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Vom Samen bis zur Ernte: Pflanzenveredelung

Die Veredelung ist einer der unglaublichen Tricks aus dem Repertoire des Bauern. Sie ist eine traditionelle Technik zum Klonen von Pflanzen und bietet viele weitere tolle Vorteile für den Bauern…

Die Veredelung ist einer der unglaublichen Tricks aus dem Repertoire des Bauern. Sie ist eine traditionelle Technik zum Klonen von Pflanzen und bietet viele weitere tolle Vorteile für den Bauern und vielleicht eines Tages auch für dich. Es ist eine Möglichkeit um Dünger zu sparen, aber auch seltene, schwer zu züchtende, oder auch besonders gut schmeckende Sorten zu vermehren.

Veredelung, die Basics: Unterlage und Edelreis

Der Bauer beginnt mit der Suche nach einer guten Unterlage für die Sorte seiner Wahl. Die Unterlage muss eng mit der Sorte, die später darauf veredelt werden soll, verwandt sein. Das heißt, dass man keine Tomate auf einem Kürbis veredeln kann. Aber man kann einen Kürbis auf einem Kürbis veredeln. Sogar Gurken sollen auf Kürbissen veredelt werden können, da beide Arten sehr nah verwandt sind. Als Unterlage bezeichnet man dabei die Pflanze, von der man Wurzeln und Stamm benutzt, um sie mit dem sogenannten Edelreis, der erwünschten Sorte, zu verbinden.

Die Unterlage besitzt in der Regel eine oder mehrere positive Eigenschaften, die der Bauer auf das Edelreis übertragen möchte. Dazu zählen schneller Wuchs, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Parasiten, gute Anpassung an den Lebensraum, oder eine hohe Verfügbarkeit. Bei einer erfolgreichen Verbindung, auch Veredelung genannt, nutzt das Edelreis diese positiven Eigenschaften der Unterlage und es entsteht eine Pflanze mit den positiven Eigenschaften der Unterlage und den gewünschten Früchten des Edelreises.

Besonders beeindruckend ist die Verbindung von einer Unterlage mit mehreren verschiedenen Edelreisen. Dazu verbindet man das Edelreis nicht mit dem Stamm, sondern mit einem der Äste. Es ist unglaublich, dass man mit dieser Technik verschiedene Sorten einer Frucht vom gleichen Baum ernten kann. Solche Veredelungen sind natürlich schwieriger zu erreichen und dadurch auch seltener und wertvoller, zeigen aber wozu die Menschen schon lange vor der Gentechnik in der Lage waren.

Die Techniken der Pflanzenveredelung

Veredelung ist nicht gleich Veredelung. Am bekanntesten ist sicher die Veredelung von mehrjährigen, holzbildenden Pflanzen wie Obstbäumen. Aber man kann auch einjährige Pflanzen wie Paprika oder Tomaten veredeln. Beim Veredeln verwendet man verschiedene Schnittformen. Wichtig ist dabei, dass Unterlage und Edelreis später möglichst gut zusammenpassen, deshalb sollten sie etwa gleich dick sein. Die bekanntesten Schnittformen sind dabei schräge, lange Schnitte, Schnitte in der Form eines Vs, die Okulation und der sogenannte Omegaschnitt, ein Schnitt, der an die Verbindung zweier Puzzleteile erinnert. Wenn Edelreis und Unterlage verbunden sind, umwickelt man die Stelle mit einem Klebeband, um Infektionen zu verhindern und versiegelt die Stelle zusätzlich mit Wachs. Diese Technik erinnert mich an Transplantationen bei Menschen. Es ist meiner Meinung nach einfach unglaublich, dass auf diese Art aus zwei verschiedenen Pflanzen wieder eine funktionierende Pflanze wird.

Leider funktioniert diese Technik, wie fast alles in der Natur, nicht immer. Selbst wenn man alles richtig macht, spielt Glück eine Rolle. Manche Kombinationen funktionieren besser, manchmal ist eine Schnitttechnik besser als eine andere und manchmal braucht es einfach die richtige Menge Glück. Züchter berichten von Erfolgsraten zwischen 30 und 90 Prozent. Natürlich haben geübte Bauern mehr Erfolg als Neulinge, näher verwandte Sorten verbinden sich leichter, der richtige Schnitt kann helfen und ein guter Verband mit Wachsversiegelung verbessert die Chancen zusätzlich.

Warum veredeln?

Wenn der Bauer die richtigen Sorten für seine Veredelung aussucht, kann er die Vorteile beider Sorten für sich nutzen. Die Unterlage sollte eine Sorte sein, die hervorragend an die Herausforderungen des Lebensraums angepasst ist. Sie sollte keine Probleme mit der Bodenbeschaffenheit haben, Schädlingen und Krankheiten widerstehen und das Edelreis optimal mit Nährstoffen versorgen. Wenn die Unterlage gut gewählt ist, kann man ein Edelreis sprichwörtlich nach seinem Geschmack wählen. Häufig sind Obst und Gemüse, das man auf besonders guten Geschmack oder Aussehen hin aussucht, nicht besonders gut an den Lebensraum angepasst. Dadurch braucht man oft mehr Dünger, Schädlingsbekämpfungsmittel, oder hat wenig Ertrag und kranke Pflanzen. Kurzum, eine gute Veredelung liefert höheren Ertrag, gesündere Pflanzen, macht weniger Arbeit und belastet die Umwelt weniger mit Dünger und Chemikalien. Durch den höheren Aufwand und weil nicht jede Veredelung Erfolg hat, kosten vorgezogene, veredelte Pflanzen mehr als normale Setzlinge. Dafür liefern sie aber auch mehr Ertrag pro Quadratmeter und Pflanze und sind leichter in der Handhabung. Außerdem sind sie ein kleines Wunder der Natur und beweisen die Regenerationsfähigkeit von Pflanzen.

Ich hoffe, ich habe dir das Thema Veredelung näher bringen können und du hast das eine oder andere von diesem Beitrag gelernt. Bei den Links findest du ein paar Videos, die Details zu den Techniken und die Vorteile von Veredelungen demonstrieren. In meinem nächsten Beitrag beschäftige ich mich passend zur Jahreszeit mit den wichtigsten Bestäubern der Natur, den Bienen. In den Kommentaren kannst du wie immer gerne Fragen, Anmerkungen und Kritik hinterlassen, ich werde sie gerne beantworten. Gutes Gelingen und lass dich nicht pflanzen!

 

Links zum Thema:
Walnussveredlung mit Omegaschnitt
Veredelung von Apfelbäumen mit V-Schnitt
Veredelung von Gemüsepflanzen
Pflanzenveredelung auf Wikipedia
Okulation auf Wikipedia

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Vom Samen bis zur Ernte: Aussaat

Der Frühling steht vor der Tür und das bedeutet es ist Zeit mit deiner Aussaat zu beginnen. Ich werde ab jetzt in meiner Kolumne jeden Monat die Pflanzen erwähnen, die…

Der Frühling steht vor der Tür und das bedeutet es ist Zeit mit deiner Aussaat zu beginnen. Ich werde ab jetzt in meiner Kolumne jeden Monat die Pflanzen erwähnen, die du säen, anpflanzen oder an denen du wichtige Arbeiten verrichten kannst.

Hier die Liste für den März:

Gemüse:
Säen: Brokkoli, Erbsen, Möhren, Petersilie, Porree, Radieschen, Rettich, Salat, Schwarzwurzeln, Sellerie, Spinat und Zwiebeln
Pflanzen: Blumenkohl, Kohlrabi, Meerrettich, Rhabarber und Spargel

Obst:
Erdbeeren pflanzen/pflegen, Kernobst veredeln, Frühjahrspflanzung (empfindliche Obstarten) ausführen, Pflanzschnitt vornehmen, sanitären Baumschnitt durchführen, Kräuselkrankheit bekämpfen und Bodenbearbeitung bei Beerenobst durchführen

Zurück zum Thema Aussaat. Wenn wir an die Vermehrung von Pflanzen denken, dann denken wir in der Regel an Samen und jemanden, der sie großflächig über den Boden verstreut. Das Säen ist wahrscheinlich die bekannteste Methode, um Pflanzen zu vermehren und wird bei sehr vielen Arten angewandt. Es gibt natürlich noch andere Methoden, wie etwa mit Zwiebeln (Zwiebel, Knoblauch), Knollen (Kartoffel), oder mit Ablegern (Erdbeere).

Die richtige Technik

Die Technik ist denkbar einfach: Man nimmt ein paar Samen, verteilt sie auf wenigstens vier bis fünf Zentimeter hohe Erde und bedeckt sie mit einer Erdschicht, die etwa drei Mal so hoch ist wie der Samen breit. Die dünne Erdschicht sorgt dafür, dass der Wind die Samen nicht davon weht. Außerdem schützt sie vor der Sonne, denn der junge Sämling oder Keimling ist lichtempfindlich, und auch vor hungrigen Mäulern. Dann gießt man das Ganze einmal gründlich (falls du im Topf pflanzt, langsam gießen, bis das Wasser aus den Löchern an der Unterseite kommt) und sorgt dafür, dass die Erde immer feucht ist. Gießen ist ab dem Zeitpunkt nicht mehr nötig, es reicht, die Pflanzen zweimal am Tag zu besprühen, oder wirklich nur kleine Mengen zu gießen. Solltest du zu viel gegossen haben, bildet sich wahrscheinlich Schimmel auf der Erde. Aber auch das ist kein Problem. Einfach in nächster Zeit nicht gießen bis die Erde wieder trocken ist und dann die Erde wieder leicht feucht halten.

Wenn du Probleme hast, die Samen mit etwas Abstand zu verstreuen, dann kannst du einen alten Gewürzstreuer verwenden, um die Samen fein zu verteilen. Wenn die Löcher zu klein sind, kannst du sie bei Plastikdeckeln einfach mit einer dünnen Nadel, einem spitzem Messer oder einer Schere vergrößern. Auch eine heiße Nadel kann sehr hilfreich sein. Bei Metall wirst du wahrscheinlich einen Bohrer verwenden müssen. Dann aber bitte nur einen relativ kleinen und für Metall geeigneten Bohrer verwenden. Außerdem solltest du das Werkstück in diesem Fall in einer Schraubzwinge einspannen, damit du nicht beim Bohren abrutschst und dich verletzt.

Keimen

Wenn der Embryo des Samen durch die Samenschale bricht, dann nennt man das Keimen oder Keimung. Du erkennst es meistens daran, dass sich auf deiner Erde die ersten grünen Pflänzchen bilden. Um zu keimen brauchen Samen eine gewisse Temperatur und Luftfeuchtigkeit, meistens um die 20 Grad Celsius. Ein Treibhaus ist optimal, um deine Samen zu motivieren, aber ein Platz am Fensterbrett tut es auch. Die meisten Samen haben eine Keimruhe, oder auch Dormanz genannt, sie brauchen erst gewisse Voraussetzungen, um keimfähig zu werden. Das heißt, sie müssen eine gewisse Temperatur über- oder unterschritten haben, teilweise bis zu Minusgraden, oder brauchen viel Licht, aber manche Samen müssen auch erst einmal gefressen und wieder ausgeschieden werden.

Ich werde mich mit dem Thema Keimruhe in einem anderen Artikel beschäftigen. Mit diesem Wissen und ein paar anderen Tricks kannst du die Fruchtbarkeit deines Saatguts verbessern. Aber momentan reicht es wahrscheinlich noch, wenn nicht jeder Samen keimt.

Pikieren

Etwa zwei Wochen nach der Keimung kannst du deine Keimlinge „pikieren“. So nennt man das Umsetzen von Keimlingen um ihnen frische Erde, mehr Platz oder einen neuen Standort zu gönnen. Dazu sticht man mit einem Bleistift, einer Haarnadel, einem Pikierholz oder einem ähnlichen Werkzeug neben dem Keimling in die Erde, bohrt sich unter den Keimling und hebt ihn vorsichtig aus der Erde. Dann kann man ihn an einer anderen Stelle, in einem anderen Topf oder direkt im Freien wieder einsetzen. Wichtig ist dabei, den Keimling immer tiefer einzusetzen als er vorher war, aber maximal so, das die Ansätze der ersten Blätter, dort wo die Blätter aus dem Stängel wachsen, nicht in der Erde sind. Sonst könnte es sein, dass der Keimling erstickt. Grabe dazu einfach ein kleines Loch, meistens reicht es schon, einen Finger in die Erde zu stecken oder mit dem Werkzeug ein kleines Loch zu graben. Halte den Keimling vorsichtig in der gewünschten Höhe in das Loch und schaufle es mit zwei Fingern von beiden Seite zu. Drücke dabei die Erde vorsichtig ein wenig fest. Wenn der Keimling umkippt, dann hast du die Erde nicht fest genug zusammengedrückt. Wenn du fertig bist, solltest du vorsichtig um den Keimling herum gießen. Es ist meistens besser, Pflanzen nicht direkt zu gießen, sondern das Gebiet um die Pflanze. Auch Pflanzen können krank werden und besonders Früchte sind sehr anfällig auf Wasser.

Beim Umsetzen gilt grundsätzlich immer die Regel, tiefer zu setzen als die Pflanze vorher war. Der Teil den du unter die Erde setzt wird wahrscheinlich bald neue Wurzeln bilden, dadurch bekommt deine Pflanzen mehr Wurzeln, ist somit stärker im Boden verankert und kann mehr Nährstoffe aufnehmen.

Bis zum nächsten Mal:
Ich hoffe, du nutzt die Gelegenheit, selbst aus Samen deine eigenen Pflanzen zu ziehen. Keine Angst, es ist leichter als du denkst und diese Pflanzen sind gesünder als die, die du im Supermarkt zu Kaufen bekommst. Du bist dann damit vermutlich die nächsten zwei Wochen beschäftigt. Dann werde ich mich mit dem Thema „Veredelung“ beschäftigen und dich mit einer beeindruckenden Technik des Bauern vertraut machen. In den Kommentaren kannst du wie immer gerne Fragen, Anmerkungen und Kritik hinterlassen, ich werde sie gerne beantworten. Gutes Gelingen und lass dich nicht pflanzen!

Links zum Thema:
Buchtipp: Rat für jeden Gartentag, Franz Bömig
Same
Sämling
Dormanz
Pikieren

2 Kommentare zu Vom Samen bis zur Ernte: Aussaat

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