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Schlagwort: Couchsurfing

Die Inspektorin: Kollaborativer Konsum – oder warum ausborgen und verleihen hip und einfach ist

Unsere Welt verändert sich stetig. War es früher noch modern und ein Zeichen von Wohlstand, so viel wie möglich zu besitzen (mein Auto, mein Haus, meine DVD-Sammlung… ) geht der…

Unsere Welt verändert sich stetig. War es früher noch modern und ein Zeichen von Wohlstand, so viel wie möglich zu besitzen (mein Auto, mein Haus, meine DVD-Sammlung… ) geht der Trend aktuell zum kollaborativen Konsum. Das heißt, dass Menschen Güter immer weniger als Statussymbol sehen und Dinge nicht mehr unbedingt besitzen müssen, um sich selbst aufzuwerten. Es genügt, Sachen und Gebrauchsgegenstände zu leihen, statt sie zu kaufen oder auch mal etwas zu verleihen. Am besten eignen sich dafür Dinge, die man nicht täglich braucht, wie zum Beispiel eine Bohrmaschine, ein Schokofondueset oder eine DVD. Vereinfacht wurde diese Art des Konsums durch das Internet, in dem es viele Tauschplattformen gibt, ursprünglich aber vor allem Informationen geteilt wurden. In meinem aktuellen Kolumnenbeitrag will ich euch unterschiedliche Möglichkeiten zeigen, euch an der Share Economy zu beteiligen. Dabei spielen sowohl altbekannte Offline-Institutionen als auch das Internet eine Rolle.

Die Bibliothek

Ihr kennt sie bestimmt seit eurer Schulzeit und habt sie seitdem vielleicht nur noch selten betreten. Ein hervorragender Ort, um sich Bücher, Zeitschriften, CDs, DVDs und andere digitale Medien zu leihen. Es gibt in vielen Büchereien mittlerweile auch die Möglichkeit, sich e-books auszuborgen. Die Bibliothek in eurer Nähe könnte also um einiges moderner sein, als ihr sie euch vorstellt. Schaut doch einfach mal vorbei und lasst euch positiv überraschen.

Die Videothek

Auch DVDs und Blu Rays gehören zu den Dingen, die ihr vielleicht nur einmal verwendet und anschließend in eurem Regal verstauben. Warum also nicht für einen gemütlichen Fernsehabend der Videothek in eurer Nähe einen kurzen Besuch abstatten? In gut sortierten Videotheken sind oft schon die neuesten Filme vorrätig.

Pumpipumpe.ch

Pumpipumpe ist ein Verein, der sich für den bewussten Umgang mit Konsumgütern und mehr soziale Interaktion in der Nachbarschaft einsetzt. Es soll das Leihen und Ausleihen von Gütern, die man nur selten braucht, gefördert werden. Die Grundidee ist, der Nachbarschaft Dinge zu leihen, die man selbst nur selten braucht, wie zum Beispiel einen Grill oder eine Bohrmaschine. Dafür hat jemand anderer in der Nachbarschaft vielleicht eine Nähmaschine oder ein Verlängerungskabel zu verleihen. Will man sich an der Idee von Pumpipumpe beteiligen und in der Nachbarschaft etwa das Waffeleisen verleihen, das im eigenen Haushalt höchstens zwei Mal im Jahr zum Einsatz kommt, genügt ein Klick auf Pumpipumpe um sich einen Sticker mit Waffeleisenabbildung zu bestellen und ihn auf den eigenen Briefkasten zu kleben. Vielleicht seit ihr ja die oder der Erste, der sich in eurer Gegend an dieser sehr schönen Idee beteiligt und einen neuen Trend auslöst. Die Sticker kann man sich in Deutschland und der Schweiz versandkostenfrei zusenden lassen, in alle anderen Länder betragen die Versandkosten vier Euro.

Carsharing

Wenn ihr in einer von öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossenen Gegend wohnt, braucht ihr ein Auto wahrscheinlich nur äußerst selten. Falls ihr doch mal eines benötigt, gibt es bestimmt ein Carsharingangebot in eurer Nähe, bei dem ihr Autos schon minutenweise anmieten könnt. Googlet doch einfach nach einem Anbieter in eurer Nähe.

Freunde

Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Wenn ihr wisst, dass eine Freundin sich gern am Dörren versuchen würde, während euer Dörrautomat im Regal verstaubt, dann borgt ihr einfach das gute Stück. Im Gegenzug könnt ihr euch ja vielleicht mal ihr Glätteisen leihen.

Fairleihen.de

Mit fairleihen.de stelle ich euch eine regionale Verleihplattform vor. Sie deckt nämlich nur den Raum Berlin ab. Die Teilnahmebedingungen klingen wie der Name schon sagt fair. Die Abholung muss immer persönlich beim Verleiher erfolgen. Dafür gibt es sogar einen Vertrag. Es wird auch empfohlen, bei der Übergabe einen kurzen Blick auf den Ausweis zu werfen. Wer selbst drei Produkte zum Verleih anbietet, darf sich sofort selbst eines ausleihen. Bei der Produktsuche werden zuerst die nächstgelegenen Verleiher angezeigt. Fairleihen.de stellt ein System zur Verfügung, das die Terminvereinbarung erleichtert. Ist ein Termin gefunden, erhalten beide Teilnehmer die gegenseitigen Adressen. Nach erfolgter Rückgabe des Gegenstands besteht die Möglichkeit, eine Bewertung abzugeben. Um die mobile Nutzung zu vereinfachen, kann man die Funktionen von fairleihen.de auch als App nutzen, die für alle Smartphones verfügbar ist.

Couchsurfing.org

Schließlich will ich euch noch die Königsdisziplin des Verleihens vorstellen. Das sogenannte Couchsurfing. Auf dieser Website stellen Privatpersonen einen kostenlosen Schlafplatz für Reisende zur Verfügung. Um die Nutzer – sowohl die Reisenden, als auch die Gastgeber – möglichst gut einschätzen zu können ,gibt es ausführliche Profile. Die Identität wird zusätzlich mittels Kreditkarte überprüft. Art und Dauer des Aufenthalts werden im Vorhinein zwischen den Nutzern vereinbart. Es ist Bedingung, dass die Übernachtung gratis angeboten wird. Sollte der Gast sich für bereitgestellte Mahlzeiten oder das Benutzen der Waschmaschine finanziell revanchieren wollen, darf dies der Gastgeber akzeptieren.

Wie beteiligt ihr euch am kollaborativen Konsum? Habt ihr schon einmal Dinge mittels Internet verliehen? Wenn ja, welche und welche Plattformen habt ihr dafür verwendet? Habt ihr das verliehene Gut wieder intakt zurückbekommen? Welche Offline-Möglichkeiten habt ihr schon verwendet, um euch Dinge auszuleihen?

Quelle: Wikipedia

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Same same but different: Airbnb oder das bessere CouchSurfing

Stimmengewirr überall, ich höre englische Wortfetzen – “What do you do in Vienna?” – und Hochdeutsch, vermischt mit undeutbaren Akzenten. Da bin ich richtig: Beim ersten Meet Up, zu dem…

Stimmengewirr überall, ich höre englische Wortfetzen – “What do you do in Vienna?” – und Hochdeutsch, vermischt mit undeutbaren Akzenten. Da bin ich richtig: Beim ersten Meet Up, zu dem Airbnb* in Wien geladen hat.

“Are you a guest or a host?” Die Worte reichen, um mich sechs Jahre in die Vergangenheit zu katapultieren. Mein erster monatlicher CouchSurfing-Stammtisch. Hier wie dort: Ein bunt zusammengewürfelter Haufen Menschen, wenig organisiert, ähm “casual”, (Austro-)Englisch an jeder Ecke und Leute, die sich während des Smalltalks anfangs etwas verkrampft an ihren Getränken festhalten. Selbst die Fragen sind dieselben: Where are you coming from? Have you ever had a negative experience? Nur der Anteil an Anzugträger und der Menschen in meinem Alter (und älter) ist beim Airbnb Meet Up höher.

Die Unterkunft ist nicht entscheidend... Foto: Doris

“Die Unterkunft ist gar nicht so entscheidend, es kommt auf den Gast(geber) an.”, verrät mir Airbnb-Regionalmanager Eugen Miropolski. Er selbst hat keine Wohnung, schläft nur noch in fremden Betten und schätzt den Austausch mit Gleichgesinnten. Hätte ich einen CouchSurfer gefragt, hätte mir der wohl nichts anderes gesagt.

Meine Couch und Freunde. Foto: Doris

Oder vielleicht doch! Denn in den letzten Jahren ist mein geliebtes CouchSurfing ziemlich verkommen. Nein, es ist leider nicht mehr das, was ich 2007 kennen gelernt habe: Damals konnte ich bei keiner Anfrage Nein sagen. Zu interessant klangen die Leute, die dahinter steckten. Und sie klangen nicht nur so: Viele meiner Gäste und Gastgeber sind heute meine Freunde. Wir besuchen uns, treffen uns, sind da für einander – auch wenn wir unzählbare Kilometer voneinander entfernt leben.

Wir treffen uns, reisen miteinander... Foto: Doris

Was früher Regel war, ist heute die Ausnahme. Mittlerweile ärgere ich mich des Öfteren über CouchSurfing: Wenn ich Anfragen für mein Sofa in Wien bekomme, obwohl ich mich seit Monaten in Bogotá einlogge. Wenn mich 18-Jährige anschreiben, die “einkaufen und Party machen” als liebste Hobbys auflisten (Mh, Gesprächsthema!?). Oder wenn ich Zusagen habe, und in der Fremde vom vermeintlichen Host jede Spur fehlt. Von der Plattform selbst will ich gar nicht anfangen: Daten werden weiter gegeben, Strukturen mehr gegen, als für den User geschaffen, und und und. Wenn “oben” so viel Blödsinn passiert, wie soll es “unten” anders sein?

Auch CouchSurfing: Die Menschen, mit denen man dann etwas unternimmt - wie hier Radeln in der Wachau. Foto: Doris

Ist da Airbnb das bessere CouchSurfing? Vielleicht, denn…

… diejenigen, die sich das gratis Sofaübernachten bisher nicht getraut haben, bekommen ihre Sicherheit durch die Bezahlung – und seien es bloß zehn bis 15 Euro pro Nacht.

… für diejenigen, die kostenlos mit wertlos gleichsetzen, erhält die Übernachtung mehr Qualität und wird – hoffentlich – dementsprechend behandelt. Weil etwas das kostet, ist etwas wert!

… diejenigen, die gerne mit der lokalen Kultur und Einheimischen in Kontakt kommen, denen ist das “Wohnen bei Freunden zuhause” allemal einige Euro wert. Vor allem, weil private Übernachtungen meist günstiger als Hotels sind, aber einen gehörigen Mehrwert verschaffen – wer es schon einmal getan hat, weiß, wovon ich spreche.

Und dann ist da noch etwas: “Anders als bei CouchSurfing habe ich bei Airbnb das Gefühl, dass ich mich sehr wohl zurückziehen kann, wann ich will. Ich habe ja bezahlt.”, bringt Anna-Zoe, ihres Zeichens eine der Organisatorinnen des Airbnb Meet Ups, den Unterschied gut auf den Punkt. Ja, die Abgrenzung zwischen Gast und GastgeberIn wird durch Geldtausch leichter möglich, und das braucht man manchmal, gerade auf längeren Reisen. Anna-Zoe muss es wissen: Sie ist nicht nur seit zwei Jahren bei Airbnb tätig, sondern auch aktive CouchSurferin.

CouchSurfing kann durchaus luxuriös sein. Foto: Doris

Und ich, ich werde wohl auch beides weitermachen – und daneben noch einige andere Gratis-Alternativen probieren. Gerade habe ich übrigens eine Nachricht von einer CouchSurferin bekommen – wir gehen morgen hier in Dresden etwas trinken. Nein, so ganz aufgeben möchte ich CouchSurfing (und den Glauben an das Gute) dann doch nicht…

 

*Airbnb ist ein Community-Marktplatz für weltweite Buchung und Vermietung von Unterkünften.

Die häufigsten Fragen beim Airbnb Meet Up in Wien waren:

Q: Seit wann gibt es Airbnb?
A: Seit 2008. Es wurde von drei Freunden in San Francisco gegründet – einer davon, Brian, hat übrigens auch mehrere Monate ausschließlich via Airbnb gelebt. Die meisten Anwendungen entstanden aufgrund seiner eigenen Erfahrungen.

Q: Gibt es Airbnb in Österreich?
A: Es gab kurz ein Büro in Österreich, das wieder aufgelöst wurde. Derzeit wird Österreich von Deutschland aus (Hamburg, Berlin) betreut.

Q: Wie viele Wohnungen werden derzeit in Wien vermietet?
A: 2012 wurden nur zwei Wohnungen angeboten, 2013 waren es schon um die 1.200.

Q: Was ist der Unterschied zu anderen Unterkunft-Anbietern?
A: Der Community-Gedanke und dass Airbnb aufgrund seiner Größe (vertreten in 34.183 Städten in 192 Ländern) eine entsprechende Auswahl anbietet, meint Eugen Miropolski. Für Anna-Zoe wiederum sind es die Menschen: „Ich habe weder im Büro noch auf meinen Reisen – bei Gastgebern oder Gästen – unsympathische Menschen kennen gelernt.“

Ob und welcher Unterschied zu Roomsurfer & Co besteht, das muss jede(r) selbst für sich herausfinden. Ich habe Airbnb deshalb gewählt, weil für mich das Konzept der Community samt Nachbarschaftssystem (siehe nächste Frage) am Sympathischsten war.

Q: Was hat es mit dem Nachbarschaftssystem auf sich?
A: In einigen Städten wie zum Beispiel gibt es auf der Website de.airbnb.com/locations Ausgeh- und Lokal-Tipps für die Nachbarschaft der Wohnung.

Q: Sind die Wohnungen, in denen Gäste beherbergt werden, bewohnt?
A: Ja und Nein. Es gibt bei Airbnb nämlich alles: Leute, die “MitbewohnerInnen” auf (kurze) Zeit aufnehmen oder ganze Wohnungen vermieten – weil die Kinder weg sind, weil sie selbst auf Reisen sind oder einfach mehrere zur Verfügung haben. Ja, es muss noch nicht einmal ein eigenes Zimmer sein, das man vermietet – auch eine Couch kann angeboten werden (solange es so natürlich auch klar beschrieben und ausgewiesen ist).

Q: Ist Airbnb ein Zusatzeinkommen?
A: Ja, für die meisten Gastgeber ist es tatsächlich eine Geldquelle. Allerdings besteht auch die Möglichkeit als Gastgeber via Airbnb den gesamten Ertrag zu spenden. “Das macht aber kaum jemand.”, meint Anna-Zoe.

Q: Werden die Wohnungen von Airbnb kontrolliert?
A: Nein, jede(r) kann seine Wohnung, seine Couch usw. zu Verfügung stellen. Wichtig ist, dass die Beschreibung der Wahrheit entspricht. Wer diese Regel nicht einhält, büßt ohnehin, denn er wird vermutlich negativ bewertet werden und dann keine Gäste mehr erhalten. Das System ist übrigens in jedem Land gleich.

Q: Wer macht die Fotos von den Wohnungen?
A: Airbnb arbeitet mit rund 3.000 Fotografen in aller Welt zusammen, die auf Bestellung kostenlos zum Gastgeber kommen, um professionelle Fotos zu machen. Das ist eine Option, muss aber nicht sein – doch bessere Fotos bringen natürlich mehr Gäste.

Q: Wie funktioniert die Bezahlung?
A: Der Gast überweist an Airbnb, dort wird das Geld bis 24 Stunden nach dem Einzug der Gäste behalten und erst dann dem Gastgeber überwiesen. Das garantiert, dass der Gast schon im Haus ist, sich von der Richtigkeit der Angaben überzeugen konnte und keinen Einspruch eingelegt hat.

Q: Gibt es eine 24 Stunden Hotline – und wofür?
A: Ja, es gibt eine 24 Stunden Service Hotline, allerdings nur in den USA. In Europa ist das Service nur an Werktagen besetzt. Es ist notwendig, um zum Beispiel anzurufen, wenn der Gast nicht erscheint und man ihn/sie auch nicht erreichen kann. Dann übernimmt Airbnb die weitere Kontaktaufnahme und Klärung.

Q: Darf man sich mit anderen AnbieterInnen austauschen?
A: Ja, die Community wird gefördert: Meet Ups wie dieses in Wien werden in anderen Städten wie Berlin wöchentlich veranstaltet. Weiters überlegt Airbnb laut Anna-Zoe, eine Art Liste aufzustellen, in der alle Wohnungen, die ähnliche Kriterien erfüllen wie die eigene (zum Beispiel für Familien geeignet, in einer bestimmten Gegend, preislich ähnlich) verfügbar sind, damit sich Gastgeber bei Überbuchung mit einem anderen potenziellen Gastgeber kurz schließen können oder Schlüsselübergaben besser verwaltet werden können.

Q: Wer darf zu den Meet Ups kommen?
A: Jede(r), der/die sich für Airbnb interessiert. Das können Gastgeber oder Gäste sein – oder solche, die eines von beiden in Zukunft sein möchten.

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