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7x anders schlafen: Meine Übernachtungstipps für Wien (Teil 2)

Schon im ersten Teil habe ich von alternativen und ökologischen Übernachtungskonzepten gesprochen. Heute gibt es noch mehr davon – und ich habe natürlich nicht alle Unterkünfte in Wien „abgeklappert“, hat doch…

Schon im ersten Teil habe ich von alternativen und ökologischen Übernachtungskonzepten gesprochen. Heute gibt es noch mehr davon – und ich habe natürlich nicht alle Unterkünfte in Wien „abgeklappert“, hat doch die Stadt die höchste Umweltzeichendichte der Welt. Ich habe mir lieber die Schmankerl ausgesucht – und stelle Euch in diesem Post noch drei weitere Möglichkeiten, als nachhaltig Reisende(r) in meiner Wahl-Heimatstadt zu schlafen. Alles Hotels, in denen ich auch meine besten Freunde unterbringen würde – vorausgesetzt, meine Couch ist besetzt.

5. Boutique Hotel Stadthalle: Einer muss der Erste sein

„Willkommen im weltweit 1. Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz„, begrüßt das Boutique Hotel Stadthalle seine Gäste und BesucherInnen wie mich. Dass es sich um eben solches handelt, das ist schon beim Eingang kaum zu übersehen: Die Außenwand – noch grau – wird in Kürze auch mit Pflanzen begrünt werden, bei der Tür prangen die vielen Gütesiegel – von Umweltzeichen bis Fair Trade – an der Wand, die Pflanzenklimaschutzfassade, die in Zusammenarbeit mit der BOKU (Wiener Universität für Bodenkultur) betrieben wird, steht seit wenigen Wochen ebenfalls wieder im Eingangsbereich.

Der grüne Garten samt E-Velos zum Ausleihen. Foto: Doris

Der grüne Garten samt E-Velos zum Ausleihen. Foto: Doris

„Am Anfang stand der Beschluss von der Besitzerin, Frau Reitterer, ein Passivhaus ans alte Hotel zu bauen“, erklärt mir Monika Haas vom Boutiquehotel – dass es so etwas im Hotellerie-Bereich weltweit noch nicht gegeben hat, das hat man erst später festgestellt. Wegen „das ist unmöglich“-Kommentaren aufzugeben, das war keine Option und so wurde nicht nur ein 6-stöckiges Passivhaus errichtet, sondern auch eine Grundwasserwärmepumpe und eine Photovoltaikanlage installiert, eine Solaranlage aufs Dach gebaut, E-Scooter für Hotelgäste angeschafft und – natürlich – regionale, biologische Lebensmittel am Frühstücksbuffet eingeführt. Das sind nur ein paar der Eckdaten, bloß die geplanten Windrädern zur Stromgewinnung gibt es – noch – nicht. Nicht, weil es technisch nicht möglich wäre, sondern weil ein Nachbar Einspruch erhoben hat. Aufgeben – Ihr könnt es Euch denken – ist aber auch hier keine Option.

Über eine Minibar wird derzeit diskutiert: Aber nein, zu viel Energieverschwendung. Foto: Doris

Über eine Minibar wird derzeit diskutiert: Aber nein, zu viel Energieverschwendung. Foto: Doris

„Wir sind Stück für Stück gewachsen“, so Haas, „und die Gäste fordern es auch ein, wie wir anhand der Zufriedenheits-Fragebögen merken.“ Dabei kommen nicht alle, weil es sich um ein Haus mit Null-Energiebilanz – „es geht sich knapp aus“ – handelt. Manche merken es erst, wenn sie die grünen Aufkleber in ihren Zimmern vorfinden: „No Minibar“ heißt es da zum Beispiel auf einem, ein Commitment gegen einen erhöhten CO2-Ausstoß, der den fehlenden Punkt auf die 4-Sterne-Kategorie kostet. Es ist eine bewusste Entscheidung.

Der Blick aufs Lavendeldach, das derzeit noch nicht lila, sondern grün ist. Foto: Doris

Der Blick aufs Lavendeldach, das derzeit noch nicht lila, sondern grün ist. Foto: Doris

Statt Mini-Bar gibt es etwas – meiner Meinung nach – viel Besseres: Den Ausblick auf ein (im Sommer vermutlich schön lilafarbenes) Lavendeldach zum Beispiel und so viele Sträucher sowie Bäume im Garten, Weinreben an den Hauswänden, dass der Leitspruch „Wohnen mitten im Grünen mitten in der Stadt“ nicht treffender sein könnte. Und wer sich noch ein Stück vom Stadthotel mitnehmen möchte, der findet in der Vitrine im Eingangsbereich handgemachte Souvenirs – wie wäre es zum Beispiel mit Lavendelherzen oder einer Lavendel-Schoko-Torte, na!?

Boutique Hotel Stadthalle: Hackengasse 20, 1050 Wien, ab € 128,- pro Nacht, http://www.hotelstadthalle.at/

6. Urbanauts: Das horizontale Hotel im „Grätzel“

Dass man und vor allem was man aus leerstehenden Gassenlokalen so alles machen kann, das beweisen seit 2011 die Urbanauts. Anders als in Städten wie London darf man in Wien nämlich bisher in ehemaligen Geschäftsräumlichkeiten nicht wohnen – leider. Also haben die Architekten Theresia Kohlmayr, Jonathan Luther und Christian Knapp mit einer ehemaligen Schneiderei das Pilotprojekt „horizontales Hotel“ gestartet. Nein, nicht, was Ihr denkt: Im leerstehenden Raum im Erdgeschoß wurden Bad und WC eingebaut, die Wände zur Straße mit Schalldämmung vor Lärm geschützt, die großen Auslagenfenster mit verdunkelten Gläsern abgeschirmt – ein 25 qm großes Hotelzimmer mit Mini-Bar, Internet und Co. entstand. An die Vergangenheit erinnern nicht nur der Name „Die Schneiderin“, sondern auch eine große Foto-Wand gestaltet durch die Künstlerin Sue Sellinger und handgemachte Hosen sowie T-Shirts, die Gäste anprobieren und dann gern bei den Urbanauts kaufen können.

Der "Schneiderin" sieht man ihr Vorleben an - so soll es auch in den anderen Ex-Gassenlokalen passieren. Foto: Doris

Der „Schneiderin“ sieht man ihr Vorleben an – so soll es auch in den anderen Ex-Gassenlokalen passieren. Foto: Doris

„Wir haben versucht, die vertikal angeordnete Hotelstruktur horizontal ins Grätzel (= Viertel) auszulagern“, erklärt Theresia, die selbst Erfahrung in der Hotellerie mitbringt. Heißt: Statt Frühstück oder Wellness-Bereich im Hotel selbst, empfiehlt Urbanauts „fellows“ in der Umgebung – ein Kaffeehaus in der Straße, die Bar ums Eck, das Hammam in der Nachbarschaft. Damit die leicht erreicht werden können, stehen vor dem Haus zwei Fahrräder – Vespas können als „Extra“ angemietet werden.

Der Schlüssel zum Hotelzimmer ist via Code zugänglich, wie stark man in der "Auslage" sitzen möchte, kann via verdunkelten Fenstern reguliert werden. Foto: Doris

Der Schlüssel zum Hotelzimmer ist via Code zugänglich. Wie stark man in der „Auslage“ sitzen möchte, kann via verdunkelten Fenstern reguliert werden. Foto: Doris

Über Empfehlung funktioniert auch die Bewerbung der Urbanauts, an deren Konzept andere Städte ebenfalls Interesse haben. Bisher erfolgt eine Buchung nur über die Website – eine Erweiterung auf andere Plattformen ist angedacht und vermutlich auch notwendig, wenn die nächsten Hotelzimmer nach dem gleichen Konzept aufsperren: Noch im Juli werden die jeweils 35qm großen „Galerist“ und „Künstler“ öffnen, im September ist „Der Schlosser“ an der Reihe.

DVDs, ein Stadtplan sowie passende Kleidungsstücke (zum Probieren und späteren Kaufen) liegen in der Schneiderin auf. Foto: Doris

DVDs, ein Stadtplan sowie passende Kleidungsstücke (zum Probieren und späteren Kaufen) liegen in der Schneiderin auf. Foto: Doris

Urbanauts: Favoritenstraße 17/ G3-5, 1040 Wien (geplante Home-Base in der Belvederegasse 26, 1040 Wien – Eröffnung 2014), ab € 120,- pro Nacht, http://www.urbanauts.at/

7. Hotel Der Wilhelmshof: Ganzheitlich vom Dach bis zur Garage

Wer mit einem der Trés-Hombres befreundet ist und deren fair transportierten Rum verkauft, der kann nur sympathisch sein. Wer noch dazu seit 2008 die größte Solaranlage der Wiener Hotellerie im Einsatz hat oder durch so „Kleinigkeiten“ wie eine Haus gemachte (vom Vater „gebastelte“) Heizungsregelung 20% der Kosten sowie jede Menge Energie spart, punktet gleich noch einmal – bei mir zumindest. Roman Mayrhofer, Geschäftsführer und mit seinem Bruder Eigentümer des Familienbetriebs „Der Wilhemshof“ macht mir bei seiner Hausführung klar, dass der Anspruch der „Ganzheitlichkeit“ im 4-Sterne-Hotel nicht (nur) auf dem Papier zu finden, sondern seine Einstellung ist.

Das Hotel Wilhelmshof hat schon seit 2008 die größte Solaranlage - aber erst 2010 davon erzählt. Foto: Doris

Das Hotel Wilhelmshof hat schon seit 2008 die größte Solaranlage der Wiener Hotellerie – aber seit 2010 erzählt es darüber. Foto: Doris

„Bei jeder Entscheidung muss man auch die ökologischen Kriterien heranziehen“, erklärt er und ist überzeugt: „Im Hintergrund kann man so viel machen“ – vor allem, wenn einem die Immobilie gehört, wie das beim Wilhelmshof seit Generationen der (Ideal)Fall ist. „Energie ist dabei der größte Hebel“, meint Mayrhofer und ist stolz, dass 45% der Energiebedarfs über die Solaranlage gewonnen wird. Es ist auch ein wirtschaftlicher Erfolg, der ohne das unternehmerische Risiko im Vorfeld aber nicht möglich wäre – schließlich investiert man gerade bei für den Gast unsichtbaren Dingen anfangs enorm.

Ein ganz besonderes Designzimmer im Wilhelmshof. Foto: Doris

Ein ganz besonderes Designzimmer im Wilhelmshof – gestaltet von TyWaltinger. Foto: Doris

Ein „plakatives Thema“ wie die Solaranlage ist wichtig für die Kommunikation, aber nicht das Einzige, was den Wilhelmshof besonders – anders – macht. Ganz offensichtlich ist da vor allem die Kunst: Der österreichische Künstler TyWaltinger hat aus dem Hotel – Schritt für Schritt – ein Kunsthotel gestaltet. „Eines, in dem den Gast die Kunst aber nicht überfährt“, wie Mayrhofer wichtig ist zu zeigen – und tatsächlich ist sie in einigen Räumen nur ganz dezent merkbar. In anderen dafür stärker, nie aber aufdringlich. Das Konzept zieht sich übrigens bis zur Garage (!) durch, und TyWaltinger arbeitet selbst stark mit natürlichen Farbpigmenten und den Kräften der Natur zusammen – ganzheitlich eben!

Speziell ist der Wilhelmshof, auch die Garage. Foto: Doris

Speziell ist der Wilhelmshof, auch die Garage. Foto: Doris

Hotel Wilhelmshof: Kleine Stadtgutgasse 4, 1020 Wien, ab € 120,- pro Nacht, http://www.derwilhelmshof.com

Weitere Tipps zu einem alternativen, nachhaltigen Wien-Besuch habe ich für einfachbewusst.de geschrieben >> http://www.einfachbewusst.de/2013/04/nachhaltiges-reisen-wien-und-darmstadt/ 

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7 Mal anders schlafen: Meine Übernachtungstipps für Wien (Teil 1)

Statt „Wien ist anders“ sollte der nächste Werbeslogan für meine Wahl-Heimatstadt eher lauten: „In Wien schläft sich es anders“. Seit einiger Zeit schießen viele spannende, alternative Konzepte für Übernachtungsmöglichkeiten – von…

Statt „Wien ist anders“ sollte der nächste Werbeslogan für meine Wahl-Heimatstadt eher lauten: „In Wien schläft sich es anders“. Seit einiger Zeit schießen viele spannende, alternative Konzepte für Übernachtungsmöglichkeiten – von günstig bis hochpreisig – aus dem Boden. Daneben setzen zahlreiche Hotels auf umweltfreundliche Modelle. Sieben dieser etwas anderen Schlafplätze, die es mir besonders angetan haben, stelle ich in diesem und in meinem nächsten Artikel vor. Wer weiß, wofür es der eine oder die andere brauchen kann…

1. Chez Cliché – Wohnen bei (falschen) Freunden

Wohnen in Privat-Apartments à la airbnb ist ja längst nichts Neues mehr und wird auch in Wien häufig genutzt. Der heißeste Trend aber ist: Wohnen bei (falschen) Freunden. Die beiden Wiener Claudia Diwisch und Gerald Tomez, die mit dem Tourismus bisher nichts zu tun hatten, haben sich von der Idee eines Wahl-Berliner Freundes anstecken lassen und vermieten seit Oktober acht Wiener Apartments, die unter anderem dem Ex-Jockey Raul, der Botanikerin Sophie, Mozart-Fan Marie Therese oder Theaterliebhaber Koloman gehören. Das Spannende daran: Diese Personen sind alle erfunden…

Marie Therese wohnt stilvoll, wie es sich für eine Mozart-Liebhaberin gehört. Foto: Doris

Marie Therese wohnt stilvoll, wie es sich für eine Mozart-Liebhaberin gehört.

…aber so echt, wie möglich: Nicht nur die Wohnungen sind mit einer Liebe zum Detail aus einer Mischung aus alten, neu hergerichteten und modernen Stücken so eingerichtet, dass ich immer erwartet habe, ihre Besitzer – zum Beispiel Stewardess Bella oder Platten-Sammler-Beat – würden gleich um die Ecke kommen. Auch auf Facebook sind Kolomann und Co vertreten. Ob ihre „Freunde“ im Social Network wissen, dass sie gar nicht existieren?

Beat sammelt Platten - und überhaupt erinnert alles in der Wohnung an Musik. Foto: Doris

Beat sammelt Platten – und überhaupt erinnert alles in der Wohnung an Musik.

Wer bei Chez Cliché, so heißt das Unternehmen, bucht, kann das entweder über airbnb oder direkt über die Website tun. Bei der Abholung durch die beiden Gründer gibt es dann nicht nur den Schlüssel, sondern auch die Telefonnummern. Das ist nämlich einer der vielen Pluspunkte beim Wohnen bei diesen „falschen“ Freunden: Das Team von Chez Cliché ist immer für seine Gäste erreichbar und liefert Insider-Tipps und lokale Empfehlungen für den Aufenthalt.

Dass Beat nicht echt ist? Wer hätte das bei der stimmigen Einrichtung gedacht? Foto: Doris

Dass Beat nicht echt ist? Wer hätte das bei der stimmigen Einrichtung gedacht?

Weitere Pläne gibt es auch – unter anderem den für eine Verdoppelung der Apartments in Wien. Schließlich warten neue Persönlichkeiten schon auf eine – ihre – Heimat…

Chez Cliché: Verschiedene Locations im 1., 2., 7. und 9. Bezirk, Privat-Wohnungen ab 189 Euro pro Nacht (mindestens zwei Nächte), chezcliche.com

2. Pop_Inn 111: Pop in, Pop up

Das Pop_Inn 111 als eine Übernachtungsmöglichkeit vorzustellen, ist fast schon eine Beleidigung. Dieses Hostel, in dem man zwischen Wänden voller Kunst und auf Betten aus Bierkästen schläft, ist viel mehr als „nur“ eine Übernachtungsmöglichkeit. Es ist Teil des Projekts Trust 111, und ein „Modellversuch, leerstehende Häuser zu nutzen und eine Community aufzubauen, von der sowohl die Menschen, das Gebäude wie auch die Umgebung profitieren.“, so erklärt es mir die Holländerin Margot, eine der Verantwortlichen. Die Stadtsoziologin arbeitet für den Verein onorthodox – tackling urban issues und ist vor allem für den theoretischen Teil zuständig, schließlich handelt es sich hier um ein Pilotprojekt, das sowohl national wie international auf reges Interesse stößt.

Im Pop_Inn 111 schläft man auf Bierkisten statt in "normalen"Betten. Foto: Doris

Im letzten Jahr ist Architekturstudent Lukas vom Verein ImPlanTAT – Netzwerk für ZwischenNutzungen  auf das leerstehende Haus in der Schönbrunner Straße 111 gestoßen. Dem geht es wie einigen Gebäuden zurzeit: Es soll modernisiert und umgebaut werden, die Pläne sind vorhanden, die Finanzierung steht auf dem Papier – nur der Baustart lässt auf sich warten. Das macht sich das Projekt „Trust111“ zu Nutze. Mit Einverständnis des Eigentümers und mittlerweile unter wohlwollender Beobachtung der Stadt Wien wurden sie zu Zwischenmietern des Gebäudes, haben die Wände gestrichen, die Abflüsse repariert. Künstler nutzen einen Teil des Hauses und zahlen für die Ateliers einen Vereins-Mitgliedsbeitrag, in der Bar „No Borders“ im Erdgeschoss können Getränke nach dem „pay as you wish“-Prinzip konsumiert werden und nebenan ist gerade die Ausstellung What the shop zu sehen.

Sisi-Zimmer: Ein bisschen Verarschung, ein bisschen Nostalgie, viel Wien. Foto: Doris Schlafen in der Ausstellung, dem Sisi-Zimmer: Ein bisschen Verarschung, ein bisschen Nostalgie, viel Wien. Foto: Doris

Schlafen in der Ausstellung, dem Sisi-Zimmer: Ein bisschen Verarschung, ein bisschen Nostalgie, viel Wien.

Und dann ist da natürlich noch das temporäre Guesthouse „Pop_Inn 111“, in dem mit Service – „Wir sind immer da und können Tipps für Wien geben!“ – wett gemacht wird, wenn in den sanierungsbedürftigen Mauern wieder einmal die Elektrizität ausfällt. Buchbar sind Mehrbettzimmer und Themenräume mit Namen wie White Cube Himmel, Wiener Aktionismus, Franz Josef oder Sisi. Räume, bei denen es sich eigentlich um Ausstellungen handelt. „Indoor Camping“ steht auf einer anderen Tür, hinter der sich ein Zimmer mit grünem Rasenteppich, Zelt und Klappstuhl verbirgt. Ein Trostpflaster dafür, dass Outdoor-Campen am Dach nicht möglich ist – den Nachbarn zuliebe.

Indoor statt Outdoor-Camping: Im Pop_Inn 111 findet man für jede Herausforderung eine Lösung. Foto: Doris

Indoor- statt Outdoor-Camping: Im Pop_Inn 111 findet man für jede Herausforderung eine Lösung.

Work in progress ist bei Trust111 so einiges: Vom Ausbau der Zimmer bis hin zu einer Fahrradwerkstatt, von Urban Gardening (dem das konstante Regenwetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat) bis zu Filmvorführungen im „Kino-Zimmer“, von Sprachkurs-Angeboten auch für sozial Schwächere bis zur angrenzenden Café-Küche. Ob, wann und was davon realisiert wird beziehungsweise was sonst noch passiert, wird die Zeit weisen – und vor allem auch davon abhängen, wie lange Trust111 das Haus in der Schönbrunner Straße 111 nutzen kann. Denn dass alles jederzeit vorbei sein kann, dessen sind sich Lukas, Margot und ihre Mitstreiter bewusst.

Pop_Inn 111:  Schönbrunner Str. 111, 1050 Wien, Hostel-Bett 15 Euro pro Nacht, Apartment ab ca. 60 Euro pro Nacht, popinn111.wordpress.com

3. und 4. Hotel Topazz und Lamée: 4+ Sterne für Nachhaltigkeit

Wasserkrug, selbstgemachtes Müsli & Liebe zum Detail gibt es sowohl im Topazz als auch im Lamee. Foto: Doris

Wasserkrug, selbstgemachtes Müsli und Liebe zum Detail gibt es sowohl im Topazz als auch im Lamee.

„Unser Zugang ist nicht, wir bauen ein Haus, sondern: Wir haben da ein Gebäude, was machen wir daraus?“ Schon der Ansatz, nach dem die beiden Luxus-Hotels (im 4-Stern-Superior Segment angesiedelt) mitten in der Wiener Innenstadt gestaltet wurden, spricht für sie. Dass sowohl beim Topazz, als auch bei dessen Schwesternhaus Lamée gegenüber der Umweltgedanke zählt, habe ich nur durch Zufall herausgefunden: Im Rahmen der heurigen ERDGespräche nämlich wurden einige Vortragende dort – kostenlos – beherbergt. Das „Tu-Gutes-und-rede-darüber“-Modell steckt hier erst in den Startlöchern…

Das Lamee spielt mit dem Stil der 30er Jahre. Foto: Doris

Das Lamée spielt mit dem Stil der 30er Jahre.

„Neben dem einzigartigen Design ist Nachhaltigkeit ein weiterer Schwerpunkt von uns.“, erklärt mir Geschäftsleiterin Christiane Weissenborn, die ihren Job in der Immobilienbranche „nebenbei“ weitermacht. Vor allem ökologische, natürliche Baumaterialien wurden verwendet und beim Frühstücksbuffet wird Regionales, Selbstgemachtes wie die Müsliriegel oder Marmeladen aufgetischt, der biodynamische Wein kommt aus der unternehmenseigenen Winzerei. „Ganz selten beschwert sich ein Gast, dass es keine Ananas gibt.“, steht Weissenborn hinter ihrem Konzept, Obst saisonal anzubieten. Alles ist in Gläser und kleine, verzehrbare Portionen abgepackt und die Größe der Seife ist gerade richtig für den Durchschnittsaufenthalt der Gäste von 1,4 Tagen.

Im Topazz schläft man mit ruhigem Gewissen. Foto: Doris

Im Topazz schläft man mit ruhigem Gewissen.

Die beiden Häuser sind aber vor allem in einem einzigartig in Wien: In ihrem Mix aus Design und Niedrigenergie. Denn Heizung und Kühlung der beiden Häuser mit ihren je 32 Zimmer erfolgt über einen Brunnen, der im Topazz steht und dessen Wasser unterirdisch auch ins gegenüber liegende Lamée weitergeleitet wird. „Es ist ein etwas lahmes System,“, kennt Weissenborn nach dem ersten Jahr die Schwierigkeiten, „weil es sich langsam an die Außentemperatur anpasst, haben wir schon Kritik eingefangen. Erst wenn wir es erklären, verstehen die Gäste.“ Schon besser kommt da die Wohnraumlüftung an, die ständig Frischluft zuführt – das „Geheimnis, warum man sich so wohlfühlt“. Letzteres könnte aber auch an so liebevollen Kleinigkeiten liegen wie dem Picknick im Bett, das statt des normalen Frühstücks gern aufs Zimmer serviert wird. Korb, Porzellangeschirr und Decke inklusive.

Auch die Betreiber LENIKUS Designhotels haben große Pläne: Ein bis zwei weitere Häuser sollen noch in der Innenstadt eingerichtet werden.

Hotel Topazz bzw. Hotel Lamée: Lichtensteg 3 bzw. Rotenturmstraße 15, ab 198 Euro pro Nacht, hoteltopazz.com

 

Weitere Tipps zu einem alternativen, nachhaltigen Wien-Besuch habe ich für einfachbewusst.de geschrieben >> www.einfachbewusst.de/2013/04/nachhaltiges-reisen-wien-und-darmstadt/ 

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Koh Klang: In fünf Minuten von der Reisernte zum Muscheljagen

Das habe ich jetzt davon. Da habe ich die letzten Tage in Bhutan die ganze Zeit herum genörgelt, dass wir die Reisfelder im Winter nicht grün, sondern vielmehr braun-in-braun erleben…

Das habe ich jetzt davon. Da habe ich die letzten Tage in Bhutan die ganze Zeit herum genörgelt, dass wir die Reisfelder im Winter nicht grün, sondern vielmehr braun-in-braun erleben und dann das. Kaum in Thailand angekommen wird mir schon eine Sichel in die Hand gedrückt: „Wir sind mitten in der Erntezeit der Reisfelder, du hast Glück gehabt!“ Beim Ausspruch meines Begleiters Pathiharn, laut Visitenkarte „Chief of Village„, bin ich allerdings mir ob meines Glücks nicht so sicher.

Aber da stehe ich nun, Handschuhe angezogen, Sichel in der einen, Kübel (= Eimer) in der anderen Hand – und was jetzt? Besonders gut scheine ich mich als Reiserntehelferin nicht angestellt zu haben. Schon ein paar Minuten – und zig Erklärungs- und Demonstrationsversuche der Damen um mich herum – später, gebe ich w.o. Um ehrlich zu sein, die Ladys haben mir einfach die Sichel aus der Hand gezogen. Ich verstehe den Hinweis: Aus dieser Karriere wird nichts!

Ikone der Patae-Herstellung. Foto: Doris

Wir befinden uns auf einer Tour durch das Dorf auf der Insel Koh Klang, und die Reisfelder, die in einer Kooperative von 80 BäuerInnen betrieben werden, sind meine dritte und letzte Station. Zuvor hat mich Pathiharn, dessen Familie nicht nur das Islanda Eco Village Resort, sondern auch andere Hotels in der Region Krabi gehören, schon zu einem Hersteller der langschwänzigen Fischerboote „Hua Tong“ und einer Produktionsstätte der Batik-ähnlichen, Hand-gedruckten und -bemalten Patae-Stoffe gebracht. Beide Betreiber sind Ikonen auf ihrem Gebiet: Ihre Produkte werden nicht nur auf Koh Klang verkauft, sondern überall in Thailand. Und auch der Reis ist kein „gewöhnlicher Reis“, nein, er ist ein „Sang Yord“-Reis, eine für den Süden des Landes berühmte, besonders wohl schmeckende Köstlichkeit, die hier auf Koh Klang seine Perfektion erreicht hat. Dem Boden der mit Mangroven übersäten Insel sei dank!

Die Insel ist für Long-Tail-Boote bekannt. Foto: Doris

Das sind aber nicht die einzigen Besonderheiten der Insel. Nur fünf Minuten per Boot ist Koh Klang entfernt von Krabi, der Hauptstadt der Region, in die TouristInnen wegen der Strände von Railay oder Ao Nang strömen. Fünf Minuten, die in eine völlig andere Welt führen. Fern von Massen an AusländerInnen, englisch beschrifteten Touristenfallen, Shops- und Restaurantmeilen oder immer behilflichen Taxi- oder Hotelbetreibern ist die Fischerinsel Koh Klang fast schon schockierend friedlich, ruhig und beschaulich. Wären da nicht die laut tönenden Gebete aus der Moschee, die freitags die hauptsächlich muslimische Bevölkerung anzieht. Und wären da nicht die Motorräder und TukTuks, die durch die schmalen Straßen der Auto freien Insel brausen. „Auf 5.000 BewohnerInnen kommen 4.000 Motorräder.“ hat mir ein Einheimischer mit einem Augenzwinkern verraten – und wenn ich mir’s recht überlege, hat er damit vermutlich sogar untertrieben…

Motorräder und TukTuks begrüßen schon bei der Ankunft auf der Insel. Foto: Doris

Dass es die BewohnerInnen Koh Klangs, das eigentlich aus drei Dörfern besteht, trotz der Nähe zur Stadt geschafft haben, ihre traditionelle Lebensweise aufrecht zu erhalten, grenzt an ein Wunder. „Geholfen“ hat sicher, dass die Insel weit und breit keinen der Traumbadestrände parat hat, wegen der wohl 99,9% aller BesucherInnen nach Thailand reisen. Mangrovenwälder sind da nicht so anziehend. Dass das ein Glück sein kann, haben im Laufe der Zeit nicht nur zahlreiche NGOs und Umweltschutzorganisationen erkannt, die hauptsächlich mit finanziellen Mitteln unter die Arme gegriffen haben, um das Vogel- und Naturparadies zu erhalten. Auch das einzige Ressort der Insel, das Islanda Eco Village Resort arbeitet seit den fünf Jahren seines Bestehens mit der Dorfgemeinde zusammen: Den Gästen werden Village-Touren wie ich sie gerade mache angeboten, Fahrräder zum eigenständigen Erkunden zu Verfügung gestellt oder der lokale Reis und natürlich Muscheln sowie Fische, die die EinwohnerInnen gefangen haben, aufgetischt. „Wir können nur wachsen, wenn das Dorf wächst.“, haben Pathiharn und sein Team erkannt. Eine wirtschaftliche Überlegung, die positive Folgen hat – nicht nur für das Ressort selbst.

Islanda Eco Village zeigt auch bei seinen Cottages das Typische der Insel. Foto: Doris

Vor einem Jahr ist TEATA (Thai Ecotourism and Adventure Travel Association), das seit 1997 bestehende Netzwerk aus privaten thailändischen Öko-Tourismus-Anbietern und der Thailändischen Tourismusbehörde, auf das Potenzial aufmerksam geworden. Gekommen, angesehen und für gut befunden – so könnte man das Untersuchungsergebnis zusammenfassen. Mittlerweile gilt die einzigartige Zusammenarbeit zwischen Hotel und Dorf als Pilotprojekt, das unter dem Namen Koh Klang Go Green von TEATA unterstützt wird. Nicht nur mit finanziellen Mitteln, sondern tatkräftig – mit der Entwicklung neuer attraktiver Angebote samt gemeinsamer, fairer Preisentwicklung für das Hotel, dementsprechend neuen Arbeitsplätzen für die BewohnerInnen, mit Englisch-Schulungen für die Community, Beratungen in Sachen Umgang mit TouristInnen und vielem mehr.

Ein ruhiges, friedliches Zusammenleben übrigens auch mit den Tieren: Ob Ziegen oder Katzen, ... sie sind überall. Foto: Doris

Eine Win-Win-Situation für Hotel, Community und für uns Gäste, vorausgesetzt natürlich, wir nehmen das Angebot in Anspruch und verzichten auf ein paar Sonnenstunden am Pool. Ich habe jedenfalls ein ganzes Stück Thailands, vor allem seiner – meist Spaß machenden, schüchternen, bemühten – Menschen mitgenommen und eine Seite kennen gelernt, für die ich sehr dankbar bin: Beim Reisernten, Patea-Malen, Kayaken samt gemeinsamen Kaffeetrinken im „Dorfbeisl“, Radfahren…

What lies in front of our eyes wasn’t only an endless beach along the island with a spectacular view of nearby islands ahead, but also the motion of coconut tres branches moving when the lazy breeze blows past. A clear blue sky with different shapes of fluffy clouds above, and the grains of sand beneath our feet, we can also see the unique way of the Souther people’s lives, which gradually fad away from this region. (Islanda Eco Village Resort, Our Inspiration)

…und ja, auch bei einer der neuesten Möglichkeiten, das lokale Leben und die Traditionen dieser Insel im Süden Thailands kennen zu lernen: Muscheln jagen und diese danach – im Hotel zubereitet – verspeisen! Wie ich mich als Vegetarierin dieser Herausforderung gestellt habe (der des Jagens, nicht des Essens), und ob ich mich als Muscheljägerin besser mache als als Reiserntehelferin, davon erzähle ich aber dann vielleicht besser ein anderes Mal…

Ob ich wohl so einen großen Fisch gefangen hab? Foto: Doris

 

Offenlegung: Ich bin auf Einladung von Thailand Tourismus, Royal Silk Holiday und Islanda Eco Village Resort auf die Insel Koh Klang gekommen. Herzlichen Dank für die Unterstützung!
Meinungen und Ansichten in der Geschichte sind wie immer meine eigenen.

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Als Nomade leben, arbeiten und die Welt verändern? Es geht!

„Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen….

„Warum willst du dich auf einen einzigen Platz beschränken, den du Heimat nennst, wenn doch der ganze Planet so viel anzubieten hat?“ Tudor Tarlev möchte sich in keinem Fall beschränken lassen. Seit er 16 ist, ist er auf einer unternehmerischen Reise – als Nomade. „Ich schätze, ich kann mein Dorf in Moldawien Heimat nennen, aber da bin ich nur ein paar Wochen im Jahr.“ Den Rest der Zeit ist der „chronische Unternehmer und Aktivitätsjunkie mit sechs Start-Ups in Planung und großen Misserfolgen“ als selbst ernannter „Veränderungsagent“ unterwegs in ganz Europa, um positive, nachhaltige Projekte durchzuführen. Ich habe Tudor zu seinem Lebensstil und seinen Projekten befragt – und vielleicht inspirieren sie auch dich:

Doris: Tudor, du bezeichnest dich als „Nomade und Unternehmer“ – was genau machst du? 

Tudor: Ich habe meine unternehmerische Laufbahn gestartet als ich 16 war, während meiner Zeit auf dem College in Moldawien, als ich Wirtschaft studiert habe. Nach einigen Monaten kam mir der Gedanke, dass man die Seite der wirtschaftlichen Entwicklung nur dann verstehen kann, wenn man selbst ein Unternehmen gründet und zum Wachsen bringt. Das Konzept des Nomadentums kam 2011 dazu, als ich von Moldawien nach Rumänien übersiedelt bin und dort aktiv an lokalen und regionalen Treffen in Europa teilgenommen habe. Damals habe ich eine einfache Entdeckung gemacht: Du kannst mit deinem Unternehmen keine globale Auswirkungen haben oder haben wollen, wenn du nicht mit deiner Gemeinschaft in Kontakt bist, deine Märkte kennst, starke Netzwerke pflegst, kulturelle Hintergründe anschaust und das, was die Menschen bewegt, wo auch immer sie sind.

Jetzt bin ich dabei, ein Sozialunternehmen namens Dreamups zu gründen, ausgehend von Österreich. Das Team ist aber sehr international und besteht aus Nomaden.

Screenshot der Website Dreamups.

Dreamups ist im August 2012 gestartet, die Plattform möchte als eine Art „Bibliothek“ fungieren, in der jeder sein Buch/sein Wissen einbringen und mit Gleichgesinnten teilen und jeder alles Wissen übernehmen/ansehen kann. Alle Anweisungen aus der Bibliothek sind nachhaltige und mit Leidenschaft entwickelte Lösungen. Die Idee ist, Lösungen in einem simplen “do it yourself” Format zugänglich zu machen, um von lokalen Gemeinschaften und Individuen weltweit genutzt zu werden.

Foto: Tudor Tadev

Wann und warum hast du dich für ein Leben als Nomade entschieden?

Ich nenne es keine Entscheidung, es war mehr als Lebensstil, der sich über die Zeit entwickelt hat, als ich versucht habe, mich weiter zu bewegen, zu lernen und mein Netzwerk zu schaffen. Zumindest jetzt, wo ich mich um weniger Dinge kümmern muss und mehr Bewegungsfreiheit habe, möchte ich so viel wie möglich entdecken und gleichzeitig etwas Positives für die Welt kreieren.

Was sind die größten Herausforderungen und Chancen deines Lebensstils? 

Die größte Herausforderung sind wohl die Ressourcen – du hast keinen fixen Job und du musst ja von etwas leben, also musst du entweder als Freelancer gut sein, oder dein Start-Up läuft so gut, dass es deine Kosten deckt. Eine andere Herausforderung ist dein Können und das Vertrauen: Wie organisierst du deine Arbeit und einen Erfolg außerhalb eines normalen, geregelten Büroalltags, manchmal mit Menschen, die auf der anderen Seite des Ozeans leben? Sozial: Manchmal ist es hart, sich in eine lokale Gemeinschaft zu integrieren und alle Möglichkeiten zu entdecken, die sie für dich bietet. Das Geheimnis ist, den Fluss zu genießen, Menschen zu vertrauen und dich selbst jeden Tag zu fragen: Welchen Wert habe ich für andere geschaffen?

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Kannst du bitte deine Reise beschreiben? Die Landkarte auf deiner Website sieht spannend aus! 

Naja, die Landkarte ist einfach zu erklären: Ich habe einige Projekte in Moldawien, Rumänien und Österreich gegründet. Die restlichen Länder habe ich mehr für Gemeinschaftsprojekte, Konferenzen, Kongresse und zur unternehmerischen Forschung besucht. Andere wie die Niederlande oder Deutschland sind potenzielle Umfelder für zukünftige Entwicklungsprojekte. In den nächsten Jahren werden die Punkte auf der Landkarte rasant zunehmen, nachdem ich plane, jedes Jahr neue Länder anzuschauen, dort zu leben und innerhalb der Dreamups Gemeinschaft zu arbeiten.

Foto: Tudor Tadev

Du lebst gerade in Österreich – ist das das Ende deines Nomadendaseins oder bloß eine Pause? 

Der genaue Ort ist Dreamicon Valley, Siegendorf, eine halbe Stunde südlich von Wien. Da ist auch das Hauptquartier der Dreamups und der Platz, an den wir alle drei Monate zusammenkommen, um zu evaluieren und die nächsten Schritte für die kommenden drei Monate zu überlegen. Den Rest der Zeit bin ich unterwegs, um Möglichkeiten zu entdecken und positive Auswirkungen auf die Welt zu haben.

Was sind deine größten Projekte bisher, worauf bist du am meisten stolz? 

Eine meiner besten Erfahrungen war TEDxChisinau.com, ein großartiges Team und etwas, was ich geschafft habe, zum Wachsen zu bringen und dadurch Lösungen für die lokale Gemeinschaft zu schaffen. Jetzt führt Elena, eine Freundin aus Moldawien, das Projekt und sie übertreffen alle Erwartungen, die wir im ersten Moment hatten. Ich liebe das, was sie derzeit machen. Die zweite Sache sind meine Lebenserfahrungen, all die großartigen Menschen, die ich getroffen habe, und meine Bankrotterklärungen; sie haben meine Zukunft enorm bereichert. Das letzte und aufregendste ist mein neues Baby, Dreamups – eine globale Plattform für Menschen, um nachhaltige Lösungen zu entdecken und zu erschaffen. Es ist einfach riesig und ich freue mich sehr auf seine Entwicklung.

Foto: Tudor Tadev

Kannst du auch noch etwas Genaueres zu deinem neuen Projekt, einem Buch verraten? 

Die Arbeitslosenrate wird in Zukunft noch mehr werden, weil alles automatisiert und technologisiert wird. Dann können wir zu dem Moment kommen, wo Menschen in vielen Bereichen nicht mehr gebraucht werden. Aber es gibt einen Platz, wo man sie immer brauchen wird – in ihrer Gemeinschaft und der Familie. Ich stelle mir eine Zeit vor, wenn Menschen zu ihren Wurzeln zurück kommen und ein viel mehr von den Werten geprägtes Leben führen, zum Beispiel ihr eigenes Essen produzieren, Selbstgemachtes und Upcycling-Produkte nutzen. Es ist großartig zu begreifen, dass wir unsere Fähigkeiten außerhalb des Arbeitsmarkts einsetzen können und trotzdem unseren Lebensunterhalt verdienen und Mehrwert schaffen. Das wird der Moment sein, an dem jede Person ein Künstler, ein Erschaffer sein darf. Das Buch nennt sich “DO nomads” und wird eine interaktive Reise mit Aufgaben und Herausforderungen sein, die es zu meistern gilt, und deshalb wird die Erfahrung für jeden Leser einzigartig sein. Eine Geschichte in Echtzeit, die die Erfahrung anderer Menschen darstellt und Einblicke gibt, wie man Neues erschafft und diesen Weg meistert. Es ist eine Reise über vier Jahre, und ich hoffe, dass das Stück Kunst 2015 öffentlich zugänglich wird. Um zu verstehen, was ich sage, lest am besten Robots Will Steal Your Job, But That’s OK von Federi Pistono oder We Are All Artists Now von Seth Godin.

Danke, Tudor!

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Meine Lieblingsrezepte aus der Yoga-Küche auf Hawaii

„Essen ist mir ja normalerweise egal,“, sagt sie und schenkt mir dabei ein begeistertes Lächeln, „aber hier schmeckt es großartig!“ Ein schöneres Kompliment kann eine Köchin nicht bekommen, also serviere…

„Essen ist mir ja normalerweise egal,“, sagt sie und schenkt mir dabei ein begeistertes Lächeln, „aber hier schmeckt es großartig!“ Ein schöneres Kompliment kann eine Köchin nicht bekommen, also serviere ich diesem Gast gerne und mit stolzgeschwellter Brust eine extra Portion Salat. Schließlich habe ich als Freiwillige beim Kochen in der Yoga Community Kalani auf Big Island, Hawaii geholfen.

Mahlzeit - auf dem Lanai, dem Essensbereich in Kalani. Foto: Jess Scranton

Nun mag sein, dass im paradiesischen Umfeld von Hawaii alles besser schmeckt, doch nachgekocht kann man sich das fitte Urlaubsfeeling auch nach Hause holen. Deshalb haben mir die Köche und Köchinnen von Kalani hier einige ihrer veganen Lieblingsrezepte – jeweils für sechs Personen – verraten. Was für ein Zufall, dass es sich dabei auch um meine Highlights handelt.

Morgendliches: George’s Bio-Ahorn-Granola

Ob es daran liegt, dass Dessertchef George’s Granola bisher als „Geheimrezept“ unter Verschluss gehalten wurde oder daran, dass es einfach soooo köstlich ist: Die meisten Gäste fragen, wie man das Granola auch Zuhause auf den Frühstückstisch zaubert. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet:

600g Haferflocken, nicht gekocht
Jeweils 130g von mindestens vier dieser Zutaten:
– Pekannüsse
– Mandeln
– Pinienkerne
– Sonnenblumenkerne
– Kokosflocken
– Walnüsse
– Kürbiskerne
– Erdnüsse
– Sesam
1 ½ Teelöffel Zimt
1 Teelöffel Muskat
1 ½ Teelöffel Salz
90g brauner Zucker
2 Teelöffel Vanilleextrakt
1 Tasse Ahornsirup
150g Kokosöl oder Erdnussöl

Den Ofen auf 170 Grad vorheizen. Alles mit den Händen gut vermischen und dann auf einem Blech auflegen. Zusammendrücken, damit die Granola flach wird. Rund 20 Minuten Backen bis es braun wird, dazwischen nicht verrühren. Vollständig abkühlen lassen und schließlich in einem luftdichten Behälter aufbewahren.

Nichts für SuppenkasperInnen: Grüne Papaya Suppe

1 mittelgroße Zwiebel, geschnitten
2 Zehen Knoblauch, ebenfalls geschnitten
2 Esslöffel Ingwer
2 geschnittene Karotten
1 bis 2 grüne Papaya, geschält, entkernt und in Würfel geschnitten
1 bis 2 Esslöffel Kochöl
150g geschälte Tomaten, geschnitten
1 Teelöffel getrockneter Oregano
1 Teelöffel getrocknete Petersilie oder 1 Esslöffel frische Petersilie, gehackt
Meersalz zum Abschmecken
2 kg lange Reisnudeln (Sai Fun)
0,70 l Gemüsesuppe

Das Öl in einem Suppentopf erhitzen, darin die Zwiebeln anbraten, bis sie hellbraun sind. Karotten, Knoblauch und Ingwer dazu geben und für weitere drei Minuten erhitzen. Tomaten, Papaya und Kräuter hinzufügen. Danach mit der Gemüsebrühe aufkochen, die Nudeln dazu geben und für weitere 15 Minuten (oder bis die Nudeln fertig sind) kochen. Heiß servieren.

Variation: Man kann auch Spinat oder anderes grünes Gemüse hinzufügen. Mit grünem Zwiebel garnieren, Sprossen und Koriander oder Kresse beifügen.

Auf dem Bauernmarkt in Hilo gibt es übrigens eine andere empfehlenswerte Köstlichkeit aus grüner Papaya: Den Green Papaya Salad von Ratana’s Green Papaya Salad, einem kleinen Stand unter den anderen Essensshops. Ich habe ihn probiert – er ist köstlich!

Knackiges: Spinat- und Brunnenkresse-Salat mit Himbeer-Vinaigrette

300g Spinatblätter
60g Brunnenkresse
15g getrocknete Cranberries
15g geröstete Walnüsse
30g geschnittene rote Zwiebel
30g frische Himbeeren
8 Esslöffel Olivenöl
2 Teelöffel Sherryessig
1 Teelöffel Balsamico Essig
Salz und frisch geriebener Pfeffer

Für das Dressing den Essig und die Hälfte der Himbeeren in einen Mixer geben, dann mit Öl mischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Salatzutaten mit dem Rest der Himbeeren und dem Dressing abrühren. Sofort servieren.

Sowohl die Suppe als auch den Salat kann man als Vorspeise, als pūpū (so der hawaiianische Ausdruck) genießen. Oder einfach so, weil alles ʻono (= köstlich) ist!

Lasst es euch schmecken!

 

Mehr Rezepte aus der Yoga-Küche: The Many Flavors of Kalani Oceanside Retreat – a guide to heavenly cuisine by the kalani culinary arts team, Copyright 2009 via Kalani

Dieser Beitrag ist ein Vorgeschmack auf mein Reise-Buch über meine Zeit in der Yoga-Community auf Hawaii. Darin gibt’s noch mehr Rezepte und vor allem viele „Schmankerl“ von Big Island und den anderen Inseln: Hawaii – zwischen Yoga, Lava und Kochtöpfen. Drei Monate in einer Community auf der Trauminsel

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Donauwandern: Einladung zum Mitmachen!

„Liebe Doris, vielleicht könnte dich unser Projekt interessieren…“, Mails wie dieses von Helene flattern nicht jeden Tag in meine Inbox. Wenn, dann sind sie aber meist eine Beachtung wert, am besten…

„Liebe Doris, vielleicht könnte dich unser Projekt interessieren…“, Mails wie dieses von Helene flattern nicht jeden Tag in meine Inbox. Wenn, dann sind sie aber meist eine Beachtung wert, am besten noch eine nähere – und so war es auch diesmal.

Hallo, hier bin ich! Meinen vom Aufenthalt in Werfenweng prall gefüllten Rucksack ins Eck werfend – zum Auspacken Zuhause war keine Zeit, ich komme direkt vom Zug – schaue ich in um die zwanzig Augenpaare, neunzehn davon mir persönlich unbekannt. So sieht sie also aus, die Gruppe „engagierter Menschen, die eine nachhaltige Entwicklung im Donauraum initiieren“ will und mich – mit genanntem Anfangsmail – zu einem ersten Treffen in Wien geladen hat.

Lang dauert das gegenseitige Anstarren nicht, die Schweigepause ebenso wenig. Schon wird wieder los besprochen und werden Ideen getauscht  – es gibt viel zu tun, zu viel. Die Einleitungsrunde der bunt zusammen gewürfelten Gruppe aus Interessierten und „den üblichen Verdächtigen“ aus der alternativen Szene, habe ich leider versäumt. Brocken für Brocken setzen sich die Puzzlesteine dann aber doch zusammen: Helene und derzeit vier bis fünf andere wollen zwischen März und Oktober 2013 entlang der Donau vom Schwarzwald bis ans Schwarze Meer. Wandern, Radeln, ja, sogar per Boot ist angedacht – oder anders gesagt: 14 Länder und 3.000 Kilometer in sechs Monaten. Und jede(r), der möchte ist eingeladen, dieses Kernteam zu begleiten – einige Tage, ein paar Wochen oder vielleicht sogar Monate. (Anmerkung: Me, me, me!!!)

Aber es geht nicht nur darum, unterwegs zu sein oder andere Menschen kennen zu lernen. Die Truppe um den Deutschen Johannes, der mit seiner ThinkCamp nonprofit co-operative federführend dabei ist, möchte gemeinsam zukunftsfähige Ideen entwickeln und umsetzen. Es soll eine „Lernreise“ werden, bei der sich nachhaltige Initiativen vernetzen und von einander profitieren können.

Flyer werden verteilt. Worte prasseln auf mich ein: Clouds, Forums, Triz, Streams und viele mehr. Alles unklar? Nicht ganz. Klar ist, dass gerade an einer Online-Plattform, einer Cloud, zum Austausch, zum von einander Lernen, zur gegenseitigen Vernetzung und zur Diskussion mit Interessierten sowie ExpertInnen gebastelt wird. Klar ist, dass von der Wanderung auch gebloggt und laufend berichtet werden soll. Klar ist außerdem, dass neben der virtuellen Verbindung an jeder Station der Reise – von Zürich bis in die Ukraine – eine Konferenz stattfinden wird: Ein Meeting, ein Festival, ein Zusammentreffen, ein Forum für 200 bis 300 Menschen, bei dem diese nachhaltige Projekte präsentieren, sich austauschen und miteinander verbinden können.

„During this learning journey through 14 countries we share our ideas, brains, heart, soul and energy with other like-minded people.“ (Folder von unaVision)

3. April Augsburg, 19. April Regensburg, 9. Mai Melk. Termine und Lokalitäten für die Konferenzen stehen bis Budapest fest. In Wien ist nicht nur der 24. und 25. Mai reserviert, auch die Location ist bereits fix: Die Konferenz findet in der Seestadt Aspern statt. Gut, denn kaum ein Ort könnte sich besser für ein Nachhaltigkeitsmeeting dieser Art eignen als dieses größte Stadtentwicklungsprojekt Wiens, in dem das Miteinander aller Gegensätze – von Jung bis Alt, von Reich bis Arm – geübt wird! Datum, Ort – check! Anders das Programm. Dass es vor allem ums nachhaltige Wohnen und Leben gehen wird, das bringen die Räumlichkeiten mit sich. Aber was dann? Genau das zu erarbeiten, das ist eine der Herausforderungen – eine für dieses WIR, das sich plötzlich aus diesem bunt zusammen gewürfelten Haufen bildet. Und ich mitten drin!

Es ist darüber hinaus eine Herausforderung für alle anderen Stationen der „Donauwanderung“: In jedem Ort wird gerade ein Regionalteam entwickelt, das für die Treffen zuständig ist. Glücklicherweise muss nicht überall das Rad neu erfunden werden. So stehen zum Beispiel Gespräche mit den OrganisatorInnen des SLAMA Festivals in Kroatien an, um bei diesem nachhaltigen Festival für „kreatives Bewusstsein“ ein Forum abzuhalten. Wie es der Zufall will, planen Helene und Co nämlich genau zu dem Zeitpunkt in Kroatien zu sein.

Genau solche Zu- und Glücksfälle braucht unaVision – genauso wie Interessierte, Engagierte und Neugierige, die sich der Wanderung selbst anschließen, an den Regionaltreffen mitarbeiten, ein Treffen besuchen oder während der Wanderung bloggend/dokumentierend tätig sein möchten, eine nachhaltige Initiative in den Orten kennen oder einfach „nur“ die Idee verbreiten wollen.
Also, wer wandelt und wandert mit uns ein Stück die Donau lang?

 

Alle, die das Thema anspricht, melden sich bitte auf der unaVision Plattform oder der Facebook-Gruppe.

Daneben entsteht gerade ein paralleles Projekt, bei dem ein gemeinsames Kochen mit den nachhaltigen InitiatorInnen auf dem Programm steht, ein Plaudern aus dem Kochtopf statt aus dem Nähkästchen. Herauskommen soll – nach dem Vorbild beziehungsweise dem Anstoß von „Kreuzberg kocht“ – ein Kochbuch. 

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