien geladen hat.

Lang dauert das gegenseitige Anstarren nicht, die Schweigepause ebenso wenig. Schon wird wieder los besprochen und werden Ideen getauscht  – es gibt viel zu tun, zu viel. Die Einleitungsrunde der bunt zusammen gewürfelten Gruppe aus Interessierten und „den üblichen Verdächtigen“ aus der alternativen Szene, habe ich leider versäumt. Brocken für Brocken setzen sich die Puzzlesteine dann aber doch zusammen: Helene und derzeit vier bis fünf andere wollen zwischen März und Oktober 2013 entlang der Donau vom Schwarzwald bis ans Schwarze Meer. Wandern, Radeln, ja, sogar per Boot ist angedacht – oder anders gesagt: 14 Länder und 3.000 Kilometer in sechs Monaten. Und jede(r), der möchte ist eingeladen, dieses Kernteam zu begleiten – einige Tage, ein paar Wochen oder vielleicht sogar Monate. (Anmerkung: Me, me, me!!!)

Aber es geht nicht nur darum, unterwegs zu sein oder andere Menschen kennen zu lernen. Die Truppe um den Deutschen Johannes, der mit seiner ThinkCamp nonprofit co-operative federführend dabei ist, möchte gemeinsam zukunftsfähige Ideen entwickeln und umsetzen. Es soll eine „Lernreise“ werden, bei der sich nachhaltige Initiativen vernetzen und von einander profitieren können.

Flyer werden verteilt. Worte prasseln auf mich ein: Clouds, Forums, Triz, Streams und viele mehr. Alles unklar? Nicht ganz. Klar ist, dass gerade an einer Online-Plattform, einer Cloud, zum Austausch, zum von einander Lernen, zur gegenseitigen Vernetzung und zur Diskussion mit Interessierten sowie ExpertInnen gebastelt wird. Klar ist, dass von der Wanderung auch gebloggt und laufend berichtet werden soll. Klar ist außerdem, dass neben der virtuellen Verbindung an jeder Station der Reise – von Zürich bis in die Ukraine – eine Konferenz stattfinden wird: Ein Meeting, ein Festival, ein Zusammentreffen, ein Forum für 200 bis 300 Menschen, bei dem diese nachhaltige Projekte präsentieren, sich austauschen und miteinander verbinden können.

„During this learning journey through 14 countries we share our ideas, brains, heart, soul and energy with other like-minded people.“ (Folder von unaVision)

3. April Augsburg, 19. April Regensburg, 9. Mai Melk. Termine und Lokalitäten für die Konferenzen stehen bis Budapest fest. In Wien ist nicht nur der 24. und 25. Mai reserviert, auch die Location ist bereits fix: Die Konferenz findet in der Seestadt Aspern statt. Gut, denn kaum ein Ort könnte sich besser für ein Nachhaltigkeitsmeeting dieser Art eignen als dieses größte Stadtentwicklungsprojekt Wiens, in dem das Miteinander aller Gegensätze – von Jung bis Alt, von Reich bis Arm – geübt wird! Datum, Ort – check! Anders das Programm. Dass es vor allem ums nachhaltige Wohnen und Leben gehen wird, das bringen die Räumlichkeiten mit sich. Aber was dann? Genau das zu erarbeiten, das ist eine der Herausforderungen – eine für dieses WIR, das sich plötzlich aus diesem bunt zusammen gewürfelten Haufen bildet. Und ich mitten drin!

Es ist darüber hinaus eine Herausforderung für alle anderen Stationen der „Donauwanderung“: In jedem Ort wird gerade ein Regionalteam entwickelt, das für die Treffen zuständig ist. Glücklicherweise muss nicht überall das Rad neu erfunden werden. So stehen zum Beispiel Gespräche mit den OrganisatorInnen des SLAMA Festivals in Kroatien an, um bei diesem nachhaltigen Festival für „kreatives Bewusstsein“ ein Forum abzuhalten. Wie es der Zufall will, planen Helene und Co nämlich genau zu dem Zeitpunkt in Kroatien zu sein.

Genau solche Zu- und Glücksfälle braucht unaVision – genauso wie Interessierte, Engagierte und Neugierige, die sich der Wanderung selbst anschließen, an den Regionaltreffen mitarbeiten, ein Treffen besuchen oder während der Wanderung bloggend/dokumentierend tätig sein möchten, eine nachhaltige Initiative in den Orten kennen oder einfach „nur“ die Idee verbreiten wollen.
Also, wer wandelt und wandert mit uns ein Stück die Donau lang?

 

Alle, die das Thema anspricht, melden sich bitte auf der unaVision Plattform oder der Facebook-Gruppe.

Daneben entsteht gerade ein paralleles Projekt, bei dem ein gemeinsames Kochen mit den nachhaltigen InitiatorInnen auf dem Programm steht, ein Plaudern aus dem Kochtopf statt aus dem Nähkästchen. Herauskommen soll – nach dem Vorbild beziehungsweise dem Anstoß von „Kreuzberg kocht“ – ein Kochbuch. 

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Meditation in der U-Bahn: Augen zu und – Stille!

„Reumannplatz! Achtung, Türen schließen!“, so die Stimme in den Wiener Linien. Wie auf Kommando gehen nicht nur die Türen der U-Bahnlinie U1 zu, sondern es schließen sich auch die Augen…

„Reumannplatz! Achtung, Türen schließen!“, so die Stimme in den Wiener Linien. Wie auf Kommando gehen nicht nur die Türen der U-Bahnlinie U1 zu, sondern es schließen sich auch die Augen meiner SitznachbarInnen. Ein paar Fotos später mache ich es ihnen gleich und versinke ebenfalls in der Stille. Schließlich sitze ich genau deshalb hier: Nicht, um von A nach B zu kommen, sondern um beim fünften UrBan Meditation Flashmob mit 21 anderen das gemeinsame Meditieren in der U-Bahn zu erleben.

Sich mit einer Gruppe zu treffen, um gemeinsam zwischen Anfangsstation und Endhaltestelle in der U-Bahn demonstrativ die Augen zuzumachen und zu meditieren? Als ich vor einigen Monaten von der Idee gehört habe, war ich wenig begeistert. Für mich ist Meditieren etwas Stilles. Etwas Privates. Etwas, das ich nicht zur Schau stellen möchte. Warum sollte ich das dann mit anderen in der U-Bahn tun?

Aber neugierig wie ich bin, wollte ich das Ganze einmal ausprobieren: Und endlich, letzten Donnerstag hat es geklappt.

Ich war überrascht! Davon, wie selbstverständlich und natürlich diese Reise in die Stille war. Kein lautes Zur-Schau-Stellen, kein Beweisen-Wollen. Ich habe einfach in der U-Bahn die Augen geschlossen, versucht, bei mir zu bleiben und mich durch die Handy-Streitgespräche neben mir genauso wenig ablenken zu lassen wie durch Gedränge in der Hauptverkehrszeit. Dass ich das zufällig zeitgleich mit anderen getan habe, das ist wohl bloß den anderen Mitfahrenden aufgefallen – wie mir die skeptischen Blicke meines Gegenübers beim Aussteigen aus der U-Bahn verraten haben.

„Innehalten. Vorleben. Inspirieren.“, so beschreibt Shaohui, der Gründer von iMeditate, der selbst regelmäßig Atem- sowie Achtsamkeitsmeditation (Vipassana-Meditation) praktiziert, seine Initiative. Warum er Meditieren zum „Volkssport“ machen möchte, und wie er das mit dem Lärm in der U-Bahn sieht, das verrät er mir im Interview:

Doris: Shaohui, wie kamst du auf die Idee zu iMeditateVienna?

Shaohui: Zuerst war die Idee der U-Bahn-Flashmobs. Sie entstand im April 2012 während des zweiten Moduls des Lerngangs „Pioneers of Change„. In jenem Modul ging es darum, mit Prototypen nach außen zu treten. Inspiriert von dem kreativen Aktionismus der Pioneers wurde in mir der Impuls ausgelöst, Meditations-Flashmobs in der U-Bahn zu organisieren. Das Ziel dieser Aktionen ist es, mit Meditation und Stille einen bewussten Kontrastraum zu Hektik, Ablenkung und Anspannung zu schaffen.

Aus diesem Impuls wurde dann die Idee geboren, Meditation als „Volkssport“ zu etablieren und sie einer breiteren Masse zugänglich zu machen. In diesem Prozess ist iMeditateVienna als Name für diese Bewegung entstanden. Inspiriert zu dem Namen hat mich die Meditationsbewegung „I Meditate NY“ in New York, auf die ich im Internet gestoßen bin.

Was ist für dich Meditation?

Meditation ist für mich ein bewusstes mit mir selbst in Verbindung gehen und meine Achtsamkeit auf das, was im gegenwärtigen Moment präsent ist, zu richten. Dabei beobachte ich meinen Atem, meine Körperempfindungen, meine Emotionen, meine Sinneswahrnehmungen oder meine Gedanken ohne sie zu bewerten und an ihnen anzuhaften.

Meditation kenne ich vor allem in der Stille und für sich: Ist es nicht ein Widerspruch, diese Form der Reise nach Innen im öffentlichen Raum zu praktizieren und somit zur Schau zu stellen?

Ich sehe für mich keinen Widerspruch. Meditation ist für mich eine innere Haltung, wie ich dem Leben begegne. Mir geht es darum, den Alltag als Übungsfeld für Meditation zu entdecken und anzunehmen. Wenn ich zuhause auf meinem Meditationskissen sitze, übe ich in äußerer Stille. Wenn ich unterwegs in der U-Bahn sitze, übe ich mich in innerer Stille. Hier möchte ich gerne ein Zitat von Eckhart Tolle einbringen: Jeder störende Lärm kann ebenso hilfreich sein wie äußere Stille. Inwiefern? Wenn du den inneren Widerstand gegen den Lärm aufgibst, so dass er sein darf, wie er ist, führt dich dieses Annehmen auch in den Bereich des inneren Friedens, der inneren Stille.“ Der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh sieht keine Trennung zwischen dem formellen Sitzen in Stille und der Achtsamkeitspraxis im Alltag. Er hat fünf konkrete Achtsamkeitsübungen für den Alltag formuliert, wie zum Beispiel aufmerksames Zuhören oder achtsamer Konsum.

Hast du ein besonderes Erlebnis auf der Reise nach Innen gehabt, das du als Schlüsselmoment für dich bezeichnen würdest? 

Bei meiner ersten Begegnung mit Meditation 2006, während eines Zehn-Tage-Vipassana-Retreats in einem Kloster in Thailand, hatte ich am siebten Tag einen kurzen Moment eines Vertiefungszustands. Eine intensive Freude, wie ich sie noch nie empfunden habe, ist durch meinen Körper geströmt. Dieses Erlebnis hat mich neugierig gemacht, mich selbst und meine innere Natur mit Meditation zu erforschen. Ein anderes Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren bei einer Vipassana-Meditation. Ich habe eine tiefe Präsenz erfahren und meine Sinneswahrnehmungen waren von intensiver und klarer Qualität.

Was sind deine nächsten Pläne? Ich habe davon gehört, dass du Wien als Meditationshauptstadt positionieren möchtest. 

Die nächsten Pläne sind für mich meine Vision einer „achtsamen“ Stadt niederzuschreiben. Darunter verstehe ich eine Kultur der Achtsamkeit im Miteinander und öffentliche Orte des Rückzugs für Stille und Meditation in der Stadt. Mit dieser Vision will ich konkret Initiativen und Leute, die öffentliche Meditationen machen oder Stille in den öffentlichen Raum bringen, einladen um daraus einen gemeinsamen Traum zu entwickeln. Außerdem arbeite ich gerade an meiner Idee, ein internationales Festival für Meditation und kontemplative Künste in Wien auf die Beine zu stellen. Dies würde sich wunderbar dafür eignen, die Stadt Wien als „Hauptstadt der Meditation“ international zu bewerben.

Wie sind die Reaktionen der Leute bei den Flashmobs?

Die Leute reagieren mit Dankbarkeit, Begeisterung und großem Interesse. Ich habe das Gefühl mit Meditation im öffentlichen Raum das Bedürfnis vieler Menschen gerade im urbanen Alltag nach Entschleunigung, nach Innehalten und nach Zurück-zu-sich-Selbst-finden anzusprechen. Eine schöne Reaktion bei den Flashmobs hatten wir einmal bei einer Schülerin gesehen, die zugestiegen war und einen iMeditateVienna Flyer in die Hand gedrückt bekam. Als ein Sitzplatz frei wurde, setzte sie sich nieder und meditierte bis zur Endstation mit. Beim Aussteigen fragte sie noch nach weiteren Flyern.

Riesig gefreut hat mich auch folgender Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin: „Es war sehr berührend für mich, dabei zu sein! Nach dem Einstieg in Hütteldorf versank der Waggon, in dem wir uns befanden, von Augenblick zu Augenblick mehr in Freude. In Schönbrunn war ich so berührt von dieser liebevollen Stille-Welle, in die ich mich eingehüllt fühlte, dass ich Tränen in den Augen hatte. Fahrgäste, die einstiegen, irritierten das Energiefeld – oder waren es wir selber, die sich irritieren ließen? Ich weiß es nicht, ich spürte nur, dass die „Neuen Unbekannten“ bis zur nächsten Station integriert waren. Bis Heiligenstadt ist dann die Zeit stehen geblieben, weil wir maximal zehn Minuten min unterwegs waren. Jetzt, drei Stunden später, strahlt noch immer alles in mir Ruhe, Liebe, Glück und Entschlossenheit aus. Entschlossenheit, solche Kräfte und Initiativen weiterhin zu stärken! Danke!“

Ich sage auch Danke für deine Antworten, Shaohui! Und wir sehen uns wieder, beim Meditieren in der U-Bahn!

2 Kommentare zu Meditation in der U-Bahn: Augen zu und – Stille!

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