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Kategorie: Allgemein

Die Crowdfunding-Erfolge von morgen – Vier WearFair-Projekte im Interview

Am vergangenen Wochenende informierten sich in der Linzer Tabakfabrik bei der Nachhaltigkeitsmesse WearFair +mehr 2018 rund 14.000 BesucherInnen über fairen und nachhaltigen Lebensstil und Produkte. Vier der dort vorgestellten Projekte sind im Rahmen einer…

Am vergangenen Wochenende informierten sich in der Linzer Tabakfabrik bei der Nachhaltigkeitsmesse WearFair +mehr 2018 rund 14.000 BesucherInnen über fairen und nachhaltigen Lebensstil und Produkte. Vier der dort vorgestellten Projekte sind im Rahmen einer Kooperation mit der Plattform wemakeit aktuell auch mit einer Crowdfunding-Kampagne online: die Bad Seeds Company – BSC, das Projekt almgrün Gemüse CSA, wild floriert sowie Schlüfer – ein Wohlfühlei von Spurenlos. Für The bird’s new nest hat Wolfgang den Organisator der WearFair Wolfgang Almer-Pfoser, die Projektbetreuerin bei wemakeit Sunita Maldonado sowie die ProjektinitiatorInnen zum Interview gebeten und zu ihren Visionen und Erfahrungen befragt.

Wolfgang: Lieber Wolfgang, du bist der Geschäftsführer der WearFair. Erzähl doch kurz, was das ist und was die BesucherInnen am letzten Wochenende erwartet hat.

Wolfgang Almer-Pfoser: Die WearFair +mehr ist Österreichs größte Messe für einen fairen Lebensstil. Bei uns stellen über 180 AusstellerInnen aus, die unsere ExpertInnen von Global2000, Südwind und dem Klimabündnis auf Herz und Nieren geprüft haben. So können sich unsere BesucherInnen wirklich 100 Prozent sicher sein, dass sie mit jedem Euro, den sie bei uns ausgeben, ein kleines bisschen die Welt retten.

Welche Rolle kann Crowdfunding deiner Meinung nach im Bereich nachhaltiger, fairer Produkte spielen und wie unterstützt ihr hier als Messe?

Wolfgang Almer-Pfoser: Crowdfunding kann hier wie in allen Zukunfts-Bereichen eine wichtige Rolle spielen, weil es die oft sehr behäbigen Gatekeeper wie Investoren oder Großhandel überspringt und sich direkt an die Endkunden wendet. Und nur die sollten entscheiden, ob ein Produkt Sinn macht oder nicht. Rund um die WearFair gibt es so viele faszinierende Menschen, die ständig neue, visionäre Ideen produzieren. Daher freut’s mich wirklich sehr, dass wir eine so schöne Kooperation mit wemakeit haben und dass sich vier wirklich tolle Projekte bei uns präsentieren konnten.

Sunita, die von Wolfgang angesprochene Kooperation gibt es dieses Jahr bereits zum zweiten Mal. Welche Vorteile ergeben sich dadurch für die Projekte?

Sunita Maldonado: Die ausgewählten Projekte erhalten bei der Vorbereitung und der Bekanntmachung ihrer Kampagne Unterstützung von wemakeit und der WearFair. Zudem hatten sie die Möglichkeit ihr Projekt live bei der WearFair zu präsentieren, was eine riesige Chance ist! Sie konnten den Besuchern ihre Produkte und Ideen direkt zeigen und erklären, wofür sie die Crowdfunding-Kampagne machen. Die BesucherInnen auf der anderen Seite hatten die Möglichkeit, die Produkte anzufassen und zu sehen, bevor sie diese über die wemakeit-Kampagne erstehen und konnten natürlich insbesondere auch die Menschen hinter dem Projekt kennen lernen. Sie wissen danach also genau, wer ihr neue Jeans produziert oder ihren nachhaltigen Blumenstrauß gebunden hat.

Liebes Team der Bad Seeds Company, stellt euer Projekt bitte vor und erzählt doch kurz, warum ihr euch für Crowdfunding entschieden habt!

Bad Seeds Company: Wir produzieren Jeans aus hundertprozentigem Hanf und machen dies in kleinen Familienschneidereien in Italien. Hanf ist mit Sicherheit der nachhaltigste Rohstoff und eine Produktion in nahegelegenen Familienbetrieben ein Beispiel an absolutem Fair Trade, dennoch ist dies in der heutigen Modebranche aus wirtschaftlicher Sicht die “schlechteste” Alternative, wo doch bekanntlich in entfernten Ländern zu Billigstpreisen und mit Fair Trade-Siegel produziert werden kann, wie uns selbst bereits von Kreditanstalten geraten wurde. Somit bleibt Crowdfunding wohl die Finanzierungsmöglichkeit schlechthin mit dem Vorteil auch gleich mit dem Kunden einen Kontakt zu schließen. Crowdfunding ist ein Finanzierungssystem im Einklang mit der Tätigkeit des Unternehmens. Verkauf und Finanzierung gehen dabei Hand in Hand und lassen den Unternehmer nicht in einer Bittsteller-Position verweilen.

Liebe Michaela und Reingard, stellt euer Projekt almgrün Gemüse bitte kurz vor und erzählt uns, was ihr euch von der WearFair-Kooperation erwartet!

almgrün Gemüse: Wir sind eine neue Gemüse CSA Mikrofarm im Almtal in Oberösterreich und wollen zeigen, dass “wachsen oder weichen” nicht der Weisheit letzter Schluss ist, wenn es um zukunftsfähige Landwirtschaft geht. Wir kultivieren auf nur einem Hektar Land 70 verschiedene Gemüsearten und über 200 Sorten und werden kommende Saison schon über 60 Haushalte mit frischem, saisonalem Gemüse versorgen. Der Auftritt auf der Messe war für uns eine tolle Möglichkeit, viele aufgeschlossene Menschen für solidarisches Landwirtschaften und Mikrofarming zu begeistern. Für uns als Quereinsteigerinnen ist natürlich jeder zusätzliche Euro willkommen, da wir alles von Null aufbauen müssen. Und wenn uns die Crowd dabei unterstützt, die letzten Geräte, die wir noch für unsere umweltfreundliche Bewirtschaftung brauchen, zu finanzieren, können wir dafür rascher damit beginnen, andere dabei zu unterstützen, ihre eigene Mikrofarm zu gründen. Damit man bald wieder in jedem Dorf Gemüse aus der Region kaufen kann!

Lieber Wolfgang von Spurenlos, stell‘ euer Projekt bitte kurz vor und sag‘ uns, welche Erfahrungen ihr mit Crowdfunding gemacht habt, ihr habt ja bereits eine erfolgreiche Kampagne hinter euch!

Spurenlos: Wir haben es uns zum Ziel gesetzt Einrichtungsstücke zu entwickeln, die nach ihrer Nutzung keine Spuren hinterlassen: Naturmaterialien wie Filz, Hanfseil, Massivholz setzten wir ein und verzichten konsequent auf Leim, Metalle und Kunststoffe. Im Frühling diesen Jahres haben wir bereits eine Crowdfunding-Kampagne für unseren Spurenlos-Hocker Dreiblatt erfolgreich abgeschlossen und diesen zur Serienreife entwickelt. Aktuell möchten wir unseren Schlüfer – ein Wohlfühlei für Kinder und Babys entwickeln und ebenfalls in Serie bringen. Die Kampagne auf wemakeit unterstützt uns dabei dieses Ziel zu erreichen!

Liebe Lisa, bitte stelle euer Projekt wild floriert vor und beschreibe kurz, warum ihr euch zum Crowdfunding-Aufruf von wemakeit und der WearFair gemeldet habt!

wild floriert: Wir sind drei motivierte Frauen mit einer Mission, die längst notwendig ist. Im konventionellen Blumenladen und Gartenbau wird Umweltschutz meist mit Füßen getreten. Wir lieben unseren Beruf, konnten es aber nicht länger verantworten, den Import – meist aus Drittländern – von Schnittblumen und Co. zu unterstützen. Zudem ist der Torfabbau, welcher als Substrat für Topfpflanzen gängig ist, ein völlig unvertretbares Übel. Chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel sind ebenfalls ständige Begleiter. Unsere Motivation war und ist es, Alternativen zu finden. Die wildflorie gibt es nun seit zwei Jahren, ständig optimieren wir unsere Ansätze. Damit wir unsere Ideologie verbreiten und auf uns aufmerksam machen können, brauchen wir ordentliches Werbematerial: Broschüren und Webseite sind das Ziel. Denn der Konsument gehört informiert, den meisten ist nicht bewusst, dass es Möglichkeiten als Alternative gäbe.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Crowdfunding!

 

Ihr könnt die Projekte im Rahmen der Kooperation noch einige Wochen unterstützen, weitere Informationen zu den Projekten findet ihr im WearFair-Channel auf wemakeit.

Arbeitet ihr an einem nachhaltigen Crowdfunding-Projekt oder kennt ein solches, über das auf The bird’s new nest berichtet werden sollte? Dann sendet mir eure Inputs und Vorschläge zum Thema an office@crowdfunding-service.com!

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#targetthehappy: Challenge yourself!

Kennst du das? Du weißt, worüber du schreiben willst und du visualisierst die Geschichte im Detail, aber irgendwie fließen die Worte heute nicht so gemütlich daher, sondern rasen in einem…

Kennst du das? Du weißt, worüber du schreiben willst und du visualisierst die Geschichte im Detail, aber irgendwie fließen die Worte heute nicht so gemütlich daher, sondern rasen in einem Knäuel vorbei – genau diesen Moment durchlebe ich gerade. Trotzdem will ich versuchen, dir von diesem Film zu erzählen, „The Happy Film„, von Stefan Sagmeister.

Begonnen hat alles mit einem coolen Logo-Vintage-Shirt – wunderschön leicht gelblich, wie es sich hier eben gehört. Ich habe es in die Wäsche geworfen, zusammen mit ein paar anderen Vintage-Errungenschaften. Darunter war auch ein leicht grünliches Teil (um ehrlich zu sein war es wohl eher giftgrün). Nach dem Waschgang war mein Logo-Vintage-Shirt nicht mehr so gelblich, sondern mehr grün-gelblich. Der Ärger stieg und dadurch verblasste die Freude dieses Listen-Moments (ja, das Shirt hatte es vorher auf meine Happy List geschafft).

In genau diesem Moment, als ich mich gerade am Telefon ausgenörgelt hatte, sehe ich auf Facebook meinen Namen aufpoppen: Ich hatte zwei Tickets für das Casino Kino gewonnen – für den „The Happy Film“. Ironie pur, aber auf die Happyliste kam der Moment trotzdem. You made my day, Design made in Austria, großes Danke für das perfekte Timing!

„The Happy Film“ ist in meinen Augen eine etwas verquere Produktion mit sehr viel Charme, vielen Szenen, die durch Grafik Design entstanden sind und Vieles, das einfach Erstaunen, Kopfschütteln oder Schmunzelattacken erzeugt. Stefan Sagmeister, der Protagonist in seiner eigenen Geschichte, erzählt von seiner Suche nach dem Glück. Drei verschiedene Arten der Suche hat er aufgrund einer amerikanischen Studie ausgewählt. Er will glücklicher werden durch Meditation, mit Hilfe einer Therapeutin und der Einnahme von Anti-Depressiva.

Fazit: Der Film wirft leider mehr Fragen auf, als er beantwortet – und auch Stefan selber ärgert sich darüber. Zehn Jahre hat er an diesem Film gearbeitet und muss immer noch ohne klare Antwort verbleiben. Trotzdem empfehle ich dir diesen Film, denn die richtige Frage kann oft Wunder bewirken.

the blue car of "journeying" - photo by Miriam Mehlman/Miriamblitzt

Somit Schulterzucken und weiter geht’s, denn wir wollen ja auch weiter kommen. Ich muss dir sagen, dass ich meine Happy List nicht sehr zuverlässig geführt habe. Gegen Ende des Monats fielen mir keine drei Happy-Momente mehr ein, oder ich hatte das Gefühl sie wiederholen sich ständig. Deshalb starte ich in diesem Monat einen neuen Versuch. Frei nach Stefan Sagmeister habe ich eine Challenge für uns kreiert. Ich verspreche mir davon mehr Disziplin als bis jetzt mit meiner Happy-Liste. Wir werden sehen!

Jeden Tag möchte ich einen Glücksmoment festhalten. Es stimmt, die Challenge ist ähnlich der Happy List, nur möchte ich es diesmal wirklich durchziehen. Mir ist an mir selbst aufgefallen, dass oft das Niederschreiben zwar eine tolle Möglichkeit ist, aber mir irgendetwas dabei fehlt. Und hier it is – ich bin ein sehr visueller Mensch, Emotionen sind für mich oft mit Bildern verbunden. Deshalb möchte ich euch erweiterte Möglichkeiten anbieten, wie ihr eure Glücksmomente festhalten und jederzeit wieder erleben könnt.

Hier meine drei Möglichkeiten der Gedächtnisstütze:

1. Notizblock/Kalender – “the old-fashioned but aesthetic people”: Moment aufschreiben, als Geschichte, in Stichwörtern oder einfach mit einer Skizze.
2. System/Spiegelreflexkamera – “the pros with high-achievement needs”: Bild machen und mit uns teilen, auf Facebook oder Instagram. Die # nicht vergessen!
3. Smartphone – “the techies and insta-aficionados”: Täglich einen deiner Glücksmomente auf Instagram hochladen und auch hier die # nicht vergessen!

Hiermit möchte ich diese Instagram-Challenge starten. Ich hoffe, du bist dabei und es macht dir genauso viel Freude wie mir. Am 18. März beginnt auf meinem Profil wingsaregolden offiziell meine Happy-Challenge. Ich will drei Monate durchhalten und täglich einen Glücksmoment publizieren. Unsere Hashtags lauten #targetthehappy und #happychallenge. Auch vergangene Momente – positive Erinnerungen – sind erlaubt!

Be happy and join us! Über die Hashtags finden wir euch – ich freue mich sehr, wenn wir diese glücklichen Momente miteinander teilen können!

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#targetthehappy: May the happiness be with you!

Ich sitze gerade bei einem selbstgemachten Matcha Latte (mehr Latte als Matcha), und denke über das Thema Glück nach. Letztes Jahr hat mich dieses irgendwie ganz schön sitzen gelassen. Ein…

Ich sitze gerade bei einem selbstgemachten Matcha Latte (mehr Latte als Matcha), und denke über das Thema Glück nach. Letztes Jahr hat mich dieses irgendwie ganz schön sitzen gelassen. Ein Jahr von Stress, Misserfolgen oder zumindest keinen spürbaren Schritten nach vorne und Trennungen verfolgt. Ein Jahr, welches mir gezeigt hat wie die Zukunft nicht aussehen soll.

Ich hatte das Gefühl, alles stagniert und hält mich zurück. Was mich in dieses Loch beförderte, das Loch der Ungewissheit und vielen “Lebensfragezeichen”. Wohin? Wer bin ich? Was will ich? Wie kann ich zufriedener sein?

Kennst du dieses Gefühl?

Jedenfalls habe ich für 2017 beschlossen, etwas anders zu machen. Was es sein wird und wie ich das alles angehe, will ich in dieser monatlich erscheinenden Kolumne namens #targetthehappy – frei übersetzt „Glück als Ziel“ – festhalten. Es soll uns gemeinsam weiter bringen und zu mehr Zufriedenheit und Glück verhelfen. Ich bin ein Newbie auf diesem Themengebiet, deswegen möchte ich meine Erfahrungen mit dir teilen, damit wir gemeinsam daran wachsen und die dunklen Löcher mit Glanz und Konfetti stopfen können! Du hast eine tolle Idee wie ich meinen Weg starten könnte? Bitte teile sie mit uns, damit wir daraus lernen können!

Viele Beiträge meiner Kolumne werden auf Büchern basieren, welche mir geholfen haben voran zu kommen, wie zum Beispiel Glück. The World Book of Happiness – ein Coffee Table Buch mit wunderschönen Illustrationen, aber auch Artikeln veröffentlicht von internationalen Experten auf diesem Gebiet.

Fangen wir also mit der Definition von Glück an. “Glück ist definiert als der Grad, in dem ein Individuum die allgemeine Qualität seines oder ihres Lebens als Ganzes günstig bewertet. Mit anderen Worten: wie gut einem das Leben gefällt, das man führt.” (Ruut Veenhoven, p.338) Die Frage drängt sich förmlich auf – wie gut gefällt mir mein eigenes Leben? Eine schwierige Frage, findest du nicht auch? Es gibt Höhepunkte und Momente des unglücklich Seins, es gibt Zufriedenheit, aber im Jahr 2016 gab es diese zumindest bei mir viel zu selten. Heutzutage versuchen wir oft, ein traumhaftes Leben für die Augen eines imaginären Publikums zu führen (Elena Pruvli, p.68) – oder wie in unserem Zeitalter eines digitalen Publikums.

Freust du dich, wenn du einen wunderschönen Instagram-Feed hast, der dir in Wirklichkeit nur Stress bereitet? Der dich dazu verleitet, jeden Moment fotografisch festzuhalten, jedoch ohne Inne zu halten und diese flüchtigen Sekunden zu genießen? Das soll nicht bedeuten, dass wir keine stylischen Social Network Feeds haben dürfe, sondern dass wir das Erlebte aktiv wahrnehmen oder auch in einem Danktagebuch (oder Glückstagebuch) festhalten sollten (Prof. David G. Myers, p.61). Dubravka Miljkovic und Majda Rijavec (p.50) meinen dazu, wir sollten mindestens drei schöne Erlebnisse am Tag niederschreiben, denn es soll zu erhöhtem Wohlbefinden führen, und das schon innerhalb von drei Monaten (LifeMentor, 2017).

Wichtige Faktoren für das Thema Glück scheinen auch Genuss, Zufriedenheit und Leistung zu sein, wie Doh Chull Shin (p.124) erklärt: “Glück besteht darin Dinge zu haben, die einem passives Vergnügen bereiten. Glück ist im wesentlichen Zufriedenheit – ein Gleichgewicht zwischen Bedürfnissen einerseits und deren Befriedigung andererseits. Glück leitet sich aus der Verwirklichung der eigenen Fähigkeiten ab – davon, zu tun, was man gerne tut.” Bewegung wird ebenfalls häufiger erwähnt – aktiv bleiben sollten wir laut Gary T. Reker (p.138).

dance through life - photo by Miriam Mehlman/Miriamblitzt

Das letzte und vielleicht eines der wichtigsten Kriterien um zu mehr Glück zu kommen ist, sich besser zu organisieren (Gary T. Reker, p.138). “Zeit ist unsere wertvollste Ressource und wir sollten uns besondere Mühe geben, so mit ihr umzugehen, dass wir unsere Zufriedenheit in den Sphären erhöhen, die für unsere Lebenszufriedenheit die größte Rolle spielen.” (Mariano Rojas, p.131). Eine weitere Möglichkeit ist, jeden Tag etwas fertig zu stellen, denn wir sind mit unserem Tag zufrieden, wenn wir etwas erreichen (Dr. Ilona Boniwell, p.272). Das bedeutet für mich auch, nicht alles zeitgleich zu tun, sondern das Wichtigste heraus zu filtern und dann zu vertiefen.

Als letzten Input möchte ich Dora Guorun Guomundsdottirs zehn Gebote der seelischen Gesundheit oder auch Kühlschrankweisheiten (p.325) erwähnen, wie sie die Gebote selbst nennt:

“Denke positiv.
Schätze die Menschen, die du liebst.
Lerne weiter, solange du lebst.
Lerne aus deinen Fehlern.
Bewege dich jeden Tag.
Mache dein Leben nicht unnötig kompliziert.
Versuche die Menschen in deiner Umgebung zu verstehen und zu ermutigen.
Gib nicht auf – Erfolg im Leben ist ein Marathon, kein Sprint.
Entdecke und entwickle deine Talente.
Setze dir Ziele und strebe nach deinen Träumen.”

Eine schöne Zusammenfassung, wie ich finde. Nach jedem meiner Kolumnenbeiträge werde ich versuchen, eine kurze Glücksliste zu schaffen – für dich und natürlich auch für mich, damit wir mit Babyschritten einem positiveren Leben entgegen krabbeln:

1. Starte ein Glückstagebuch. Ich habe bereits begonnen, jeden Tag drei Dinge nieder zu schreiben, die mir Freude bereitet haben. Somit denke ich viel aktiver an die positiven Details meines Daseins als an die Probleme!

2. “Obwohl wir oft überschätzen, wie viel wir an einem bestimmten Tag leisten können, unterschätzen wir im Allgemeinen, wie viel wir in einem Jahr leisten können, wenn wir jeden Tag nur einen kleinen Fortschritt erzielen.” (Prof. David G. Myers, p.60). 

Setze dir täglich ein kleines Ziel, das auf jeden Fall erledigt werden soll und sei es, eine Rechnung zu bezahlen. Es wird dir einen Moment des Glücks verschaffen, etwas vorgenommenes umgesetzt zu haben – auch ich habe das für mich so erfahren.

3. Versuche täglich eine Minute zu planken. Bewegung ist ein wichtiger Aspekt und bereits eine Minute gibt ein gutes Gefühl etwas getan zu haben. Nina vom Blog „berries and passion“ zeigt in ihrem Artikel zu Planking, wie man es richtig angeht.

Lasst uns gemeinsam loslegen, let’s target the happy!

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Mein (fast) plastikfreies Leben – Ein ökologisches Örtchen

Warum richtiges Verhalten manchmal ganz schön anstrengend sein kann Wer versucht Plastikmüll zu vermeiden, wird schnell auf Grenzen stoßen. Einige Dinge gibt es einfach nicht ohne Plastikverpackung. Tofu wäre da…

Warum richtiges Verhalten manchmal ganz schön anstrengend sein kann

Wer versucht Plastikmüll zu vermeiden, wird schnell auf Grenzen stoßen. Einige Dinge gibt es einfach nicht ohne Plastikverpackung. Tofu wäre da ein Beispiel. Da sich mein Verbrauch an Tofu jedoch in Grenzen hält, sah ich dies erst einmal nicht als dringlichstes Problem. Stattdessen stand ich schnell vor der Frage, wie ich in Zukunft für Toilettenpapier-Nachschub sorgen sollte. Ich gebe zu, das Thema ist delikat und eignet sich nicht immer für einen locker-flockigen Einstieg in die Plastikmüll-Problematik – vor allem nicht, wenn man gerade gemütlich beim Essen sitzt. Allerdings merkt man gerade beim Thema Toilettenpapier schnell, wie schwierig manchmal die Suche nach ökologischen Alternativen sein kann.

Anfangs war ich mir sicher: Irgendwo muss es doch auch Toilettenpapier ohne die obligatorische Kunststoff-Verpackung geben. Ich rannte zum Bioladen, zum Reformhaus und sogar zum Großmarkt. Das Ergebnis: Nirgends konnte ich etwas finden. Selbst das Toilettenpapier aus recyceltem Material war in Plastik verpackt. Also begann ich nach Alternativen zu suchen. Auf dem überaus nützlichen Blog Kein Heim für Plastik der plastikfrei lebenden Familie Krautwascherl fand ich ein paar Tipps. Auf Experiment Selbstversorgung las ich sogar einmal über wiederverwendbares Toilettenpapier aus Stoff – eine interessante Idee, aber sicher nicht für jeden.

Für mich und meine Mitbewohner und Gäste musste es etwas „Konventionelleres“ sein: So besorgte ich mir nach ein paar Recherchen eine Taschentücher-Box von dm aus Pappe. Die Recycling-Linie von dm kommt sogar bei ihren Taschentücher-Boxen komplett ohne Kunststoff aus – selbst die Öffnungslasche ist plastikfrei. Ich musste also nicht mehr befürchten, keinen Ersatz mehr für Toilettenpapier zu finden. Die Nachteile bekam ich allerdings erst nach und nach zu spüren: Freunde fragten beim Besuch meines stillen Örtchens stets nach dem Klopapier, ich gab sehr viel mehr Geld aus und ich war mir letztendlich noch nicht einmal sicher, ob mein Mehrverbrauch an recycelter Pappe das ganze überhaupt ökologisch rechtfertigen würde.

Also entschied ich mich nach sechseinhalb Wochen „Hardcore-Plastikfasten“: Hier mache ich keine Einschränkungen mehr. Ich kaufe wieder ganz normales Recycling-Toilettenpapier und habe mehr Zeit und Geld, um meine Energie in andere, sinnvollere Maßnahmen zu stecken. Für die Plastikverpackung habe ich immerhin eine ganz verträgliche Wiederverwertungsmethode gefunden: Ich schneide sie oben auf und verwende sie weiter als Plastiktüte.

Was ich dadurch gelernt habe: Man muss sich nicht immer in jeder noch so kleinen Sache perfekt verhalten. Manchmal haben Komfort und Nutzwert einfach Vorrang. Wichtiger finde ich es, bei den Dingen, bei denen wir so gut wie keine Einschränkungen machen müssen, zu beginnen – keine Extra-Tüten aus dem Supermarkt mitzunehmen, Obst und Gemüse weitestgehend lose zu kaufen und doppelt und dreifach verpackte Dinge zu boykottieren. Damit hat man viel getan und muss sich das Leben dennoch nicht unnötig schwer machen. Denn meiner Meinung nach kann man Dinge nur nachhaltig umsetzen, wenn man sie auch wirklich gut in den Alltag integrieren kann. Sonst verwirft man sie irgendwann wieder – und damit wäre niemandem geholfen.

Was denkt ihr? Habt ihr euch schon einmal Gedanken über ein ökologisches stilles Örtchen gemacht? Findet ihr es in Ordnung, auch einmal der Bequemlichkeit den Vorzug zu geben? Ich bin schon gespannt auf eure Antworten!

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Mein (fast) plastikfreies Leben – Keine Plastiktüte, bitte!

Keine Plastiktüte, bitte! oder: Wie ich lernte, freundlich Nein zu sagen und dabei eine Diskussion in Gang zu setzen. Jahrelang war ich es zwar gewohnt, meinen Jutebeutel für den Einkauf…

Keine Plastiktüte, bitte! oder: Wie ich lernte, freundlich Nein zu sagen und dabei eine Diskussion in Gang zu setzen.

Jahrelang war ich es zwar gewohnt, meinen Jutebeutel für den Einkauf im Supermarkt zu benutzen, alle anderen Plastiktüten waren für mich aber in Ordnung. Ich nutzte sie als Mülltüten, machte mir wenig Gedanken und verdrängte das Problem in meinem Schrank voller Plastiktüten – auch wenn ich stets mehr Mülltüten als Müll hatte.

Mit dem „Plastikfasten“ setzte ein Umdenken bei mir ein. Zum ersten Mal ging ich in ein Buchgeschäft, ohne es mit einer Plastiktüte zu verlassen. (Ja, ich erkläre mich für schuldig. Ich bin besessen von Buchläden und sollte aus eigenem Schutz von ihnen fern gehalten werden.) Die Verkäuferin war so schnell, dass sie mir meine neueste literarische Errungenschaft in eine Tüte gepackt hatte, bevor ich etwas dagegen sagen konnte. Etwas zögerlich holte ich meinen Jutebeutel hervor und bat sie, das Buch heraus zu nehmen. Ich erklärte ihr, dass ich gerade „plastikfasten“ würde und die Tüte daher nicht annehmen könnte – ihre Reaktion: Unverständnis. „Aber dann wird das Buch doch nass“, entgegnete sie mir fast ein wenig vorwurfsvoll. Ich zeigte ihr wortlos meinen tropfenden Regenschirm, sie zuckte etwas beleidigt mit den Schultern und ich verließ den Laden mit hochroter Birne.

Diese Situation sollte sich in der Zukunft noch einige Male wiederholen. Meist sind die Verkäufer so routiniert und schnell, dass man sie bitten muss, die Ware wieder aus der Tüte zu nehmen. Das mache ich mittlerweile zum Glück, ohne dass es mir peinlich ist. Am Anfang versuchte ich noch, Leute von meiner Idee zu überzeugen und erzählte ihnen sofort und ungefragt, dass ich versuchen würde, ohne Plastik auszukommen. Damit traf ich zwar oft auf tolle Reaktionen, genauso häufig aber auch auf Unverständnis – gerade bei Personen, die sich eben noch nicht so sehr mit dem Thema Plastikmüll auseinandergesetzt haben. Vielleicht klingt „Plastikfasten“ für den einen oder anderen etwas zu extrem, vielleicht schwingt für sie auch der erhobene Zeigefinger mit – ich weiß es nicht. Was mir jedoch bewusst wurde: Man lässt die Verkäufer mit einem Fragezeichen im Gesicht, im schlimmsten Falle sogar mit dem Gefühl, unfreundlich behandelt worden zu sein, im Laden stehen. Genau das wollte ich verhindern.

Wie bei den Plastikbestandteilen in Einmachglasdeckeln, einem Thema meines letzten Kolumnenbeitrags, komme ich daher auch diesmal zu einem eher pragmatischen Schluss. Ich sage einfach: „Nein, danke. Ich habe schon so schrecklich viele Plastiktüten zu Hause.“ Aus irgendeinem Grund scheint diese Aussage ein wahrer Eisbrecher zu sein. Fast immer entgegnen mir die Verkäufer, dass es ihnen genauso geht. Oft schließt sich daran sogar eine wirklich konstruktive Diskussion an.

Das ist auch mein Tipp an alle, die es mir gleich tun wollen. Wenn man selber ohne Plastik auskommen will, setzt man sich selbstverständlich sehr damit auseinander und denkt viel daran. In dem ganzen Eifer will man seine Überzeugung natürlich an andere weitergeben – man muss nur sehr aufpassen, dass man nicht zu übereifrig daher kommt, sonst wird die Diskussion oft bereits im Keim erstickt. Ein vorsichtiges Herantasten über ein recht unverfängliches Thema wie „Wir haben viel zu viele Plastiktüten zu Hause.“ funktioniert oft besser als den Leuten ins Gesicht zu sagen „Ich lebe ohne Plastik“.

Wie seht ihr das, ist es euch auch schon einmal so gegangen, zum Beispiel auch bei den Themen Vegetarismus und Veganismus? Würdet ihr genauso handeln oder bevorzugt ihr eine offensivere Herangehensweise?

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selber. machen. denken

Stell dir vor, du hast zu einem gemütlichen Filmabend eingeladen, sogar irgendwo einen Beamer organisiert um das echte Kinofeeling zu kreieren. Chips und Dips und Popcorn stehen bereit, die DVD…

Stell dir vor, du hast zu einem gemütlichen Filmabend eingeladen, sogar irgendwo einen Beamer organisiert um das echte Kinofeeling zu kreieren. Chips und Dips und Popcorn stehen bereit, die DVD ist mittels Konsensentscheidung (Oh, dazu bald einmal mehr) ausgewählt und alle warten gespannt. Und dann – die DVD hakt, obwohl sie ganz neu ist. Muss am Player liegen. Drei andere Menschen versuchen es, aber die beste Technikaura bringt nichts, der Player ist kaputt. „Weiß irgendjemand auf die Schnelle, wie der repariert werden könnte?“ „Äh, nee. Musste halt zu Mediamarkt, aber da kannste dir dann auch gleich nen Neuen kaufen.“ Deine Gäste sind ganz cool mit der Sache und entscheiden, dann eben noch feiern zu gehen. Dir hat das ganze Ding aber ordentlich die Laune strapaziert. „Ja, nächstes Mal dann, aber wie kann es denn sein, dass so ein kleines technisches Teufelsding mich so zum Narren macht? Wahrscheinlich hängt nur irgendwo ein Kabel schief, aber was weiß ich schon. Und überhaupt, warum weiß ich das nicht? Und was hat mir technischer Fortschritt und Spezialisierungswahn noch alles abgenommen?“

„Wieso genommen? Uns ist heute doch so viel möglich, daran war nie zu denken, nicht mal in den Science-Fiction-Romanen unserer Kindheit. Computer, die so einfach zu bedienen sind, dass so gut wie alle Menschen diese nutzen können; die Möglichkeit für Familien und Freunde über unfassbar weite Entfernungen miteinander in Kontakt zu bleiben; die Welt zu entdecken, ohne dafür Jahre auf Schiffen unterwegs zu sein; unabhängig von Ort und Zeit miteinander zu kommunizieren, Gleichgesinnte zu finden und sich zu organisieren; Autos, die mit Strom oder Mais fahren; kleine Minicomputer, die alles Wichtige deines Lebens in deiner Hosentasche speichern können; stylische Klamotten, die mensch sich auch leisten kann; die Möglichkeit auch um 22 Uhr noch dein neues Lieblingsobst für das morgige Frühstück kaufen zu können – du verstehst was ich meine?“

„Ja, ich verstehe. Und trotzdem! Ganz abgesehen von den Produktionsbedingungen und der Chemie auf meiner Haut, lasse ich mir von H&M vorschreiben, was für Klamotten ich tragen kann. Ich treffe eine Wahl aus einer nicht von mir getroffenen Wahl und manchmal ist das ein echt beschissener Kompromiss. Ich kann mit dir reden, egal, wo auf der Welt du und ich gerade sind. Das ist großartig, aber auch Google und die NSA und was weiß ich noch wer, wissen wo wir sind und wo wir hinwollen. Maracuja ist eindeutig das leckerste Obst, das ich kenne, aber ich hab keine Ahnung wie die Apfelsorte heißt, die bei mir vorm Haus steht. Ich bin superfroh darüber, dass auch meine Mama durch die intuitive Oberfläche ihres Betriebssystems gern die Möglichkeiten des Internets nutzt und Spaß daran hat, Neues zu entdecken, aber mir wird mulmig bei dem Gedanken, dass weder sie noch ich wirklich verstehen und kontrollieren können, was da in diesen Datennetzen wirklich abgeht.
Ich fühle mich manchmal echt machtlos! Ich muss darauf vertrauen, dass da Menschen (oder Dinge?) am Werk sind, die es gut mit mir und der Welt meinen, die mir helfen, wenn das Fernlicht meines Autos kaputt ist, die meinen DVD-Player reparieren und mich nicht zu einem Neukauf überreden, nur weil es für sie rentabler ist. Ich bin so verstrickt in die Strukturen in meinem Alltag und erlebe Bedürfnisse und Wünsche als meine, die mir in einigen lichten Momenten doch eher fremd vorkommen. Ich will das nicht mehr.

Ich hab Bock. Ich hab Bock selber zu denken. Ich will Dinge verstehen und selber machen können. Ich möchte anderen mein Wissen weitergeben können, anstatt mich zu freuen, dass ich mehr weiß, mehr kann und vielleicht sogar mehr Chancen habe als sie. Und was ich nicht verstehen kann, bin ja nu keen Superbrain, das will ich zumindest immer mal wieder kritisch hinterfragen oder schauen, ob ich darauf in meinem Leben und in meinem Glücklichsein wirklich so angewiesen bin. Ich mag Ohnmacht und Unmündigkeit nicht. Ich hab doch eine Stimme und graue Zellen zum Denken und eine Bauch-Herz-Connection für das wirklich Wichtige. Und ich hab Bock auf andere Menschen, die sich auch Fragen stellen, die selber denken und lernen wollen und denen das Leben auf diesem Planeten am Herzen liegt, denn ich glaube gemeinsam geht da was; mehr als ich mir allein vorstellen kann. So stell‘ ich mir übrigens Demokratie vor. Wieso Herrschaft? Es geht um Selbstermächtigung, Teilhabe und Gerechtigkeit.“ „Klingt voll nach ’nem Plan. Du solltest darüber schreiben.“ Mach ich! Hier. Für euch. Und nun gehen wir feiern und beim nächsten Mal gibt es eine gepflegte Runde Munchkin.

Dies war Ausgabe 1 der Kolumne Anie will selber. machen . denken

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Mein (fast) plastikfreies Leben – Wo steckt überall Plastik drin? Einstieg in die Verwirrung.

Bei meinem allerersten plastiklosen Einkauf stürzte ich mich voller Eifer, Optimismus und bepackt mit Jutetüten in die Geschäfte. So schwer kann das doch wohl nicht sein, dachte ich mir. Als…

Bei meinem allerersten plastiklosen Einkauf stürzte ich mich voller Eifer, Optimismus und bepackt mit Jutetüten in die Geschäfte. So schwer kann das doch wohl nicht sein, dachte ich mir. Als ich zu Hause meine Ausbeute näher begutachtete, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen: Ich bin reingelegt worden!

Aber jetzt noch einmal ganz von vorne. Mein erstes Ziel als plastikmeidende Konsumentin waren natürlich diverse Bioläden und Supermärkte. Entschlossen griff ich zu Pappschachteln, Papierbeuteln und Gläsern. Soweit so gut. Zu Hause angekommen wollte ich mich sofort über eine Packung Sojageschnetzeltes hermachen. Also riss ich die Pappschachtel auf und fand – drei Mal dürft ihr raten – in Plastik eingeschweißtes Soja. Mein Frust war riesig. Statt Verpackung zu sparen (früher griff ich immer zu Soja-Geschnetzeltem aus der Plastikverpackung), hatte ich doppelt so viel Müll produziert. Gleiches passierte mir bei drei weiteren Packungen. Immerhin hatte ich eines gelernt: Wenn man sicher gehen will, dass ein Produkt in einer Pappschachtel nicht doch noch eine zusätzliche Plastikschicht enthält, muss man es ordentlich schütteln. Der eine oder andere mag euch dabei vielleicht komisch anschauen, aber daran gewöhnt man sich – oder ihr fangt einfach mit der Packung in der Hand zu tanzen an. Das ist eine lohnenswerte, von mir erprobte Alternative.

Auch bei vermeintlichen Papierverpackungen muss man aufpassen. Einige sind innen noch mit einer Plastikfolie beschichtet. Das kommt zum Beispiel bei einigen Produkten wie Zucker, Tee oder Buchweizen vor. Dies kann man im Vorfeld leider ganz schwer feststellen. Wenn man die Verpackung ein wenig knautscht, hört man es unter Umständen. Auch ein Sichtfenster aus Plastik kann ein Hinweis darauf sein. Man muss allerdings aufpassen, dass man nichts kaputt macht, sonst muss man dafür zahlen. Oft hilft daher nur die Devise „Lerne aus deinen Fehleinkäufen!“ und der Vorsatz, die überflüssige Verpackung wenigstens zur Entsorgung im entsprechenden Laden zu lassen. In den meisten Supermärkten kann man Papier und Plastik in Recycling-Containern verstauen. Dann müssen sich die Betreiber mit dem Müllproblem auseinandersetzen. Wenn das viele Kunden machen, müssen die Supermärkte im Zweifelsfall sogar höhere Müllgebühren zahlen – und beim Geld hört für die meisten Unternehmen bekanntlich der Spaß auf.

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Der zweite große Schock kam für mich, als mir ein Bekannter davon erzählte, dass selbst meine geliebten Glasverpackungen nicht gänzlich ohne Plastik auskommen. Die meisten Deckel enthalten nämlich PVC. Das könnt ihr an der Gummierung auf der Innenseite des Deckels erkennen. Der einzige mir bekannte Hersteller, der darauf verzichtet, ist Zwergenwiese. Deren Aufstriche, Saucen und Senf-Sorten kann man also zum Glück reuelos genießen.

Aber was mache ich mit den restlichen Gläsern? Diese Frage quälte mich noch einige Tage. Das Problem ist, dass man gewisse Dinge einfach nicht 100 Prozent plastikfrei bekommt. Seien es Speiseöl-Flaschen, die eine Gießvorrichtung aus Plastik haben, Essigessenz-Reiniger mit Plastikkappe oder mein geliebtes Kokosfett im Glas mit PVC im Deckel – manchmal findet man leider einfach keine vollkommen perfekte Alternative. Aus diesem Grund beschloss ich, mich zwar weiterhin nach Produkten umzusehen, deren Verpackungen gänzlich ohne Plastik auskommen und so viel wie möglich selbst herzustellen, aber ich drücke in den oben genannten Fällen gezwungenermaßen auch einmal ein Auge zu. Schade, dass es für die Verpackungsbestandteile keine Kennzeichnungspflicht gibt. Immerhin kann man Gläser und Flaschen wunderbar wiederverwenden – zum Beispiel als Soßen- und Speisenbehälter, als Windlicht oder um seine eigenen Limonaden, Smoothies oder Kräuteröle zu machen.

Wie seht ihr das? Haltet ihr meinen Kompromiss für faul? Und wie erkennt ihr, ob eine Verpackung tatsächlich plastikfrei ist? Vielleicht habt ihr ja noch den einen oder anderen Tipp für mich parat.

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Mein (fast) plastikfreies Leben – Wieso, weshalb, warum

Leben ohne Plastik – wie soll das denn gehen? Diese Frage wurde mir in den vergangenen Jahren ziemlich oft gestellt. Denn seit Anfang 2013 versuche ich ohne Plastikverpackungen auszukommen. Das klappt nicht…

Leben ohne Plastik – wie soll das denn gehen? Diese Frage wurde mir in den vergangenen Jahren ziemlich oft gestellt. Denn seit Anfang 2013 versuche ich ohne Plastikverpackungen auszukommen. Das klappt nicht immer, aber immer öfter – und genau davon soll meine Kolumne handeln.

Ihr fragt euch, wie man auf so etwas kommt? Fangen wir einmal ganz von vorne an: Von Bananen in Plastikfolie und einzeln verpackten Chipstüten bis hin zu kostenlosen Plastiktüten, der Verpackungswahnsinn ist mir immer schon sauer aufgestoßen. Mein zugegeben etwas fauler Kompromiss: Die schlimmsten Auswüchse zu vermeiden und brav mit Jutebeutel einkaufen zu gehen, sonst aber nicht weiter über mein Handeln nachzudenken. Plastikverpackungen komplett zu vermeiden wäre mir nie in den Sinn gekommen – bis ich Werner Bootes Film Plastic Planet und eine Dokumentation über die österreichische Familie Krautwaschl und ihr Leben ohne Plastik sah.

Argumente gegen Plastik gibt und gab es immer schon viele – erinnert ihr euch an die „Jute statt Plastik“-Bewegung in den Siebzigern? -, aber selten wurden sie mir so deutlich vor Augen geführt wie in Plastic Planet. Die für mich wichtigsten Auswirkungen auf Umwelt und Mensch habe ich hier zusammengefasst:

Plastik verursacht Müll – egal wie man es drehen und wenden will. Selbst wenn man seinen Plastikmüll brav trennt, wird er nie komplett recycelt. In Deutschland und Österreich liegt die Recyclingquote zwar vergleichsweise hoch, doch selbst hierzulande werden laut Angaben der Europäischen Umweltagentur nur 62 beziehungsweise 63 Prozent recycelt – im Rest der EU ist es noch deutlich weniger. Trotz aller Recyclingbemühungen gelangt auch in unseren Gefilden immer noch genug Müll in die Umwelt – und genau damit beginnt das größte Problem: Plastik braucht einfach elendig lange um sich vollständig zu zersetzen. Als besonders schockierendes Beispiel führt einem das zum Beispiel der „Great Pacific Garbage Patch“ vor Augen, ein gigantischer Müllteppich im Nordpazifik. Die einzelnen Plastik-Bestandteile dieses Teppichs werden zum größten Teil von Land über die Flüsse hier hin gespült – viele legale und illegale Mülldeponien liegen in unmittelbarer Nähe zu Flüssen. Die Größe des „Great Pacific Garbage Patch“ wird auf einen Umfang von 700.000 bis 15.000.000 Quadratkilometer geschätzt. Man muss fast fragen: Wen wundert es, wenn zum Beispiel selbst eine kleine Plastikflasche bereits sage und schreibe 400 Jahre benötigt, um abgebaut zu werden? Plastiktüten, Netze und andere Kunststoffartikel kommen auf eine ähnlich lange Zeit und stellen eine große Gefahr für Meerestiere dar, die sich in ihnen verfangen und dort qualvoll verenden können.

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Bild: Thue / wikipedia.org

Besonders problematisch ist dabei, dass sich das Plastik in allerkleinste Nanopartikel auflöst – das so genannte Mikroplastik. Vor diesen winzigen Plastikteilen, die im Übrigen auch in Kosmetika und Zahnpasta zu finden sind, gibt es kein Entrinnen, noch nicht einmal Kläranlagen bekommen die Mini-Teilchen aus dem Wasser gefischt. Letztendlich landen sie in den Mägen von Vögeln oder Meerestieren, die daran auf schmerzhafte Weise verenden können – und finden dann durch den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten indirekt auch wieder den Weg in die Mägen der Menschen.

Noch ein wichtiger Punkt dürfte uns zu denken geben: Die vielen Zusatzstoffe im Plastik wirken toxisch auf Umwelt und Mensch. Sie lassen sich praktisch im Blut jedes Einzelnen von uns nachweisen und wirken ähnlich wie Hormone, weshalb sie das natürliche Hormonsystem empfindlich stören können. Unfruchtbarkeit, Übergewicht und sogar Krebs werden damit in Verbindung gebracht. Sind das fürs Erste genug Argumente?

Nachdem ich mich zum ersten Mal so bewusst mit diesen Fakten auseinandergesetzt hatte, war ich erschüttert. Viele Dinge hatten mir insgeheim gedämmert, aber selten hatte ich mein eigenes Verhalten so stark damit in Verbindung gebracht. Umso mehr beeindruckte es mich, mit welchem Tatendrang die besagte Familie Krautwaschl Plastik aus ihrem Alltag verdrängte. Auf einmal wusste ich: Es geht auch ohne Plastik. Am nächsten Tag ging ich in den Supermarkt, sah all die „liebevoll“ verpackten Dinge und ich wusste: Mir reicht’s!

So startete mein Projekt: Sechseinhalb Wochen wollte ich in der Fastenzeit auf Plastikverpackungen verzichten. Dafür gibt es „in Fachkreisen“ sogar schon einen Begriff: Plastikfasten. Die Resonanz meines Umfeldes war enorm. Auf all die neugierigen Fragen aus allen Ecken der Welt wollte ich unbedingt ausführlich antworten – und so entstand mein englischsprachiger Blog ingloriousplastics. Hier berichte ich über meine Erfahrungen, teile Tipps, Tricks sowie Koch- und Backrezepte.

Wie ihr seht: Das Plastikfasten hat mein Leben nachhaltig verändert. Das Thema hat mich auch nach dem „Fastenbrechen“ weiter beschäftigt und nach einer kurzzeitigen Rückkehr in alte Muster war ich mir sicher, ich möchte auch weiterhin so plastiklos wie möglich leben. Um meine Erfahrungen und Tipps noch stärker zu teilen und um euch einen ganz persönlichen Einblick in meinen chaotischen Alltag zu geben, möchte ich euch in meiner Kolumne „Mein (fast) plastikfreies Leben“ mit auf die Reise nehmen. Vielleicht wollt ihr in diesem Jahr auch einmal Plastikfasten? Könntet ihr euch das vorstellen?

Ich freue mich schon auf eure Kommentare!

10 Kommentare zu Mein (fast) plastikfreies Leben – Wieso, weshalb, warum

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