Eco. Life. Style.

Kategorie: Living.

Von Öko-Nomaden und Gut-Reisenden …

Eine Wohnung habe ich derzeit nicht. Ich lebe aus dem Rucksack. Ich schlafe bei FreundInnen auf der Couch (Danke!). Ich ernähre mich vegetarisch, wenn geht auch vegan. Die Worte Nachhaltigkeit,…

Eine Wohnung habe ich derzeit nicht. Ich lebe aus dem Rucksack. Ich schlafe bei FreundInnen auf der Couch (Danke!). Ich ernähre mich vegetarisch, wenn geht auch vegan. Die Worte Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Recycling kommen mir täglich mehrfach über die Lippen. Ich heiße Doris und bin Öko-Nomadin!

„Eco-nomads are people who consciously choose to not work full time and dedicate their life to ecological projects. By not having a full time job, you have the time and energy to do so.“ Okay, durchgefallen! Die Kriterien von Pieter Abts erfülle ich nicht, schon gar nicht, weil ich ein Auto (und ab Ende November vermutlich auch wieder eine Wohnung) habe. Dennoch ist das eine gute Gelegenheit, ein Versprechen einzuhalten: Ob Öko-NomadIn oder nicht, wie kann ich so gut, so nachhaltig, so rücksichtsvoll und bewusst wie möglich reisen?

Beiträge zum „sanften Tourismus“ finden sich viele im Netz, ich habe dazu auch bereits meinen Senf abgegeben. Klarheit bedeutet das aber noch lange nicht. Kein Wunder, gibt es doch noch nicht einmal eine allgemein gültige und akzeptierte Definition dafür. Ökotourismus ist nicht nachhaltiger Tourismus ist nicht sanfter Tourismus…

„Nachhaltiger Tourismus muss soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Verträglichkeitskriterien erfüllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, in Bezug auf heutige wie zukünftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig.“ Forum Umwelt und Entwicklung, 1999

Ob gut oder schlecht, jeder muss darf für sich herausfinden, wie er oder sie nachhaltig(er!) reisen kann und will. Alles was ich hier schreibe sind Vorschläge, meine, ganz persönlich und subjektiv, solche, die für mich funktionieren. Inspiriert werden erlaubt! Inspirieren ebenso!

Collaborative Consumption

Klingt toll, stimmt’s? Heißt nichts anderes als das Teilen von persönlichen Gegenständen mit anderen Menschen. Sprich: Statt kaufen lieber tauschen, ausborgen, gemeinsam nutzen. Wer schon einmal auf einer (längeren) Reise war, macht das fast automatisch: Da ist jedes Buch, jedes Kleidungsstück im Gepäck zu viel. Dazu gehört aber auch Couchsurfing am besten via Sustainable Couch, Airbnb und Co genauso wie Mitfahrgelegenheiten. Dass man dabei nicht nur Energie spart, sondern zusätzlich Kosten ist schon ein Vorteil. Das Genialste daran sind aber die Begegnungen, die dabei entstehen!

Be a act as a local

Das heißt Respekt vor der Kultur zu haben, in der ich mich befinde, und Spielregeln einzuhalten. Egal, ob ich verstehe, warum bestimmte Bräuche so sind oder nicht – typisches Beispiel ist der Respekt vor der Religion. Ich muss ja in einem christlichen Land nicht mit unbedeckten Schultern in die Kirche gehen. Dazu gehört zu fragen, wie viel Trinkgeld man normalerweise gibt genauso wie angemessene Preise zu zahlen. Das heißt aber nicht, das Eigene komplett auszublenden. Nur weil man in Kolumbien zum Beispiel den Abfall auf die Straße geworfen hat, habe ich das trotzdem nicht so gemacht. Und ich probiere keine Fleischgerichte, auch wenn ich dann DAS Nationalgericht schlechthin verpasse. Geht einfach nicht.

Was es darüber hinaus bedeutet ist, so gut wie möglich die lokale Wirtschaft zu unterstützen: In Hotelketten schlafen – nein. Auf dem regionalen Markt kaufen und Kooperativen besuchen – ja. Das gilt fürs (landestypische) Essen wie für alles andere.

Vor allem aber heißt es, dem Gegenüber auf gleicher Augenhöhe zu begegnen: Und ja, dazu gehört auch, manchmal auf den „besten Schnappschuss aller Zeiten“ zu verzichten – schließlich geht’s hier um Menschen und nicht um Tiere im Zoo!

Hablas español? Wie sehr mir in acht Monaten Südamerika geholfen hat, dass ich diese Frage mit „Si!“ beantworten konnte! Es ist schon unglaublich, wie öffnend und einladend es auf Einheimische wirkt, wenn man nur ein paar Worte der Sprache spricht. Zumindest einige Brocken aufzuschnappen geht auch meist ganz einfach (und auf längeren Touren fast schon automatisch).

Zeit ist Gold – und leider etwas, was man nicht immer hat. Ich bin mir dessen bewusst. Ja, ich mache viele Kurztrips, that’s my job. Aber ich versuche – wenn es geht – , länger an einem Ort zu bleiben, wie zum Beispiel auf Hawaii, wo ich in einer Community gelebt habe oder in Bogotá. Ich finde, man lernt dadurch Land und Leute noch besser sowie vor allem von einer ganz anderen, der nicht-touristischen Seite kennen (und immer lieben!).

Mit Zeit reist es sich auch anders: Da lässt es sich leichter auf Bus, Rad oder Füße umsteigen statt mit Auto oder Flugzeug zu reisen. Aber auch ohne Zeit gilt zumindest so viel wie möglich marschieren und öffentliche Verkehrsmittel nutzen –  das fördert wiederum lokale Arbeitsplätze. Dass es die Umwelt schont, das ist uns ohnehin allen klar. Übrigens gibt es manchmal auch witzige Alternativen, wie eine Fahrt mit dem Velotaxi oder Solarboot…


Nachhaltiges unterstützen

Dazu gehört für mich zum Beispiel darauf zu achten, mit welchem Touranbieter ich einen Ausflug mache. Ich bin kein Fan von Führungen, aber wenn schon, dann doch am besten mit einem Anbieter, der auch Wert auf Nachhaltigkeit legt. Der Einheimischen gehört. Wo wieder in die Gemeinschaft investiert wird. Die zertifiziert sind.

Wie ich das besonders gern mache: Indem ich Ökodörfer besuche, Naturschutzzentren anschaue und auf grüne Projekte neugierig bin. Und darüber berichte natürlich!


Grenzen und Ressourcen achten 

„Warning! Don’t go further!“ Solche Schilder stehen meist nicht einfach nur so da, der Raum ist nicht umsonst geschützt. Grenzen einzuhalten ist mir wichtig: Wenn man mir sagt, dass ich Tiere nur aus 100 Meter Entfernung fotografieren darf, dann gehe ich nicht auf Tuchfühlung mit ihnen. Auch wenn andere dann vielleicht die besseren Fotos haben. Und ich nehme keinen Lavabrocken mit, wenn extra gebeten wird, alles liegen zu lassen. Grenzen haben ihren Sinn – und ich denke, das sollten wir respektieren!

Die Betten zwei Mal pro Tag machen lassen. Handtücher nach einer Benutzung wechseln. Sich eine halbe Stunde duschen und die ganze Zeit das Wasser laufen lassen. Und die Klimaanlage 24/7 eingeschaltet lassen. Solche „Annehmlichkeiten“ scheinen sich auf Reisen eingebürgert zu haben – aber wozu? Ressourcen sind da, um sie sinnvoll zu nutzen, nicht um sie zu verschwenden. Und Handtücher sind auch nach drei Tagen noch wunderbar…

Alles logisch, oder? Ach ja, das sind nicht nur meine Vorschläge für werdende Öko-NomadInnen und fürs Reisen, sondern auch für zu Hause – aber das habt ihr euch wohl ohnehin gedacht.

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Malediven: Putztrupp statt Cocktail

Ein paar Inseln – eine kleiner und einsamer als die andere – umgeben von mal tiefblauem, mal türkisfarbenem Meer, das in der Sonne glitzert. Honeymoon-Paradies mitten im Nirgendwo, wo die…

Ein paar Inseln – eine kleiner und einsamer als die andere – umgeben von mal tiefblauem, mal türkisfarbenem Meer, das in der Sonne glitzert. Honeymoon-Paradies mitten im Nirgendwo, wo die einzige Sorge darin besteht, welchen Cocktail man sich zuerst an den Pool liefern lassen soll. Ich gebe zu, mein Bild von den Malediven war ein sehr einseitiges (ein Grund, warum mich der Inselstaat nicht interessiert hat). Bis bei den ERDgesprächen der Film The Island President über den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Inselstaats Mohamed Nasheed gezeigt wurde.

Ich habe die Dokumentation damals nicht gesehen, aber irgendetwas hat klick gemacht – die Malediven haben mich seither nicht los gelassen. Vielleicht, weil es den Inselstaat bald nicht mehr gibt: Das Paradies mit seinen 1.196 Inseln, von denen 200 bewohnt und weitere 87 als reine „Ressortinseln“ nur TouristInnen vorbehalten sind, droht nämlich wegen der globalen Erwärmung im Meer zu versinken. Eine Gefahr, die Nasheed bis zu seinem („erzwungenen“) Rücktritt im Februar 2012 laut nach außen und innen kommuniziert hat und zu der er wohl auch in Zukunft nicht schweigen wird.*

„Ich denke, dass man als einzelner versuchen sollte etwas zu bewegen und zu verändern. Daher werde ich nicht aufgeben, auch wenn das Ergebnis sein sollte, dass dieser Staat nicht mehr zu retten ist!“ Nein, diese Aussage stammt nicht von Nasheed, nicht von einem anderen Staatsmann der Malediven, sondern von Mascha Blome. Die Deutsche hat sich in den Inselstaat verliebt, als sie als 19-jährige auf der Ressortinsel Machchafishi gearbeitet hat. Nicht, dass ihre ersten Erfahrungen so positiv gewesen wären, ganz im Gegenteil: Sieben-Tage-Woche, Passentzug, keine Ausreisemöglichkeit, kaum Kontakt mit der Familie – und das alles für 400 US-Dollar pro Monat. Die ehemalige Philosophiestudentin, die seit klein auf Meeresbiologin werden wollte, hat am eigenen Leib erfahren, dass die Arbeitsbedingungen vor Ort genauso wenig paradiesisch sind wie so manches andere. „Ich habe auch gehört, dass der gesamte Inselmüll nachts auf Dhonis (Anm.: traditionelle Holzboote) geladen und ins offene Meer geleert wird.“, fügt Mascha hinzu – etwas, was ihr bei ihrem letzten Aufenthalt auf den Malediven bestätigt wurde.

„Seit diesen Erfahrungen haben mich die Malediven und die Menschen dort nicht mehr losgelassen,“, erzählt Mascha, die zurzeit ihr Geld als Sprechstundenhilfe verdient, „ich habe nie aufgehört davon zu träumen, eines Tages wieder auf die Malediven zurück zu kehren und dort etwas Gutes für die Bevölkerung sowie die Umwelt zu tun.“ Das Versprechen, das sie damals gegeben hat, hat sie eingehalten: Vor zwei Jahren hat sie den gemeinnützigen Verein arkipal e.V. (ark = „Arche“, i = „und“ auf Spanisch, pal = „Freund“) gegründet. Gemeinsam mit motivierten Bekannten auf den Malediven und der NGO VFF (Velidhoo Future Foundation) möchte sie Einheimische wie TouristInnen über das Müllproblem aufklären: „Denn das führt unweigerlich auch zum Klimawandel, weil die Fauna und Flora der Inseln und des Meeres wichtig für das Gleichgewicht der Malediven sind. Sind beide angegriffen haben die Inseln keinen natürlichen Schutz mehr.“

Vor allem Ressorts möchte Mascha als Kooperationspartner an Bord holen und versucht im Moment in ihrer Freizeit von Deutschland aus das Projekt bekannter zu machen sowie UnterstützerInnen zu finden, „schließlich sind Hotels nicht unschuldig an der Umweltverschmutzung. Zum Beispiel durch den Müll, der oft im Meer entsorgt wird und durch die Strömung an den Stränden der Einheimischeninseln landet, wo er Tiere und Korallen gefährdet. Oftmals werden auch Palmen, die die Touristen auf so einer Insel erwarten, von anderen Inseln zu den Ressorts transportiert, was wieder zu Erosionsgefahr auf der Spenderinsel führt.“ Um Schuldzuweisungen geht es der Bremerin aber nicht, „wir wollen Alternativen für die Rettung der Malediven und anderer vom Klimaschutz bedrohten Staaten aufzeigen. Auf diese Weise könnten sie (Anm.: die Ressortbetreiber) der Natur etwas zurückgeben.“

Der Wiederaufbau beziehungsweise die Stärkung der schon angegriffenen Riffe mit so genannten Korallentischen, die Einführung von Recycling und Kompostierung, die Aufklärung der Einheimischen sowie der umliegenden Ressorts – auf Mascha wartet im November viel Arbeit, wenn sie für drei Monate auf die Malediven zurückkehrt. Auf lange Sicht ist außerdem geplant, mit der DAM Divers Association Maldives eine Art „Taucherpolizei“ wie am roten Meer zu entwickeln. Diese soll unter anderem darauf achten, dass Korallen nicht für den besten Schnappschuss aufs Spiel gesetzt werden. Zusätzlich möchte die Deutsche den InselbewohnerInnen mit einem Show-House zeigen, wie Kosten sparend und effizient erneuerbare Energien – Solar, LED-Lampen oder Biogasanlagen – sind. Projekte, die arkipal nur mit Hilfe von Spenden umsetzen kann.

„Pro Jahr fliegen allein ca. 60.000 deutsche TouristInnen auf die Malediven,“, berechnet Mascha, die sich vor allem FördermitgliederInnen mit monatlich individuellen Fixbeiträgen für arkipal wünscht, „wenn jeder nur einen Euro spenden würde, wären unsere Träume, Ziele und Projekte viel leichter realisierbar.“ Von den Ressorts kommt im Moment wenig Hilfe: So stand Mascha lange mit einem Hotel in Kontakt, um ein Konservierungsprogramm auf der Insel zu initiieren. „Am Ende wurde uns ein Sechs-Tage-pro-Woche-Job für 350 US-Dollar pro Monat in der Tauchschule angeboten.“ Nicht die einzige enttäuschende Reaktion, bei der man sich fragt, ob die Bemühungen von Ressorts in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz reinster Marketinggag sind.

Dann lieber gar keine TouristInnen? „Die maledivische Regierung unter Nasheed nutzte Teile der Einnahmen und Tourismussteuer, um die Umwelt zu schützen, die Folgen des Klimawandels auszubessern und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.“, plädiert Mascha für das „notwendige Übel“ Tourismus, das neben der Fischerei wichtigste Einnahmequelle der Bevölkerung ist. Aber es braucht Regeln. „Die TouristInnen sollten sich vor der Reise auf die Malediven über das Land, die Traditionen, die Umwelt und die Probleme vor Ort informieren und sich dementsprechend verhalten,“, so die Bitte, nein, der Aufruf der Umweltschützerin an uns alle, die wir die Malediven auf der Bucket-List haben, „man sollte hier ansetzen, indem man ihnen auferlegt, einen geringen Betrag an die Einheimischen, NGOs und nachhaltige Projekte zu spenden. Ich denke, indem sie diese einzigartige Umwelt nutzen und genießen, tragen sie eine Verantwortung, diese zu erhalten!“
Statt in den nächsten Cocktail sollten wir vielleicht doch besser in diesen „Putztrupp“ für die Malediven investieren…

 

Danke, Mascha, für das Gespräch und dein Engagement! Finanzielle Unterstützung für das Projekt sind ebenso willkommen wie weitere Mundpropaganda oder Mithilfe vor Ort.

*Mohamed Nasheed, erster demokratischer Präsident, Gründer der Partei MDP (Maledivian Democratic Party), der die Malediven zum ersten klimaneutralen Staat machen wollte, trat im Februar 2012 aufgrund einer Revolte nach nur vier Jahren Amtszeit zurück. Derzeit befindet er sich wieder auf den Malediven und macht für seine nächste Kandidatur im Jahr 2013 Werbung. Mehr auf Wikipedia und im Film The Island President

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Mit grüner Brille durch Berlin

Sieht gemütlich aus, der Kaffeeklatsch: Auf zwei Gartenstühlen sitzen sie, die zwei Frauen, die Zigarette in der Hand und wegen der frostigen Herbsttemperaturen in mehrere Schichten eingepackt. Auf der anderen Seite…

Sieht gemütlich aus, der Kaffeeklatsch: Auf zwei Gartenstühlen sitzen sie, die zwei Frauen, die Zigarette in der Hand und wegen der frostigen Herbsttemperaturen in mehrere Schichten eingepackt. Auf der anderen Seite sind zwei Hipster mit einer Runde Tischfußball genauso beschäftigt wie der eine, der hier sein hoffentlich noch warmes Mittagessen mehr in sich hinein schaufelt als genießt.

Irgendwie beschleicht mich aber das dumpfe Gefühl, als Schaulustige mit Kamera bewaffnet zu stören, in diesem grünen Alltagsidyll mitten in der Stadt, umringt von Pflanzenstauden, Kräutern und Blumengewirr, von etwas angegriffenen Gemüsebeeten und Erdsäcken. Doch er darf auf keiner Tour durchs nachhaltige Berlin fehlen, der Prinzessinnengarten*.

Das hat sich wohl auch unser Guide Katharina gedacht, die uns im Rahmen einer Pressereise durch Kreuzberg, über den Morizplatz und die Oranienstraße führt. Gemeinsam mit der GoArt-Chefin Miriam Bers hat sie die „Green Design Tours“ initiiert, um „Berlins kreative, ökologische, faire, eben nachhaltige Lifestyle-Seiten erlebbar zu machen.“, wie es auf der Website heißt.

„Was, stehen wir jetzt schon im Stadtführer?“, freut sich Christoph, einer der Gründer des Co-Workings-Spaces betahaus, als wir ihm zufällig vor der Haustür begegnen. Was wie ein Café aussieht, lädt Kreative zum stunden-/tage-/monatsweisen Arbeiten an neuen – nachhaltigen (?) – Projekten ein. Hinten gibt es außerdem eine Werkstatt und natürlich „richtige Büros“.

Teil der Tour ist auch eine Fahrt zu einer besonders riesigen grünen Seite Berlins: Zum Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof, wo mittlerweile der größte Park der Stadt zum Erskaten, Erlaufen, Erradeln, Ergärtnern oder anderem Erleben einlädt.

Und sonst? Ein paar Ökoläden, ein „grünes“ Papiergeschäft, ein Eckladen für Bio-Küche… wirklich spannende Projekte zeigt der rund dreistündige Spaziergang kaum. Ob es daran liegt, dass in Berlin alles weiter verstreut ist und die Wege zu lang für eine zeitlich befristete Tour sind? Oder vielleicht wären wir mit einer „Creative sustainability tour“ von ID22 besser beraten gewesen? Oder waren wir schlicht und einfach zur falschen Zeit am falschen Ort? Ich fand es jedenfalls schade, hat doch die deutsche Bundeshauptstadt, die sich mit Extremen wie „grünste, Auto freiste Stadt, Radfahrparadies“ nur so überschlägt, garantiert mehr zu bieten. Das verspricht zumindest die 15-seitige (!) Information, die uns visitBerlin mitgegeben hat.

Einen Apfelstrudel in Deutschlands erstem klimaneutralen Restaurant kosten, in einem der 30 individuell von KünstlerInnen gestalteten Zimmer des ersten Bio-Hotels der Stadt übernachten, das Kultur- und Sozialzentrum ufaFabrik besuchen, dessen Energie aus Blockheizkraftwerken gewonnen wird, mit einem Solar-Hausboot die Wasserwege entlang schippern: Berlin sieht mich jedenfalls (nicht nur deshalb) wieder! Vielleicht schon um den 17./ 18. November zur „ersten Verbrauchermesse rund um den nachhaltigen Genuss, Konsum und energieeffizienten Technik“, dem 5. Berliner Heldenmarkt im Postbahnhof.

*Seit 2009 belebt das mehrfach ausgezeichnete Ökolandbau- und Community-Projekt Prinzessinnengarten die Nachbarschaft des prekären Viertels Kreuzberg und zeigt, wie die Städte der Zukunft gestaltet und wie Menschen integriert werden können.

 

Eingeladen von Deutsche Zentrale für Tourismus in Kooperation mit Tourismus Marketing Brandenburg, Fly Niki und visitBerlin durfte ich einige Tage in Brandenburg und Berlin verbringen. Herzlichen Dank dafür! Die Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte bleiben meine Eigenen. 

Nähere Infos zum Reisen in Berlin findet ihr hier: visitBerlin

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Grundkurs Spreewald: Stadt – Land – Fluss

“Und wo bleibt die Haselnuss?” Mit einer meditativen Gedankenreise hin zu Mammuts, Büffel und zu zugefrorenen Eisdecken wollte uns unser Tourguide von den Spreescouts die Eiszeit und somit die Entstehungszeit des Spreewalds näher…

“Und wo bleibt die Haselnuss?” Mit einer meditativen Gedankenreise hin zu Mammuts, Büffel und zu zugefrorenen Eisdecken wollte uns unser Tourguide von den Spreescouts die Eiszeit und somit die Entstehungszeit des Spreewalds näher bringen. Und dann diese Frage.

Nein, dass unsere Gruppe – ein paar erwachsene JournalistInnen aus Österreich – bei Eiszeit sofort an den Film “Ice Age“ denken muss, das hat unser Guide wohl nicht erwartet. Er könnte sich aber schon einmal daran gewöhnen, zeigen die Spreescouts doch vor allem Kindern und Jugendlichen die “Schatzkammer Spreewald”, machen Exkursionen zu Blockhäusern und Radtouren mit Kochkursen. Nachhaltige Aktiv-Führungen und Touren, die in Zusammenarbeit mit dem Spa Hotel “Zur Bleiche” auch für TouristInnen verstärkt angeboten werden sollen.

Eine davon durften wir gestern schon mit unserem Spreescout erleben: “Colonisten für den König” lautet der klingende Name einer Radtour, die uns von Burg, dem flächenmäßig größten (und sicher weit verstreutesten) Ort Deutschlands, durch das UNESCO Biosphärenreservat Spreewald geführt hat. Ja, jeder kennt den “alten Fritz”, spricht liebevoll von ihm wie von einem Kindheitsfreund. Er ist einfach omnipräsent, der Preußenkönig Friedrich der Große, der “Ausländer” aus dem Nachbarland Sachsen und anderen Regionen im Spreewald angesiedelt hat. Land, Steuerfreiheit, Geld… er musste wohl einiges versprechen, um ihnen das ursprüngliche Sumpfland schmackhaft zu machen.

Wie viel Arbeit dahinter gesteckt haben muss (und wohl noch immer steckt), die so genannte “Obst- und Gemüsekammer Berlins” zu bewirtschaften, das können wir nur erahnen. So radeln wir auf “Mina”, “Kito” und Co – unsere schicken blau-grauen ROTOR-Räder aus Leipzig tragen typische alte Namen des hier ansässigen westslawischen Volksstammes der Sorben – vorbei an üppigen Apfelbäumen, feuchten Wiesen ohne Umzäunung, kleinen Beeten mitten in großen Feldern und schmucken Blockhäusern. Nur das Rauschen der Erlen und das Plätschern des Wassers in den Fließen, wie die Nebenflüsse der Spree genannt werden, durchbrechen die Stille.

“Ideal für Burnout-Kandidaten, hier lenkt nichts ab.”, treffender als meine Kollegin könnte ich es nicht ausdrücken. Ja, hier könnten wir uns so richtig entspannen, in dieser schön aufgeräumten, sauberen, weitläufigen Landschaft, wo selbst in noblen Hotels Wi-Fi ein Fremdwort ist. Könnten – wäre da nicht der Faktor Zeit. Denn wir möchten einiges unterbringen auf unserer Reise. Dementsprechend kurz fallen auch die zahlreichen Stopps auf der Radtour aus: Streuobstwiesen, das ehemalige Bleichhaus und jetzige Spa Hotel, in dem Hemden für die Armee weiß gemacht wurden oder ein typisches Stallhaus, wo sowohl Tiere als auch Menschen zusammen gewohnt haben und das von einem sächsischen Paar renoviert wurde – Geschichten von Friedrichs Wirken werden im Schnelldurchlauf erledigt.

“Ab in die Kiste”, dass der Ausdruck genauso wie “den Löffel abgeben” aus dieser Zeit stammt, lernen wir erst später beim Besuch des Freilandmuseums Lehde. Da können wir nämlich in ein solches Stallhaus und andere ursprüngliche Gebäude hinein, die von überall in Brandenburg abgetragen und hierher nach Lübbenau in den Spreewald gebracht wurden. Wir erfahren, dass in einem Bett alle Generationen Platz hatten – und in einer ausziehbaren Kiste die Jüngsten schliefen. Und dass aus einer Schüssel gegessen und der Löffel weitergereicht, eben abgegeben wurde.

Nein, dass wir nicht genug Neues und Wissenswertes erfahren hätten, das können wir von unserem ersten Tag im Spreewald nicht sagen. Und auch unser Spreescout Guide feiert eine doppelte Feuertaufe: Für den gebürtigen Hessen, der – wie die meisten Guides des jungen Unternehmens – in Berlin wohnt, war es nicht nur die erste Radtour, auch die heutige Paddeltour ist für ihn neu. Genauso wie für uns “Ösis”: Auf Zweier- und Dreierteams aufgeteilt rudern wir einige Stunden in Kanus mit Namen wie „Tschummi“ oder „Bluschnitza“ über die Spree und in die Seitenarme.

Es ist ganz anders als das Erlebnis, das wir gestern bei einer gemeinsamen Fahrt mit einem Kahn hatten. Während am Vortag ein Kahnführer für uns die Arbeit erledigt hat, heißt es jetzt für jeden Einzelnen: Gegen die Strömung steuern, darauf achten, weder links noch rechts gegen das Ufer zu stoßen, teilweise im dichten Gras und Schilf paddeln, durch Schleusen durchfahren und den anderen Booten sowie Kähnen ausweichen. Im Schweiße meines Angesichts und die Jammerlaute meines Kollegen im Ohr, der wieder einmal die schnelle Strömung verflucht, fällt es mir ganz schön schwer, das Hier und Jetzt zu genießen. Dabei wäre es so romantisch, durch die Ortsteile von Burg zu gleiten und an Häusern vorbeizuströmen, die teilweise nur mit Boot erreichbar sind. Ja, solche Gebiete gibt es tatsächlich noch, in Lehde nämlich, wo dann auch die Post auf dem Flussweg verteilt wird.

“Einfach immer dem Wasser nach!” empfiehlt einer der vielen Kahnfahrer, als wir uns mit den Kanus verirren und nach der Richtung fragen. Ein echt heißer Tipp bei den 6.700 Kilometer Wasserstraßen und 3.500 Seen, die es in Brandenburg gibt! Dem könnten wir sogar morgen folgen, wenn wir es weitergeht nach Berlin. Mitten in einem Binnendelta der Spree gelegen, kann man von Burg direkt in die Bundeshauptstadt paddeln. Drei bis vier Tage dauert das “Vergnügen”, für das uns aber leider die nötige Schulterstärke Zeit fehlt. Also geht es mit dem Bus vom ländlich-stillen Brandenburg ins hippe Berlin, das auch mit dem Zug nur eine Stunde von hier entfernt liegt. Dann hätten wir alles: Stadt – Land – Fluss.

Eingeladen von Deutsche Zentrale für Tourismus in Kooperation mit Tourismus Marketing Brandenburg, Fly Niki und visitBerlin durfte ich einige Tage in Brandenburg und Berlin verbringen. Herzlichen Dank dafür. Die Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte bleiben meine Eigenen. 

Nähere Informationen zum Reisen in Brandenburg findet ihr hier: Tourismus Marketing Brandenburg

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Warum ich (trotzdem) reise!

„Wir sollten wieder sesshaft werden, statt permanent unterwegs zu sein und CO2 zu emittieren.“ Die Aussage war noch eine der harmloseren, die der Volkswirt und Attac-Berater Niko Paech im Interview…

„Wir sollten wieder sesshaft werden, statt permanent unterwegs zu sein und CO2 zu emittieren.“ Die Aussage war noch eine der harmloseren, die der Volkswirt und Attac-Berater Niko Paech im Interview mit der Süddeutschen Zeitung getroffen hat. Der Standpunkt von jemandem, der selbst nur ein einziges Mal in seinem Leben in einem Flieger gesessen ist, rüttelt ganz schön an mir. Und nein, das liegt nicht daran, dass ich sie im Flugzeug auf dem Weg nach Porto zu meiner ersten Travel Blogger Konferenz lese. Aber paradoxer könnte die Situation wohl kaum sein.

Ein Gespräch über eine Reise nach Bali hier, Erzählungen vom Yoga-Retreat in Mexiko dort und eine Autoralley durch die Mongolei als Einstiegspräsentation, dazwischen Suchmaschinen-Websites, PR-Agenturen, Tourismusbüros etc. die mit uns BloggerInnen über noch bessere Vermarktungsmöglichkeiten sprechen. Hier geht es um eine meiner größten Leidenschaften, darum, wofür ich morgens aufstehe und wovon ich nächstens träume. Hier geht es um das Geschäft, das wohl eine der negativsten Klimabilanzen aufweist, die es gibt: Ums Reisen!

Der internationale Flugverkehr trägt mittlerweile mit sieben Prozent zur globalen Erwärmung bei, die Treibhausgaswirkung der Flugemission ist dreimal so hoch wie bei Kohlendioxid, das auf der Erde produziert wird – bei diesen Fakten dreht sich mir der Magen um! Und wenn man der aktuellen – vermutlich realistischen – Airbus-Prognose, die der Flugzeughersteller in London veröffentlicht hat, Glauben schenkt, wird allein die Zahl der Passagiermaschinen in den nächsten 20 Jahren von derzeit rund 15.000 auf mehr als 32.000 ansteigen. Dass man das auch mit der höchsten Ausgleichszahlung an atmosfair und Co nicht kompensieren kann, sagt uns der Hausverstand. Eine lahme Gewissensberuhigung, was sonst? 

Chart der David-Suzuki-Foundation

„Klimabewusst zu fliegen heißt wohl eher nicht zu fliegen.“, die Lösung, die Attac-Geschäftsführer Wilhelm Zwirner liefert, ist kurz und radikal. Oder um wieder Paech zu zitieren, der sich auch weigert, bei Klimakonferenzen im fernen Rio dabei zu sein: „Die beste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen.“ Und ich kann nur sagen: Ich gebe beiden Recht.

Genauso Recht wie Chris Haslam, Autor und Reiseberichterstatter, der sagt: „Es ist so: Hör nicht auf zu fliegen. Hör nicht auf, das Außergewöhnliche und Exotische zu besuchen. Hör nicht auf, dein Hart-Verdientes zu den Menschen zu bringen, deren Leben und Zukunft genau davon abhängt und hör nicht auf, hinaus zu gehen und Zeugnis davon abzugeben, die Änderungen zu sehen, denen unser Planet ausgesetzt ist.“ Das ist nämlich die andere Seite des Reisens: Abgesehen davon, dass Tourismus eine Lebensgrundlage für Menschen darstellt, öffnet Unterwegssein die Augen, lässt uns wachsen, Begegnung findet statt, inspiriert, macht uns toleranter… Zumindest das Reisen, das ich kenne!

Radikale Aussagen und Ansichten wie die von Paech, der den“vor der Fassade der Weltoffenheit komfortablen und globalen Lebensstil“ an den Pranger stellt, sind vermutlich wichtig für Diskussion, fürs Umdenken, fürs Schlechte-Gewissen-Schaffen. Und keine Frage: Hochachtung, dass er so lebt! Aber ich weiß nicht, wie es euch geht, doch mich schrecken solche Aussagen ab: So sehr, dass ich dann gar nichts ändere und so weitermache wie bisher, weil ich dieses hehre Ziel ja ohnehin nicht erreiche. Und das ist dann wohl die völlig falsche Reaktion!

Für mich gibt es nur diesen Weg: Mich zu bemühen, so bewusst, so nachhaltig, so klimaschonend, so ausgleichend, kurz, so gut wie möglich zu reisen. Ja, ich fliege – aber nicht bei jeder Gelegenheit einfach irgendwo hin, meistens bin ich öffentlich unterwegs. 24/7 Klimaanlagen gibt es nicht, unter anderem deshalb, weil ich meist bei Einheimischen schlafe, ich ernähre mich vegetarisch und ja, ich mache Fehler! Aus Unwissenheit, weil ich nicht besser darüber nachgedacht habe, weil ich ein Mensch bin und weil ich – hoffentlich – laufend dazu lerne.

„Was kann ein Reisender tun? Der Zynische sagt nichts, der Hoffende sagt viel.“, ganz klar, Dan und Audrey von Uncornered Market zählen zu letzteren. Das Ehepaar arbeitet als Reiseblogger und -consultants mit Non-Profit-Organisationen zusammen, macht grüne Initiativen in aller Welt bekannt, reist selbst so nachhaltig wie möglich und sind United Nations Botschafter für das Sustainable Tourism Council (GSTC) – auch auf einer Travel Blogger Konferenz wie der in Porto.

Dreimal dürft Ihr raten, zu welcher Kategorie ich gehöre…

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Cabo Polonio: Einsamkeit, die Uruguayer und ich…

Vor ein paar Minuten bin ich nach über acht Stunden Schlaf aus dem Bett gerollt. Die Morgensonne hat mich wach gekitzelt, sanfter, als jeder Wecker es jemals könnte. Und wäre…

Vor ein paar Minuten bin ich nach über acht Stunden Schlaf aus dem Bett gerollt. Die Morgensonne hat mich wach gekitzelt, sanfter, als jeder Wecker es jemals könnte. Und wäre da nicht die Tasse mit frisch gebrühtem Kaffee in meiner Hand, könnte man meinen, ich wäre direkt in den Strandsessel gewechselt. So sitze ich hier, die schuhlosen, mittlerweile beachtlich braun gebrannten Beine ausgestreckt, und schaue auf der einen Seite auf das endlose Blau des Meeres, auf der anderen Seite auf die nicht minder unendliche Weite der gelben Sanddünen. Einmal tiiiiief durchatmen.

Immer wieder muss ich jetzt – Monate später – an solche friedlichen Morgen denken, wie ich sie im kleinen, abgeschiedenen Dorf Cabo Polonio in Uruguay verbracht habe. Vor allem, wenn ich so wie heute um halb vier Uhr in der Früh aus dem Bett getaumelt bin, um eine Stunde zum Flughafen zu fahren, einzuchecken – ihr kennt das Prozedere – und nun mit verquollenen Augen am Flughafen sitze, wo ich auf meinen Anschlussflug warte. Ich möchte tauschen. Jetzt! Sofort!

Cabo Polonio – der Ruf dieser Ortschaft ist ihr vorausgeeilt: Lange bevor ich überhaupt in ihre Nähe kam, haben schon andere Reisende, vor allem aber Uruguayer selbst ganz glänzende Augen bekommen, sobald nur der Name Cabo Polonio gefallen ist. Ja, es ist ein besonderes Fleckchen Erde, dieses Fischer- und Handwerkerdorf an der Atlantikküste, und wie ich später erfahren habe, liegt es gar nicht so sehr auf der Touristenstrecke wie vermutet. Stattdessen nehmen sich vor allem Einheimische dort gern ein Wochenende „Auszeit vom Alltag“. Wer Cabo kennt, der weiß: Kaum ein Ort wäre dafür besser geeignet.

„Wo sich Uruguayer und Aussteiger gute Nacht sagen“, so hätte ich den Blogpost auch nennen können. Schon die Hinfahrt stimmt auf das ein, was man dort nicht erleben kann. Zur Bushaltestelle vor Cabo Polonio, das zwischen den Badeorten Valizas und La Pedrera liegt, kommt man noch mit einem regulären Bus. „Terminal“ nennt sich die Station großspurig, doch von einem Bahnhof fehlt jede Spur: Es handelt sich vielmehr um zwei kleine überdachte Haltestellen mit Stopptafel. Wo geht’s weiter? Diese Frage habe wohl nicht nur ich mir gestellt, nachdem ich dort in aller Herrgottsfrüh abgesetzt wurde. Allerdings nicht lang, dann war ich nämlich doch mehr damit beschäftigt, die hinter den Bäumen über dem Nichts aufgehende Sonne zu bewundern. Das Licht hat etwas Magisches, lässt sich nicht in Worte fassen, und ja, ich bin verzaubert!

Auch das Rätsel des Weiterkommens löst sich schnell: Es gibt einen zweistöckigen, offenen 4×4-Shuttle, eine Art Laster, wie ich ihn bisher nur in Cabo gesehen habe. Den müssen übrigens alle nehmen (oder zu Fuß gehen), denn Autos gibt es im Dorf nicht. Dass man das Gefährt dringend braucht, wird bei der holprigen Einfahrt über sieben Kilometer lange Dünen und nicht vorhandene Wege offensichtlich. So richtig durchgerüttelt komme ich an und bin froh, mich dafür, statt für den zwei- bis dreistündigen Marsch entschieden zu haben. Die Sonne prallt auch zu Tagesbeginn schon kräftig auf mich herunter und der schwere Rucksack hängt sich mit aller Macht auf meine Schultern.

Mehr oder weniger kleine Holzhäuser, alle bunt bemalt, mal hier, mal da verstreut und die meisten mit der Aufschrift „Hostel“, so zeigt sich mir Cabo Polonio auf den ersten Blick. Eine Unterkunft hätte ich vermutlich nicht buchen müssen, bei DER Auswahl, habe es aber auf Anraten gemacht: Gerade am Wochenende sind die Betten schnell ausgebucht. Mein Hostel ist gleich gefunden und – Freude – es liegt direkt in der ersten Reihe, keine zehn Schritte vom Meer entfernt.

Das Meer! Der Ozean, die traumhaften Strände und vor allem die Wanderdünen, die mit einer Höhe von bis zu 50 Metern zu den größten Südamerikas zählen, dominieren in Cabo. 1976 wurde die Region rund um den Ort, in dem nur wenige Fischer, Handwerker und die Betreiber des Leuchtturms das ganze Jahr über leben, in das UNESCO-Programm „Mensch und Biosphäre“ aufgenommen. Das hat aber nicht verhindert, dass das einzigartige Ökosystem durch Bebauung und unkontrollierte Forstwirtschaft bedroht wurde. Nicht zuletzt auch wegen des Zustroms an TouristInnen. Mittlerweile ist die Gegend zum Nationalpark erklärt worden und hat, zumindest von außen, den natürlichen und geschützten Charakter erhalten.

Weder Elektrizität noch Internet noch Bankomat gibt es vor Ort, ja noch nicht einmal die viel gerühmten Robben zeigen sich mir – es ist einfach nicht die richtige Saison dafür. Viele Möglichkeiten habe ich tatsächlich nicht, mich in Cabo von der Entspannung und dem süßen Leben abzulenken. Ein Spaziergang über die mit Muscheln bedeckten Strände hier, ein Herumirren durch die (und sich Verirren in den) Dünen da, Tagedösen in der Hängematte, Lesen der mitgebrachten und gefundenen Bücher, Tratschen mit den Hostelbetreibern und MitbewohnerInnen auf Zeit, Matetrinken mit Einheimischen, Sonnenuntergang-Schauen, Träumen…

…seht ihr auch so, oder?

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Sternderl schauen, Stockerl werfen und Seele baumeln lassen: Idyll ist!

Die gute Nachricht: Das Idyll gibt es, und es ist gar nicht einmal so weit entfernt. Die schlechte Nachricht: Ich darf euch hier nicht verraten, wo – ich habe es…

Die gute Nachricht: Das Idyll gibt es, und es ist gar nicht einmal so weit entfernt. Die schlechte Nachricht: Ich darf euch hier nicht verraten, wo – ich habe es versprochen.*

Also gibt es nur ein paar Bilder von einem Ort mitten in Österreich, wo man noch in aller Ruhe wahlweise in den Sternenhimmel oder ins Feuer starren und träumen kann. Wo die größten Herausforderungen des Tages darin bestehen, sich mit der Holzschaukel vom Baum ins kühle Nass zu schwingen oder mit dem Ruderboot ans andere Seeufer zu paddeln. Wo auf besonders Mutige abends Erkundungstouren durch alte Gemäuer in der nahen Burg warten. Wo NacktbaderInnen genauso willkommen sind wie schicke Stadtflüchtige, spanische Trommelgruppen genauso ihr Zuhause finden wie fanatische FischerInnen. Von einem Campingplatz, der Idyll ist.

 

* Wer wissen möchte, wo sich dieses Idyll befindet, schreibt mir am besten eine E-Mail. Persönlich darf ich euch nämlich ins Geheimnis einweihen.

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Marokkanischer Kichererbsensalat – Und der Sommer wird bunt

Farbenfroh! Wenn ich an Marokko denke, so läuft mein inneres Auge über vor bunten Bildern: Reges Markttreiben, üppige Farbenpracht und verspielte Reize für die Sinne – das ist Marokko für…

Farbenfroh! Wenn ich an Marokko denke, so läuft mein inneres Auge über vor bunten Bildern: Reges Markttreiben, üppige Farbenpracht und verspielte Reize für die Sinne – das ist Marokko für mich. Genauso reich an Farben ist auch der marokkanische Kichererbsensalat, den es heute bei mir auf meiner Reise durch die Küchen der Welt gibt. Von den reichen Geschmäckern gar nicht zu sprechen. Genau das Richtige für den heißen Sommer!

Hier gibt’s das Rezept (für 4 Portionen)

250g Kichererbsen (aus der Dose)
1 Karotte
1 kleiner Karfiol
3 Knoblauchzehen
1 Bund Petersilie
1 kleiner Radicchio (optional)
1 Bio-Zitrone
1/2 TL Cumin bzw. Kreuzkümmel
1 EL weißer Balsamico Essig (Alternativ ein anderer Essig)
1 EL gerösteter Sesam
Salz, Pfeffer und Olivenöl zum Abschmecken beziehungsweise kochen

Die Kichererbsen in einem Sieb abspülen und abtropfen lassen. Karotte schälen und in dünne Scheiben, den Karfiol in Röschen schneiden. Knoblauch schälen und zerkleinern. Petersilie abzupfen und ebenfalls schneiden. Radicchio putzen und in Blätter teilen. Danach ca. 250 ml Salzwasser mit einem Stück Zitronenschale aufkochen. Karotte dazugeben, zugedeckt rund zwei Minuten kochen. Dann den Karfiol beigeben und so lange kochen, bis er bissfest ist. Gemüse abseihen und mit zwei Esslöffel Zitronensaft sowie einem Esslöffel Olivenöl vermischen. Abkühlen lassen. Das Kochwasser auffangen, zurück in den Topf geben und köcheln lassen, bis nur noch die Hälfte da ist. Danach mit dem Gemüse vermischen.

In der Zwischenzeit ein Esslöffel Olivenöl in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Knoblauch darin kurz anrösten. Cumin und Kichererbsen hinzu geben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und einen Moment braten. Dabei das Ganze rühren. Mit Balsamico ablöschen, wieder kurz erhitzen und das restliche Gemüse dazu geben. Den Salat durchziehen lassen, mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken. Petersilie dazu und mit Raddicchio anrichten. Den Sesam kurz anrösten und danach darüber streuen.

Fertig ist das ideale Sommergericht! Oder بالهنا و الشفاء!, wie man vermutlich in Marokko hören kann!

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Alleskönner Hommos: Wie ihn alle (machen) können und mögen

Es gibt Standardgerichte, die bei fast jeder Grillerei, jedem Potluck, jedem Picknick dabei sind – oder zumindest dabei sein sollten. Der arabische Hommos (aka Hummus, Humus, Hommus, Hummous, Housmus, Hoummous,…

Es gibt Standardgerichte, die bei fast jeder Grillerei, jedem Potluck, jedem Picknick dabei sind – oder zumindest dabei sein sollten. Der arabische Hommos (aka Hummus, Humus, Hommus, Hummous, Housmus, Hoummous, Humos) gehört dazu. Und wie dieser orientalische Alleskönner am Besten zubereitet wird, das verriet mir und euch Yasmin – ihres Zeichens Halb-Libanesin.

Hier gibt’s das Rezept

500g getrocknete Kichererbsen
5 Knoblauchzehen
1 EL Tahini (Sesampaste)
Olivenöl
Zitronensaft
Salz
Kreuzkümmel

Die Kichererbsen einige Stunden (oder noch besser über Nacht) in viel Wasser einweichen und anschließend weich kochen. Im Druckkochtopf geht’s am Schnellsten, und angeblich hilft eine Messerspitze Natron/Speisesoda (bei mir klappt’s normal auch wunderbar ohne).

Die weichen Kichererbsen abseihen – Kochwasser aufheben! – und etwas abkühlen lassen. Danach mit sämtlichen Zutaten in der Küchenmaschine oder mit dem Pürierstab pürieren.  Je nach gewünschter Konsistenz kann etwas Kochwasser hinzugefügt werden. Fertig!

Die Mengen sind je nach Geschmack variierbar, am besten zwischendurch immer wieder mal probieren. Dies ist die klassische und meiner Meinung nach beste Hommosversion. Durch Zugabe weiterer Gewürze wie Curry, Wasabi, Paprika etc. kann das Rezept abgewandelt werden.

Am besten schmeckt Hommos mit arabischem Fladenbrot. Na dann, Mahlzeit – oder besser gesagt الوجبة!

P.S.: Wusstet Ihr übrigens, dass das Wort hummus / ‏ حمص‎ / ḥummuṣ (dialektal) bzw. ḥimmiṣ/ḥimmaṣ (klassisch) bedeutet? Ich nicht, danke Wikipedia!

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Eine süße Einladung: Jemput-Jemput!

Komm‘ rein – komm‘ rein! Invite – Invite! So lässt sich Jemput-Jemput übersetzen, und ein Gericht, das so einladend heißt, kann nur einladend schmecken. Der Meinung ist auch meine Freundin…

Komm‘ rein – komm‘ rein! Invite – Invite! So lässt sich Jemput-Jemput übersetzen, und ein Gericht, das so einladend heißt, kann nur einladend schmecken. Der Meinung ist auch meine Freundin Mardy aus Singapur, die mir das Rezept dafür geschickt hat. Ob die süße Köstlichkeit allerdings aus ihrer Heimat Indonesien oder vielleicht doch aus Malaysien stammt, darüber streiten sich im Internet die Geister. Mir ist das egal, Hauptsache, es schmeckt!

Zutaten für vier Personen

3 bis 4 Bananen, je reifer, desto besser
So viel Mehl, dass ein sehr zäher Teig entsteht
Zucker (Menge je nach Geschmack und Süße der Bananen)
Zimt
Pflanzenöl zum Herausbacken oder Frittieren
Vanilleeis zum Dazuschlemmen

Die Bananen zerdrücken, mit Mehl zu einem zähen Teig vermischen. Mit Zimt und Zucker abschmecken. Das Pflanzenöl in der Zwischenzeit in einem Topf so heiß machen, dass es Blasen wirft. Die Teigmasse in kleine Bällchen formen und im Öl heraus backen bzw. frittieren bis sie braun und knackig sind. Achtung, das kann bei der Hitze ganz schön schnell gehen – am besten mit dem Löffel immer wieder die Teigmasse umrühren, damit alle Seiten gleichmäßig braun werden. Wer nicht so viel Öl verwenden mag, kann die Masse auch einfach in etwas Öl heraus backen. Dann werden sie zwar nicht rundum braun, aber schmecken auch köstlich! Die Bällchen heraus nehmen und auf einer Küchenrolle abtropfen lassen. Mit Staubzucker dekorieren, Vanilleeis dazu – das gibt es ja auch in der veganen Version – und schon sind sie fertig.

Da bleibt mir nur zu sagen: Jemput-Jemput!

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