Eco. Life. Style.

Schlagwort: Ausflug

Meine fünf Reisetipps für das schottische Dumfries & Galloway

„Die Gegend Dumfries & Galloway ist noch ein richtiges Geheimnis, sogar für die SchottInnen. Aber jede(r), der/die schon einmal dort war, schwärmt davon.“ Mit diesen Worten hat mich Ines, PR-Verantwortliche…

„Die Gegend Dumfries & Galloway ist noch ein richtiges Geheimnis, sogar für die SchottInnen. Aber jede(r), der/die schon einmal dort war, schwärmt davon.“ Mit diesen Worten hat mich Ines, PR-Verantwortliche von Visit Scotland, erfolgreich nach Schottland gelockt – etwas, was mir übrigens zwei schottische Mitreisende durchaus bestätigen. „Wir sind hier der vergessene Teil Schottlands.“, heißt es auch einmal zur Begrüßung – und das klingt gar nicht erfreut. Es wird also höchste Zeit, das Geheimnis zu lüften: Denn in Dumfries & Galloway kann man jede Menge sehen und erleben. Achtung: Ich war dort und schwärme jetzt, Ines hat es ja vorhergesagt.

Das sind meine Top Fünf aus dem dichten Programm der letzten Tage:

1. Ready steady freeze

Was:  Nomen est omen, anders kann man das Erlebnis „Mach dir dein eigenes Eis“ gar nicht beschreiben – dachte sich zumindest das Team des Eisproduzenten Cream o’Galloway. Die SchottInnen trotzen also Wind und Wetter, stellen sich in die Küche der Farm, auf der jährlich 20.000 Liter (so viel wie bei Ben & Jerrys übrigens täglich gemacht wird) reinstes Bio-Eis ohne Zusatzstoffe produziert und in Schottland sowie England verkauft wird, und mixen sich ihr eigenes Eis. Dass das gar nicht so einfach ist und man selbst bei maximal drei Zutaten falsch liegen kann, haben wir festgestellt. Zwei Tipps: Whiskey/Ingwer funktioniert großartig. Honeycomb/Schokolade und Schokoladenchips hingegen hat uns nicht vom Hocker gerissen.

Wo: Cream o’Galloway, eine Farm, die mich nicht nur wegen des köstlichen Eises begeistert hat, sondern wegen des rundum nachhaltigen Konzepts: Selbstversorgung wird groß geschrieben – auch in Sachen Energieversorgung, es werden einmal monatlich Themenabende für Erwachsene zum Thema Ernährung, Umweltschutz und Co durchgeführt; die Abenteuer-Spielplätze, die Paradies nicht nur für Kinder sind, wurden vom Farm-Personal aus Holz hergestellt, und und und. Schaut einfach mal rein. Ein Besuch lohnt sich – auch als Tagesausflug von Glasgow oder Edinburgh (jeweils ein bis zwei Stunden Fahrt)!

Was es nicht alles zu sehen gibt, in der Eisfabrik. Foto: Doris

Skeptischer Blick: Wird das was mit dem selbstgemachten Eis? Foto: Doris

 

Welche Zutaten sollen bloß rein? Foto: Doris

Das fertige Eis - selbstgemacht. Foto: Doris

Alles meins: Selbstgemachtes Eis. Foto: Doris

 

2. Abhängen – oder das Wetter Wetter sein lassen

Was: Zip-Lining, groß stand es auf dem Programm, denn in Dumfries & Galloway war bisher auf der Laggan Farm die längste Zip-Line Großbritanniens zu finden. Bis vor drei Wochen. Jetzt ist die Längste in Wales – und die in Schottland „nur noch“ eine der längsten Europas. 820 Meter im Schuss runter – das wäre der Plan gewesen. Allein, der Wind kam uns dazwischen. Bei den sturmartigen Böen war ans Abhängen nicht zu denken.

Die enttäuschten Gesichter konnten wir anfangs nicht verbergen. Bis wir festgestellt haben, dass wir bei einer Segway-Tour oder mit revers Jeep-Driving mindestens genauso viel Action und Fun haben können.

Wo: Laggan Farm, nur zehn Minuten von Cream o’Galloway entfernt. Eine Farm, die seit über 100 Jahren von einer Familie betrieben und wo zusätzlich jede Menge Action geboten wird. Mehr dazu auf der Website!

Auf der Zip-Line wäre es nach unten gegangen. Der Wind hat es verboten. Foto: Doris

Jeeptour auf der Laggan Farm. Foto: Doris

Und natürlich mit den Segways auf Tour. Foto: Doris

Stattdessen: Reverse Jeep Driving - ausprobieren. Foto: Doris

3. Gott spielen

Was: An hellen Sonnentagen muss es noch genialer sein, doch selbst beim trüben Regenwetter blieben uns die Münder vor Staunen offen. Ein Konstrukt aus dem Jahr 1836 hat es geschafft, uns Internet-Junkies, ständig mit Iphone & Co ausgerüstet, App-affin und dauer-online, in Aufregung zu versetzen. Eine Camera Obscura, Ur-Mutter der Kamera, ist auf dem obersten Stockwerk zu finden – und auch wenn wir wegen des stürmischen Wetters nicht den 360 Grad-Rundumblick genießen können, wird uns doch einiges gezeigt. Die Stadt Dumfries nach oben gespiegelt nämlich. Und wir spielen, blödeln, rücken hier mal ein bisschen zur Seite, „zoomen“ dort ins Fenster hinein, legen Hürden auf die Straßen und freuen uns an der optischen Täuschung, dass Autos über diese fahren müssen. Wer hätte gedacht, dass offline Gott-spielen solchen Spaß macht!

Wo: Im Museum der kleinen Stadt Dumfries. Ein Museum im Gebäude einer ehemaligen Windmühle aus dem 18. Jahrhundert, dessen Ausstellungsstücke von der lokalen Bevölkerung stammt und dort sozusagen „verwaltet“ wird.

Die "Meisterin" an der Camera Obscura. Foto: Doris

So ein kleines Ding bringt ganz schön ins Staunen. Foto: Doris

Und jetzt bauen wir noch Hürden für die Autos ein. Foto: doris

Dumfries von oben. Foto: Doris

4. Schlafen wie die Irren

Was: Nein, kein Tippfehler und auch keine Anspielung, sondern Tatsache. Das Aston Hotel in Dumfries ist das Gebäude einer ehemaligen „Irrenanstalt“, einem Krankenhaus für psychisch kranke Menschen. Davon merkt man nichts mehr, aber versucht mal, einen Small-Talk mit den Worten zu beginnen: „Ich habe gestern Nacht in der psychiatrischen Anstalt verbracht.“ Allein schon deshalb eine Erwähnung wert!

Wo: Aston Hotel auf den Crichton Gründen.

Nicht sehr spektakulär, aber praktisch: Aston Hotel. Foto: Doris

So sah die Anstalt früher aus. Foto: Doris

5. Lämmchen zählen

Was: Die Schafe sind los – und die Lämmer erst recht. Mit der Kamera bewaffnet wird man auf der Suche nach Schafen und Lämmern ziemlich sicher fündig. Gerade jetzt im Frühjahr.

Wo: Am Wegesrand. Auf Farmen. Einfach überall.

Warnung: Suchtgefahr! Ich bin nicht anfällig auf Tiere oder Tierbilder, aber die Lämmer haben sogar mich eingewickelt wie ihr sehen könnt:

Ein neugeborenes Lamm am Wegesrand. Foto: Doris

Lämmchen überall. Foto: Doris

Nur nicht schüchtern, Lämmer. Foto: Doris

So macht man eine indische Reisebloggerin glücklich - mit Lamm im Schoß. Foto: Doris

Was guckst du, Lamm? Foto: Doris

So, und jetzt sage noch einer, einen Ausflug nach Dumfries & Galloway könne man vergessen…

 

Offenlegung: Ich war auf Einladung von Visit Scotland unterwegs. Danke dafür! Die Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte bleiben meine eigenen. 

5 Kommentare zu Meine fünf Reisetipps für das schottische Dumfries & Galloway

Espinho bei Porto: Wo Montage zu Lieblingstagen werden

Es ist so eine Sache mit dem Montag – wer mag ihn, den ersten Arbeitstag nach einem ach so herrlichen, aber ach so kurzen Wochenende? Und auf Reisen: Wie oft…

Es ist so eine Sache mit dem Montag – wer mag ihn, den ersten Arbeitstag nach einem ach so herrlichen, aber ach so kurzen Wochenende? Und auf Reisen: Wie oft mir da passiert ist, dass ich am Montag vor verschlossenen Türen gestanden bin, daran möchte ich nicht mal denken! Museen, Ausstellungen, Galerien – Montag ist für die meisten Ruhetag.  Schmerzhaft habe ich das wieder festgestellt, als ich diesen Montag in Porto war. Endlich Freizeit nach einem wirklich intensiven Konferenzwochenende mit anderen Reisebloggern! Endlich Zeit, den Papierworkshop zu besuchen, den mir meine Freundin schmackhaft gemacht hat, oder das Castelo Santa Maria da Feira von Innen anzusehen? Nein, natürlich nicht, es war ja schließlich Montag!

Aber wisst ihr was: Diesmal habe ich den Montag geliebt, dann ist nämlich Markttag in des Portuensers liebstem Badeort, in Espinho. Nur 35 Minuten mit der Bahn von Porto entfernt warten dort breite Strände mit hellem Sand auf Sonnenhungrige und SurferInnen. Dass diese im Sommer übervoll sind, das brauche ich nicht extra zu erwähnen. Vor allem, weil es abgesehen davon und einem von drei Casinos in Land recht wenig zu tun gibt im portugiesischen New York, das nur deshalb so heißt, weil die Straßennamen aus Nummern bestehen. Wenig zu tun? Stimmt, es sei denn, es ist Montag!

„Kommt, kommt, nur hier und jetzt alles um einen Euro!“, „Rote, große Tomaten wie nie gesehen!“ – ach, ich liebe Märkte! Wenn überall Menschen herum wuseln, Kostproben angeboten werden, hier sich noch jemand durchdrängt, da sich jemand vorbei schlängelt, und ich kaum weiß, wohin ich schauen soll vor lauter Angebot! Genauso ein Markt findet jeden Montag – es sei denn, es ist Feiertag, dann ist er dienstags – in Espinho statt. Was normalerweise in Boutiquen oder Geschäften verkauft wird, das sucht man montags besser auf dem Markt. Da schließen Shops sogar ihre Verkaufslokale und verlagern eben diese auf die Straßen des Ortes. Holz, Obst, Gemüse, süße und salzige Leckereien, Kleidung, Hüte, Lampen, Blumen, natürlich Fisch und Meerestiere – ich kann an nichts denken, was ich nicht gesehen habe.

Gemüse zu Gemüse, Obst zu Obst. Was anfangs noch sehr nach Sachgebiet geordnet ist, löst sich in Chaos auf, je tiefer man in den Markt vordringt. Das Highlight für die Portugiesen, die in wirtschaftlich knappen Zeiten wie diesen noch mehr auf ihr Geld schauen müssen, befindet sich am Ende: Dort, wo die Zigeuner ihre Ware anbieten – um fünfzig Cent die zwei T-Shirts, um einen Euro der Schuh. Reinste Markenware, versteht sich…

Ein paar Stunden später habe ich dann aber genug. Vom Geschrei. Vom Gezerre. Vom Markt. Der beginnt sich gegen 16.00 Uhr ohnehin aufzulösen. Also heißt es, den Rest von Espinho zu erkunden. Und ich habe dem Edelort fast ein bisschen unrecht getan, denn es gibt – neben dem wirklich herrlichen, aber zu Sommerende noch immer überfüllten – Strand doch ein paar Dinge zu sehen, ideal nach einem Markttag wie diesem.

Zum Beispiel eines von zur Zeit drei (!) vegetarischen Lokalen in Espinho: Das Grao de Soja wurde vor fünf Jahren gegründet, weil die Inhaberin aus gesundheitlichen Gründen im fleischlastigen Portugal genau darauf verzichten musste und das Essen der Konkurrenz nicht mochte. Mittlerweile hat sich das Imbisslokal, das mittags Menüküche und Take-Away anbietet, etabliert – auch wenn die Wirtschaftskrise natürlich nicht spurlos vorbei geht. Geöffnet normalerweise nur von 12.00 bis 15.00 hatten wir Glück, auch um 16.00 einige „Reste“ zu bekommen.

Oder die Casa Alves Ribeiro, ein Greisslergeschäft, wie man es – laut meiner portugiesischen Freundin – sonst nirgendwo mehr sehen kann. Es gibt alles, oder besser gesagt: Alles, was schmeckt. Kaffee, Portwein, Snacks…  Allein der Geruch nach frisch gemahlenem Kaffee ist einen Abstecher wert – und keine Sorge, in Espinho ist alles gut zu Fuß erreichbar.

Zum Schluss gingen wir doch am Strand spazieren, dessen Promenade mit Shops und Restaurants zum Konsumieren einlädt. Das taten wir dann auch: Im Café Esquimó, wo selbst meine sparsame Freundin aus Porto ihre Prinzipien über Bord wirft. Bei einer Kostprobe des Portwein-Eises gemischt mit ihren Lieblingssorten Kaffee und Banane schmelzen die Schmerzen ob der vier Euro für drei Kugeln buchstäblich dahin. Bei mir sowieso. Außerdem haben wir zuvor gespart – beim Markttag in Espinho.

4 Kommentare zu Espinho bei Porto: Wo Montage zu Lieblingstagen werden

Was möchtest du finden?