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Schlagwort: Cornwall

Eine Bilderreise in den Garten Eden

Der Dschungel Malaysiens liegt nur wenige Gehminuten von den Olivenhainen des Mittelmeerraums entfernt. Genauso weit wie südenglische Kürbisbeete von aztekischen Malereien. Wo wir sind? Im Eden Project mitten in Cornwall. Wo…

Der Dschungel Malaysiens liegt nur wenige Gehminuten von den Olivenhainen des Mittelmeerraums entfernt. Genauso weit wie südenglische Kürbisbeete von aztekischen Malereien. Wo wir sind? Im Eden Project mitten in Cornwall. Wo die größten, längsten und mächtigsten Glashäuser mit exotischen Pflanzen und einheimische Gartenanlagen buchstäblich aus dem Nichts eines wüsten Lehmbodens hochgestampft wurden (dem kornischen Wind und Wetter trotzend), entstand eines der erfolgreichsten nachhaltigen Projekte Englands zur Jahrtausendwende. Ein Platz des spielerischen Lernens, des Informierens über die Umwelt, des Miteinanders, des Weltverbesserns, des Inspiriertwerdens und Motivierens – dazu, den Garten Eden nicht nur hier in Cornwall zu suchen, sondern zu Hause zu erschaffen.

Viel ist schon über das Eden Project geschrieben worden – und wie jede/r andere auch, habe ich ebenfalls „mein“ ganz persönliches Paradies dort erlebt. Dabei ist das Eden Project gar nicht zu beschreiben, das Eden Project muss man mit eigenen Augen sehen. Und wenn ihr schon nicht dort sein könnt, dann möchte ich euch zumindest auf diese Bilderreise mitnehmen.

Willkommen im Eden Project! Mein Tipp: Am besten sehr früh – zur Öffnungszeit – ankommen, sich einen Parkplatz auf „Banane“ oder „Apfel“ zu sichern (wie ihr euch jetzt denken könnt: Ja, die Parkplätze tragen Obstnamen) und dann einfach losspazieren.

Was ich besonders gut gefunden habe am Eden Project: Dass sie wissen, sie sind nicht allein. Es geht nicht nur um dieses Gebiet in Cornwall, darum, viele TouristInnen und Einheimische mit einer Gartenpracht zu erfreuen und über bestimmte Umweltgegebenheiten aufzuklären. Das Eden Project arbeitet mit Organisationen in aller Welt zusammen – überall geht es um Wissensvermittlung, um Ermutigung, darum zu zeigen, dass wir (nur) gemeinsam etwas bewegen können.

Vorher – nachher: Der Unterschied könnte nicht größer sein, oder was meint Ihr?

Und ja, so sieht das Areal mit den Weltrekord-Glashäusern heute aus:

Viele einheimische Familien – und natürlich TouristInnen – kommen immer wieder ins Eden Project. Es ist ein ideales Schlechtwetterprogramm – und ja, von Regen und Co gibt es in Cornwall genug, auch bei mir hat sich der blaue Himmel bald verfinstert. Für die Beschäftigung der Kleinen ist jedenfalls immer gesorgt, zum Beispiel mit einem Märchen- und Zauberzelt.

Oder ein Kürbisschnitzen zu Halloween:

Der Spaziergang geht weiter, durch ganz viel Grün…

Die Tropen warten: Dschungelhäuser, Skulpturen aus dem Regenwald und natürlich jede Menge üppige Pflanzen, Bäume, die in den Himmel ragen – und eine Affenhitze! Die wird auch bei der Wanderung durch das riesige Glashaus immer schlimmer. Meine Kamera jedenfalls hat ob der feuchten Tropfenwärme w.o. gegeben. Ich, ich natürlich nicht!

Dreimal dürft ihr raten, wo wir uns jetzt befinden! Richtig, wir sind im Mittelmeerraum gelandet – das zweite nicht ganz so große Glashaus des Eden Projects:

Und überall wird unterhaltend „aufgeklärt“ wie hier:

Im Mittelmeerraum darf natürlich eines nicht fehlen: Gutes Essen. Der Stand im mediterranem Glashaus ist aber nicht das einzige Restaurant: Überall auf dem Gelände gibt es Kaffeehäuser und Lokale, alle basieren auf dem Prinzip der regionalen Bioküche.

Riesig ist er, der Müllmann, der aus all unserem alltäglichen Abfall hergestellt wurde. Schade, dass ich kein Vergleichsfoto mit mir habe.

Im Eden Project ist alles bunt und verspielt. Der erhobene Zeigefinger ist nicht sichtbar – vielleicht versteckt er sich unter Handschuhen, wie hier im Museum des Projekts:

Mitnehmen kann man jedenfalls extrem viel: Oder wisst ihr, wie viel CO2 zum Beispiel die Produktion und der Transport einer Flasche Wein aus dem Supermarkt verursacht?

Es erinnert mich schon an ein seltsames Stachel-Raumschiff, das Museum, das mit Solarpanel für die Energieversorgung des Areals ausgerüstet ist:


Ja, in diesem Garten Eden könnte ich’s schon aushalten…

 

Ich befand mich auf den Spuren des Reisebuchs “Eat-Surf-Live”. Wenn ihr mehr dieses Projekt erfahren und die beiden Autorinnen Katharina und Vera unterstützen möchtet, schaut auf startnextOffenlegung: Avis stellt mir für die Cornwall-Recherchereise ein Mietauto zu Verfügung. Herzlichen Dank dafür! Die Meinungen und Ansichten in den Geschichten bleiben die meinen.

6 Kommentare zu Eine Bilderreise in den Garten Eden

Unvergessliches, vergessenes Eck Cornwalls

Eingesunken lehnt er da, an der weißen Wand der Westcroft Gallery, die seine Frau und er samt Guesthouse vor einigen Jahren in Kingsand eröffnet haben: Dylan McLees Taylor, groß, widerspenstiges blondes Wuschelhaar, gekleidet…

Eingesunken lehnt er da, an der weißen Wand der Westcroft Gallery, die seine Frau und er samt Guesthouse vor einigen Jahren in Kingsand eröffnet haben: Dylan McLees Taylor, groß, widerspenstiges blondes Wuschelhaar, gekleidet in betont nachlässigem London-Chic. Mit ausladender Gestik malt er mal eben so seine Begeisterung in die Luft. Und verzieht seine Lippen zu einem lässigen Grinsen, wenn ich wieder nach englischem Vokabular suche. „Der könnte in einer Rosamunde Pilcher-Verfilmung höchstens noch den zwielichtigen Widersacher spielen.“, ertappe ich mich beim Gedanken an triefenden Kitsch. Zu meiner Verteidigung: Das kommt nicht von ungefähr, schließlich befinden wir uns gerade in Cornwall.

Cornwall. Man braucht nur den Namen nennen, schon tauchen Bilder auf von grünen Endlos-Wiesen, Steinmauern, die in Efeu und sonstigem Planzenwerk untergehen; friedlich grasenden Kuh-, Schaf- oder Was-auch-immer-Herden, Häusern, die sich „Mermaid Cottage“ nennen und Gummi bestiefelten, behüteten, behandschuhten Menschen, deren Tagesablauf aus Gartenarbeit und dem Fünf-Uhr-Tee besteht.  Soll ich euch etwas verraten: Es ist genau so – nur, dass es neben den in tarngrün-braun gekleideten Personen aus den Pilcher-Filmen eine bunte Community an kreativen, alternativen Charakteren wie Dylan gibt. Oder wie die Dramatherapeutin in Ausbildung, Jo, die mir via Couchsurfing ihr Haus geöffnet hat.

„Möchten Sie einen Kaffee bei uns trinken?“, mittlerweile überrascht mich die Frage nicht mehr, ist es doch bereits das dritte Mal heute, dass sie mir gestellt wird. Von Fremden wohlgemerkt, nach ein paar Minuten Smalltalk, vor 10 Uhr morgens! Ich bin auf dem Wanderpfad zu Rame Head, laut Katharina und Vera vom Reisebuch “Eat-Surf-Live” der ideale Einstieg in einen Cornwall-Urlaub. Ich weiß zwar (noch) nicht, wie der meine weiter geht, aber eines kann ich schon sagen: Die Wanderung lohnt sich in jedem Fall. Zwei Stunden hin und zurück bin ich von Kingsand am teils asphaltierten Küstenpfad entlang bis an den äußersten Zipfel der Rame Halbinsel spaziert, wo die Überreste der St. Michael’s Chapel seit Jahrhunderten Wache halten. Aber es ist nicht das Ziel, das lockt, sondern tatsächlich der Weg dorthin. Die von Katharina und Vera angekündigten Pferde und Ponys waren zwar zu dieser Jahreszeit nicht mehr auf der Weide, doch mein Blick war ohnehin gefesselt: Vom rauschenden Meer mit seinen wilden Klippen und vor allem vom bunten Herbstwald, der gerade jedem Maler Konkurrenz macht.

„Die Bäume findest du nirgendwo sonst in Cornwall, sie sind hier gepflanzt worden.“, erzählt mir Dylan später enthusiastisch. Für ihn ist Rame Head übrigens der „schönste Platz auf Erden“, trotz oder gerade wegen acht Jahren in London und zwei Jahren auf Reisen. Erst 2004 hat es Dylan mit seiner Frau Sarah wieder an seinen Geburtsort gezogen – so wie viele andere Alternative und Kreative. „Nicht nach Cornwall, nach Kingsand!“, wie der Enddreissiger betont. Denn Kingsand und Umgebung sind anders.

Im Reiseführer Eine Perfekte Woche in Cornwall von der Sueddeutschen wird die Gegend als „Riviera“ Englands bezeichnet, Katharina und Vera sprechen vom „stiefmütterlichen“ Dasein des Ortes, der von der Stadt Plymouth in der Hochsaison zwischen März und Oktober (genauso wie am heutigen Feiertag) direkt per Fähre in 30 Minuten erreichbar ist. Gut so, denn Autos haben in den engsten Straßen ohnehin keinen Platz – ich weiß, wovon ich spreche, habe ich mich doch heute samt fahrbarem Untersatz dorthin verirrt. Dass ich heil und ohne Kratzer wieder heraus gekommen bin, verdanke ich den hilfsbereiten Mannen der Müllabfuhr, die mich zum nächsten Parkplatz geleitet haben. „Kingsand wird unterschätzt und übersehen.“, erklärt mir auch Dylan und fügt hinzu: „Wir haben zwei Parkplätze hier im Ort, und wenn die voll sind, ist Kingsand voll.“ Während er mir von Gästen erzählt, die erst nach jahrzehntelangen Cornwall-Besuchen zufällig über den Ort stolpern, lässt mich das Gefühl nicht los, dass ihm das gar nicht so unrecht ist.

Die Ruhe ist es auch, die die Stammgäste sowie -familien – und davon gibt es jede Menge, wie die Wachstumsmarker der Kinder auf den Wänden der Galerie beweisen – anzieht. Statt Touristenmengen wie in St. Ives bietet Kingsand vor allem eines: Cornische Gemütlichkeit.  Das und Whitsand Bay, den schier unendlichen Lieblingsstrand – nicht nur – von SurferInnen, der in nächster „walking distance“ liegt. Und Gehen, das gehört zu Cornwall ohnehin dazu. Mehr als 1.000 Kilometer „South West Coast Path“ kann man genauso bezwingen wie die Wanderwege dazwischen.

„Wir haben die Landschaft und jetzt haben wir auch die Kulinarik.“, Dylan hört nicht auf, überzeugt und nicht weniger überzeugend für Kingsand zu werben. Seit einigen Jahren ist der Ort tatsächlich für seine Gastronomie bekannt: Das Devonport Inn zum Beispiel, dessen französischer Koch schon gern einmal mit dem 80-jährigen Nachbarn zum Fischen geht und das frisch gefangene abends dann auf die Teller bringt. Mir hat das Lieblingspub von Dylan, das nur eine Gehminute von der Westcroft Gallery entfernt liegt, heute mit Pilzrisotto und herrlichem Schokopudding den Abend versüßt. Gut so, denn normalerweise ist das Lokal in der Winterzeit dienstags geschlossen, doch dank der Ferienwoche war ausnahmsweise offen.

Warum viele schon einmal aus London in die Gegend kommen, liegt aber vor allem am Restaurant The View. Da lockt nicht nur die namensgebende Aussicht auf Whitsand Bay, sondern besonders das köstliche Essen. So heißt es. Denn im Moment muss man darauf warten: Im September wurde The View von einer Flut überschwemmt und wird vermutlich erst wieder im Januar oder Februar eröffnet, wie mir Besitzer Matt verraten hat. „Mit neuem Boden und in neuem Glanz“ erstrahlt das Restaurant dann – und gibt mir einen Grund für einen weiteren Besuch in diesem vergessenen, unvergesslichen Eck Cornwalls.

Als ob ich dafür eine Grund gebraucht hätte: Ich habe mich ohnehin entschieden, die nächsten Tage auch hier in der Umgebung zu verbringen. Vielleicht schaue ich morgen in der Maker Künstlercommunity vorbei. Vielleicht sehe ich einfach nur aus dem Fenster, wie der Wind draußen die Blätter von den Bäumen weht. Ich scheine schon gelernt zu haben von den Menschen hier. Um es mit Dylan zu sagen: „Hier geht es nicht darum, eine Checklist abzuhaken, bei uns geht es darum einfach zu sein.“

 

Ich befinde mich auf den Spuren des Reisebuchs „Eat-Surf-Live“. Wenn ihr mehr über dieses Projekt erfahren und die beiden Autorinnen Katharina und Vera unterstützen möchtet, schaut auf startnextOffenlegung: Avis stellte mir für die Cornwall-Recherchereise ein Mietauto zu Verfügung. Herzlichen Dank dafür! Die Meinungen und Ansichten in den Geschichten bleiben die meinen. 

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