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Coronavirus: Hysterie oder berechtigte Angst?

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit dem Infektionsbiologen Dr. Doğan Doruk Demircioğlu erstellt. Keine Desinfektionsmittel mehr. Leergeräumte Supermarktregale. Ein bisschen erinnert der aktuelle Zustand an eine Apokalypse. Wir reden nicht…

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit dem Infektionsbiologen Dr. Doğan Doruk Demircioğlu erstellt.

Keine Desinfektionsmittel mehr. Leergeräumte Supermarktregale. Ein bisschen erinnert der aktuelle Zustand an eine Apokalypse. Wir reden nicht vom T-Virus des Spieleklassikers Resident Evil. Wir reden von SARS-CoV-2, auch bekannt als Coronavirus.

Was uns Angst macht sind die Schutzanzüge, die Quarantänebestimmungen, die ausgerufenen Notstände. Eine kurze Erklärung: Es gibt gegen SARS-CoV-2 bislang keine Impfung, gegen die jährlich epidemisch und pandemisch vorkommende Influenza, die echte Grippe, hingegen schon. Medizinisches Personal ist gegen Influenza geimpft, kann sich also weit entspannter mit Influenzapatienten befassen als mit Coronavirus-Infizierten. Würde medizinisches Personal keine Schutzanzüge und keine Atemmasken tragen, so wären in kürzester Zeit alle Betreuungspersonen selbst erkrankt und temporär außer Gefecht. Es ist also eine logische Konsequenz, medizinisches Personal in Schutzanzüge wie im oben schon erwähnten Resident Evil zu packen. Das hat grundsätzlich erst einmal nichts mit der Gefährlichkeit des Virus zu tun, sondern damit, dass man in den Wintermonaten, in denen zusätzlich die Influenza kursiert, nicht auf medizinisches Personal verzichten kann.

Bild: leo2014 / pixabay.com

Des Weiteren soll eine Ausbreitung möglichst verlangsamt werden. Man möchte schließlich Risikogruppen wie ältere oder vorerkrankte Personen schützen. Je langsamer sich das Virus verbreitet, desto mehr Zeit gewinnt man zur Entwicklung eines Medikaments oder Impfstoffes. Dies ist auch der Grund für die Quarantänemaßnahmen, die getroffen werden. Natürlich hört sich das für uns erst einmal beängstigend an, wenn ganze Städte abgeriegelt werden. Diese Maßnahmen dienen dazu, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, weshalb sie grundsätzlich erst einmal sinnvoll erscheinen.

Aber fangen wir von vorne an

Im Prinzip ist die gegenwärtige Coronavirus-Epidemie nichts Neues, sind wir doch jedes Jahr im Winter mit Millionen Infektionen diverser Viren konfrontiert, die meist nur harmlose Atemwegsinfektionen auslösen, eine sogenannte Erkältung. Nennen wir sie beim Namen: Rhino-, Entero- und Mastadenoviren oder Viren der Familien der Corona- und Paramyxoviridae. Wir sind also permanent potenziellen viralen Infektionen ausgesetzt, ohne sie zu bemerken. Zugegeben: An einer Erkältung stirbt heutzutage in der Regel keiner mehr.

Was manche Viren so gefährlich machen kann, ist ihre Wandlungsfähigkeit. Das liegt in der Natur des Virus. Insbesondere RNA-Viren, zu denen auch das Coronavirus gehört, tun nichts anderes, als sich in unterschiedlicher Häufigkeit zu verändern. Genauer gesagt: Die Gesamtheit ihrer Gene, das sogenannte Genom, wird in seiner Abfolge zufällig verändert, das Virus mutiert also und es entstehen neue Varianten dieses einen Virus. Durchaus kann so auch eine gefährlichere Variante als der Vorgänger entstehen. Das Influenza-Virus macht das jede Saison, weshalb wir jedes Jahr eine neue Impfung benötigen.

Nun steigt also die Nervosität jeden Tag weiter an, weil ein in China neu aufgetretenes Virus mit dem kryptischen Namen SARS-CoV-2 (kurz für Severe Acute Respitory Syndrome-Coronavirus-2) seit Dezember 2019 sein Unwesen treibt. Die durch diese Infektion ausgelöste Krankheit der oberen Atemwege wurde COVID-19 getauft, was für Corona Virus Disease 2019 steht.

Die Rolle der (sozialen) Medien

Leider schaffen es Medien – klassisch wie sozial – immer wieder, an Massenpanik grenzende Zustände hervorzurufen. Es wäre wünschenswert, das eine oder andere Klatschblatt würde seine reißerischen Artikel und den Liveticker zu jedem Neu-Infizierten etwas homöopathischer dosieren. Die Flut an richtigen und falschen Informationen führt regelrecht zu einer Infodemie, einem von der WHO eingeführten Begriff. Analog zu einer Epidemie werden Informationen und Fehlinformationen auf der ganzen Welt in beispielloser Geschwindigkeit verbreitet und lösen nichts anderes aus als Panik, schüren Rassismus oder führen sogar zu sozialen Unruhen und Aufständen.

Warum schreiben wir also trotzdem den wahrscheinlich fünf-millionsten Artikel über dieses Virus? Weil wir finden, dass dieser Infodemie Einhalt geboten werden muss. Auch erreichen uns immer mehr Anrufe von besorgten Freunden und die ersten Hamsterkäufe in unserer Region fanden auch schon statt. Langsam aber sicher kann so noch mehr Panik entstehen, mit potenziell sehr ungutem Ausgang für uns alle. Es scheint fast so, als sei am Ende nicht mehr das Virus das Problem, sondern der Mensch selbst: Homo homini lupus – Der Mensch ist des Menschen Wolf.

Daher ist es unser Ziel mit diesem Artikel die Quintessenz der tausenden Mainstream- und Fach-Artikel kurz und prägnant zusammenfassen, um vor allem eines zu erreichen: mitzuhelfen, eine absolut unnötige Panik zu verhindern.

Selbstverständlich haben wir die Wahrheit nicht gepachtet und müssen uns auf das verlassen, was wir an Informationen bekommen: aus den Medien, aus Fachzeitschriften, aber auch von Epidemiologen oder Kollegen. Ergänzend zu den Informationen können wir jedoch unser Fachwissen als Infektions- und Mikrobiologen einbringen. Aus diesem Grund beantworten wir euch auch sehr gerne Fragen. Entweder hier in den Kommentaren oder direkt auf Facebook beim Posting zu diesem Beitrag.

SARS-CoV-2? Was ist das überhaupt?

Fakt ist: Beim Coronavirus handelt es sich um eine sogenannte Zoonose, also eine vom Tier auf den Menschen übergegangene Infektionskrankheit, welche ihren Ursprung laut Berichten der chinesischen Regierung auf einem Markt in der chinesischen Großstadt Wuhan hat.

Natürlich läuft die Suche nach der Herkunft auf Hochtouren und es wurde und wird geforscht und spekuliert. Im Prinzip war so ziemlich alles schon der mögliche Ursprung: Fledermäuse, Gürteltiere, Hühner, Schweine, Schlangen und sogar ein Labor in Wuhan. Momentan scheint wieder die Fledermaus zu führen. Kurzum: Man weiß es nicht.

Fakten und Zahlen

Laut WHO gibt es mit dem Stand 3. März 2020 80.304 Infizierte und 2.946 Tote in China und 10.566 Infizierte mit 166 Toten im Rest der Welt. Somit haben wir eine Letalitätsrate (Sterberate) von 3,67 Prozent für China, wohingegen nur 1,57 Prozent der Infizierten in anderen Ländern sterben. Dies liegt vermutlich zum einen daran, dass man anfangs nicht wusste, wie man mit dem Virus umgehen soll. Die Länder, die jetzt viele COVID-19-Fälle zu beklagen haben, profitieren bereits von dem Wissen, das die chinesischen Mediziner im Lauf der letzten Wochen erworben haben. Zum anderen war es die große Anzahl an Infizierten, die das chinesische Gesundheitssystem an seine Grenzen brachte. Es war letztlich nicht mehr zu bewältigen, da tausende Infizierte in Wuhan medizinische Versorgung benötigten.

Im Vergleich die saisonale Grippe (Influenza): 182.000 Infizierte und 954 Tote in Deutschland im Jahr 2018, sprich eine Letalitätsrate von 0,5 Prozent. In der Grippesaison 2017/2018 starben allein in Deutschland laut RKI 25.100 Menschen in Folge einer Grippe-Infektion.
Verglichen mit seinen berühmten Cousins SARS (löste die Pandemie in den Jahren 2002/2003 aus) und MERS ist die Sterberate von SARS-CoV-2 sogar deutlich geringer. An einer Infektion mit SARS starben seit 2003 9,6 Prozent der Infizierten, an MERS seit 2012 sage und schreibe 34,4 Prozent.

Die Dunkelziffer an mit dem Coronavirus Infizierten liegt wahrscheinlich sehr viel höher, was wiederum die Letalitätsrate nach unten drücken würde. Die wenigsten lassen sich wegen ein bisschen Husten vom Arzt auf das Coronavirus testen beziehungsweise gibt es auch Träger des Virus, die keine Symptome aufweisen.

Inwiefern ist die Letalitätsrate vom Alter abhängig?

Bild: statista.com

Typisch für jede Infektionskrankheit: Es trifft oftmals Menschen mit beeinträchtigtem Immunsystem und das ist bei SARS-CoV-2 nicht anders. Hierzu gehören zum Großteil ältere Menschen, wie man an der obigen Grafik sehen kann. Aber auch Vorerkrankungen, hier insbesondere Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, spielen eine Rolle. Kinder unter neun Jahren sind bislang keine an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Auch erkranken Kinder weniger häufig An COVID-19. Man erforscht aktuell noch, woran das liegt. Es gibt zwar einige Hypothesen, den wirklichen Grund hierfür hat man jedoch noch nicht gefunden.

Wie ansteckend ist das Virus?

Im Vergleich mit den Masern beispielsweise ist das Coronavirus wenig ansteckend. Epidemiologen fanden heraus, dass ein Masernpatient im Schnitt 12 bis 18 Personen ansteckt, wohingegen das Coronavirus es auf gerade einmal drei Ansteckungen im Durchschnitt schafft.

Wie lange überlebt das Virus auf Oberflächen?

Das wurde natürlich auch schon untersucht, allerdings an verwandten Viren, namentlich den Auslösern von SARS und MERS. Man geht davon aus, dass sie bis zu neun Tage bei Raumtemperatur auf Oberflächen überleben können.

Gibt es schon Medikamente gegen das Virus?

Noch nicht, aber es gibt einige vielversprechende klinische Studien, unter anderem mit einer Kombinationstherapie zweier bekannter Medikamente. Auch arbeiten sehr viele Firmen aus dem Bereich der Diagnostik an Schnelltests sowie einige Pharmafirmen an einer Impfung, die in etwa einem Jahr auf dem Markt sein könnte. Kurzum: Die ganze Welt forscht an einem Medikament.

Bild: Herney / pixabay.com

In Acht nehmen sollte man sich nicht nur generell vor Falschinformationen, leider nutzen viele Unternehmen die jetzige Situation aus, um auf Kosten uninformierter Personen Geschäfte zu machen. Das geht vom Verkauf von weit überteuerten OP-Masken, die nachweislich nicht gegen das Coronavirus schützen bis zu angeblichen Heilmitteln – auf Amazon wurden kürzlich rund eine Million angebliche Heilmittel und überteuerte Produkte entfernt. Als wäre das nicht schon gravierend genug, versuchen auch Apotheken von der Epidemie zu profitieren, so wurde bei stichprobenartigen Anrufen in österreichischen Apotheken mehrmals Globuli (!) als Heilmittel empfohlen.

Und schlussendlich noch das Wichtigste: Wie verhindert man eine Ansteckung? Helfen Masken?

Folgende Grundregeln sollten in diesem Fall beachtet werden:

  1. Hände waschen (30 Sekunden mit Seife!)
  2. Wenig Körperkontakt (vor allem mit Kranken)
  3. Richtig niesen und husten. Entweder in die Armbeuge oder in ein Taschentuch und dieses sofort entsorgen.
  4. Menschenansammlungen meiden
  5. Masken helfen, aber nur, wenn sie mindestens die Bezeichnung FFP2 tragen. Das Problem: Die Tröpfcheninfektion erfolgt häufig über die Augen. Insofern helfen Masken vor allem dann, wenn ein Erkrankter sie trägt und damit verhindert, andere anzustecken.

Wir fassen zusammen

Basierend auf den Fakten ist Panik nicht nötig und sowieso nie ein guter Ratgeber. Genau genommen sollten wir uns überlegen, warum viele von uns nicht gegen Influenza oder Masern geimpft sind. Wir brechen in Panik aus, weil ein neuartiges Virus hier ankommt, gegen das es keine Impfung gibt. Und andere Viren, die für uns gefühlt ein alter Hut sind, ignorieren wir und halten es nicht einmal für nötig uns überhaupt impfen zu lassen.

Nichtsdestotrotz sollte man, und das gilt natürlich besonders für ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen, vorsichtig sein. Hierbei gilt es, die Hygieneregeln einzuhalten und entsprechend achtsam durchs Leben zu gehen. Regeln, die man ohnehin einhalten sollte. Das geht jedoch ganz klar auch ohne zwanzig Liter Sterillium im Vorratsschrank.

Fazit: Wir werden alle sterben. Vermutlich aber der Großteil von uns nicht am Coronavirus. Darauf zu achten, dass wir Fakten statt Fiktion verbreiten und aufeinander Rücksicht nehmen ist aber generell nie ein Schaden. Auf eine gute Gesundheit!

 

Diesen Artikel schrieben wir mit bestem Wissen und Gewissen und mit den Informationen, die uns vorliegen. Verschwörungstheorien konnten wir bislang nicht bestätigen.

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Seele 2.0 – Den Gelassenen gehört die Welt von morgen

Die Schlange starrte auf das Kaninchen. Das Kaninchen starrte auf die Schlange, und dann sagte das Kaninchen: „Buh!“ Die Schlange zuckte kurz zusammen und musste dann lachen. Wie albern dieses…

Die Schlange starrte auf das Kaninchen. Das Kaninchen starrte auf die Schlange, und dann sagte das Kaninchen:

„Buh!“

Die Schlange zuckte kurz zusammen und musste dann lachen. Wie albern dieses Kaninchen doch sei. Beim Auflachen schloss die Schlange kurz die Augen, und als sie die Augen wieder aufmachte, war das Kaninchen weg.

Was ist es, dieser Mut?

Wie konnte das Kaninchen seine Todesangst und Angstlähmung überwinden? Wo entsteht der Mut? Wie kann jeder von uns Zugang zu dieser Ressource erhalten?

Warum brauchen wir Mut, um unsere Ängste zu überwinden? Und können wir absolut angstfrei werden?

Die sechs Gespenster der Angst

Wenn hier von „Angst“ die Rede ist, sind die normalen menschlichen Ängste gemeint, nicht die verschiedensten Angststörungen und extremen Angstzustände. Viele Wissenschaftler haben sich bereits mit dem Begriff und dem Konstrukt „Angst“ auseinander gesetzt. Ein sehr einflussreicher Denker und Buchautor – Napoleon Hill – hat in seinem Buch „Denke nach und werde reich“ die sechs Gespenster der Angst beschrieben, und auch wenn sein Buch sich primär dem Unternehmertum widmet, so sind doch diese sechs Gespenster allgegenwärtig in jeder Stadt dieser Welt. Sie lauten:

  1. Angst vor Armut
  2. Angst vor Kritik
  3. Angst vor Krankheit
  4. Angst vor Liebesverlust
  5. Angst vor dem Alter und
  6. Angst vor dem Sterben

Diese sechs Ängste, so Hill, bestimmen unser Leben. Einen Großteil unseres Tages verbringen wir damit, alles zu tun, um nicht zu sterben. Wir verdienen Geld, um ein Dach über dem Kopf zu haben, um einen Kühlschrank und das Essen im Kühlschrank bezahlen zu können. Auch die Angst vor Armut und Krankheit spielen hier mit hinein, besonders wenn wir uns um den beruflichen Erfolg und unsere Gesundheit kümmern.

Je nach Ausprägung definiert die Angst vor Liebesverlust unser Privatleben. Wenn wir einmal in einer Beziehung sind, wollen wir diese erhalten. Mit Liebesentzug strafen manche Eltern ihre Kinder, eine so wirksame wie brutale Erziehungsmethode. Doch Angst vor Liebesverlust steuert unser Verhalten nicht nur im familiären Kreis. Auch im Arbeitskontext wollen wir von unseren Kollegen und Vorgesetzten gemocht und respektiert werden, also werden wir manchmal zu Ja-Sagern und manchmal machen wir Überstunden. Manchmal zu viele Überstunden. Doch wenn wir dafür Respekt und Anerkennung ernten können und auch noch unserer Angst vor Kritik entfliehen, dann machen wir lieber eine Überstunde mehr.

Die Angst vor Kritik ist zwar nicht typisch deutsch, doch in Kombination mit dem typisch süddeutschen Spruch „Nicht geschimpft ist gelobt genug“ prägt diese ein Stück weit das zögerliche Verhalten, welches im angelsächsischen Sprachraum mit „German Angst“ bezeichnet wird. Lieber zurückhaltend abwarten, statt sich aus dem Fenster lehnen und dafür Kritik kassieren.

Chris Guillebeau, ein anderer Autor und Unternehmer, beschreibt in seinem Manifest „Eine kurze Anleitung zur Weltherrschaft“ die Wege, ein unauffälliges Leben zu leben und garantiert keine Kritik zu kassieren:

  • Alles für bare Münze nehmen, was andere Leute einem erzählen
  • Autoritäten nicht hinterfragen
  • Studieren, weil es erwartet wird und nicht, weil man etwas lernen will
  • Nicht in fremde Länder reisen, weil da alles anders ist
  • Überlegen, ein eigenes Unternehmen zu gründen, aber es niemals tun
  • Überlegen, ein Buch zu schreiben, aber es niemals machen
  • Die höchstmögliche Hypothek in Anspruch nehmen und sie dann 30 Jahre abbezahlen
  • 40 Stunden pro Woche am Schreibtisch sitzen und durchschnittlich zehn davon produktiv arbeiten
  • Niemals herausragen und Aufmerksamkeit auf sich lenken

Chris sagt, wer sein Leben nach diesen Prinzipien gestaltet, ist selten allein und entspricht den gängigen Erwartungen. Was bedeutet, solche Menschen brauchen keine Angst vor Kritik zu haben.

Und dann bleibt da noch die Angst vor dem Alter. Zu dieser kommen wir gleich.

Von Angst zum Mut

Eine Angst entsteht, wenn in unserem Leben ein Entwicklungsschritt bevor steht. Ob Jobwechsel, Umzug, Veränderungen in den sozialen und familiären Beziehungen oder auch das Erreichen einer neuen Reifestufe im Leben – größere Veränderungen im Leben bringen uns sowohl Freude, als auch Angst. Was, wenn es nicht klappt? Was, wenn es doch schlechter wird als vorher?

Der Mut entsteht – wie die Angst – im Kopf, in unserem Denken. Wir schätzen unsere Fähigkeiten ein (haben wir genug?) und prüfen unsere bisherigen Erfahrungen (haben wir schon welche?). Dabei bedient sich der Kopf gern auch der Parallelen aus dem Leben anderer Menschen („Wenn der oder die es geschafft hat, kann ich das auch.“), denn lernen tun wir meistens immer noch von Modellen.

Doch der Kopf alleine kann nicht entscheiden, mutig zu sein. Der Wille, der dafür notwendig ist, lebt in unserem Körper, meistens im Bauch, und dieser Wille ist ein wenig mit der Wut verwandt. Mit der Wut, die wir kriegen, wenn wir es nicht schaffen.

Was es dann noch braucht, ist der erste Schritt. Dieser klappt nicht immer. So wie die Amelie in dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ sich einige Male mit dem jungen Mann verabredete, und sich erst nach ein paar geplatzten Dates getraut hat, ihm wirklich zu begegnen.

Der Angst vor dem Alter kann man aus meiner Sicht am besten mit Mut begegnen. Mit dem Mut zu tun, wozu man sich berufen fühlt. Mit dem Ausleben der Antworten auf die zwei Fragen von Chris Guillebeau:

  1. Was willst du wirklich im Leben?
  2. Was kannst du der Welt bieten, was niemand anderes sonst kann?

Klar kann man sich mit Faltencremes und finanzieller Absicherung beschäftigen, das ist jedoch aus meiner Sicht nur eine Beschwichtigung. Wer sich von seinem Leben versteckt, bekommt irgendwann die Quittung, und diese kann dann so aussehen, wie die Reue, über die eine australische Krankenschwester in ihrem Bestseller-Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ schreibt. Auf Platz eins steht:

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“

Noch Fragen?

Das mutige Kaninchen

Woher nahm das Kaninchen den Mut, der Schlange ein „Buh!“ zuzurufen? Woher nehmen viele tausende Menschen täglich den Mut, etwas zu tun, was ihr Leben und das Leben anderer Menschen verbessert?

Zum einen kann man die Angst mit Angst besiegen. Angst davor, als einzige in der Klasse die Prüfung nicht zu bestehen, half mir irgendwann, die Angst vor der Prüfung zu vergessen. Die Angst davor, die Anerkennung seiner Kollegen zu verlieren, lässt sich vergessen, wenn man die Angst wahrnimmt, den Rest seines Lebens nur von von einem „Endlich Freitag!“ bis zum nächsten zu vegetieren.

Das Konstrukt von Mut und Angst ist so zusammen gestellt, dass jeder Mensch genau so viel Mut hat, wie er Angst hat. Doch während Angst ein uralter Mechanismus ist, der uns seit jeher vor dem Tod bewahrt, muss der Mut durch uns selbst entdeckt und aktiviert werden, und das macht es manchen von uns schwer, den Mut in sich zu spüren.

Und dann ist da noch etwas. Die bisherigen wissenschaftlichen Bemühungen fokussierten sich meist darauf, wie man die Missstände eliminiert. In unserem Fall heute würde man sich also primär darauf fokussieren, wie man die Angst besiegen kann. Die neueren Zweige der Wissenschaft – in der Medizin ist es die Salutogenese, und in der Psychologie die Positive Psychologie – fokussieren sich auf das Erlangen des Bestmöglichen. Statt Krankheiten und Probleme zu untersuchen und dafür Bewältigungsstrategien zu entwickeln, werden Idealzustände beschrieben und Wege, diese Zustände anzusteuern. (Mehr darüber, was Salutogenese ist, findest du in meinem Artikel „Seele 2.0 im Körper 2.0“.) Man spricht von „Stärken stärken statt Schwächen schwächen“. Und wenn wir wissen, dass Angst und Mut zusammen gehören, dann würden wir uns in diesem Fall immer weniger mit der Angst und der Angstbewältigung beschäftigen, sondern mit der Beschreibung der Lebenssituationen, die wir erreichen wollen und mit dem Entdecken der Ressourcen, die wir dafür brauchen. Unter anderem, mit dem Entdecken der mutigen Seiten in uns.

Gehört den Mutigen die Welt?

Mut ist eine der sechs Tugenden, welche in 3.000 Jahren Menschengeschichte in fast allen Religionen und Kulturen zu den wichtigsten gehören, neben Liebe, Gerechtigkeit, Spiritualität, Mäßigung und Weisheit. Man sagt, den Mutigen gehöre die Welt. Weil diese Menschen sich trauen, zu handeln. Wer mutig ist, schließt das Risiko des Scheiterns mit ein und die Möglichkeit, einen Fehler zu machen. In Russland gibt es einen Spruch: „Wer nicht riskiert, der trinkt auch keinen Champagner“, und dieser malt ein klares Bild von Siegern und Verlierern.

Doch ist es so? Reicht es aus, furchtlos voranzuschreiten, damit man zum Sieger wird?

Was, wenn man zu viel Mut hat – also „übermütig“ durch die Gegend läuft, keine Grenzen kennt und Warnsignale nicht beachtet? Bergsteiger wissen, dass angstfreies Verhalten zum Tod führen kann.

Mut und Angst sind zwei Systeme, die sich bestens vervollständigen. Mut ist das Gaspedal, Angst ist die Bremse. Mut gewährleistet die Handlungsfähigkeit, Angst warnt vor Verantwortungslosigkeit.

Wenn die beiden Systeme ausbalanciert sind, fährt jeder von uns in seinem eigenen Stil über die Straße des Lebens. Man spricht in diesem Fall dann vom „Spannungsgefüge verantwortbaren Wagemuts“, und was so wissenschaftlich hochgestochen klingt, ist in Realität etwas, was man viel einfacher mit „cool“, „lässig“ und „gelassen“ beschreibt.

Und den Gelassenen gehört die Welt von morgen.

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