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Schlagwort: Achtsamkeit

Maskerade des Glücklichseins – Wie der Alltag uns zu geschminkten Clowns macht

„Naaa, wie waren deine Ferien?“, fragt meine Kollegin Susanne lächelnd. Ich senke meine Kaffeetasse. „Ach du“, sage ich und schaue dabei zum Fenster hinaus, wo dicke Regentropfen – vielleicht sind es auch…

„Naaa, wie waren deine Ferien?“, fragt meine Kollegin Susanne lächelnd. Ich senke meine Kaffeetasse. „Ach du“, sage ich und schaue dabei zum Fenster hinaus, wo dicke Regentropfen – vielleicht sind es auch Schneeflocken – gegen das Fenster klatschen, „abgesehen davon, dass mein Freund Schluss gemacht hat, ich einmal in der Notambulanz saß, ein anderes Mal der Notarzt mit Blaulicht kam und meiner Tante das Haus abgebrannt ist, ganz gut. Und deine?“ Sie starrt mich an und beginnt an ihrem Kugelschreiber herumzulutschen, als könne sie aus ihm eine angemessene Reaktion saugen. Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass ihre Frage rhetorisch gemeint war, aber mir ist heute einfach mal nach Wahrheit. Zu anstrengend erscheint mir das Aufsetzen meiner Maske. Aber warum sind wir eigentlich so, wenn wir auf der Arbeit sind? Warum gibt es von uns eine private Version und eine, die dauerglücklich im Büro sitzen muss?

Da steht der Manager bei der Präsentation vor seinen Kollegen, ein Schatten seiner selbst, zeigt höchste Professionalität und in Wahrheit weint er innerlich um seine verstorbene Mutter. Die Kassiererin sitzt an der Kasse und jedes Mal, wenn jemand die Ritter Sport Alpenmilch kauft, schießt ein schmerzvolles Projektil voller Adrenalin mitten durch ihr Herz, weil sie an die strahlenden Augen ihres Ex-Mannes denkt, wenn sie ihm die Schokolade mitgebracht hat. „War beim Einkauf alles in Ordnung?“, fragt sie lächelnd, aber mit leeren Augen. Wir sitzen mit Liebeskummer am Arbeitsplatz und wenn uns der Kollege fragt, wie es uns geht, antworten wir: „Gut, danke.“ Heute habe ich mit meiner Antwort die natürliche Ordnung aus dem Gleichgewicht gebracht und genau das will mir Susanne auch zu verstehen geben, indem sie meint: „Oh verdammt, das tut mir leid. Na ja, wir reden später darüber, ich muss noch ein paar Sachen kopieren.“

Als ich nach der Trennung von meinem Freund die sechste Taschentuch-Box geleert hatte und die Ferien langsam dem Ende nahten, googelte ich, ob man sich wegen Liebeskummer krankschreiben lassen kann. Immerhin kann daraus das lebensbedrohliche Broken-Heart-Syndrom entstehen. Wegen Liebeskummer haben sich schon viele Menschen das Leben genommen. Warum also nicht zuhause bleiben und dem Kummer seinen Lauf lassen? Ich las Antworten wie „die eigene Gefühlslage hat im Job nichts verloren“ oder „Arbeit und Privatleben muss man trennen können“. Selbst die Süddeutsche Zeitung schreibt: „So weh eine Trennung auch tut – im Berufsalltag sollten private Probleme keine Rolle spielen.“* Nun saß ich vor meinem Laptop und eine einzige Frage schwirrte durch meinen Kopf: Warum eigentlich? Warum betreten wir jeden Morgen aufs Neue diese Bühne mit einem Lächeln, als hätten wir es uns mit Theaterschminke ins Gesicht gemalt und mit Haarspray fixiert? Warum ist es nicht in Ordnung, vor den Kollegen zu weinen? Und warum darf ich mich, wenn ich einen Beruf mit viel Kundenkontakt habe, nicht krankschreiben lassen, wenn ich Kummer habe?

Brokenheart

Keine zehn Minuten, nachdem meine Kollegin Susanne mich stehengelassen hat, betrete ich meine Bühne: Das Klassenzimmer 202. Mein Publikum: Die 5b. Während ich den Schlüssel in das Schloss stecke und die Meute hinter mir durch den Flur tobt, schminke ich mir innerlich mein Lächeln auf. „Guten Morgen, liebe 5b!“, sage ich, als wäre ich die gut gelaunte Mami mit der gut gelaunten Familie aus der gut gelaunten Lätta-Werbung. Den Schüler Michael, der in der letzten Reihe sitzt, kann ich an diesem Tag nicht aufrufen. Er heißt genauso wie mein Ex-Freund und ich will nicht riskieren, dass die Tränen mein Lächeln abwaschen. Die Kleinen kann ich täuschen, sie sind ohnehin zu beschäftigt mit dem Katzenskelett, das ich vorne auf den Tisch gestellt habe, sodass sie nichts von meinem gebrochenen Herzen sehen.

In der zweiten Stunde stehe ich vor der 10c. „Wie waren Ihre Ferien?“, fragt eine Schülerin. „Nicht so gut“, antworte ich jetzt ehrlich, weil ich schlecht lügen kann. „Warum nicht?“, fragt sie mit großen Augen und ich erkläre kurz die Lage, ähnlich wie ich es bei Susanne getan habe. Die Klasse hört zu, bekundet danach ihr Mitgefühl und ist an diesem Tag ganz besonders ruhig und zeigt sich ausgesprochen freundlich. So brav waren sie das letzte Mal gewesen, als ich eine Lehrprobe hatte. „Es tut mir leid, dass ich eure Klassenarbeiten noch nicht korrigiert habe“, entschuldige ich mich am Ende der Stunde. „Das ist nicht schlimm, wir brauchen die nicht so dringend zurück“, antwortet Florian, der sonst ganz still ist und sich nie meldet. „Vielleicht sollten Sie am Wochenende auch lieber mal wegfahren als unsere Arbeiten zu korrigieren“, ergänzt Paul, ein Schüler, mit dem ich seit Wochen Auseinandersetzungen habe. „Und übrigens“, wirft jetzt noch Luis ein, „der Typ muss ein ganz schöner Idiot sein, wenn er Sie verlässt.“ Durch die Klasse geht eine Welle von „Ja, genau!“ und „Aber wirklich!“. Beim Verlassen des Klassenzimmers muss ich lächeln. Es ist ein echtes Lächeln, das meine Schüler mir aufs Gesicht zaubern. Und auch, wenn sie in dieser Stunde vielleicht nicht ganz so viel über die Struktur der DNA gelernt haben, so haben sie gelernt, dass es in Ordnung ist, traurig zu sein und Schwäche zu zeigen. Das ist vermutlich mehr als man ihnen in ihrer ganzen Schullaufbahn je beigebracht hat. Was aber habe ich in dieser Stunde gelernt? Nicht das, was mir mein erster Chef während meiner Ausbildungszeit beigebracht hat, nämlich Professionalität. Ich habe etwas ganz anderes und viel Wertvolleres gelernt: Nur wenn man selbst Menschlichkeit zeigt, kann man Menschlichkeit erfahren.

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Einer Kassiererin, die mir ihre Traurigkeit zeigt, würde ich sicher ein paar tröstende Worte spenden. Vielleicht würde aber auch ihr Chef sagen: „Bleiben Sie besser zuhause und erholen sich ein paar Tage.“ – wenn sie ihn nur fragte. Natürlich kann man einwenden, dass Arbeit auch ablenkt, aber manchmal muss man dem Herz Zeit geben, zu heilen und diese Zeit muss man sich zugestehen. Glück ist kein Zufall, es ist eine Wahl, die jeder Einzelne von uns hat. Aber ich strebe nach Authentizität, das gilt auch für das Glücklichsein.

Während meiner Meditation am Nachmittag überkommt mich bei den Gedanken an meine zehnte Klasse ein ganz leichtes, aber sehr warmes Gefühl von echtem Glück. Ein Glücklichsein, das erst durch eine Fremd- und daraus folgend durch eine Selbstbejahung ausgelöst wurde. Meine Schüler haben mich dazu gebracht, zu mir selbst und meinen Gefühlen zu stehen, kurz: Es macht mich glücklich, unglücklich sein zu dürfen. Ich werde bald wieder fröhlich vor meiner 10c stehen, aber dann werden die Schüler wissen, dass mein Lächeln echt ist, weil ich bei der Maskerade des Glücklichseins nicht mehr mitspiele.

Am Abend erreicht mich eine WhatsApp-Nachricht von Susanne. „Wie geht’s dir?“, fragt sie mit einem lächelnden Emoticon dahinter – dieses Mal weiß ich, dass die Frage nicht rhetorisch gemeint und das Emoticon ein echtes Lächeln ist.

 

* sueddeutsche.de/karriere/beruf-und-private-probleme-wie-man-sich-bei-liebeskummer-im-job-verhaelt, 13.1.2016

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Achtsamkeit – Eine Einführung

Stress und Hektik gehören in unserer Gesellschaft zur ganz normalen Tagesordnung und so ziemlich jeder hat das Gefühl, er oder sie habe zu wenig Zeit. Schon lange rät das lateinische…

Stress und Hektik gehören in unserer Gesellschaft zur ganz normalen Tagesordnung und so ziemlich jeder hat das Gefühl, er oder sie habe zu wenig Zeit. Schon lange rät das lateinische Lebensmotto „Carpe diem“ – Genieße den Tag! – oder in neuerer Zeit „YOLO!“ – You only live once! Doch irgendwie fällt es uns trotzdem immer so schwer, dies auch zu tun.

Ständig hetzen wir den Häkchen unserer To-Do-Liste hinterher oder vertrösten uns auf die Zeit nach dem Studium, nach diesem Arbeitsauftrag, nach dieser stressigen Phase. Und als wenn das nicht genug wäre, ist da dann immer noch diese Stimme in unserem Kopf, die meint, das alles kommentieren zu müssen: „Das ist nicht gut genug.“, „Ich habe heute schon wieder zu wenig getan.“, „Die anderen sind besser als ich.“, „Mein Leben ist doof.“, „Ich werde die Deadline für mein Projekt nicht einhalten können.“. Während wir unseren Fehlern aus der Vergangenheit nachhängen oder uns mit Wünschen und Sorgen über die Zukunft beschäftigen, vergessen wir das Hier und Jetzt. Der einzige Moment, in dem das Leben wirklich stattfindet.

Achtsamkeit (oder auf Englisch Mindfulness) kann uns helfen, wieder zum jetzigen Moment zurück zu finden. Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit offen und ohne Urteil auf das Hier und Jetzt zu richten und einfach zu sein. Das klingt eigentlich relativ simpel, aber unser Geist ist es gewöhnt, ständig auf Autopilot zu schalten und sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Besonders in unserer heutigen Zeit, in der wir mit Smartphones überall erreichbar und online sind und alles beschleunigt wird, fällt es besonders schwer, einfach zu sein. Zahlreiche Studien zeigen, dass Achtsamkeit sehr effektiv negative Emotionen und Angst reduzieren kann und gleichzeitig unser Wohlbefinden und unseren Umgang mit Stress verbessern kann.

Wie wir achtsamer werden

Achtsamkeit ist wie ein Muskel. Je öfter wir ihn trainieren, desto stärker wird er. Ebenso wie man seine Bauchmuskeln durch verschiedene Übungen stärken kann, kann Achtsamkeit auf verschiedene Weisen kultiviert werden. Achtsamkeit kann aktiv durch Meditation geübt werden, aber auch im ganz normalen Alltag. Probiert beispielsweise einmal, euch ganz bewusst die Zähne zu putzen. Zu spüren, wie die Bürste auf der Oberfläche der Zähne schrubbt, der Geschmack der Zahnpasta, das Geräusch des Zähneputzens.

Meditation

Beim Meditieren geht es nicht darum, einen bestimmten Zustand erlangen zu wollen oder entspannter zu werden. Es geht einfach nur darum, das was ist, anzunehmen und damit zu sein. Die Atmung ist dabei ein sehr hilfreicher Anker um stets ins Hier und Jetzt zurückzufinden. Achtsamkeit ist eine Praxis, die durch verschiedene Mechanismen das Wohlbefinden erhöhen kann. Für mich ist Achtsamkeit mittlerweile der Schlüssel für jede Lebenssituation.

Vier Mechanismen der Achtsamkeit

Ein Aspekt der Achtsamkeit ist das Beobachten. Durch das bloße Observieren des eigenen Körpers, der Gefühle, Gedanken und Umgebung, kann man oft ein klareres Verständnis für sich selbst entwickeln. So kann man beispielsweise besser erkennen, was bestimmte körperliche Regungen bedeuten und was für Emotionen bestimmte Situationen in einem hervorrufen. Dieses Bewusstsein kann einem helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Ein weiterer Teil der Achtsamkeit ist Akzeptanz. Bei diesem Aspekt geht es darum, das was ist, anzunehmen. Vielleicht möchtest du einmal kurz die Augen schließen und in dich hinein horchen. Was fühlst du? Spürst du irgendwo Schmerzen, Kälte, Wärme? Fühlst du dich gut oder vielleicht gestresst, ängstlich, oder spürst du vielleicht gar nicht so viel? Probiere, wie es sich anfühlt, wie es wäre, wenn das, was auch immer du fühlst, einfach okay ist. Es darf da sein. Achtsamkeit ist das Gefühl, dass man selbst okay ist und dass man auch negative Gefühle umarmen kann. Ein häufiges Missverständnis ist der Glaube, dass Akzeptanz bedeutet, man solle nichts in seinem Leben ändern und tatenlos Schmerz ertragen. Darum geht es nicht. Es geht vielmehr darum, die Erfahrung, die man in diesem Moment hat, erst einmal zu akzeptieren und zu erlauben. Das verschafft Ruhe und Gelassenheit. Aus dieser Akzeptanz heraus kann man dann leichter handeln und Dinge ändern. Wenn ich beispielsweise Angst davor habe, einen Raum mit vielen Menschen zu betreten, dann ist es vollkommen okay, dass ich Angst habe. Ich muss mich dafür nicht verurteilen und kann diese Angst umarmen. Aber weil ich mich nicht von meiner Angst bestimmen lassen möchte, werde ich trotzdem den Raum betreten und mit milder Aufmerksamkeit beobachten, wie ich mich fühle und was ich wahrnehme. Durch Akzeptanz kann man seine automatische Reaktionen auf das Leben verhindern und vielmehr proaktiv das eigene Handeln mit Bewusstsein und im Einklang mit seinen Werten gestalten.

Der dritte Mechanismus, das Nicht-Urteilen hängt mit der Akzeptanz zusammen. Kann ich meine Erfahrung und andere Menschen, so wie sie sind, annehmen? Wir haben die Tendenz, alles mit einem Label zu versehen und Dinge zu bewerten. Dieses ist schlecht, jenes ist gut. Urteile beschränken unsere Wahrnehmung. Aber was ist, wenn ich erkennen kann, dass meine Gedanken, andere Menschen, die Dinge und ich selbst einfach sind – ohne zu werten? Wir neigen dazu, schöne Zustände herbei zu wünschen und an ihnen festhalten zu wollen. Gleichzeitig wollen wir unangenehme Zustände so schnell wie möglich loswerden. Doch was ist, wenn ich erkenne, dass das Leben ein ständiger Wandel ist? Wenn ich merke, dass ich mich nicht ständig gut fühlen kann und wenn ich weiß, dass auch diese depressive Verstimmung wieder vorbei gehen wird?

Durch Achtsamkeit merkt man, dass hinter der unmittelbaren Erfahrung noch jemand steht, der das alles merkt und sieht. Eine Art Meta-Bewusstsein, das uns helfen kann, besser los zu lassen, weniger zu urteilen, mehr zu genießen und weniger Stress zu haben. Dies ist der vierte Aspekt, die Nicht-Identifikation. Durch dieses Bewusstsein wird es mir möglich, mich nicht mehr vollständig über meine Gefühlswelt zu identifizieren. Es gibt einen Teil in mir, der Angst hat und einen Teil in mir der diese Angst beobachtet. Ich merke, dass ich mehr bin als meine Angst und meine Gedanken.

Der Einstieg in die Achtsamkeitspraxis

Ihr könnt damit beginnen, euch achtsam die Zähne zu putzen. Der Muskel kann auf verschiedene Weisen trainiert werden. Jeder Schritt in der Gegenwart ist ein Schritt, durch den wir tief mit dem Leben verbunden sind.

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„Wenn ich groß bin, werde ich ein Pelzkragen!“

Eine Gruppe von Menschen sammelt sich vor einer Filiale der Modemarke „Burberry“ in der Wiener Innenstadt. Das Auffälligste an ihnen sind die Masken, die einen weißen Fuchskopf zeigen, welche viele…

Eine Gruppe von Menschen sammelt sich vor einer Filiale der Modemarke „Burberry“ in der Wiener Innenstadt. Das Auffälligste an ihnen sind die Masken, die einen weißen Fuchskopf zeigen, welche viele von ihnen bei sich tragen. Ein Mann, ein hochgehaltenes Schild mit der Aufschrift „Bloodberry“ tragend, kommt mir entgegen. Ich lasse meinen Blick auf eine Reihe von Menschen vor dem Geschäft schweifen. „Save Kimi“ lautet der Schriftzug auf einem großen Transparent, welches die Personen vor sich halten. Ich stelle mich zu der Gruppe und entrolle mein Plakat. Passanten gehen vorüber und schauen irritiert auf die Banner. Viele von ihnen fragen sich sicher wer Kimi ist, bis sie von einem engagierten Tierschützer einen Flyer überreicht bekommen, welcher die Unklarheiten beseitigt.

Wer ist Kimi?

„Wenn ich groß bin, werde ich ein Pelzkragen!“ lautet die Überschrift auf dem Flyer der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“. Kimi ist ein weißer Fuchs. Ein Tier stellvertretend für viele Füchse, Waschbären und Nerze, die für die Pelzindustrie gehalten und getötet werden. Er wurde im April 2014 geboren und lebt mit tausenden Artgenossen in kleinen Käfigen auf einer Pelzfarm in Finnland. Die Haltebedingungen dort sind schlecht. Die Käfige sind klein, viele Tiere krank und verängstigt. Unter den Gittern, auf denen sie stehen, sammeln sich Exkremente. Doch dort lebt er nicht lange. Im Oktober hat die sogenannte Fell-Ernte begonnen, die sich noch durch den gesamten November zieht. Während dieser Zeit werden die Tiere getötet. Ihnen wird das Fell abgezogen, um damit später Jacken und Mäntel, Mützen und Schuhe zieren zu können.

Wer bezieht dieses Fell?

Der Protest unter dem Titel „Save Kimi“ richtet sich überwiegend gegen das britische Modelabel Burberry, welches ihren Pelz von der Firma SAGA FURS bezieht. Doch Pelz ist nicht nur ein Problem bei Burberry oder einzelnen Modegeschäften, viele Modeketten führen noch immer Kleidung mit Pelz.

Warum sollte man keinen Pelz kaufen?

Für viele Tierrechtler steht der moralische Aspekt im Vordergrund. Pelz ist heutzutage nicht mehr dazu da, um sich warm zu halten, sondern ist ein reines Modeaccessoire geworden. Die meisten möchten grundsätzlich nicht, dass ein Tier für die optische Aufwertung eines Kleidungsstückes getötet wird. Auch die Haltebedingungen der Tiere in den Pelzfarmen schrecken viele Leute ab. Oft werden sie in viel zu kleinen Käfigen gehalten, in denen sie sowohl körperlich als auch psychisch krank werden und vor sich hinvegetieren, um eines Tages das Fell abgezogen zu bekommen und dem Menschen als Schmuck zu dienen.

Pelz ist Tierquälerei – meist sind die Haltebedingungen der Tiere deshalb schlecht, da die Pelze aus vielen Ländern importiert werden, wo die Tierschutzstandards deutlich niedriger sind als in der EU. Die Tiere werden ohne Betäubung erdrosselt, vergast, erschlagen oder erstochen. Manchmal lässt man sie auch ausbluten, um das Fell nicht zu beschädigen. In einigen Fällen sind die Tiere noch nicht einmal tot, wenn sie gehäutet werden.

Pelz ist gesundheits- und umweltschädlich. Wenn einen nicht der moralische Aspekt überzeugt, dann tut es vielleicht der gesundheitliche: Pelz ist kein so natürliches Produkt, wie es auf den ersten Blick scheint. Das Fell muss mit vielerlei Chemikalien behandelt werden, um es zu reinigen, zu gerben und zu konservieren. Hinzu kommt oftmals eine Färbung des Felles. Die Stoffe, die hier eingesetzt werden sind zum Teil bedenklich für den Menschen. Laut einer Studie (Gift im Pelz Report II – 2011 „Bedenkliche Chemikalien in Pelzprodukten“ Report und Untersuchungsprogramm von EcoAid by Manfred Krautter) der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ wurden in Pelzprodukten Chemikalien gefunden, die Krebs, Fortpflanzungsbeeinträchtigungen, Allergien, Nervenschäden, Schleimhautreizungen oder Hormonstörungen auslösen können. Unter anderem wurden Rückstände von Schwermetallen und Formaldehyd festgestellt. Bei Pelz und Lederprodukten wird der Verbraucher kaum vor giftigen Stoffen geschützt, denn der Formaldehydgehalt in Leder und Pelzen unterliegt keinen spezifischen rechtlichen Regelungen oder Kennzeichnungspflichten, sofern es sich nicht um Produkte für Kleinkinder handelt, obwohl es Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen auslösen kann und von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO als „krebserregend für den Menschen“ eingestuft wurde.

Wie kann ich Kunstpelz und Echtpelz voneinander unterscheiden?

Oftmals wird Echtpelz nicht als solcher deklariert und es kommt nicht selten vor, dass das Fell ursprünglich einer Katze oder einem Hund gehörte. Zwar besteht seit 2009 ein EU-weites Importverbot für Haustierfelle, doch durch falsche Angaben gelangen immer noch Haustierpelze nach Europa. Zudem ist die Produktion von Echtpelz außerhalb der EU oftmals günstiger als die Herstellung eines guten Kunstpelzes. Daher ist auch der Preis kein Kriterium mehr, um die Echtheit eines Pelzes zu bestimmen. Allerdings gibt es Möglichkeiten, wie man versuchen kann, Echtpelz und Kunstpelz voneinander zu unterscheiden:

1. Pusten: Pustet man gegen echtes Fell, so bewegt es sich schon bei leichten Windstößen. Kunstpelz bleibt bei einem kleinen Windzug nahezu unbewegt.

2. Trägermaterial überprüfen: Wenn man die Haare des Fells auseinanderzieht kann man oft erkennen, was für ein Trägermaterial darunter liegt. Echte Felle sind oftmals noch an der Tierhaut befestigt. Kunstfelle dagegen haben ein Gewebe als Grundlage.

3. Brennprobe: Beim Anzünden von Fasern eines echten Felles riecht es nach verbranntem Haar. Bei Kunstpelz kann ein Geruch nach verbanntem Plastik entstehen. Zudem schrumpft verbrannter Kunstpelz zu einer kleinen Kugel zusammen, während verbranntes echtes Fell zerfällt.

Doch auch diese Tests sind kein hundertprozentiger Garant dafür, um festzustellen, ob man einen echten Pelz vor sich hat.

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Wie kann ich aktiv werden?

Am besten ist es, in kein Produkt zu investieren, das mit Pelzbesatz geschmückt wird. Denn auch wenn man sich sicher ist, keinen echten Pelz zu besitzen, trägt man die Botschaft nach Außen, dass Pelzbesatz, egal ob echt oder unecht, schick sei. Man verstärkt somit die Mode, was bewirken kann, dass andere, nicht so gut informierte Leute, beeinflusst werden und zu Pelzprodukten greifen. Der eigene Verzicht ist ein wichtiger Schritt gegen die Pelzfarmen, da man Stellung bezieht und den Geschäften zeigt, dass man ihre Pelzprodukte nicht haben möchte. Zudem gibt es noch weitere Möglichkeiten sich zu engagieren:

Soziale Netzwerke: Es braucht aktives Engagement, um auf die Pelzproblematik aufmerksam zu machen. Man kann beispielsweise Informationen zur Herstellung von Pelz in sozialen Netzwerken teilen und mit Freunden über das Thema sprechen.

Feedback an Geschäfte geben: Hat man gelesen oder selbst in einem Geschäft festgestellt, dass eine Firma Pelz in ihren Läden vertreibt, kann man sich an die Firma per E-Mail oder über ein soziales Netzwerk wenden und sie bitten, die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Wichtig hierbei ist, einen freundlichen Ton zu bewahren und klar und kritisch zu erklären, warum man keine Pelzprodukte kaufen möchte. Man sollte deutlich machen, dass man nicht bereit ist, in dem Geschäft weiterhin einzukaufen, so lange es dort Pelzprodukte gibt. So zeigt man der Firma, was man sich als Konsument wünscht. Man glaubt vielleicht, die Nachricht eines Einzelnen könnte nichts bewirken, allerdings hat das Aussprechen seiner Meinung und Wünsche als Kunde mehr Auswirkungen als man erwartet. Vor allem, wenn man andere dazu animiert, ebenfalls an die Geschäfte zu schreiben. Doch auch positive Resonanz ist ein wichtiger Aspekt bei der Kommunikation mit Unternehmen. Hat eine Firma tatsächlich Pelzprodukte aus den Geschäften verbannt, so ist eine Nachricht, in der man seine Freude über die Entwicklung ausdrückt, ein guter Schritt.

Demonstrationen: Anti-Pelz Demonstrationen finden in ganz Europa statt. Allein die „Save Kimi“ Demonstrationen haben Leute in London, Berlin, Hamburg und Wien erreicht. In Deutschland findet zudem jährlich die Großdemonstration „Frankfurt Pelzfrei!“ der Tierrechtsinitiative Rhein-Main statt, die ebenfalls einen Besuch wert ist.

Tierschutzorganisationen: Auch regionale Tierschutzorganisationen kann man im Kampf gegen den Pelz unterstützen oder sie auf die Problematik hinweisen, sollten noch keine Aktionen zu dem Thema stattfinden.

Das Engagement jedes Einzelnen ist gefragt. Helft mit, Pelz aus den Geschäften zu verbannen!

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Seele 2.0 – Zehn Gewohnheiten von emotional resilienten Menschen

Stau, Stress, schlechtes Wetter. Den einen ärgert es total, der andere geht mit Leichtigkeit darüber hinweg. Woran liegt es, dass wir so unterschiedlich auf Stressfaktoren reagieren? Natürlich spielt unser angeborener Charakter…

Stau, Stress, schlechtes Wetter. Den einen ärgert es total, der andere geht mit Leichtigkeit darüber hinweg. Woran liegt es, dass wir so unterschiedlich auf Stressfaktoren reagieren? Natürlich spielt unser angeborener Charakter eine Rolle. Du kannst dir aber ein paar Gewohnheiten zulegen, die es dir leichter machen, mit Stressfaktoren aller Art leichter umzugehen.

Gewohnheiten sind kleine vollautomatische Aktionen, die wir ausführen, ohne viel darüber nachzudenken. Sie erleichtern uns in vielen Bereichen das Leben. Gleichzeitig führen manche Gewohnheiten dazu, dass wir auf bestimmte Reize immer gleich reagieren. So kann es sein, dass du vom Typ her gar nicht so stressanfällig bist, dir aber irgendwann ein Muster angeeignet hast, schnell und empfindlich zu reagieren.

Fange heute noch an, dir ein paar neue Gewohnheiten zuzulegen – wähle deine Favoriten aus der Liste!

1. Warte auf die richtige Reaktion

Etwas passiert, ein Reiz erreicht deinen Hirn und sagt: „Reagiere auf mich!“ Deine Gewohnheiten und deine Muster sind sofort bereit und fragen „Same procedure as last year?“. Und ja, es ist energieeffizienter, in Mustern zu antworten. Bloß nicht immer gut für unsere Gefühlslage und unsere Gesundheit. Wenn dich also jemand oder etwas ärgert, reizt und stresst, kontrolliere den ersten Impuls und lasse nicht zu, dass deine Gewohnheiten die Macht übernehmen. Atme einmal tief durch und frage dich: Was ist jetzt die beste Handlung im Sinne meiner Absichten und Interessen? Worauf möchte ich meine Energie verwenden?

2. Halte Unangenehmes aus

Wenn wir hungrig sind, sehr hungrig, dürfen wir auf keinen Fall eine Restaurantkarte in die Hände bekommen. Oder einkaufen gehen. Wir bestellen oder kaufen viel zu viel, oft auch unnütze Sachen. Mache es zu einer Gewohnheit, etwas Unangenehmes wie Hunger, Ärger oder Frust zu tolerieren. Führe ein Tagebuch, schreibe dort jedes Mal auf, welche Gedanken dir in solchen Momenten kommen.

3. Erweitere deine Perspektiven

Manche Dinge passieren FÜR dich, und nicht dir. Was jetzt gerade unerträglich erscheint, mag in Zukunft ein Riesenvorteil werden. Aus welcher Perspektive kannst du auf deine Situation schauen, um deine Lage in einem anderen Licht zu sehen?

4. Praktiziere Akzeptanz

Eine sehr nützliche Gewohnheit: Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. Akzeptieren heißt, dass du nicht aufgibst und die Kontrolle nicht an den Stress abgibst. Vertraue dir, dass du in jeder Situation die Kraft findest, noch einmal aufzustehen.

5. Denke an die Macht der Zeit

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Was jetzt gerade furchtbar bremst und nervt oder weh tut, macht dich stärker und wird dir aus der Zukunft nicht so schlimm erscheinen. Gewöhne dich daran, dir Zeit zu geben.

6. Verlange nicht von dir, die Antworten immer parat zu haben

Wir sind es gewohnt, dass wir Rede und Antwort stehen müssen. Kommt es zu wichtigen Lebensfragen, verlangen wir von uns selbst, dass wir die richtigen Antworten sofort finden. Wir vergessen, dass die richtigen Antworten immer dann zu uns kommen, wenn wir dafür bereit sind. Und dass es ok ist, wenn man nicht alles sofort weiß.

7. Sorge für dich

Finde täglich Zeit, für dich selbst zu sorgen. Fange gar nicht erst an, mit dir selbst zu verhandeln – die Zeit ist immer da, du musst sie dir nur nehmen. Trinke eine Tasse Tee (achtsam, in Ruhe), mache einen Spaziergang, creme dich ein und gehe eine Stunde früher ins Bett.

8. Lache dich gesund

Mache es zu einer Gewohnheit, über etwas zu lachen. Zum Beispiel immer, bevor du einen Kunden anrufen musst oder nach einem unangenehmen Vorfall. Lass dich von Videos mit tollpatschigen Tieren in die Leichtigkeit entführen oder lese ein paar Witze.

9. Sei glücklich, statt Recht zu haben

In jedem Gespräch kannst du wählen, was dir wichtiger ist: Dein Stolz oder die Beziehung. Mache es dir zu einer Gewohnheit, kurz abzuwägen, ob es dir wirklich Wert ist, Recht zu haben.

10. Stärke die Stärken

Denke nicht an die Fehler, die du hast, nicht an die Macken und nicht an Probleme. Frage dich, was du heute richtig machen kannst, was dir Spaß macht und wovon du mehr haben willst. Da, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, davon wirst du mehr im Leben haben.

Kennst du andere gute Gewohnheiten? Teile diese gerne hier mit uns, denn von entspannten Menschen profitieren wir alle zusammen!

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Seele 2.0 – Bauanleitung für deine Wunschwelt in drei Schritten

„Was du willst ist, was du kriegst“, sagte einst mein Freund. Und überall, wo ich diesen Spruch bringe, entsteht ein Gespräch. Manchmal eine Diskussion, teilweise auch Streit. Können wir uns…

„Was du willst ist, was du kriegst“, sagte einst mein Freund. Und überall, wo ich diesen Spruch bringe, entsteht ein Gespräch. Manchmal eine Diskussion, teilweise auch Streit.

Können wir uns wirklich unsere Wunschwelt herbeizaubern?

Lasst uns nachsehen. An einem Tag prallen mehrere Milliarden Eindrücke und Fakten auf uns ein. Allein das Wetter besteht schon aus einem komplexen Konstrukt von Luftdruck, Feuchtigkeit, Temperatur und Luftbewegung. Dann all die Menschen und Medien, die um uns herum sind. Und dann noch unsere eigenen Gedanken. Kein Lebewesen würde das je überleben!

Unser Gehirn ist ein Sieb

Unser Gehirn hat eine Strategie entwickelt, mit dieser Menge an Informationen umzugehen: Es verwirft 99 Prozent davon. Alles, was nicht relevant ist und nicht verarbeitet werden kann, wird wieder aussortiert und dringt gar nicht erst in unser Bewusstsein ein. Wenn du dich also nicht ganz speziell für den heutigen Luftdruck interessierst, wird dieser Datenmüll bleiben, wo er hingehört.

Konstruktionsmechanismus

Eine andere faszinierende Fähigkeit unseres Gehirns besteht darin, aus wenig und aus unvollständiger Information ein komplettes Bild zu erzeugen, welches es uns erlaubt, Entscheidungen zu treffen oder uns im Raum zu bewegen. So können wir zum Beispiel auf Basis von Licht, Schatten und Geräuschen gut vorhersehen, wie ein Weg weiter geht, den wir nicht sehen, weil er hinter einer Kurve liegt. Wir erstellen für räumliche Orientierung eine sogenannte kognitive Karte, und wenn man dich jetzt bitten würde, eine Skizze von deinem jetzigen Ort oder von deinem letzten Urlaubsort zu erstellen, dann wärst du dazu in der Lage, mit mehr oder weniger Detailtiefe. Hierzu später mehr.

Bau dir eine Welt, wie sie dir gefällt

Jetzt stell dir vor, Tausende von Menschen gehen jeden Tag über dieselbe Kreuzung. Sehen alle das Gleiche? Messen alle dieser Kreuzung dieselbe Bedeutung bei? Wohl kaum! Zum einen siebt das Gehirn jedes Passanten all das aus, was nicht relevant ist, zum anderen werden bei jedem Menschen andere Details hinzu konstruiert, damit er sich in seiner Welt, auf seiner Mission, gut zurecht findet.

Wie kannst du dir nun eine Welt bauen, wie sie dir gefällt? Hole dir ruhig viel weißes Papier und bunte Stifte, wir können ja ein paar Minuten zusammen bauen, dann machst du selbst weiter, ok?

Als Schritt Nummer eins schlage ich vor, du bestimmst, was es in deiner Welt oft und viel gibt. Sonne, Obst, grüne Elektroautos – was fällt dir ein? Viele lächelnde Menschen? Viele zwitschernde Vögel? Wellenrauschen? Berggipfel? Kinder? Kühe? Schokolade? Notiere einfach alles, was dir in den Sinn kommt.

Schritt Nummer zwei: Markiere alles, was aus dieser Sammlung jetzt schon da ist. Einfach um zu sehen, zu wie viel Prozent deine jetzige Welt schon deiner Wunschwelt entspricht. Erledigt? Auf welchen Wert bist du gekommen? Egal, wie viel du bereits gefunden hast, stehe gern auf und haue dir die Fäuste in die Brust, als wärest du King Kong. Feiere dich als Frau oder Herr deines Lebens!

Schritt Nummer drei: Gehe suchen! Mit der kognitiven Karte deiner Wunschwelt unterwegs zu sein, ist wie die Stadt um dich herum neu entdecken! Oder weißt du, wie es im zweiten Stockwerk der Häuser in der Fußgängerzone aussieht? Viele verborgenen Schätze sind um uns herum positioniert, wir nehmen sie bloß nicht wahr, weil unser Hirn sie gemäß der vorherigen kognitiven Landkarte als nicht relevant aussortiert hat.

Zauber der Wahrnehmung

Eine fantastische Funktion unseres Gehirns solltest du noch kennen: Es kann zwischen real und ausgedacht nicht unterscheiden. Das ist der Grund, warum wir uns vor den Thrillern gruseln und richtig hohen Puls kriegen, wo doch die Monster nur in einem Flachbildschirm stecken. Nun gib dir selbst eine Einschätzung: Wie viel Potenzial steckt in deiner Wunschwelt-Karte? Kann diese dir so viel Inspiration und „gute Monster“ schicken, dass du den ganzen Tag am lächeln bist? Ist dein Vorstellungsvermögen schon erwachsen genug, sich die Wunschwelt in allen Farben und Geschmacksrichtungen zusammen zu stellen?

Wiederhole Schritte eins bis drei immer wieder, bis du dich daran gewöhnt hast, Dinge zu sehen, die du sehen willst. Du wirst dich wundern, wie schnell dein Gehirn sich darauf umstellt und dich von unnützen Informationen abschirmt. Und sollte es bei dir gut funktionieren, helfe auch anderen um dich herum, sich ihre Wunschwelt zu erschaffen!

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Seele 2.0 – Welcher Genusstyp bist du? (mit Test)

Genussfähigkeit ist eine wichtige Ressource für Stressbewältigung und somit wesentlich für unsere psychische und physische Gesundheit. In diesem Artikel lernst du, wie du zu mehr Genuss in deinem Leben kommen…

Genussfähigkeit ist eine wichtige Ressource für Stressbewältigung und somit wesentlich für unsere psychische und physische Gesundheit. In diesem Artikel lernst du, wie du zu mehr Genuss in deinem Leben kommen kannst und kannst mit Hilfe eines Tests prüfen, welcher Genusstyp du bist.

Was ist Genussfähigkeit?

Der Ausdruck Genuss bezeichnet die Freude an Empfindungen und das gute Gefühl, das sich dabei einstellt. Bei Tisch sehr Wohlschmeckendes zu essen oder zu trinken, bei musischen und intellektuellen Erlebnissen wie

  • dem Lesen eines guten Buches
  • dem Musik hören oder selbst Musizieren
  • künstlerischer oder kreativer Betätigung
  • dem erfolgreichen Lernen und Lehren
  • persönlichem, beruflichem oder sportlichem Erfolg

 

in der Begegnung mit Anderen, etwa durch

  • soziales Wirken
  • das Pflegen von Freundschaften
  • Liebeserlebnisse

 

Grundvoraussetzung für den Genuss ist die Fähigkeit und Bereitschaft zu bewusstem Erleben mit allen Sinnen. Genießen ist: Wenn die Mundwinkel die Ohren suchen! Wer bewusst durchs Leben geht und genießt, ist Profi in Sachen Gesundheit. Denn durch das Genießen erreichen wir vor allem eins: Wir konzentrieren uns auf unsere Sinne und lassen das laute Hirn in die zweite Reihe rücken. Dadurch bekommen wir Nähe zu uns selbst und zu unserer Umwelt. Als Folge erleben wir mehr innere Balance, mehr Erholung und Entspannung. Und wer so entspannt ist, ist auch für die Menschen um einen herum eine attraktivere Persönlichkeit und ist selten allein. Das alles zusammen führt zur Stärkung des Selbstbewusstseins und zu einer nachhaltig starken Psyche.

Gute Gefühle, die durch das Genießen entstehen…
…stärken Willenskraft und Motivation
…sichern den Erfolg bei jeder Verhaltensänderung
…helfen beim Lernen von neuen Fähigkeiten
…verbessern das Gedächtnis und halten geistig fit
…erhöhen die Leistungsfähigkeit
…beugen Stress und Burnout vor
…fördern das Wohlbefinden
…schützen die psychische Gesundheit

Genussfähigkeit kann man trainieren

Genießen geht nicht auf Kommando, man muss sich schon ein wenig vorbeireiten. Schritt Nummer Eins: Reizreduktion. Wer gleichzeitig ein Fünf-Gänge-Menü isst und Facebook verfolgt, kann sich weder um die eine noch um die andere Aktivität genüsslich kümmern. Schritt Nummer Zwei: Lernen, die Kleinigkeiten im Leben zu sehen (hier hilft Achtsamkeit) und mit Freude anzuerkennen (hier hilft Dankbarkeit). Genussfähigkeit ist demnach eine richtige Kompetenz, die man nach und nach erlernt. Welcher Typ du heute bereits bist, kannst du weiter unten in einem kurzen Test feststellen.

Nur wer genießt, ist genießbar!

In vielen Sprichwörtern steckt eine gewaltige Portion Wahrheit, so auch in dem Spruch „Nur wer genießt, ist genießbar“. Manchmal hängt dieser Spruch in den Firmenkantinen an der Wand und erinnert uns, dass wir hier nicht nur zum Kalorien aufnehmen sind. Und wenn man sich bei einem Klassik-Konzert die verschiedenen Gesichter der Zuhörer anschaut, entwickelt man auch spontan Sympatien mit denjenigen, die fröhlich lächeln oder aufmerksam dem Spannungsbogen des Musikstücks folgen. Genießer erkennt man oft daran, dass sie eine Sicherheit und Gelassenheit ausstrahlen und viel über die Welt zu erzählen haben, und mit solchen Menschen umgibt man sich lieber, als mit unzufriedenen Nörglern.

Genießen braucht Zeit

Mal eben schnell einen Genuss in die Agenda hineinschieben geht nicht. Gepaart mit der oben erwähnten Vorbereitung braucht der Genussmoment die Sicherheit, dass kein Zeitdruck herrscht. Am besten stellt man mögliche Störungsquellen aus und widmet sich ganz und gar dem Moment.

Mache den Test!

Welcher Genusstyp bist du? Andrea Wicho hat einen kurzen Test zusammengestellt, der dir hilft, das herauszufinden.

1. „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“ – Was meinst du dazu?
Ein wahres Wort. (C)
Ich warte doch nicht bis zuletzt. Ich lache immer als Erster. (A)
Also mir ist es lieber, wenn alle gemeinsam lachen. (B)
Egal, ob man zuletzt lacht, man muss auf jeden Fall am lautesten von allen lachen. (D)

2. Angenommen, du wärst alleine im Urlaub. Was könnte dich am stärksten reizen?
Ein erotisches Abenteuer. (D)
Sport oder Kultur. (C)
Das Nachtleben: Jubel, Trubel, Geselligkeit. (A)
Der pure Erholungswert, Abschalten vom Alltag. (B)

3. „Kein Genuss ohne Reue.“ – Was meinst du dazu?
Na ja, das gehört halt dazu. (B)
Ich bin für jedweden Genuss, aber ohne jegliche Reue. (D)
Besser, man denkt schon vorher nach, bevor man nachher etwas bereuen könnte. (C)
Wenn’s ein besonders toller Genuss ist, kann man ja sein Gewissen vorübergehend auf Urlaub schicken (A)

4. Am besten arbeite ich, wenn…
…der Leistungsdruck enorm ist. (D)
…ich mich intellektuell von einer Fragestellung herausgefordert fühle. (A)
…ich von der Sinnhaftigkeit der Aufgabe überzeugt bin. (C)
…ich genügend Zeit zur Verfügung habe. (B)

5. Wofür nützt du eine kurze Arbeitspause am liebsten?
Zum Kaffeetrinken und Tratschen. (A)
Den Kopf zu klären und sich bereit für Neues zu machen. (C)
Zum Rauchen, Trinken, Essen, Spielen. (D)
Ich rufe zuhause an. (B)

6. Wann gehst du am ehesten mit dem Kopf durch die Wand? Wenn…
…mich überschäumende Energie vorwärts treibt. (D)
…die Wand aus Papier besteht. (C)
…ich unbedingt wissen will, was dahinter liegt. (A)
…es räumlich keinen anderen Weg zu geben scheint. (B)

7. An einem Menschen magst du am wenigsten, wenn er…
…rücksichtslos eigene Interessen durchsetzt. (B)
…faul und inaktiv ist und immer einen Ansporn braucht. (D)
…sich für nichts interessiert und deshalb langweilig ist. (A)
…kein Ziel hat und nur die Zeit totschlägt. (C)

8. Welches der nachstehenden Dinge wäre für dich der schönste Genuss?
Eine aufregende Reise. (A)
Ein nahezu orgiastischer Exzess. (D)
Meditative Erleuchtung. (C)
Erwiderte Liebe. (B)

9. Welchem Spruch über Zeit stimmst du am ehesten zu?
Seneca: „Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ (C)
Da Vinci: „Die Zeit verweilt lange genug für denjenigen, der sie nutzen will.“ (B)
Joubert: „Die Zeit ist Bewegung im Raum.“ (D)
Heine: „Jede Zeit ist eine Sphinx, die sich in den Abgrund stürzt, sobald man ihr Rätsel gelöst hat.“ (A)

Auswertung

Typ A, B, C oder D? Welchen Buchstaben hast du am häufigsten ausgewählt? Hast du bei mehreren Buchstaben etwa gleich hohe Werte, dann bist du ein Mischtyp. Lese dann bitte bei allen in Frage kommenden Buchstaben nach.

Typ A: Auf ständiger Jagd nach Anerkennung

Durch deinen Kopf geistern unzählige Ideen, die sofort umgesetzt werden wollen. Als rastlose Natur bist du ständig unterwegs und bei jedem angesagten Event dabei. Du genießt es, wenn du im Mittelpunkt stehst und mit möglichst verschiedenen Charakteren über Gott und die Welt plaudern kannst. Wenn sich ein andächtiges Publikum an deinen geistreichen Bemerkungen ergötzt und dir durch bewundernde Blicke und anerkennende Worte signalisiert, wie toll und einzigartig du bist. Es fällt dir aber nicht leicht, solch befriedigende Augenblicke festzuhalten und voll auszukosten: Du bist ja schon wieder auf dem Sprung!

Typ B: Harmonie schenkt Kraft

Du nimmst das Leben, wie es gerade kommt. Du willst mit anderen Menschen in Harmonie leben und ordnest dich deshalb bereitwillig den Wünschen anderer unter. Du genießt es, wenn es deinen Lieben gut geht und das Leben rundherum möglichst reibungslos und ohne Konflikte verläuft. Dein Genuss liegt im beschaulichen Auskosten des Augenblicks, in dem die Welt still zu stehen und ewige Harmonie zu herrschen scheint. Aus dieser Ruhe schöpfst du enorme Kraft und die Bereitschaft, weiterhin für andere da zu sein. Dies nützt aber mancher weidlich aus. Wie wäre es hin und wieder mit etwas mehr Egoismus?

Typ C: Genuss mit Maß und Ziel

Die Zeit ist für dich viel zu kostbar, um sie zu sinnlos verschwenden. Wertvoll ist für dich, was einen Nutzen hat. Was dich weiterbringt, wodurch du Erfahrungen sammelst. Zuerst muss alles erledigt werden, was wichtig ist: Zeit für Genuss bleibt auch noch später. Hast du dein Tagewerk aber vollbracht, gestattest du dir durchaus kurze Momente des Innehaltens, schauen in dich selbst hinein und genießt das beruhigende Gefühl, mit sich eins zu werden und dein persönliches Ziel erreicht zu haben. In manch einem dieser raren Genussmomente könnte aber die leise Sehnsucht erwachen, diese schönen Augenblicke mit anderen teilen zu wollen.

Typ D: Der Genuss liegt im Exzess

Deine größte Angst ist, etwas zu versäumen. Deshalb muss alles möglichst schnell gehen, der Tag hat schließlich nur 24 Stunden. Du willst dich spüren und stürzt dich energiegeladen auf jede neue Herausforderung, testest dabei oft deine persönlichen Grenzen. Genuss bedeutet für dich die spannende Begegnung mit dem Außergewöhnlichen, ein orgiastisches Erlebnis der Extraklasse, das konventionelle Grenzen überschreitet und dich in sinnliche Dimensionen außerhalb von Raum und Zeit befördert. Prinzipiell gibst du dich nicht mit halben Genüssen zufrieden, du willst alles. Vorsicht, darin liegt ein gewisses Suchtpotenzial!

Was immer du jetzt herausgefunden hast, nimm dir etwas Zeit zu überlegen, was du damit machen willst: Soll es so bleiben? Möchtest du es ändern?

Drei Hauptbotschaften aus diesem Artikel

1. Jeder von uns genießt auf eine andere Art und Weise
2. Genießen braucht Vorbereitung und Zeit
3. Genussfähigkeit ist eine Ressource, die kleine Wunder für deine psychische und physische Gesundheit bewirken kann

In diesem Sinne wünsche ich dir eine genussvolle Zeit!

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Seele 2.0 – Den Gelassenen gehört die Welt von morgen

Die Schlange starrte auf das Kaninchen. Das Kaninchen starrte auf die Schlange, und dann sagte das Kaninchen: „Buh!“ Die Schlange zuckte kurz zusammen und musste dann lachen. Wie albern dieses…

Die Schlange starrte auf das Kaninchen. Das Kaninchen starrte auf die Schlange, und dann sagte das Kaninchen:

„Buh!“

Die Schlange zuckte kurz zusammen und musste dann lachen. Wie albern dieses Kaninchen doch sei. Beim Auflachen schloss die Schlange kurz die Augen, und als sie die Augen wieder aufmachte, war das Kaninchen weg.

Was ist es, dieser Mut?

Wie konnte das Kaninchen seine Todesangst und Angstlähmung überwinden? Wo entsteht der Mut? Wie kann jeder von uns Zugang zu dieser Ressource erhalten?

Warum brauchen wir Mut, um unsere Ängste zu überwinden? Und können wir absolut angstfrei werden?

Die sechs Gespenster der Angst

Wenn hier von „Angst“ die Rede ist, sind die normalen menschlichen Ängste gemeint, nicht die verschiedensten Angststörungen und extremen Angstzustände. Viele Wissenschaftler haben sich bereits mit dem Begriff und dem Konstrukt „Angst“ auseinander gesetzt. Ein sehr einflussreicher Denker und Buchautor – Napoleon Hill – hat in seinem Buch „Denke nach und werde reich“ die sechs Gespenster der Angst beschrieben, und auch wenn sein Buch sich primär dem Unternehmertum widmet, so sind doch diese sechs Gespenster allgegenwärtig in jeder Stadt dieser Welt. Sie lauten:

  1. Angst vor Armut
  2. Angst vor Kritik
  3. Angst vor Krankheit
  4. Angst vor Liebesverlust
  5. Angst vor dem Alter und
  6. Angst vor dem Sterben

 

Diese sechs Ängste, so Hill, bestimmen unser Leben. Einen Großteil unseres Tages verbringen wir damit, alles zu tun, um nicht zu sterben. Wir verdienen Geld, um ein Dach über dem Kopf zu haben, um einen Kühlschrank und das Essen im Kühlschrank bezahlen zu können. Auch die Angst vor Armut und Krankheit spielen hier mit hinein, besonders wenn wir uns um den beruflichen Erfolg und unsere Gesundheit kümmern.

Je nach Ausprägung definiert die Angst vor Liebesverlust unser Privatleben. Wenn wir einmal in einer Beziehung sind, wollen wir diese erhalten. Mit Liebesentzug strafen manche Eltern ihre Kinder, eine so wirksame wie brutale Erziehungsmethode. Doch Angst vor Liebesverlust steuert unser Verhalten nicht nur im familiären Kreis. Auch im Arbeitskontext wollen wir von unseren Kollegen und Vorgesetzten gemocht und respektiert werden, also werden wir manchmal zu Ja-Sagern und manchmal machen wir Überstunden. Manchmal zu viele Überstunden. Doch wenn wir dafür Respekt und Anerkennung ernten können und auch noch unserer Angst vor Kritik entfliehen, dann machen wir lieber eine Überstunde mehr.

Die Angst vor Kritik ist zwar nicht typisch deutsch, doch in Kombination mit dem typisch süddeutschen Spruch „Nicht geschimpft ist gelobt genug“ prägt diese ein Stück weit das zögerliche Verhalten, welches im angelsächsischen Sprachraum mit „German Angst“ bezeichnet wird. Lieber zurückhaltend abwarten, statt sich aus dem Fenster lehnen und dafür Kritik kassieren.

Chris Guillebeau, ein anderer Autor und Unternehmer, beschreibt in seinem Manifest „Eine kurze Anleitung zur Weltherrschaft“ die Wege, ein unauffälliges Leben zu leben und garantiert keine Kritik zu kassieren:

  • Alles für bare Münze nehmen, was andere Leute einem erzählen
  • Autoritäten nicht hinterfragen
  • Studieren, weil es erwartet wird und nicht, weil man etwas lernen will
  • Nicht in fremde Länder reisen, weil da alles anders ist
  • Überlegen, ein eigenes Unternehmen zu gründen, aber es niemals tun
  • Überlegen, ein Buch zu schreiben, aber es niemals machen
  • Die höchstmögliche Hypothek in Anspruch nehmen und sie dann 30 Jahre abbezahlen
  • 40 Stunden pro Woche am Schreibtisch sitzen und durchschnittlich zehn davon produktiv arbeiten
  • Niemals herausragen und Aufmerksamkeit auf sich lenken

 

Chris sagt, wer sein Leben nach diesen Prinzipien gestaltet, ist selten allein und entspricht den gängigen Erwartungen. Was bedeutet, solche Menschen brauchen keine Angst vor Kritik zu haben.

Und dann bleibt da noch die Angst vor dem Alter. Zu dieser kommen wir gleich.

Von Angst zum Mut

Eine Angst entsteht, wenn in unserem Leben ein Entwicklungsschritt bevor steht. Ob Jobwechsel, Umzug, Veränderungen in den sozialen und familiären Beziehungen oder auch das Erreichen einer neuen Reifestufe im Leben – größere Veränderungen im Leben bringen uns sowohl Freude, als auch Angst. Was, wenn es nicht klappt? Was, wenn es doch schlechter wird als vorher?

Der Mut entsteht – wie die Angst – im Kopf, in unserem Denken. Wir schätzen unsere Fähigkeiten ein (haben wir genug?) und prüfen unsere bisherigen Erfahrungen (haben wir schon welche?). Dabei bedient sich der Kopf gern auch der Parallelen aus dem Leben anderer Menschen („Wenn der oder die es geschafft hat, kann ich das auch.“), denn lernen tun wir meistens immer noch von Modellen.

Doch der Kopf alleine kann nicht entscheiden, mutig zu sein. Der Wille, der dafür notwendig ist, lebt in unserem Körper, meistens im Bauch, und dieser Wille ist ein wenig mit der Wut verwandt. Mit der Wut, die wir kriegen, wenn wir es nicht schaffen.

Was es dann noch braucht, ist der erste Schritt. Dieser klappt nicht immer. So wie die Amelie in dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ sich einige Male mit dem jungen Mann verabredete, und sich erst nach ein paar geplatzten Dates getraut hat, ihm wirklich zu begegnen.

Der Angst vor dem Alter kann man aus meiner Sicht am besten mit Mut begegnen. Mit dem Mut zu tun, wozu man sich berufen fühlt. Mit dem Ausleben der Antworten auf die zwei Fragen von Chris Guillebeau:

  1. Was willst du wirklich im Leben?
  2. Was kannst du der Welt bieten, was niemand anderes sonst kann?

 

Klar kann man sich mit Faltencremes und finanzieller Absicherung beschäftigen, das ist jedoch aus meiner Sicht nur eine Beschwichtigung. Wer sich von seinem Leben versteckt, bekommt irgendwann die Quittung, und diese kann dann so aussehen, wie die Reue, über die eine australische Krankenschwester in ihrem Bestseller-Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ schreibt. Auf Platz eins steht:

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“

Noch Fragen?

Das mutige Kaninchen

Woher nahm das Kaninchen den Mut, der Schlange ein „Buh!“ zuzurufen? Woher nehmen viele tausende Menschen täglich den Mut, etwas zu tun, was ihr Leben und das Leben anderer Menschen verbessert?

Zum einen kann man die Angst mit Angst besiegen. Angst davor, als einzige in der Klasse die Prüfung nicht zu bestehen, half mir irgendwann, die Angst vor der Prüfung zu vergessen. Die Angst davor, die Anerkennung seiner Kollegen zu verlieren, lässt sich vergessen, wenn man die Angst wahrnimmt, den Rest seines Lebens nur von von einem „Endlich Freitag!“ bis zum nächsten zu vegetieren.

Das Konstrukt von Mut und Angst ist so zusammen gestellt, dass jeder Mensch genau so viel Mut hat, wie er Angst hat. Doch während Angst ein uralter Mechanismus ist, der uns seit jeher vor dem Tod bewahrt, muss der Mut durch uns selbst entdeckt und aktiviert werden, und das macht es manchen von uns schwer, den Mut in sich zu spüren.

Und dann ist da noch etwas. Die bisherigen wissenschaftlichen Bemühungen fokussierten sich meist darauf, wie man die Missstände eliminiert. In unserem Fall heute würde man sich also primär darauf fokussieren, wie man die Angst besiegen kann. Die neueren Zweige der Wissenschaft – in der Medizin ist es die Salutogenese, und in der Psychologie die Positive Psychologie – fokussieren sich auf das Erlangen des Bestmöglichen. Statt Krankheiten und Probleme zu untersuchen und dafür Bewältigungsstrategien zu entwickeln, werden Idealzustände beschrieben und Wege, diese Zustände anzusteuern. (Mehr darüber, was Salutogenese ist, findest du in meinem Artikel „Seele 2.0 im Körper 2.0“.) Man spricht von „Stärken stärken statt Schwächen schwächen“. Und wenn wir wissen, dass Angst und Mut zusammen gehören, dann würden wir uns in diesem Fall immer weniger mit der Angst und der Angstbewältigung beschäftigen, sondern mit der Beschreibung der Lebenssituationen, die wir erreichen wollen und mit dem Entdecken der Ressourcen, die wir dafür brauchen. Unter anderem, mit dem Entdecken der mutigen Seiten in uns.

Gehört den Mutigen die Welt?

Mut ist eine der sechs Tugenden, welche in 3.000 Jahren Menschengeschichte in fast allen Religionen und Kulturen zu den wichtigsten gehören, neben Liebe, Gerechtigkeit, Spiritualität, Mäßigung und Weisheit. Man sagt, den Mutigen gehöre die Welt. Weil diese Menschen sich trauen, zu handeln. Wer mutig ist, schließt das Risiko des Scheiterns mit ein und die Möglichkeit, einen Fehler zu machen. In Russland gibt es einen Spruch: „Wer nicht riskiert, der trinkt auch keinen Champagner“, und dieser malt ein klares Bild von Siegern und Verlierern.

Doch ist es so? Reicht es aus, furchtlos voranzuschreiten, damit man zum Sieger wird?

Was, wenn man zu viel Mut hat – also „übermütig“ durch die Gegend läuft, keine Grenzen kennt und Warnsignale nicht beachtet? Bergsteiger wissen, dass angstfreies Verhalten zum Tod führen kann.

Mut und Angst sind zwei Systeme, die sich bestens vervollständigen. Mut ist das Gaspedal, Angst ist die Bremse. Mut gewährleistet die Handlungsfähigkeit, Angst warnt vor Verantwortungslosigkeit.

Wenn die beiden Systeme ausbalanciert sind, fährt jeder von uns in seinem eigenen Stil über die Straße des Lebens. Man spricht in diesem Fall dann vom „Spannungsgefüge verantwortbaren Wagemuts“, und was so wissenschaftlich hochgestochen klingt, ist in Realität etwas, was man viel einfacher mit „cool“, „lässig“ und „gelassen“ beschreibt.

Und den Gelassenen gehört die Welt von morgen.

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Seele 2.0 im Körper 2.0

Wenn wir über Gesundheit sprechen, meinen wir meist gesunde Ernährung, Bewegung, frische Luft, ausreichend Schlaf. Bist du schon gesund, wenn du nicht krank bist? Das Konzept der Salutogenese sagt dazu…

Wenn wir über Gesundheit sprechen, meinen wir meist gesunde Ernährung, Bewegung, frische Luft, ausreichend Schlaf. Bist du schon gesund, wenn du nicht krank bist?

Das Konzept der Salutogenese sagt dazu ganz klar: Nein! Denn Gesundheit ist demnach kein Zustand, sondern ein Prozess. Während die uns bekannte Welt des Gesundheitsmanagements sich um Krankheiten und ihre Ursachen kümmert, blickt die Salutogenese auf attraktive Gesundheitsziele und auf die Ressourcen, die dazu erschlossen werden können. Es ist die Schwester der Positiven Psychologie in der Medizin.

Positive Psychologie sagt: „Don’t fix what’s wrong, build what’s strong.“ (klingt auf Englisch klarer), und meint damit eine Neuorientierung in diesem wissenschaftlichen Zweig. Wo man vorher Krankheitsbilder sortiert und Therapien entwickelt hat, schaut ein Vertreter der Positiven Psychologie, was für Bilder eines psychisch gesunden Menschen existieren und wie wir mehr von solchen positiven, gesunden Momenten in unserem Leben haben können. Stärken stärken statt Schwächen schwächen.

Neue Haltung, neues Verhalten

Auch die Salutogenese orientiert sich an einem Idealbild eines gesunden Menschen. Wenn wir uns normal um unsere (physische) Gesundheit kümmern, dann sind wir oft im Prozess des Vermeidens. Wir vermeiden jede Störung, die unserer Gesundheit schaden kann. Unsere innere Welt ist dann komplett auf Schutz und Verteidigung eingestellt. Wir bauen Wände auf, zu allen Seiten. Wenn wir so leben, fühlen wir uns selten komplett frei. Irgendetwas dürfen wir nicht – nicht lange draußen sitzen, nicht neben einem niesenden Menschen sitzen, nicht barfuß laufen. Kein Wunder also, dass wir uns ab und zu eine gesundheitliche Sünde erlauben. Denn wo Wände sind, da ist auch ein Bedürfnis danach, auszubrechen. Und: Wenn wir uns so zumauern und dann wie in einer Festung leben, können wir nur so viel Gesundheit haben wir wie wir bereits besitzen.

Lasst uns andersherum leben!

Statt Krankheiten zu vermeiden, können wir jeden Tag Gesundheit erlangen. Und das geht so:

1. Mit Proaktivität
Es reicht es nicht zu hoffen, dass du nicht krank wirst. Jeden Tag aufs Neue musst du etwas für deine Gesundheit tun. Morgens ein Workout (es gibt tolle Apps dafür – und du brauchst nur rund sieben Minuten!), gesundes Frühstück, viel klares Wasser trinken, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf… Du kennst das alles – wie viel davon ist in dein Leben integriert?

2. Mit Selbstkenntnis
Nur wer eigene Ressourcen kennt und diese bewusst einsetzt, kann sich um seine Gesundheit kümmern. Zu den Ressourcen gehören – neben deiner körperlichen Hülle:
deine Intelligenz
– deine bisherigen Erfahrungen mit Problembewältigung
dein soziales Umfeld
psychische Ressourcen (Genussfähigkeit, Selbstakzeptanz, Achtsamkeit). Diese Ressourcen werden in den Original-Studien der Salutogenese nicht erwähnt, vielleicht weil Mediziner und Psychologen da immer etwas eigen sind. Nichtsdestotrotz geben die Mediziner zu, dass psychische Gesundheit und Resilienz* einen wichtigen Einfluss auf das stetige Wiedererlangen der physischen Gesundheit haben.

3. Mit Ganzheitlichkeit
Du und deine Gesundheit, ihr werdet verschiedene Taktiken brauchen, je nachdem, was gerade los ist. Im Winter anders als im Sommer und bei mehr Stress stärker als in den entspannten Lebensphasen. Betrachte jede Veränderung in deinem Leben und sorge dafür, dass es dir gut geht. Ja, auch ein Freund, der in eine andere Stadt umzieht, kann der Grund dafür sein, dass du plötzlich öfter erkältet bist. Weil dir eine Ressource fehlt.

4. Mit Stetigkeit
An apple a day, das kennt (fast) jeder. Aber wer setzt das wirklich um? Wer trinkt wirklich zwei Liter Wasser und isst täglich frische vitaminhaltige Produkte, um anschließend zu joggen oder Yoga zu machen? Es geht hier auch nicht um schlechtes Gewissen, nur um Bewusstheit, was du selbst tagtäglich tust.

5. Mit Affirmationen
Zugegeben, wir verlassen hiermit den Bereich der Medizin. Aber spätestens seit meine Mutter, die einen akademischen Grad in Physik hat, sich ihre kleinen wie großen Wehwehchen mit selbstbejahenden Sätzen wegzaubert, habe ich mir das kleine Buch von Louise Hay zugelegt und schaue nach, was mein Körper mir sagen will, wenn ich mal wieder Migräne habe.

Seele 2.0 im Körper 2.0

Stelle deinen Körper darauf ein, dass er nicht gegen Krankheiten, sondern für Gesundheit kämpfen soll. Entdecken statt vermeiden. Erlangen statt besiegen. Erobern statt kontrollieren. Lieben statt hassen.

Ist dein Körper auf dem täglichen Weg zur Gesundheit unterwegs, hat es deine Seele viel einfacher, sich darin wohlzufühlen und sich stark zu fühlen. Und da die beiden – dein Körper und deine Seele – eng miteinander verbunden sind, wird dein Körper es deutlich merken, wenn es der Seele gut geht, und so können die beiden sich gegenseitig unterstützen.

Willst du das erleben? Dann los!

Resilienz* ist der Begriff für die Widerstandsfähigkeit gegen Störungen. Ich habe hierzu einen separaten Artikel verfasst, welchen du hier lesen kannst.

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Seele 2.0 – Welchen Wolf fütterst du?

Zu Beginn eine kurze Übung. Spüre in dich hinein – wie fühlst du dich jetzt? Aufgeregt oder gelangweilt? Satt oder hungrig? Ist dir warm oder kalt? Hast du Ruhe oder bist…

Zu Beginn eine kurze Übung. Spüre in dich hinein – wie fühlst du dich jetzt? Aufgeregt oder gelangweilt? Satt oder hungrig? Ist dir warm oder kalt? Hast du Ruhe oder bist du in Eile? Schließe kurz die Augen und spüre das.

Und nun eine Frage. Denkst du, dass du selbst dafür verantwortlich bist, wie du dich fühlst? Glaubst du, dass du selbst zu 100 Prozent beeinflussen kannst, wie es dir geht? Denke kurz nach – schreibe deine Antwort gern auf.

Die Wölfe in deinem Herzen

Eine Indianerweisheit sagt, in unseren Herzen tobt ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Sorgen, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst. Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit. Willst du wissen, welcher der beiden Wölfe gewinnt? Die Antwort ist einfach. Es gewinnt der Wolf, den du fütterst.

Wie du dich fühlst, ist deine Entscheidung

Viele Menschen denken, dass Gefühle entstehen, weil uns etwas passiert. Ich bin zum Beispiel unzufrieden, wenn der Bus nicht pünktlich kommt und ich im Regen stehe. Oder ich fühle mich verärgert, weil meine Tochter nicht anruft. Doch unsere Gefühle entstehen vielmehr durch unsere Bewertung der Situation, in der wir uns befinden, und durch unsere Gedanken.

Das bedeutet, in gleicher Situation können zwei verschiedene Menschen komplett unterschiedliche Gefühle bekommen. Der Bus kommt nicht und ich werde gerade nass im Regen? „Toll!“, denkt der Teenager, der heute verspätet nach Hause kommen wird. „Dann werde ich von meiner Mutter nicht so ausgeschimpft, denn sie sorgt sich so sehr um meine Gesundheit“. Klar, niemand hat gern nasse Schuhe, dennoch hilft es nicht, aus Busverspätung und Regen eine Tragödie zu machen.

Zeitlich befristete Umstände sind nämlich keineswegs eine bleibende Realität, und vom Mond aus gesehen sind all diese Probleme sowieso klitzeklein. Stehst du an der Bushaltestelle im Regen, so ist es ganz und gar deine Entscheidung, ob du dich darauf fokussierst, wie schlecht dein Leben ist oder dich darauf freust, deine nassen Schuhe auszuziehen und den Abend mit einer Tasse Tee und guter Musik ausklingen zu lassen. Du entscheidest, wie du dich fühlst. Jede einzelne Minute.

Stärken stärken statt Schwächen schwächen

Stell dir vor, du läufst mit einer Taschenlampe im Dunklen und leuchtest nur auf positive und fröhliche Objekte. Die anderen Objekte sind immer noch da, doch du nimmst sie nicht wahr. Worauf du dich fokussierst, das wächst, wird größer und stärker, wird zur Gewohnheit. Fütterst du den bösen Wolf, wird dieser in dir präsent, dein Gesichtsausdruck und deine Körperhaltung folgen deinen Gedanken – und das steckt die Menschen um dich herum an. (Wie das mit der Ansteckung funktioniert, kannst du in einem anderen Artikel nachlesen – klicke hier.)

Und wie reagieren Menschen auf jemanden, der mit einem Böser-Wolf-Gesichtsausdruck durch die Gegend läuft? Sind sie freundlich zu ihm? Geben sie ihm gern, wonach er fragt? Oder beißen sie zurück? Alles, was du nicht kannst, was du nicht magst, was du noch nicht hast – lass es im Dunklen. Fokussiere dich stattdessen auf alles, was dir gut gelingt und worin du gut bist. Stärke deine Stärken und zeige der Welt, wie großartig du als Person bist.

Eine Übung für Zwischendurch

Atme tief ein und aus und schüttle kurz deinen Körper durch. Erinnere dich bewusst an Ereignisse, in denen du dich gut gefühlt hast. Male dir dabei ganz lebendig aus, wie die Situation ausgesehen hat, mit welchen Menschen du zusammen warst, und was du gesagt, getan und gefühlt hast. Hast du gesessen oder gestanden? Wenn möglich, nimm die gleiche Körperhaltung an wie in der Situation – stehe auf oder bewege dich. Spüre nochmal in dich hinein: Wie ging es dir? War das schön? War das großartig?

Und nun stell dir vor, du fühlst dich genau so für die nächsten sieben Tage. Was ist dann alles möglich? Was wirst du alles bewältigen? Was kannst du alles schaffen? Wem kannst du helfen? Wen kannst du überzeugen, wenn du dich genau so fühlst? Und nun stell dir vor, du fühlst dich so für die nächsten drei Monate. Das ganze nächste Jahr. Dein ganzes restliches Leben…

Seelenkaries vermeiden

Die Formel ist simpel: Tue es täglich! Hole dir täglich ein Puzzleteil deines Lebens aus einer Situation, in der du dich großartig gefühlt hast. Atme tief ein und aus, bewege deinen Körper und merke, wie deine Gedanken vor der Situation geflutet werden. Du bist ganz und gar in diesem positiven Erlebnis.

Mache es jeden Tag. Jeden Tag, an dem du dich großartig fühlen willst. Es wird dir nicht sofort gelingen, denn du musst an dieser Stelle erst mal „Muskeln“ bilden und dich daran gewöhnen. Eins ist sicher: Je mehr du deine positiven Gefühle pflegst, umso stärker werden diese und umso häufiger spürst du diese.

So wie wir uns die Zähne putzen, können wir auch unsere Gedankenwelt reinigen, indem wir nur den guten Wolf füttern und ihn siegen lassen. Du bist großartig – zeige es der Welt!

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Seele 2.0 – Wie du Probleme am einfachsten löst

Gregory Berns von der Universitätsklinik Emory in den USA forscht seit 20 Jahren über unser menschliches Gehirn. Er hat herausgefunden, dass wir unsere Glückshormone und Glücksgefühle alleine durch die Erwartung…

Gregory Berns von der Universitätsklinik Emory in den USA forscht seit 20 Jahren über unser menschliches Gehirn. Er hat herausgefunden, dass wir unsere Glückshormone und Glücksgefühle alleine durch die Erwartung auf etwas Schönes, Neues und Positives aktivieren können. Die Erwartung sei wichtiger als die eigentliche Aktivität. Konkret ausgedrückt: die Erwartung, sich etwas Schönes zu kaufen, die Erwartung, etwas Neues und Spannendes auszuprobieren, löst mehr Freude und Glücksgefühle in uns aus als die Aktivität selbst. Damit hat Herr Berns die alte Weisheit „Vorfreude ist die schönste Freude“ wissenschaftlich belegt.

Eine Empfehlung, die ich einmal in einem Reisebüro bekommen habe: Die Reise möglichst früh buchen, damit die Vorfreude richtig lang ist. Vielleicht ist dieser wissenschaftlicher Fakt auch einer der Gründe, warum es (gefühlt) kurz nach Ostern schon Weihnachtsmänner im Laden gibt – damit wir uns lange freuen und glücklich einkaufen.

Freuen wir uns über etwas, sorgen bestimmte Hormonprozesse dafür, dass unser Körper sich entspannt. Stress wird abgebaut, der Blutdruck sinkt, Schmerzen werden weniger stark wahrgenommen. Die Phantasie spielt dabei eine große Rolle: Freuen wir uns auf etwas, malen wir uns das Ereignis in den buntesten Farben aus und beschäftigen uns lange damit. Vorfreude kann also sogar glücklicher machen als die eigentliche Freude. Was hat das nun mit dem Lösen von Problemen zu tun?

Drehe den Spieß um – umgekehrt gilt das Gleiche. Hast du ein Problem, das du lösen musst, sorgt dein Hormonhaushalt dafür, dass du angespannt bist. Je länger du das Problem vor dir her schiebst, desto bunter malt deine Phantasie die Unlösbarkeit und die Größe des Problems aus, desto weniger Kraft verspürst du, dich mit dem Problem zu beschäftigen. Somit kommt es in vielen Fällen dazu, dass die Beschäftigung mit dem Aufschieben der Problemlösung mehr Energie und Kräfte raubt, als die Lösung selbst. Das dürfte jedem bekannt sein, der das Geschirr tagelang in der Küche stehen lässt und jedes Mal schlechte Laune hat, wenn es in das Blickfeld gerät.

Die Lösung? Ganz einfach. Hast du dein Problem erkannt und willst es wirklich lösen, dann schiebe diesen Schritt so wenig wie möglich vor dir her. Dadurch ersparst du deinem Körper unnötige Stresshormone und sorgst für einen nachhaltigen Ressourcenhaushalt in deiner Seele. Noch eins: Zufrieden und glücklich sein heißt nicht, keine Probleme zu haben. Es bedeutet vielmehr, dass du lernst, mit den Problemen umzugehen und ihnen nicht erlaubst, dass sie dich von den Dingen ablenken, über die du glücklich und zufrieden sein kannst. Denn Gegenteil von Glück ist bekanntlich nicht Unglück, sondern Langeweile – und eine Welt ohne Probleme wäre absolut langweilig!

Ich hoffe, du bist nun hochmotiviert, die Probleme in deinem Leben mit einem frischen Blick zu betrachten und da anzupacken, wo es nötig ist. Vergiss nicht, einen Kommentar zu hinterlassen, wenn dir etwas durch den Kopf geht.

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