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Kategorie: Travel. Outdoor.

Warum ich (trotzdem) reise!

„Wir sollten wieder sesshaft werden, statt permanent unterwegs zu sein und CO2 zu emittieren.“ Die Aussage war noch eine der harmloseren, die der Volkswirt und Attac-Berater Niko Paech im Interview…

„Wir sollten wieder sesshaft werden, statt permanent unterwegs zu sein und CO2 zu emittieren.“ Die Aussage war noch eine der harmloseren, die der Volkswirt und Attac-Berater Niko Paech im Interview mit der Süddeutschen Zeitung getroffen hat. Der Standpunkt von jemandem, der selbst nur ein einziges Mal in seinem Leben in einem Flieger gesessen ist, rüttelt ganz schön an mir. Und nein, das liegt nicht daran, dass ich sie im Flugzeug auf dem Weg nach Porto zu meiner ersten Travel Blogger Konferenz lese. Aber paradoxer könnte die Situation wohl kaum sein.

Ein Gespräch über eine Reise nach Bali hier, Erzählungen vom Yoga-Retreat in Mexiko dort und eine Autoralley durch die Mongolei als Einstiegspräsentation, dazwischen Suchmaschinen-Websites, PR-Agenturen, Tourismusbüros etc. die mit uns BloggerInnen über noch bessere Vermarktungsmöglichkeiten sprechen. Hier geht es um eine meiner größten Leidenschaften, darum, wofür ich morgens aufstehe und wovon ich nächstens träume. Hier geht es um das Geschäft, das wohl eine der negativsten Klimabilanzen aufweist, die es gibt: Ums Reisen!

Der internationale Flugverkehr trägt mittlerweile mit sieben Prozent zur globalen Erwärmung bei, die Treibhausgaswirkung der Flugemission ist dreimal so hoch wie bei Kohlendioxid, das auf der Erde produziert wird – bei diesen Fakten dreht sich mir der Magen um! Und wenn man der aktuellen – vermutlich realistischen – Airbus-Prognose, die der Flugzeughersteller in London veröffentlicht hat, Glauben schenkt, wird allein die Zahl der Passagiermaschinen in den nächsten 20 Jahren von derzeit rund 15.000 auf mehr als 32.000 ansteigen. Dass man das auch mit der höchsten Ausgleichszahlung an atmosfair und Co nicht kompensieren kann, sagt uns der Hausverstand. Eine lahme Gewissensberuhigung, was sonst? 

Chart der David-Suzuki-Foundation

„Klimabewusst zu fliegen heißt wohl eher nicht zu fliegen.“, die Lösung, die Attac-Geschäftsführer Wilhelm Zwirner liefert, ist kurz und radikal. Oder um wieder Paech zu zitieren, der sich auch weigert, bei Klimakonferenzen im fernen Rio dabei zu sein: „Die beste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen.“ Und ich kann nur sagen: Ich gebe beiden Recht.

Genauso Recht wie Chris Haslam, Autor und Reiseberichterstatter, der sagt: „Es ist so: Hör nicht auf zu fliegen. Hör nicht auf, das Außergewöhnliche und Exotische zu besuchen. Hör nicht auf, dein Hart-Verdientes zu den Menschen zu bringen, deren Leben und Zukunft genau davon abhängt und hör nicht auf, hinaus zu gehen und Zeugnis davon abzugeben, die Änderungen zu sehen, denen unser Planet ausgesetzt ist.“ Das ist nämlich die andere Seite des Reisens: Abgesehen davon, dass Tourismus eine Lebensgrundlage für Menschen darstellt, öffnet Unterwegssein die Augen, lässt uns wachsen, Begegnung findet statt, inspiriert, macht uns toleranter… Zumindest das Reisen, das ich kenne!

Radikale Aussagen und Ansichten wie die von Paech, der den“vor der Fassade der Weltoffenheit komfortablen und globalen Lebensstil“ an den Pranger stellt, sind vermutlich wichtig für Diskussion, fürs Umdenken, fürs Schlechte-Gewissen-Schaffen. Und keine Frage: Hochachtung, dass er so lebt! Aber ich weiß nicht, wie es euch geht, doch mich schrecken solche Aussagen ab: So sehr, dass ich dann gar nichts ändere und so weitermache wie bisher, weil ich dieses hehre Ziel ja ohnehin nicht erreiche. Und das ist dann wohl die völlig falsche Reaktion!

Für mich gibt es nur diesen Weg: Mich zu bemühen, so bewusst, so nachhaltig, so klimaschonend, so ausgleichend, kurz, so gut wie möglich zu reisen. Ja, ich fliege – aber nicht bei jeder Gelegenheit einfach irgendwo hin, meistens bin ich öffentlich unterwegs. 24/7 Klimaanlagen gibt es nicht, unter anderem deshalb, weil ich meist bei Einheimischen schlafe, ich ernähre mich vegetarisch und ja, ich mache Fehler! Aus Unwissenheit, weil ich nicht besser darüber nachgedacht habe, weil ich ein Mensch bin und weil ich – hoffentlich – laufend dazu lerne.

„Was kann ein Reisender tun? Der Zynische sagt nichts, der Hoffende sagt viel.“, ganz klar, Dan und Audrey von Uncornered Market zählen zu letzteren. Das Ehepaar arbeitet als Reiseblogger und -consultants mit Non-Profit-Organisationen zusammen, macht grüne Initiativen in aller Welt bekannt, reist selbst so nachhaltig wie möglich und sind United Nations Botschafter für das Sustainable Tourism Council (GSTC) – auch auf einer Travel Blogger Konferenz wie der in Porto.

Dreimal dürft Ihr raten, zu welcher Kategorie ich gehöre…

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Cabo Polonio: Einsamkeit, die Uruguayer und ich…

Vor ein paar Minuten bin ich nach über acht Stunden Schlaf aus dem Bett gerollt. Die Morgensonne hat mich wach gekitzelt, sanfter, als jeder Wecker es jemals könnte. Und wäre…

Vor ein paar Minuten bin ich nach über acht Stunden Schlaf aus dem Bett gerollt. Die Morgensonne hat mich wach gekitzelt, sanfter, als jeder Wecker es jemals könnte. Und wäre da nicht die Tasse mit frisch gebrühtem Kaffee in meiner Hand, könnte man meinen, ich wäre direkt in den Strandsessel gewechselt. So sitze ich hier, die schuhlosen, mittlerweile beachtlich braun gebrannten Beine ausgestreckt, und schaue auf der einen Seite auf das endlose Blau des Meeres, auf der anderen Seite auf die nicht minder unendliche Weite der gelben Sanddünen. Einmal tiiiiief durchatmen.

Immer wieder muss ich jetzt – Monate später – an solche friedlichen Morgen denken, wie ich sie im kleinen, abgeschiedenen Dorf Cabo Polonio in Uruguay verbracht habe. Vor allem, wenn ich so wie heute um halb vier Uhr in der Früh aus dem Bett getaumelt bin, um eine Stunde zum Flughafen zu fahren, einzuchecken – ihr kennt das Prozedere – und nun mit verquollenen Augen am Flughafen sitze, wo ich auf meinen Anschlussflug warte. Ich möchte tauschen. Jetzt! Sofort!

Cabo Polonio – der Ruf dieser Ortschaft ist ihr vorausgeeilt: Lange bevor ich überhaupt in ihre Nähe kam, haben schon andere Reisende, vor allem aber Uruguayer selbst ganz glänzende Augen bekommen, sobald nur der Name Cabo Polonio gefallen ist. Ja, es ist ein besonderes Fleckchen Erde, dieses Fischer- und Handwerkerdorf an der Atlantikküste, und wie ich später erfahren habe, liegt es gar nicht so sehr auf der Touristenstrecke wie vermutet. Stattdessen nehmen sich vor allem Einheimische dort gern ein Wochenende „Auszeit vom Alltag“. Wer Cabo kennt, der weiß: Kaum ein Ort wäre dafür besser geeignet.

„Wo sich Uruguayer und Aussteiger gute Nacht sagen“, so hätte ich den Blogpost auch nennen können. Schon die Hinfahrt stimmt auf das ein, was man dort nicht erleben kann. Zur Bushaltestelle vor Cabo Polonio, das zwischen den Badeorten Valizas und La Pedrera liegt, kommt man noch mit einem regulären Bus. „Terminal“ nennt sich die Station großspurig, doch von einem Bahnhof fehlt jede Spur: Es handelt sich vielmehr um zwei kleine überdachte Haltestellen mit Stopptafel. Wo geht’s weiter? Diese Frage habe wohl nicht nur ich mir gestellt, nachdem ich dort in aller Herrgottsfrüh abgesetzt wurde. Allerdings nicht lang, dann war ich nämlich doch mehr damit beschäftigt, die hinter den Bäumen über dem Nichts aufgehende Sonne zu bewundern. Das Licht hat etwas Magisches, lässt sich nicht in Worte fassen, und ja, ich bin verzaubert!

Auch das Rätsel des Weiterkommens löst sich schnell: Es gibt einen zweistöckigen, offenen 4×4-Shuttle, eine Art Laster, wie ich ihn bisher nur in Cabo gesehen habe. Den müssen übrigens alle nehmen (oder zu Fuß gehen), denn Autos gibt es im Dorf nicht. Dass man das Gefährt dringend braucht, wird bei der holprigen Einfahrt über sieben Kilometer lange Dünen und nicht vorhandene Wege offensichtlich. So richtig durchgerüttelt komme ich an und bin froh, mich dafür, statt für den zwei- bis dreistündigen Marsch entschieden zu haben. Die Sonne prallt auch zu Tagesbeginn schon kräftig auf mich herunter und der schwere Rucksack hängt sich mit aller Macht auf meine Schultern.

Mehr oder weniger kleine Holzhäuser, alle bunt bemalt, mal hier, mal da verstreut und die meisten mit der Aufschrift „Hostel“, so zeigt sich mir Cabo Polonio auf den ersten Blick. Eine Unterkunft hätte ich vermutlich nicht buchen müssen, bei DER Auswahl, habe es aber auf Anraten gemacht: Gerade am Wochenende sind die Betten schnell ausgebucht. Mein Hostel ist gleich gefunden und – Freude – es liegt direkt in der ersten Reihe, keine zehn Schritte vom Meer entfernt.

Das Meer! Der Ozean, die traumhaften Strände und vor allem die Wanderdünen, die mit einer Höhe von bis zu 50 Metern zu den größten Südamerikas zählen, dominieren in Cabo. 1976 wurde die Region rund um den Ort, in dem nur wenige Fischer, Handwerker und die Betreiber des Leuchtturms das ganze Jahr über leben, in das UNESCO-Programm „Mensch und Biosphäre“ aufgenommen. Das hat aber nicht verhindert, dass das einzigartige Ökosystem durch Bebauung und unkontrollierte Forstwirtschaft bedroht wurde. Nicht zuletzt auch wegen des Zustroms an TouristInnen. Mittlerweile ist die Gegend zum Nationalpark erklärt worden und hat, zumindest von außen, den natürlichen und geschützten Charakter erhalten.

Weder Elektrizität noch Internet noch Bankomat gibt es vor Ort, ja noch nicht einmal die viel gerühmten Robben zeigen sich mir – es ist einfach nicht die richtige Saison dafür. Viele Möglichkeiten habe ich tatsächlich nicht, mich in Cabo von der Entspannung und dem süßen Leben abzulenken. Ein Spaziergang über die mit Muscheln bedeckten Strände hier, ein Herumirren durch die (und sich Verirren in den) Dünen da, Tagedösen in der Hängematte, Lesen der mitgebrachten und gefundenen Bücher, Tratschen mit den Hostelbetreibern und MitbewohnerInnen auf Zeit, Matetrinken mit Einheimischen, Sonnenuntergang-Schauen, Träumen…

…seht ihr auch so, oder?

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Sternderl schauen, Stockerl werfen und Seele baumeln lassen: Idyll ist!

Die gute Nachricht: Das Idyll gibt es, und es ist gar nicht einmal so weit entfernt. Die schlechte Nachricht: Ich darf euch hier nicht verraten, wo – ich habe es…

Die gute Nachricht: Das Idyll gibt es, und es ist gar nicht einmal so weit entfernt. Die schlechte Nachricht: Ich darf euch hier nicht verraten, wo – ich habe es versprochen.*

Also gibt es nur ein paar Bilder von einem Ort mitten in Österreich, wo man noch in aller Ruhe wahlweise in den Sternenhimmel oder ins Feuer starren und träumen kann. Wo die größten Herausforderungen des Tages darin bestehen, sich mit der Holzschaukel vom Baum ins kühle Nass zu schwingen oder mit dem Ruderboot ans andere Seeufer zu paddeln. Wo auf besonders Mutige abends Erkundungstouren durch alte Gemäuer in der nahen Burg warten. Wo NacktbaderInnen genauso willkommen sind wie schicke Stadtflüchtige, spanische Trommelgruppen genauso ihr Zuhause finden wie fanatische FischerInnen. Von einem Campingplatz, der Idyll ist.

 

* Wer wissen möchte, wo sich dieses Idyll befindet, schreibt mir am besten eine E-Mail. Persönlich darf ich euch nämlich ins Geheimnis einweihen.

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