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Schlagwort: Einheimische

Beduina für einen Tag

„Du bist jetzt eine Beduina“, sagt der Mann in Weiß und drückt mir drei Küsse auf die Wangen. Es ist keine fünf Minuten her, dass ich mich von meinen zu…

„Du bist jetzt eine Beduina“, sagt der Mann in Weiß und drückt mir drei Küsse auf die Wangen. Es ist keine fünf Minuten her, dass ich mich von meinen zu FreundInnen gewordenen KollegInnen verabschiedet habe, am Visitor Center in der jordanischen Steinwüste Wadi Rum. Und jetzt, jetzt sitze ich mit Odeh, seines Zeichens Beduine und Bewohner des gleichnamigen Dorfs, in seinem Jeep. Es geht ins „richtige Wadi Rum“, dorthin, wo – abgegrenzt von den 73% der JordanierInnen palästinensischer Herkunft – ein Teil der ursprünglichen Bevölkerung lebt, mit Kamelen, Schafen, Ziegen und natürlich TouristInnen ihr Geld verdient.

Zumindest war es so, bis die jordanische Regierung 2003 das Visitor Center an den Eingang von Wadi Rum gebaut haben. Seither werden zahlreiche TouristInnen, die vor allem aus Europa und den USA kommen, auch in die luxuriöseren, Nicht-Beduinen-Camps rund um das Dorf Diseh gebracht.

Ein Luxuszimmer im Luxuscamp mit WC und Elektrizität. Foto: Doris

Ein Luxuszimmer im Luxuscamp mit WC und Elektrizität. Foto: Doris

Zuvor hatte ich mit den KollegInnen noch einen Heidenspaß auf den Kamelen. Foto: Doris

Zuvor hatte ich mit den KollegInnen noch einen Heidenspaß auf den Kamelen. Foto: Doris

„Ich zeig´dir das echte Wadi Rum“, lädt mich mein neuer „Bruder“ Odeh ein, dessen Verhalten im Laufe des Tages aber ab und an auf ganz unbruderhafte Absichten schließen lässt. Doch vielleicht deute ich ja da auch etwas falsch. „Wir Beduinen arbeiten seit 40 Jahren mit TouristInnen, machen immer Spaß“, erklärt mir der 40jährige, der verheiratet ist und sechs Kinder hat, „das mögen alle.“ Wie 1.200 andere seines Stamms lebt er im Dorf Wadi Rum, ca. 10 Minuten vom Visitor Center entfernt.

Odeh zeigt mir Wadi Rum, sein Reich. Foto: Doris

Odeh zeigt mir Wadi Rum, sein Reich. Foto: Doris

„Bist du verheiratet?“, das ist die erste Frage, die mir Hana stellt, als ich mit ihr allein bin. Odeh hat mich kurzerhand ins Haus dieses zierlichen Mädchen gebracht, während er zuhause duscht. Wie für Frauen üblich ganz in schwarz gekleidet, schenkt sie mir gastfreundlich Beduinentee ein – aufgekochtes Zuckerwasser, in das dann Schwarzteeblätter gehängt werden – und löst ihren Schleier. Wir Frauen sind ja unter uns. Seit sechs Monaten lebt die knapp 18-Jährige hier in dem Haus, seit sie mit Odehs Bruder verheiratet wurde – als Erste ihrer Klasse. Meist ist sie allein, ihr Ehemann besucht sie jeden 2. Tag, dann nämlich, wenn er nicht gerade bei seiner ersten Frau samt der Kinder ist. „Wir wohnen im Dorf, da ist das Leben günstig“, erklärt mir Hana, die sich lieber nicht fotografieren lassen möchte, „deshalb können sich hier die Männer mehrere Frauen leisten.“ Bis zu vier Gattinnen pro Mann sind üblich, die mit der Nachkommenschaft dementsprechend (finanziell) versorgt werden müssen – bei den hohen Lebenskosten in der Stadt ein Ding der Unmöglichkeit!

Seit 6 Monaten wohnt Hana hier allein. Foto: Doris

Seit 6 Monaten wohnt Hana hier allein. Foto: Doris

In der Zimmerecke rauscht Werbung auf dem Fernsehbildschirm, darauf liegt der Koran. Ja, langweilig ist Hana schon manchmal – so allein. „Aber wenn ich ein kleines Baby habe, bin ich sicher beschäftigt“, meint sie mit schweren dunklen Knopfaugen, und streicht sich das schwarze Haar aus dem Gesicht. Eigentlich wollte sie, die im Dorf aufgewachsen ist, ja weiter in die Schule gehen, aber als verheiratete Frau war das Aufstehen um 6.00 früh nichts für sie – außerdem muss sie sich ja um ihren Ehemann kümmern.

Doris

Der Koran, künstliche Blumen und ein Fernseher, in dem Soaps und jede Menge Werbung laufen, viel mehr gibt es in Hanas Zimmer nicht. Foto: Doris

Warum sie mit ihren früheren SchulfreundInnen keinen Kontakt mehr haben kann, diese sie nicht besuchen können? „Es geht einfach nicht“ – nur bei ihrer Schwiegermutter sitzt Hana ab und an und trinkt Tee. Da wundert es mich nicht, dass die Ablenkung durch ausländische Gäste wie mich – besonders wenn die dann auch noch so viel plaudern, fragen und erzählen – gelegen kommt. Verstehen kann sie unsere Kultur nicht, genauso wenig wie ich mich in ihre einfühlen kann. Auch wenn ich das schon seit vier Tagen, seit meiner Ankunft in Jordanien versuche – und mich dabei immer wieder beim Gedanken ertappe: Dass die jordanische Kultur wirklich so konservativ ist, hätte ich nicht gedacht…

Heute gab es einmal keinen blauen Himmel. Beeindruckend ist Wadi Rum dennoch. Foto: Doris

Heute gab es einmal keinen durchgängig blauen Himmel. Beeindruckend ist Wadi Rum dennoch. Foto: Doris

Mit dem „Mädchentratsch“ ist es jetzt aber vorbei: Odeh kommt und nimmt mich mit. „Du bist mein Freund“, erklärt er und fährt mich für einige Dinare mit dem Jeep die nächsten Stunden durch die Gegend: Wir machen die übliche Tour, ich werde auf Felsen hinauf-, Dünen wieder hinunter gejagt, darf selbst meine Fahrkünste auf Wüstensand erproben und ein paar Minuten lang allein durch die Weite stapfen. Nicht als Einzige: Immer wieder treffen wir auf andere Beduinen, die wohl ihren „Freunden“ die Gegend zeigen. Es ist mir aber egal, denn die Wüste, diese schroffen Berge, in denen sich immer wieder mal bedrohliche Fratzen, mal zahmes Getier erahnen lassen, die heute Wolken verhangenen Hügel und Felsgebilde beeindrucken auch dann, wenn an jeder „Haltestelle“ Basare bereit stehen, damit TouristInnen ein paar Dinare los werden können.

Die steinige Wüste und mittendrin der Mensch. Foto: Doris

Die steinige Wüste und mittendrin der Mensch. Foto: Doris

Wüstenblumen - es gibt sie doch. Foto: Doris

Wüstenblumen – es gibt sie doch. Foto: Doris

Auf den großen Bogen rauf und wieder runter. Foto: Doris

Auf den großen Bogen rauf und wieder runter. Foto: Doris

Einige Stunden später bringt mich Odeh zum Camp seines Cousins – das Eigene, das er mit einem seiner vielen Brüder betreibt, ist ausgebucht. Dort wartet eine simple, zigfach ausgelegene Matratze und dicke, alte Decken in einer mit Stoff ausgekleideten Holzhütte, eine Tasse des klebrig zuckersüßen Beduinentees samt einem Teller voll mit Sesamkeksen… und ich merke wieder, dass ich wohl auch an diesem Tag nicht zur Beduina geworden bin. Als solche hätte ich mich jetzt nämlich nie bedienen lassen können – von einem Mann noch dazu…

Abends und morgens wurden wir mit Tee, Keksen und Lagerfeuer empfangen. Richtiges Abendessen gab es dann später. Foto: Doris

Abends wurden wir mit Tee, Keksen und Lagerfeuer empfangen. Richtiges Abendessen gab es dann später. Und zum Frühstück sahs wieder so aus. Foto: Doris

Offenlegung: Danke an Jordan Tourism Board für die Unterstützung in den ersten Tagen sowie die Finanzierung des Transports nach/ von Jordanien. Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte sind und bleiben meine eigenen.

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Same same but different: Airbnb oder das bessere CouchSurfing

Stimmengewirr überall, ich höre englische Wortfetzen – “What do you do in Vienna?” – und Hochdeutsch, vermischt mit undeutbaren Akzenten. Da bin ich richtig: Beim ersten Meet Up, zu dem…

Stimmengewirr überall, ich höre englische Wortfetzen – “What do you do in Vienna?” – und Hochdeutsch, vermischt mit undeutbaren Akzenten. Da bin ich richtig: Beim ersten Meet Up, zu dem Airbnb* in Wien geladen hat.

“Are you a guest or a host?” Die Worte reichen, um mich sechs Jahre in die Vergangenheit zu katapultieren. Mein erster monatlicher CouchSurfing-Stammtisch. Hier wie dort: Ein bunt zusammengewürfelter Haufen Menschen, wenig organisiert, ähm “casual”, (Austro-)Englisch an jeder Ecke und Leute, die sich während des Smalltalks anfangs etwas verkrampft an ihren Getränken festhalten. Selbst die Fragen sind dieselben: Where are you coming from? Have you ever had a negative experience? Nur der Anteil an Anzugträger und der Menschen in meinem Alter (und älter) ist beim Airbnb Meet Up höher.

Die Unterkunft ist nicht entscheidend... Foto: Doris

“Die Unterkunft ist gar nicht so entscheidend, es kommt auf den Gast(geber) an.”, verrät mir Airbnb-Regionalmanager Eugen Miropolski. Er selbst hat keine Wohnung, schläft nur noch in fremden Betten und schätzt den Austausch mit Gleichgesinnten. Hätte ich einen CouchSurfer gefragt, hätte mir der wohl nichts anderes gesagt.

Meine Couch und Freunde. Foto: Doris

Oder vielleicht doch! Denn in den letzten Jahren ist mein geliebtes CouchSurfing ziemlich verkommen. Nein, es ist leider nicht mehr das, was ich 2007 kennen gelernt habe: Damals konnte ich bei keiner Anfrage Nein sagen. Zu interessant klangen die Leute, die dahinter steckten. Und sie klangen nicht nur so: Viele meiner Gäste und Gastgeber sind heute meine Freunde. Wir besuchen uns, treffen uns, sind da für einander – auch wenn wir unzählbare Kilometer voneinander entfernt leben.

Wir treffen uns, reisen miteinander... Foto: Doris

Was früher Regel war, ist heute die Ausnahme. Mittlerweile ärgere ich mich des Öfteren über CouchSurfing: Wenn ich Anfragen für mein Sofa in Wien bekomme, obwohl ich mich seit Monaten in Bogotá einlogge. Wenn mich 18-Jährige anschreiben, die “einkaufen und Party machen” als liebste Hobbys auflisten (Mh, Gesprächsthema!?). Oder wenn ich Zusagen habe, und in der Fremde vom vermeintlichen Host jede Spur fehlt. Von der Plattform selbst will ich gar nicht anfangen: Daten werden weiter gegeben, Strukturen mehr gegen, als für den User geschaffen, und und und. Wenn “oben” so viel Blödsinn passiert, wie soll es “unten” anders sein?

Auch CouchSurfing: Die Menschen, mit denen man dann etwas unternimmt - wie hier Radeln in der Wachau. Foto: Doris

Ist da Airbnb das bessere CouchSurfing? Vielleicht, denn…

… diejenigen, die sich das gratis Sofaübernachten bisher nicht getraut haben, bekommen ihre Sicherheit durch die Bezahlung – und seien es bloß zehn bis 15 Euro pro Nacht.

… für diejenigen, die kostenlos mit wertlos gleichsetzen, erhält die Übernachtung mehr Qualität und wird – hoffentlich – dementsprechend behandelt. Weil etwas das kostet, ist etwas wert!

… diejenigen, die gerne mit der lokalen Kultur und Einheimischen in Kontakt kommen, denen ist das “Wohnen bei Freunden zuhause” allemal einige Euro wert. Vor allem, weil private Übernachtungen meist günstiger als Hotels sind, aber einen gehörigen Mehrwert verschaffen – wer es schon einmal getan hat, weiß, wovon ich spreche.

Und dann ist da noch etwas: “Anders als bei CouchSurfing habe ich bei Airbnb das Gefühl, dass ich mich sehr wohl zurückziehen kann, wann ich will. Ich habe ja bezahlt.”, bringt Anna-Zoe, ihres Zeichens eine der Organisatorinnen des Airbnb Meet Ups, den Unterschied gut auf den Punkt. Ja, die Abgrenzung zwischen Gast und GastgeberIn wird durch Geldtausch leichter möglich, und das braucht man manchmal, gerade auf längeren Reisen. Anna-Zoe muss es wissen: Sie ist nicht nur seit zwei Jahren bei Airbnb tätig, sondern auch aktive CouchSurferin.

CouchSurfing kann durchaus luxuriös sein. Foto: Doris

Und ich, ich werde wohl auch beides weitermachen – und daneben noch einige andere Gratis-Alternativen probieren. Gerade habe ich übrigens eine Nachricht von einer CouchSurferin bekommen – wir gehen morgen hier in Dresden etwas trinken. Nein, so ganz aufgeben möchte ich CouchSurfing (und den Glauben an das Gute) dann doch nicht…

 

*Airbnb ist ein Community-Marktplatz für weltweite Buchung und Vermietung von Unterkünften.

Die häufigsten Fragen beim Airbnb Meet Up in Wien waren:

Q: Seit wann gibt es Airbnb?
A: Seit 2008. Es wurde von drei Freunden in San Francisco gegründet – einer davon, Brian, hat übrigens auch mehrere Monate ausschließlich via Airbnb gelebt. Die meisten Anwendungen entstanden aufgrund seiner eigenen Erfahrungen.

Q: Gibt es Airbnb in Österreich?
A: Es gab kurz ein Büro in Österreich, das wieder aufgelöst wurde. Derzeit wird Österreich von Deutschland aus (Hamburg, Berlin) betreut.

Q: Wie viele Wohnungen werden derzeit in Wien vermietet?
A: 2012 wurden nur zwei Wohnungen angeboten, 2013 waren es schon um die 1.200.

Q: Was ist der Unterschied zu anderen Unterkunft-Anbietern?
A: Der Community-Gedanke und dass Airbnb aufgrund seiner Größe (vertreten in 34.183 Städten in 192 Ländern) eine entsprechende Auswahl anbietet, meint Eugen Miropolski. Für Anna-Zoe wiederum sind es die Menschen: „Ich habe weder im Büro noch auf meinen Reisen – bei Gastgebern oder Gästen – unsympathische Menschen kennen gelernt.“

Ob und welcher Unterschied zu Roomsurfer & Co besteht, das muss jede(r) selbst für sich herausfinden. Ich habe Airbnb deshalb gewählt, weil für mich das Konzept der Community samt Nachbarschaftssystem (siehe nächste Frage) am Sympathischsten war.

Q: Was hat es mit dem Nachbarschaftssystem auf sich?
A: In einigen Städten wie zum Beispiel gibt es auf der Website de.airbnb.com/locations Ausgeh- und Lokal-Tipps für die Nachbarschaft der Wohnung.

Q: Sind die Wohnungen, in denen Gäste beherbergt werden, bewohnt?
A: Ja und Nein. Es gibt bei Airbnb nämlich alles: Leute, die “MitbewohnerInnen” auf (kurze) Zeit aufnehmen oder ganze Wohnungen vermieten – weil die Kinder weg sind, weil sie selbst auf Reisen sind oder einfach mehrere zur Verfügung haben. Ja, es muss noch nicht einmal ein eigenes Zimmer sein, das man vermietet – auch eine Couch kann angeboten werden (solange es so natürlich auch klar beschrieben und ausgewiesen ist).

Q: Ist Airbnb ein Zusatzeinkommen?
A: Ja, für die meisten Gastgeber ist es tatsächlich eine Geldquelle. Allerdings besteht auch die Möglichkeit als Gastgeber via Airbnb den gesamten Ertrag zu spenden. “Das macht aber kaum jemand.”, meint Anna-Zoe.

Q: Werden die Wohnungen von Airbnb kontrolliert?
A: Nein, jede(r) kann seine Wohnung, seine Couch usw. zu Verfügung stellen. Wichtig ist, dass die Beschreibung der Wahrheit entspricht. Wer diese Regel nicht einhält, büßt ohnehin, denn er wird vermutlich negativ bewertet werden und dann keine Gäste mehr erhalten. Das System ist übrigens in jedem Land gleich.

Q: Wer macht die Fotos von den Wohnungen?
A: Airbnb arbeitet mit rund 3.000 Fotografen in aller Welt zusammen, die auf Bestellung kostenlos zum Gastgeber kommen, um professionelle Fotos zu machen. Das ist eine Option, muss aber nicht sein – doch bessere Fotos bringen natürlich mehr Gäste.

Q: Wie funktioniert die Bezahlung?
A: Der Gast überweist an Airbnb, dort wird das Geld bis 24 Stunden nach dem Einzug der Gäste behalten und erst dann dem Gastgeber überwiesen. Das garantiert, dass der Gast schon im Haus ist, sich von der Richtigkeit der Angaben überzeugen konnte und keinen Einspruch eingelegt hat.

Q: Gibt es eine 24 Stunden Hotline – und wofür?
A: Ja, es gibt eine 24 Stunden Service Hotline, allerdings nur in den USA. In Europa ist das Service nur an Werktagen besetzt. Es ist notwendig, um zum Beispiel anzurufen, wenn der Gast nicht erscheint und man ihn/sie auch nicht erreichen kann. Dann übernimmt Airbnb die weitere Kontaktaufnahme und Klärung.

Q: Darf man sich mit anderen AnbieterInnen austauschen?
A: Ja, die Community wird gefördert: Meet Ups wie dieses in Wien werden in anderen Städten wie Berlin wöchentlich veranstaltet. Weiters überlegt Airbnb laut Anna-Zoe, eine Art Liste aufzustellen, in der alle Wohnungen, die ähnliche Kriterien erfüllen wie die eigene (zum Beispiel für Familien geeignet, in einer bestimmten Gegend, preislich ähnlich) verfügbar sind, damit sich Gastgeber bei Überbuchung mit einem anderen potenziellen Gastgeber kurz schließen können oder Schlüsselübergaben besser verwaltet werden können.

Q: Wer darf zu den Meet Ups kommen?
A: Jede(r), der/die sich für Airbnb interessiert. Das können Gastgeber oder Gäste sein – oder solche, die eines von beiden in Zukunft sein möchten.

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Cabo Polonio: Einsamkeit, die Uruguayer und ich…

Vor ein paar Minuten bin ich nach über acht Stunden Schlaf aus dem Bett gerollt. Die Morgensonne hat mich wach gekitzelt, sanfter, als jeder Wecker es jemals könnte. Und wäre…

Vor ein paar Minuten bin ich nach über acht Stunden Schlaf aus dem Bett gerollt. Die Morgensonne hat mich wach gekitzelt, sanfter, als jeder Wecker es jemals könnte. Und wäre da nicht die Tasse mit frisch gebrühtem Kaffee in meiner Hand, könnte man meinen, ich wäre direkt in den Strandsessel gewechselt. So sitze ich hier, die schuhlosen, mittlerweile beachtlich braun gebrannten Beine ausgestreckt, und schaue auf der einen Seite auf das endlose Blau des Meeres, auf der anderen Seite auf die nicht minder unendliche Weite der gelben Sanddünen. Einmal tiiiiief durchatmen.

Immer wieder muss ich jetzt – Monate später – an solche friedlichen Morgen denken, wie ich sie im kleinen, abgeschiedenen Dorf Cabo Polonio in Uruguay verbracht habe. Vor allem, wenn ich so wie heute um halb vier Uhr in der Früh aus dem Bett getaumelt bin, um eine Stunde zum Flughafen zu fahren, einzuchecken – ihr kennt das Prozedere – und nun mit verquollenen Augen am Flughafen sitze, wo ich auf meinen Anschlussflug warte. Ich möchte tauschen. Jetzt! Sofort!

Cabo Polonio – der Ruf dieser Ortschaft ist ihr vorausgeeilt: Lange bevor ich überhaupt in ihre Nähe kam, haben schon andere Reisende, vor allem aber Uruguayer selbst ganz glänzende Augen bekommen, sobald nur der Name Cabo Polonio gefallen ist. Ja, es ist ein besonderes Fleckchen Erde, dieses Fischer- und Handwerkerdorf an der Atlantikküste, und wie ich später erfahren habe, liegt es gar nicht so sehr auf der Touristenstrecke wie vermutet. Stattdessen nehmen sich vor allem Einheimische dort gern ein Wochenende „Auszeit vom Alltag“. Wer Cabo kennt, der weiß: Kaum ein Ort wäre dafür besser geeignet.

„Wo sich Uruguayer und Aussteiger gute Nacht sagen“, so hätte ich den Blogpost auch nennen können. Schon die Hinfahrt stimmt auf das ein, was man dort nicht erleben kann. Zur Bushaltestelle vor Cabo Polonio, das zwischen den Badeorten Valizas und La Pedrera liegt, kommt man noch mit einem regulären Bus. „Terminal“ nennt sich die Station großspurig, doch von einem Bahnhof fehlt jede Spur: Es handelt sich vielmehr um zwei kleine überdachte Haltestellen mit Stopptafel. Wo geht’s weiter? Diese Frage habe wohl nicht nur ich mir gestellt, nachdem ich dort in aller Herrgottsfrüh abgesetzt wurde. Allerdings nicht lang, dann war ich nämlich doch mehr damit beschäftigt, die hinter den Bäumen über dem Nichts aufgehende Sonne zu bewundern. Das Licht hat etwas Magisches, lässt sich nicht in Worte fassen, und ja, ich bin verzaubert!

Auch das Rätsel des Weiterkommens löst sich schnell: Es gibt einen zweistöckigen, offenen 4×4-Shuttle, eine Art Laster, wie ich ihn bisher nur in Cabo gesehen habe. Den müssen übrigens alle nehmen (oder zu Fuß gehen), denn Autos gibt es im Dorf nicht. Dass man das Gefährt dringend braucht, wird bei der holprigen Einfahrt über sieben Kilometer lange Dünen und nicht vorhandene Wege offensichtlich. So richtig durchgerüttelt komme ich an und bin froh, mich dafür, statt für den zwei- bis dreistündigen Marsch entschieden zu haben. Die Sonne prallt auch zu Tagesbeginn schon kräftig auf mich herunter und der schwere Rucksack hängt sich mit aller Macht auf meine Schultern.

Mehr oder weniger kleine Holzhäuser, alle bunt bemalt, mal hier, mal da verstreut und die meisten mit der Aufschrift „Hostel“, so zeigt sich mir Cabo Polonio auf den ersten Blick. Eine Unterkunft hätte ich vermutlich nicht buchen müssen, bei DER Auswahl, habe es aber auf Anraten gemacht: Gerade am Wochenende sind die Betten schnell ausgebucht. Mein Hostel ist gleich gefunden und – Freude – es liegt direkt in der ersten Reihe, keine zehn Schritte vom Meer entfernt.

Das Meer! Der Ozean, die traumhaften Strände und vor allem die Wanderdünen, die mit einer Höhe von bis zu 50 Metern zu den größten Südamerikas zählen, dominieren in Cabo. 1976 wurde die Region rund um den Ort, in dem nur wenige Fischer, Handwerker und die Betreiber des Leuchtturms das ganze Jahr über leben, in das UNESCO-Programm „Mensch und Biosphäre“ aufgenommen. Das hat aber nicht verhindert, dass das einzigartige Ökosystem durch Bebauung und unkontrollierte Forstwirtschaft bedroht wurde. Nicht zuletzt auch wegen des Zustroms an TouristInnen. Mittlerweile ist die Gegend zum Nationalpark erklärt worden und hat, zumindest von außen, den natürlichen und geschützten Charakter erhalten.

Weder Elektrizität noch Internet noch Bankomat gibt es vor Ort, ja noch nicht einmal die viel gerühmten Robben zeigen sich mir – es ist einfach nicht die richtige Saison dafür. Viele Möglichkeiten habe ich tatsächlich nicht, mich in Cabo von der Entspannung und dem süßen Leben abzulenken. Ein Spaziergang über die mit Muscheln bedeckten Strände hier, ein Herumirren durch die (und sich Verirren in den) Dünen da, Tagedösen in der Hängematte, Lesen der mitgebrachten und gefundenen Bücher, Tratschen mit den Hostelbetreibern und MitbewohnerInnen auf Zeit, Matetrinken mit Einheimischen, Sonnenuntergang-Schauen, Träumen…

…seht ihr auch so, oder?

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