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Kategorie: Media. Culture.

Vegan Guerilla – Die Revolution beginnt in der Küche

Jeder von uns kennt sie. Menschen, die man um vier Uhr morgens aus dem Bett läuten kann und die innerhalb kürzester Zeit und unter Berücksichtigung sämtlicher Vorlieben und/oder Allergien aller…

Jeder von uns kennt sie. Menschen, die man um vier Uhr morgens aus dem Bett läuten kann und die innerhalb kürzester Zeit und unter Berücksichtigung sämtlicher Vorlieben und/oder Allergien aller Überraschungsgäste ein Sieben-Gänge-Menü inklusive passender Weinbegleitung auf den Tisch zaubern. KüchengöttInnen. Ich gehöre nicht zu dieser Spezies. Deshalb stapeln sich in meiner kleinen Küche unzählige Kochbücher. Kurz vor Weihnachten hat sich ein neuer Stapel gebildet: Vegane Kochbücher. Über eines davon – Vegan Guerilla – möchte ich gerne meine Gedanken mit euch teilen.

Vegan Guerilla – Die Revolution beginnt in der Küche. Ein Kochbuch, das aus einem privaten Food-Blog entstanden ist. Rezepte, die sich eine Studentin zu ihrem höchstpersönlichen Genuss ausgedacht hat. Bilder, die im eigenen Wohnzimmer ohne viel Chichi geknipst wurden. Ein Buch, das mich sofort angesprochen hat – sympathisch und einladend. Und das noch dazu auf 100 Prozent Recyclingpapier gedruckt ist. Herz, was willst du mehr? Die Autorin, Sarah Kaufmann, schreibt in ihrem Vorwort, dass sie die Frage „Vegan – was kannst du denn dann noch essen?“ als Ansporn versteht, alle möglichen Gerichte zu veganisieren und sich neue Rezepte auszudenken. Wunderbar! Denn auch ich stelle mir die Frage „Vegan, was kann ich denn dann eigentlich noch essen?“.

Sarah Kaufmann gibt in ihrem Buch Antworten auf diese Frage. Und was für welche! Bunte, abwechslungsreiche, fantasievolle, das Wasser im Mund zusammenlaufen lassende, leckere Antworten! Von Quinoa-Mango-Seitan-Salat, über Quiche Lorraine und Süßkartoffelburger, bis hin zu Nussecken und Cake Balls findet man in Vegan Guerilla alles, was das vegane Feinschmeckerherz begehrt. Die Autorin hat in ihrem Buch Rezepte veröffentlicht, die leicht nachzukochen sind. Die Zutaten sind in beinahe jedem Super- oder Biomarkt erhältlich, außergewöhnliches Zubehör wird nicht benötigt. Vegan Guerilla ist ein Kochbuch für jedermann. Spaß am Kochen und ein wenig Experimentierfreude vorausgesetzt.

Ich gestehe, ich habe erst ein Rezept ausprobiert. Erdnuss-Bananen-Cookies. Ganz recht, Kekse. Warum? Weil Kekse der Härtetest sind. Suppen, Salate und Hauptspeisen haben mich schon auf den Bildern überzeugt. Aber Kekse! Können vegane Süßspeisen denn wirklich so toll sein? Geht das denn? Wenn es um Süßigkeiten geht, wird der innere Schweinehund laut. Denn daran könnte eine Ernährungsumstellung scheitern. Bei mir zumindest. Wenn also die Kekse überzeugen, kann ja nichts mehr schief gehen. Ich habe sie also nachgebacken. In Mamas Omni-Küche, die eigentlich nicht für veganes Backen ausgerichtet ist. Und siehe da, alles war vorhanden (nur die Erdnüsse musste ich durch Mandeln ersetzen, aber hey, ich bin halt ein Freigeist). Erster Pluspunkt. Der Aufwand hielt sich in Grenzen. Alle Zutaten in einer Schüssel mixen, kleine Fladen formen und ab ins Backrohr damit. Dann noch schnell die Füllcreme rühren, die fertigen Kekse auskühlen lassen, mit der Creme zusammenkleben und draußen kaltstellen. Großartig, so mag ich das. Noch ein Pluspunkt.

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Bild: Nadine

Keine Stunde später waren sie fertig. Meine ersten, selbstgebackenen, veganen Kekse. Doppeldecker-Cookies mit Schoko-Bananen-Cremefüllung. Schon während des Zusammenklebens haben die Herren des Hauses heimlich Kekshälften stibitzt. Natürlich nur, um ihrer Aufgabe als Geschmacksjuroren ordentlich nachkommen zu können. Und sie waren sich einig: Die besten Après-Christmas-Cookies überhaupt. Eine Küchengöttin bin ich zwar noch immer nicht, aber mit Vegan Guerilla bin ich dem Küchenolymp schon einen Schritt näher.

Wenn ihr auf den Geschmack gekommen seid, könnt ihr Vegan Guerilla direkt über compassion media bestellen. Sarahs Blog mit vielen tollen Rezepten findet ihr hier: Vegan Guerilla

Der innere Schweinehund liegt übrigens satt in einer Ecke und träumt von veganem Schokomousse. Das steht nämlich als nächstes auf meiner „To-Cook-List“. Darüber und über meine vegane Probezeit im Jänner werde ich aber ein anderes Mal berichten.

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Von Hochverrat bis Abtreibung: Protestwandern im Wiener Stil

„Suchen Sie etwas?“ Ich traue mich gar nicht, mich umzudrehen: Die Frage hört sich alles andere als einladend an. Ich stehe hier in einem Hinterhof eines Wohngebäudes im 4. Wiener…

„Suchen Sie etwas?“ Ich traue mich gar nicht, mich umzudrehen: Die Frage hört sich alles andere als einladend an. Ich stehe hier in einem Hinterhof eines Wohngebäudes im 4. Wiener Gemeindebezirk und fühle mich instinktiv wie ein Eindringling. Nach dem Tonfall zu urteilen offensichtlich zu Recht. „Ist das der Eingang zum Planquadrat?“, ich versuche so selbstbewusst zu klingen wie möglich und deute auf eine versperrte Gittertür im Hof. „Wie kommen Sie hier überhaupt herein?“, geht die Fragestunde weiter, wobei sich die Stimme jetzt eher neugierig als gestört anhört, „das ist nur der Eingang für die BewohnerInnen des Hauses. Das offizielle Tor finden Sie zwei Häuser weiter.“ Tatsächlich: Grün und fett leuchtet das Schild „Planquadrat“ über der großen Tür bei Margaretenstraße Nummer 28. Wie ich das übersehen konnte ist und bleibt mir ein Rätsel. Genauso wie ich daran die letzten Jahre vorbei laufen konnte. Schließlich bin ich hier in meiner Wiener Nachbarschaft.

Zwei Männer sind in ihr Tischtennisspiel vertieft, ein anderer läuft seinem Kleinen hinterher, der offenbar gerade die Freude am Tretroller entdeckt hat; Mütter backen mit ihren Kindern Sandkuchen und ein älterer Herr liest genüsslich auf der Bank seine Zeitung – die Grünfläche im 4. Bezirk scheint ein hundsordinärer Wiener Park zu sein. Der Eindruck täuscht! Gegründet 1977 ist das Planquadrat der einzig öffentlich zugängliche Park in Wien, der – Achtung, jetzt kommt´s – von einem privaten Verein geführt wird. Schuld daran sind die beiden Filmemacher Helmut Voitl und Elisabeth Guggenberger, die für eine TV-Show über die Probleme der Stadtenwicklung mit Menschen darüber gesprochen haben, wie sie ihre Umgebung gestalten könnten. Offensichtlich mit nachhaltiger Wirkung: Daraus entstand nämlich der Park, der seither von den Mitgliedern des Vereins verwaltet wird. Und die kümmern sich nicht nur um die alltäglichen Reparaturen oder Gartenarbeiten, sondern organisieren auch ein Sommerfest und vieles mehr – wie es sich für einen Park eben gehört.

Seit 1977 wird das Planquadrat im 4. Bezirk privat geführt, ist aber ein öffentlicher Park. Foto: Doris

Seit 1977 wird das Planquadrat im 4. Bezirk privat geführt, ist aber ein öffentlicher Park. Foto: Doris

Warum ich das alles weiß? Das Planquadrat ist eine von zwölf aktuellen Stationen des Ersten Wiener Protestwanderwegs – und auf dem bin ich heute unterwegs. Wobei es ja kein richtiger Wanderweg mit Anfang und Ziel ist, dafür liegen die Orte zu weit auseinander. Vom Touri-Magneten Stephansdom bis zum unabhängigen Kulturzentrum Arena, vom Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch (!) bis hin zur Stopfenreuther Au, wo man in den 80er Jahren erfolgreich gegen ein Wasserkraftwerk protestiert hat – in einem Tag kann man die alle unmöglich abmarschieren. Darum geht es auch nicht.

Screenshot der aktuell 12 Stationen des Protestwanderwegs.

Screenshot der aktuell 12 Stationen des Protestwanderwegs.

Gegründet vom Zentrum Polis und dem Autor Martin Auer will der Protestwanderweg, nicht zum Wandern bringen, sondern dazu, Wien neu und anders kennen zu lernen. Vor allem SchülerInnen der Oberstufen will das Projekt ansprechen, steht aber allen Interessierten offen. „Wir möchten Menschen zum Nachdenken anregen“, erzählt mir die Initiatorin Patricia Hladschik, „wir gehen manchmal jahrelang an Orten der Stadt vorbei, ohne zu wissen, welche Geschichte dahinter steckt.“ Ertappt! Ich bin bisher nicht nur am Planquadrat vorbei gelaufen, sondern hatte auch keine Ahnung, dass das Wiener Parlament durch eine Revolution entstanden ist…

Der QR Code sollte auf der Wand des Parlaments angebracht werden. Foto: Doris

Der QR Code sollte auf der Wand des Parlaments angebracht werden. Foto: Doris

„Die Stationen zeigen den Kampf um mehr Gerechtigkeit sowie um Demokratie und Menschenrechte für alle auf“, beschreibt Hladschik die Vielfalt der Orte, „ohne Menschen, die sich engagieren, wäre ja zivilisatorischer Fortschritt nicht möglich.“ Von der Verteilung von Flugblättern bis zur Revolution, von Streiks bis zur Verschwörung – die Formen von Protest sind so vielfältig wie die Stationen selbst. Was an jeder Einzelnen von diesen geschehen ist, erfährt man als ProtestwandererIn (ein schönes Wort, oder?!) direkt vor Ort: Auf Informationstafeln, die mit einem QR Code versehen sind. Einmal das Handy über den mobilen Tag halten – und schon kommt man auf weitere Infos in Text, Audio und Video.

Oh, ein QR Code - leider aber der Falsche. Foto: Doris

Oh, ein QR Code – leider aber der Falsche. Foto: Doris

So der Plan! Leider habe ich nämlich auf meinen Stationen des Protestwanderwegs wenig Glück: Beim Verhütungsmuseum, das für den Kampf um die Beseitigung des Abtreibungsverbots in Österreich steht, entdecke ich zwar gleich einen Aufkleber mit Code. Allein es ist der Falsche. Im Parlament erklärt man mir, dass „irgendwo an der Außenwand“ das Aufhängen der Informationstafel geplant ist – aber meine Suche bleibt vergeblich.

QR Codes und die Tafeln sind derzeit noch nicht an allen Stationen angebracht - eigentlich hab ich sie nur an einem Ort gefunden. Foto: Doris

QR Codes und die Tafeln sind derzeit noch nicht an allen Stationen angebracht – eigentlich hab ich sie nur an einem Ort gefunden. Foto: Doris

Fündig werde ich dann ENDLICH beim Café Hebenstreit und erfahre dort, dass das Kaffeehaus an einen gewissen Franz Hebenstreit erinnert, der mit anderen 1794 in Wien zum Tod verurteilt wurde. Weil er sich für eine demokratische Staatsform eingesetzt hatte! Bei allen anderen Orten bleibe ich aber ebenso wenig unwissend, schließlich sind „alle Stationen schon online zugänglich“, so Patricia Hladschik, „aber es hängen noch nicht alle Tafeln – und die Station am Stephansplatz ist gar nicht mit einer Tafel markiert, weil das dort nicht möglich ist.“ Wie gut, dass der Protestwanderweg dafür die Orte auf einer Google Maps markiert hat – damit finde ich das Symbol der Widerstandsbewegung O5 von 1945 ganz einfach.

Daran geht bald einmal jemand vorbei, am O5 Symbol am Stephansdom. Foto: Doris

Daran geht bald einmal jemand vorbei, am O5 Symbol am Stephansdom. Foto: Doris

Nicht, dass die verglaste Aufschrift gleich neben dem Haupteingang des Stephansdom so unauffällig wäre. Aber wie oft ich (und andere) normalerweise daran – wie am Planquadrat auch – einfach vorbei laufen, das ist eine andere Geschichte…

Auf mein Feedback, dass die Informationstafeln – so sie hängen – nicht einfach zu finden sind, wurde auch gleich reagiert: Mittlerweile ist der genaue Ort im Begleitheft vermerkt – sowas nenne ich schnell! Mehr zum Projekt: www.protestwanderweg.at

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Hollerei – Vegetarisch, was sonst.

Ich gehe sehr gerne essen – eines meiner Lieblingslokale in Wien ist die Hollerei! In der Hollerei gibt es superleckeres vegetarisches und veganes Essen und einen netten Gastgarten für die…

Ich gehe sehr gerne essen – eines meiner Lieblingslokale in Wien ist die Hollerei!

In der Hollerei gibt es superleckeres vegetarisches und veganes Essen und einen netten Gastgarten für die wärmere Zeit im Jahr. Die Speisen sind saisonal inspiriert, mit Einflüssen aus der asiatischen und mediterranen Küche, die frischen Zutaten vorwiegend biologisch.

Hier geht es zur Homepage der Hollerei: hollerei.at

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Wer ein (guter) Reise-Reporter werden will, muss Bäcker sein…

Standing Ovations, wann bekommt die schon einmal ein „Vorstadtbäcker aus Hamburg“? Zum Abschluss des fünften Abenteuer- und Reisefestivals im Wiener Alten AKH ist es soweit. Zugegeben, es ist kein gewöhnlicher Vorstadtbäcker, der den…

Standing Ovations, wann bekommt die schon einmal ein „Vorstadtbäcker aus Hamburg“? Zum Abschluss des fünften Abenteuer- und Reisefestivals im Wiener Alten AKH ist es soweit. Zugegeben, es ist kein gewöhnlicher Vorstadtbäcker, der den bis auf den letzten Platz (ich muss es wissen, ich saß auf eben diesem) vollgestopften Saal zum Toben bringt. Rüdiger Nehberg, gelernter Bäcker und Legende der Reise-Reportage, zeigt einen „Querschnitt durch (s)ein aufregendes Leben“ und beweist, dass man als Reisender die Welt sehr wohl zum Positiven verändern kann.

„2020 wollen wir sagen können, dass keine Frau mehr genital verstümmelt wird!“ Als Beweis für seine Entschlossenheit hält der 78jährige – gemeinsam mit VertreterInnen der Wiener muslimischen Gemeinde – ein Plakat hoch, das er beim zentralen islamischen Heiligtum Kaaba aufhängen möchte. „Im Namen Allahs, des Gnädigen und Barmherzigen. Weibliche Genialverstümmelung ist mit dem Koran […] unvereinbar.“ steht da geschrieben, eine Aussage, die von den Obersten des Islam getroffen wurde. Eine Aussage, die zwar das religiöse Verbot dieser Tradition darstellt, die aber (noch) nicht überall in die Praxis umgesetzt wird.

„Täglich werden 8.000 Mädchen ihrer Genitalien und damit ihrer Würde beraubt. Alle elf Sekunden eins. Weltweit sind 150 Millionen Frauen betroffen. Dieses Verbrechen will TARGET beenden.“ TARGET

Ein Einzelner kämpft gegen eine Tradition, die über 5.000 Jahre alt und so tief verwurzelt in die islamische Kultur ist, wie kaum etwas sonst. Das ist doch verrückt, oder? Rüdiger Nehberg hat im Jahr 2000 den Kampf aufgenommen – und es mit seiner Organisation TARGET tatsächlich geschafft, dass die Verstümmelung der weiblichen Genitalien von oberster religiöser Stelle verboten wurde. Er, der 25 Jahre als kleiner „Vorstadtbäcker in Hamburg“ gelebt hat… (Wobei, so klein war er da wohl auch nicht, spricht doch seine Biografie von seiner „großen Konditorei“.)

…steht im Vortragssaal, erzählt dem bunt gemischten Publikum von der Kletterwand, die er in der Bäckerei aufgebaut hat, um stärker zu werden. Zeigt Bilder von Grazer „Fakiren“, die sich Schlangen durch die Nase hineinschieben und beim Mund wieder herausholen. Und berichtet im gleichen Atemzug von seiner Begegnung mit brasilianischen UreinwohnerInnen, den Yanomami-IndianerInnen, und deren Ausrottung durch die Regierung (die er mit spektakulären Medien-Aktionen zu verhindern weiß); schildert die Ermordung seines Freundes in der Wüste und das Miterleben des eritreisch-äthiopischen Kriegs. Blutige, offene Leichen zeigt er genauso auf der Leinwand wie die Hyänen, die sich um diese reißen: „Schauen Sie hin, Sie haben ja für den Vortrag bezahlt.“, meint er, als die Ersten ihre Blicke abwenden.

Eines der Traumbilder von Dieter Schonlau aus dem Regenwald. Foto: Dieter Schonlau

„Ich lebe lieber kurz und knackig, als lang und langweilig.“, seinen Humor hat Nehberg in jedem Fall behalten. Der Witz und der Blick auf die Details zeichnen nicht nur ihn aus – diese Eigenschaften sind auch bei anderen, herausragenden Vortragenden zu merken – zwei davon erlebe ich noch beim Reisefestival. „Bei uns bekommt man beim Kauf einer CD ein Marzipanschwein dazu.“, mit dieser – süßen – Aussage hatte Dieter Schonlau am Vortag die Lacher auf seiner Seite und klärt auf: „Ich bin Konditormeister und verdiene mir damit mein Geld für die monatelangen Reisen.“ Letztere verbringt der National Geographic-Fotograf seit 25 Jahren nicht nur gemeinsam mit seiner Frau Sandra Hanke, sondern vor allem in den Regenwäldern der Welt (und braucht die Marzipankunst vermutlich schon längst nicht mehr zur Finanzierung).

Wenn Dieter dann sogar von der Qualität und Besonderheit eines Blutegels spricht und dem Tier gleichzeitig einen Streich spielt, um sich für die zugefügten Schmerzen zu „rächen“ oder wenn er das gemeinsame Aufwachen mit einer Orang-Utan Mutter samt Baby zeigt, das in den Baumwipfeln über dem Regenwald stattfindet oder eine bildliche Liebeserklärung an Lianen macht – dann wird schnell klar, dass es den beiden Deutschen nicht um das Abenteuer geht oder darum, die nächste großartige Close-up-Aufnahme zu erhalten. Liebe, Respekt, Begeisterung für den Lebensraum Regenwald – keine hohlen Schlagworte, sondern ansteckend und aufrüttelnd auch fürs Publikum.

[…] möchten Sandra und ich […] bewusst machen, dass es sich nicht nur lohnt, sondern für die gesamte Menschheit lebenswichtig ist, diese Regionen aktiv zu schützen. wildlifephoto.de

Yukon - auf dem selbst gemachten Boot. Foto: Dirk Rohrbach

Die sanften Geräusche der vorbeirauschenden Elefanten, die ersten Laute, wenn der Regenwald morgens langsam zum Leben erwacht oder das Lachen eines Dschungel-Vogels begleiten mich jetzt – nach Ende des Festivals – genauso wie die Melodie von „The River“. Für Dirk Rohrbach, den dritten der Vortragenden, die ich erleben durfte, beschreibt der Garth Brooks Song seine Reise auf dem Yukon-Fluss so sehr, dass er ihn später sogar selbst im Studio aufgenommen hat. 3.000 Kilometer paddelte er auf dem Yukon-Fluss durch Kanada und Alaska. Allein, in einem selbst gebauten traditionellen Kanu aus Birkenrinde, das ihn immer wieder wegen seiner Brüchigkeit und Schäden zum Pausieren zwingt. Ungeplante „Pannen“, in denen er den ungewöhnlichen, liebenswerten Menschen in der Region begegnen kann: Dem verrückten Russen, der seit zwanzig Jahren am Yukon lebt und für die „Sicherheit“, die er dort empfindet, Frau, Kind und Gesundheit verloren hat; eine streitbare Eingeborene, die für die Traditionen ihres Volks und die Fischerei kämpft, oder eine unbekannte Familie, die Dirk Kuchen und andere Wegzehrungen unters Kanu gelegt hat – einfach so.

Ach ja, das mit dem Bäckerberuf als Voraussetzung stimmt vielleicht doch nicht: Dirk Rohrbach ist Arzt und Journalist, Autor, Fotograf, der mit seinem Verein Tatanka Oyate indigene Völker unterstützt –  und ein begeisternder Reise-Reporter…

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The People’s Supermarket in London: Mensch, was für ein super Markt!

Irgendetwas ist in diesem Supermarkt anders, das merkt man schon beim Hineingehen. Oder eigentlich schon von außen. Aber was? Ich kann es nicht gleich fest machen: Vielleicht liegt es daran,…

Irgendetwas ist in diesem Supermarkt anders, das merkt man schon beim Hineingehen. Oder eigentlich schon von außen. Aber was? Ich kann es nicht gleich fest machen: Vielleicht liegt es daran, dass hier viel mehr Platz herrscht zwischen den Produktregalen? Oder vielleicht daran, dass bunte Erbsendosen in derselben Reihe stehen wie Reis und Kaffee? Oder vielleicht daran, dass weder Äpfel noch Karotten verpackt sind, sondern einfach frei herumliegen?

Ich bin im The People’s Supermarket nahe der Londoner U-Bahn-Station Holborn gelandet. Nicht zufällig, wohlgemerkt. Ich habe ihn gesucht. Der Laden war eines der wenigen Projekte aus dem Buch A Smart Guide To Utopia – 111 inspiring ideas for a better city, die während meines Besuchs in London geöffnet waren. Die ganzen nachhaltigen Pop-Up-Restaurants, Bio-Stadtgärten und anderen hippen Öko-Ideen muss ich mir fürs nächste Mal aufheben. Aber der The People’s Supermarket, der hatte offen!

Seit Juni 2010 hat der Supermarkt „von Menschen für Menschen“ offen. Der Beisatz ist kein loses Schlagwort, sondern Tatsache: Der Markt gehört nämlich den NachbarInnen hier in Central London. Jedes Mitglied arbeitet mindestens vier Wochenstunden im Laden und bekommt die Produkte dafür um 20 Prozent günstiger als „NormaleinkäuferInnen“.

A common feature of that community is a love of good food. Another […] is the will to share. (aus The People’s Supermarket Cookbook)

Aber es sind nicht irgendwelche Produkte: Es handelt sich um „Abfall“, „Reste“, „Überbleibsel“. Es liefern um die 40 Anbieter das an The People’s Supermarket, was in Regalen anderer Läden keinen Platz mehr findet oder nicht gern gesehen wird. Die Mitglieder selbst stimmen ab, was hier angeboten wird – und meistens handelt es sich um lokale, regionale und Bio-Ware. Auch handgemachtes Gepäck, Kuchen, Honig, Aufstriche sehe ich in den Schränken stehen.

Und sollte tatsächlich etwas übrig bleiben oder nicht verkauft werden, gibt es noch immer die The People’s Kitchen: Eine In-Store-Küche, die aus den Produkten des Ladens Mittags- und Abendmenüs zaubert, die dann an die umliegenden Geschäfte geliefert oder im Supermarkt an hungrige Laufkundschaft verkauft werden. Gekocht wird übrigens von Langzeit-Arbeitslosen wie „Mr. Sandwich“, die hier in der Lamb’s Conduit Street wieder eine Aufgabe gefunden haben.

Was in The People’s Kitchen gekocht wird? Das folgende Rezept und solche aus der Community wurden in „The People’s Supermarket Cookbook“ gesammelt und veröffentlicht. Um die 100 Stück gibt es von dem kleinen, aber feinen Kochbuch – und ich habe natürlich (!) eines davon gekauft. Da liest man dann Rezepte aus aller Welt, lernt, warum man grüne Bohnen nur im Sommer genießen sollte und von Köstlichkeiten, die für die eigene Mutter erfunden wurden. Und das in einem Land wie England, wo in beliebten TV-Sendungen wie „Come dine with me“ Gemüse aus Dosen, Steak zum Erschlagen und Zungen brechendes, weil verbranntes Crème Brulée ganz normal sind! (Sorry, England, aber da muss man sich fremd schämen, auch wenn die köstlichen Inder, Thais und Libanesen natürlich für einiges entschädigen). Es ist eine Freude – und diese Freude möchte ich mit euch teilen:

Hier gibt’s also das Rezept für Einats Pastinaken-Spinat-Kresse-Suppe (für vier Personen)

1 große Zwiebel
2 Zehen Knoblauch
2 bis 3 Pastinaken
Olivenöl
200g Spinat (ich habe es stattdessen mit Mangold aus dem eigenen Garten versucht, Mmmmh!)
2 bis 3 Handvoll Brunnenkresse
1 Chili
600 (oder auch mehr) ml Gemüsesuppe

Zwiebel, Chili und Knoblauch fein schneiden. Die Pastinaken schälen und in kleine Stücke schneiden. Etwas Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen und dann die Zwiebeln, Chili und Knoblauch darin weich anbraten. Die Pastinaken hinzugeben und auf kleiner Hitze ein paar Minuten braten lassen. Dann die Gemüsebrühe addieren und für 20 Minuten köcheln lassen. Den Spinat (beziehungsweise in meinem Fall eben den Mangold) und die Brunnenkresse hineingeben. Sobald das Ganze in sich zusammengefallen ist, gib die Flüssigkeit in einen Mixer und püriere sie. Dann zurück in die Pfanne geben und auf die gewünschte Temperatur erhitzen. Am besten mit ein bisschen veganer Crème fraiche, Sauerrahm oder ähnlichem und warmem Brot oder Croutons servieren. Mjammm… fertig ist die Suppe!

These recipes have not been professionally tested, just cooked lovingly at home. (aus The People’s Supermarket Cookbook)

Enjoy this meal, people!

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Ein Sonntag beim Zotter: Chocolate is a girl’s best friend

Harte Zeiten verlangen nach radikalen Maßnahmen! Frisch getrennt und emotional schwer angegriffen kam mir da der „Tag der offenen Tür“ beim steirischen Chocolatier Zotter gerade recht. Sich eine Stunde lang mit Schokolade voll zu…

Harte Zeiten verlangen nach radikalen Maßnahmen! Frisch getrennt und emotional schwer angegriffen kam mir da der „Tag der offenen Tür“ beim steirischen Chocolatier Zotter gerade recht. Sich eine Stunde lang mit Schokolade voll zu stopfen, ob der fantastischen Geschmäcker – von Nougat mit Sesam bis hin zu Erdapfel-Wodka – nicht die Nerven zu verlieren, trotz Zuckerhigh nicht abzuheben: Man mag es nicht für möglich halten, aber es gibt kaum radikalere Maßnahmen. Also eine gleichermaßen Trost bedürftige Freundin eingepackt und los ging’s. (Ach ja: Auch Männer sind herzlich willkommen weiter zu lesen!)

„Wir müssen schauen, dass der Planet besser wird als er schon ist.“, klar ist die Botschaft von Josef Zotter, dem ehemaligen Koch, der weltweit berühmt-berüchtigt ist für seine bio-Fairtrade Schokolade, die eigenwilligen Geschmackskreationen und vor allem für seine – kompromisslose – Erfolgsgeschichte. Eine Message, die wir nach längerem Anstehen im Schoko-Laden-Theater zu hören und im neuen Film über seine Indienreise zu sehen bekommen. Und mit uns unzählige andere, die heute ebenfalls seinem Ruf ins abgeschiedene Bergl bei Riegersburg, zwei Stunden Autofahrt von Wien entfernt, gefolgt sind.

Weltverbesserung hin oder her, Sepp Zotter und seine schokoladigen Kreationen versüßen in jedem Fall das Leben. Davon haben wir uns heute wieder überzeugen dürfen: Vegane Sojapraline hier, Nougattrunk dort… „Kann man von Schokolade jemals genug haben?“, wenn selbst bekennende SchokofanatikerInnen wie meine Freundin und ich beim Hinausgehen auf das Kosten der letzten fünf Sorten verzichten, ist die Frage nur mit Ja zu beantworten.

Die Kalorien einer ganzen Woche später – wir planen bereits Gemüsekuren und Dinnercanceling -, spazieren wir zum anderen Grund unseres Kommens: Seit rund eineinhalb Jahren nämlich gibt es auf dem 27 Hektar großen Areal unter der Schokoladenfabrik einen Tiergarten. Und es wäre nicht Zotter, würde es sich um „irgendeinen“ Zoo handeln. Nein, der „essbare Tiergarten“ ist eine „weitere Verkostungsstation des Schoko-Laden-Theaters, nur diesmal im Freien“, wie es auf der Info-Station, dem Menschenstall, steht.

„Deine Schwester habe ich gerade gegessen.“, meint meine nicht vegetarische Freundin beim Anblick der Puten im „Essbaren Tiergarten“ und tut dabei genau das, was Zotter mit seinem Tiergarten bezweckt: „Schaut dem Essen in die Augen!“ (Ich sage  gleich, ich könnte es nicht.) Schafe, Esel, Kühe, Pferde, Enten… in Zotters Zoo gibt es nämlich ausschließlich Tiere, die normalerweise auf den heimischen Küchentischen, in diesem Fall auf dem Tisch der Zotter-MitarbeiterInnen und der Gäste des angeschlossenen „Essbar Restaurants“ landen.

Die Wogen gingen hoch, als Zotter den ungewöhnlichen Zoo im Mai 2011 eröffnet hat. Und noch jetzt wird im Vegetarier-Forum darüber diskutiert, ob es der gute Versuch einer Erziehungsmaßnahme oder einfach nur ein schlechter Scherz ist. Er ist wohl vor allem eines: Gesprächsthema.

Ob über vegetarische Ernährung, artgerechte Tierhaltung, die Preise vom Qualitätsfleisch oder die genialen Einfälle von Zotter sowie seinem Team – gesprochen wird. Denn im Tiergarten gibt es nicht nur meist vom Aussterben bedrohte heimische Tiere, die – abgesehen vom wirklich unnötigen Streichelzoo – auch artgerecht auf großen Weiden gehalten werden. Nein, ein witziger Einfall – von „Bauerngolfplatz“ bis Milchmelkmaschine, vom Ideenfriedhof bis zur eigenen Schokokreation – jagt den anderen. Dazwischen ist der Duft der Kräuter eine angenehme Abwechslung vom mittlerweile überdrüssigen Schokoladengeruch. Und wir erfreuen uns am Anblick prallvoller Maroni-, Haselnuss- und Apfelbäume.

Zotter hätte seinen Essbaren Tiergarten auch anders aufziehen können, hätte ihn Bauernhof nennen können – hat er aber nicht, gut so! Denn im Grunde ist es nichts anderes als das, was Oma und Opa früher getan haben. Zumindest die meiner Freundin oder meine: Sie hielten ein paar Kühe, ein paar Hühner, hatten Äpfelbäume, hatten ihren Garten – und ja, es war klar, dass sie sich damit ernährten und versorgten. Ob das in der heutigen Zeit angemessen ist, das muss jeder selbst entscheiden.

Genauso wie darüber, was aus dem essbaren Garten wirklich auf dem Teller landet: Denn es gibt schließlich jede Menge Alternativen zu Fleisch – auch bei Zotter, und damit meine ich nicht nur Schokolade.

 

Weitere Infos
Zotter kann man Montag bis Samstag besuchen: Öffnungszeiten
Mit über 200.000 Gästen ist sein Reich in Bergl Nummer Zwei aller steirischen Destinationen nach Mariazell!

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