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Schlagwort: Fotografie

KUNST HALLT NACH: Kunst und Nachhaltigkeit? Reines Wasser – Die kostbarste Ressource der Welt

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? In meiner Kolumne stelle ich mir unter anderem diese Frage. Den Auftakt dieser Entdeckungsreise bildet ein Besuch der von Stella Rollig und Magnus…

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? In meiner Kolumne stelle ich mir unter anderem diese Frage. Den Auftakt dieser Entdeckungsreise bildet ein Besuch der von Stella Rollig und Magnus Hofmüller kuratierten Ausstellung „Reines Wasser. Die kostbarste Ressource der Welt“, die bis 15. Februar 2015 im Lentos Kunstmuseum Linz geöffnet hat.

Wasser macht sauber, glücklich und gesund, ist überlebensnotwendig und wirtschaftlich interessant. Wasser steht im Fokus der künstlerischen Werke von insgesamt 58 KünstlerInnen und KünstlerInnengruppen, die in der Ausstellung präsentiert werden.

Eine riesige Fotografie von Daniel Canogar (siehe Titelbild) katapultiert das Thema Wasserverschmutzung mit einem Schlag in die Ausstellungsräumlichkeiten. Inspiriert vom Great Pacific Garbage Vortex [1] zeigt das Foto unter anderem Trink- und Waschmittelflaschen, Getränkedosen und Plastiktaschen, die in helltürkisem Wasser schwimmen, mitten darin zirka 55 Personen.

The Yes Men, B'EAU-PAL, 2009, mixed installation | © The Yes Men

Bild: The Yes Men, B’EAU-PAL, 2009, mixed installation | © The Yes Men

Eine attraktiv wirkende, jedoch fiktive Wassermarke ließen The Yes Men entstehen. Die Installation thematisiert einen schrecklichen Chemieunfall im Jahre 1984 im indischen Bhopal. Im Zuge ihrer künstlerisch-aktionistischen Aktion wurde die Nachricht verbreitet, der Chemiekonzern Dow Chemical wäre bereit, Entschädigungen an die geschädigten Menschen zu bezahlen. Die Verantwortlichen des Chemiekonzerns waren gezwungen, die angekündigten Entschädigungszahlungen in der Öffentlichkeit zu dementieren.

Das einundzwanzig Minuten dauernde Video „Flooded Mc Donald’s“ von Superflex, zeigt eine menschenleere, nachgebaute Mc Donald’s Filiale, die langsam mit Wasser überflutet wird. Von vormals knusprigen Pommes bis zum bunten Kinderspielzeug wird alles vom langsam ansteigenden Wasser erfasst – Kurzschlüsse bei elektrischen Geräte und immer trüberer werdendes Wasser sind die Folge. Thematisiert wird der Klimawandel. Mc Donald’s als weltgrößter Rindfleischproduzent hat hier wohl einiges zu verbuchen.

Wie eng Kunst mit Tierschutz zusammenhängen kann, kommt mit dem Werk „Freitagsessen“ von Klaus Rinke – wohl unbeabsichtigt – zum Ausdruck. Dazu zwei Bilder seiner Installation.

Klaus Rinke, Freitagessen, 1987, Wassertisch (mit 12 Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Bild: Klaus Rinke, Freitagsessen, 1987, Wassertisch (mit 12 Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Klaus Rinke, Freitagessen, 1987, Wassertisch (ohne Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Bild: Klaus Rinke, Freitagsessen, 1987, Wassertisch (ohne Karpfen), 13 verschieden konstruierte Stühle, Lichtuhr | © Photo by Reinhard Haider

Neben der Objektbeschriftung zum Werk „Freitagsessen“ ist in der Ausstellung folgender Hinweis zu lesen: „In der ursprünglichen Version von 1987 enthielt der Tisch 12 lebende Karpfen. Dies ist aufgrund des heute geltenden österreichischen Tierschutzgesetzes nicht möglich.“ Neben der Installation wird eine Videoaufnahme von den im Tisch schwimmenden Fischen gezeigt, bevor diese entfernt wurden.

„Hast du heute schon genug getrunken?“ Positiv und mit einer klaren Handlungsanweisung endet die Ausstellung mit einer „Hommage an den Genuss“ [2] von frischem und sauberem Wasser, das nicht selbstverständlich aus der Wasserleitung kommt. Das Lebenswerk von Peter Dreher umfasst um die fünftausend Gemälde von demselben Wasserglas, um die 50 wurden in der Ausstellung gezeigt.

Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, Das Glas, 1974 bis heute, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm | Courtesy WAGNER + PARTNER. © Bildrecht, Wien 2014

Bild: Peter Dreher, Tag um Tag guter Tag, Das Glas, 1974 bis heute, Öl auf Leinwand, 25 x 20 cm | Courtesy WAGNER + PARTNER. © Bildrecht, Wien 2014

„Zu zeigen, dass Wasser weit mehr ist als Mittel zum Zweck“ [2] ist Anliegen dieser Ausstellung, die meinem Eindruck nach behutsam versucht, die Menschen an ein Thema heranzuführen, dass gesellschaftskritisches Potenzial und politischen Sprengstoff in sich trägt.

 

Katalog-ReinesWasser

Stella Rollig, Magnus Hofmüller (Hrsg.)
REINES WASSER. Die kostbarste Ressource der Welt. Publikation zur Ausstellung im LENTOS Kunstmuseum Linz Jung & Jung Verlag
Hardcover, 160 Seiten, farb. Abbildungen, dt.,
ISBN 978-3-99027-064-6

Was hat Kunst mit Nachhaltigkeit zu tun? Kennst du Kunstwerke oder KünstlerInnen, die dieses Thema aufgreifen?

 

Quellen:

[1] Das Phänomen Great Pacific Garbage Vortex beschreibt die Ansammlung von Kunststoffmüll im Ozean und die Wirbel (lat. Vortex), die die kleinen Kunststoffteilchen zum Meeresboden transportieren, welche so ins Ökosystem gelangen.

[2] ROLLIG, Stella, Ein guter Tag, in: Reines Wasser. Die kostbarste Ressource der Welt, (Saalheft zur Ausstellung, 3.10.2014 – 15.2.2015, Lentos Kunstmuseum Linz), Linz, 2014, S. 28

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Wo sich Fuchs und Biber gute Nacht sagen

Die Zähne werden im Kampf gefletscht: Wer ist der Stärkere? Wer kann den ausgelatschten Schuh, den ein Wanderer vor Urzeiten hier verloren hat, an sich reißen? Es ist der alles…

Die Zähne werden im Kampf gefletscht: Wer ist der Stärkere? Wer kann den ausgelatschten Schuh, den ein Wanderer vor Urzeiten hier verloren hat, an sich reißen? Es ist der alles entscheidende Moment. Und ausgerechnet in diesem werden die beiden Fuchswelpen, die sich hier spielerisch aneinander messen, ertappt. Ein Schnappschuss, wie er wohl nur in einem versteckten Winkel eines Waldes auf dem Land oder im Zoo gelingt. Dachte ich. Doch die Initiative Wiener Wildnis beweist das Gegenteil. Mitten in der Großstadt Wien mit ihren fast zwei Millionen EinwohnerInnen findet das Team rund um die Initiatoren, das international bekannte Fotografenehepaar Georg Popp und Verena Popp-Hackner, nicht nur die beiden Fuchswelpen, sondern Biber, Hasen, Rehe, Igel und natürlich unzählige Vögel. Diese „eindrucksvolle urbane Natur Wiens“ (O-Ton Website) möchte das Projekt seit November 2012 den WienerInnen und BesucherInnen der Hauptstadt multimedial näher bringen.

Mehr als 50 Prozent Wiens ist Grünfläche. Auf jeden Bewohner der Stadt fallen rund 120 Quadratmeter Grünfläche. 2.300 Hektar der Lobau, die wiederum ein Drittel des Nationalparks Donau-Auen abdeckt, und 9.900 Hektar des Wienerwalds sind im Wiener Stadtgebiet zu finden. Und in Letzterem gibt es um die 2.000 verschiedenen Pflanzen- und 150 Brutvogelarten. Dass Wien mit seinen Parks, den Gartenanlagen und überall entstehenden Urban Gardening Projekten ziemlich grün ist, ist kaum zu übersehen und macht die Stadt nicht nur für mich besonders lebenswert. Die Eckdaten, die auf der Website der Wiener Wildnis nachzulesen sind, sind aber dann doch noch einmal beeindruckend. Und nachdem ich es liebe, die verschiedensten Seiten meiner Wahl-Heimatstadt zu entdecken – habe ich den Koordinator Michael Ganzwohl zum Projekt befragt.

Neulich am Donaukanal: Biber haben fast alle Reviere der Großstadt besiedelt, Foto © Wiener Wildnis / Popp-Hackner

Neulich am Donaukanal: Biber haben fast alle Reviere der Großstadt besiedelt,
Foto: Wiener Wildnis / Popp-Hackner

Doris: Was genau ist euer Ziel, was steckt hinter der Wiener Wildnis?

Michael: Wir wollen durch unseren Multimediaansatz neue Eindrücke der Stadt zeigen, die so den meisten Menschen nicht bekannt sind. Dadurch führen wir letztendlich zu Themen, Awareness und schlussendlich Engagement. Wir wählen dazu die Visualisierung als Dreh- und Angelpunkt für die Botschaften, die wir vermitteln wollen. Die heutigen Kommunikationswege sind ja bereits stark auf das schnelle Konsumieren ausgerichtet, erst wenn die Hürde des „Wegzappens“ genommen ist, beginnt die nähere Beschäftigung mit einem Thema. Fotografie oder kurze Videos bieten sich an, Menschen zu fesseln und darauf basierend kann nachhaltiges Interesse geweckt werden.

Ein Feld beim Alberner Hafen (11. Bezirk) im Hochwasser. Am Feldrand blühende Mohnblumen waren zum Teil komplett unter Wasser, manche ragten noch durch die Oberfläche. Foto: © Wiener Wildnis/T. Haider

Ein Feld beim Alberner Hafen (11. Bezirk) im Hochwasser. Am Feldrand blühende Mohnblumen waren zum Teil komplett unter Wasser, manche ragten noch durch die Oberfläche.
Foto: Wiener Wildnis / T. Haider

Was sind eure liebsten Stücke Wiener Wildnis – Plätze, Motive? Woran könnt Ihr euch nicht satt sehen?

Es ist aus meiner Sicht nicht so sehr der eine Platz oder ein besonderes Tier, an dem man sich nicht satt sehen kann. Es ist der Blick, den man entwickelt, wenn man sich mit der Thematik auseinandersetzt. Ich als Projektkoordinator bin ja nicht ständig in Wien unterwegs so wie die Wiener Wildnis Fotografen. Aber wenn ich sie begleite oder selbst mit meinen Kindern unterwegs bin, so ist es schlussendlich die Stadt selbst, an der man sich nicht satt sehen kann – weil man eben ständig neue Perspektiven erkennt, anders hinsieht und noch in den kleinsten Ecken die Eroberung der Stadt durch Fauna und Flora erkennt. So wird jeder Ausflug eine Entdeckungsreise.

Igel gehören zu den echten Nachtschwärmern in der Stadt, die man – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nur zur dunklen Nachtzeit antreffen kann. Foto: © Wiener Wildnis / M.Graf

Igel gehören zu den echten Nachtschwärmern in der Stadt, die man – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nur zur dunklen Nachtzeit antreffen kann. Foto: Wiener Wildnis / M.Graf

In wie weit wollt ihr auch aufrütteln – einige Beiträge sind ja sehr stark umweltschützend unterwegs?

Vorab: Wir wollen ein positives Bild der grünen Metropole Wien zeichnen. Wien wird ja regelmäßig als eine der lebenswertesten Städte der Welt ausgezeichnet. Die bekannte Mercer-Studie beispielsweise, vergibt seit Jahren Bestnoten in der Kategorie „Quality of Life“. Das wollen wir vor allem zeigen. Unsere Beiträge sind also eher „umweltzeigend“ als „umweltschützend“. Aber selbstverständlich streifen wir bei unseren Beiträgen auch an sensible Bereiche an der Schnittstelle zwischen Mensch und Natur an. Diese wollen wir keinesfalls aussparen, aber neutral zeigen. Wir trauen es den Menschen durchaus zu, sich dann ein eigenes Bild zu machen.

Wie kann man eurer Meinung nach Wiener Wildnis am besten entdecken?

Einfach die nächste Straßenbahn nehmen und die Augen offen halten… Wir geben auch regelmäßig Ausflugstipps im Rahmen unserer Homepage-Beiträge (Rubrik „Location“ unter Berichte).

Die Donau ist ein Paradies für Tiere - und dafür, Wildnis zu fotografieren. Foto: Wiener Wildnis

Die Donau ist ein Paradies für Tiere – und dafür, Wildnis zu fotografieren. Foto: Wiener Wildnis

Wie kann man bei euch mitmachen?

Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, um die echten Juwelen abseits der bekannten Hotspots, zu erfahren. Auf der Homepage wienerwildnis.at können Location-Hinweise abgegeben werden oder direkt auf wienerwildnis@wienerwildnis.at. Auch auf Facebook wird bereits fleißig mitdiskutiert und kommentiert. Wir wünschen uns, im Forum Geschichten über die Stadt, über den Bezirk, über das eigene „Grätzl“ zu lesen, wenn möglich mit Fotodokumentation von Begegnungen mit der urbanen Natur.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wer direkt in die Wiener Wildnis eintauchen möchte, wird in Zukunft die Möglichkeit haben mit uns im Rahmen von Exkursionen und Workshops durch die Stadt zu streifen. Der Fokus wird dabei sowohl auf dem Naturerlebnis als auch auf der Fotografie liegen. Das ist aber noch in Planung, und wir werden darüber noch detaillierter informieren. Weiters sind AV-Shows und Ausstellungen geplant. Das langfristige Ziel für Wiener Wildnis ist eine Plattform für die urbane Natur Wiens zu etablieren.

Danke für das Gespräch – ich freue mich auf mehr Wiener Wildnis!

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