Ich war nie eine richtige Sportskanone, aber ich habe doch so einige Sportarten betrieben – nicht alle mit durchschlagendem Erfolg, doch immer mit jeder Menge Spaß an der Bewegung. Von Basketball zu Volleyball über Tischtennis bis zu Kung Fu, diversen Yoga-Arten und Klettern haben sich über die Jahre so einige Sportarten angesammelt.

klettern-flakturm-wien

Dann kam The bird’s new nest und mit diesem Projekt 14-Stunden-Tage, oft sieben Tage die Woche. Natürlich war mir bewusst, dass ständiges Sitzen am Computer ohne entsprechenden Ausgleich nicht gerade gesund ist, aber diese Gedanken wurden von mir erfolgreich ignoriert. Nach zwei Jahren durchgehenden Arbeitens ohne einen Tag Urlaub waren die Folgen meiner mangelnden Bewegung aber doch zu deutlich. Ich hatte einerseits starke Rückenschmerzen, andererseits hatte ich einige Kilos zugelegt, sodass das Anziehen ehemals gut sitzender Jeans jetzt zu einer sportlichen Herausforderung wurde.

Das, was mich aber am meisten beunruhigt hat war, dass die Mobilität meiner linken Körperhälfte auf einmal eingeschränkt war. Nicht verwunderlich, wenn man die Maus immer auf der rechten Seite der Tastatur positioniert hat und deshalb auch ständig etwas schief im Bürostuhl sitzt. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich den Kopf nicht mehr weit nach links drehen konnte, genauso wie auf einmal die Beweglichkeit meiner linken Hüfte deutlich eingeschränkt war. Einfache Positionen wie der Schneidersitz waren auf einmal wie Akrobatik und ziemlich schmerzhaft. Zu guter Letzt fühlte ich mich durch die ständige Arbeit ohne längere Erholungszeiten auch ziemlich gestresst und unausgeglichen – auch seelisch bekam ich die mangelnde körperliche Bewegung immer mehr zu spüren. Das alles war für mich nun doch ein deutliches Alarmsignal, dass unbedingt wieder regelmäßiger Sport einen Fixplatz in meinem Leben bekommen musste.

Nach diesem Entschluss stand schon die nächste große Frage an: Welche Sportart sollte es denn nun werden? Sie sollte herausfordernd sein, weil ich mir durch meinen vollen Zeitplan nur ein Mal die Woche Zeit nehmen konnte und wollte. Man sollte dazu keine zweite Person brauchen wie beim Klettern, diese zuletzt von mir betriebene Sportart schied aus dem Grund schon aus. Genauso wie Tischtennis und Teamsportarten wie Basketball oder Volleyball. Man sollte aber trotzdem unter anderen Menschen sein, Laufen und Joggen fiel hier aus, außerdem – sorry, liebe passionierte Läufer – habe ich immer wieder versucht, Freude an dieser Sportart zu finden und mich jedes Mal entsetzlich gelangweilt. Der Entspannungseffekt sollte natürlich auch nicht fehlen, hier schied nun Kung Fu aus – hohe Kicks und Flugrollen sind zwar cool, aber definitiv nicht entspannend. Bleibt… Yoga. Doch die Yoga-Arten, die ich bis jetzt gemacht habe – Hatha und Kundalini – waren mir nicht herausfordernd genug. Bis auf… Bikram Yoga!

bikram-yoga-wien-sued-2

Bikram Yoga, auch Hot Yoga genannt, ist eine Serie von 26 Yoga- und zwei Atemübungen, die in einem rund 40 Grad warmen Raum praktiziert werden. Jede Einheit dauert 90 Minuten. Also im Prinzip die perfekte Mischung. Durch die hohe Raumtemperatur ist Bikram Yoga auf jeden Fall eine Herausforderung. Man benötigt keine zweite Person oder sogar ein ganzes Team, aber man ist trotzdem unter Menschen. Die Hitze ist für mich aber nicht nur eine Herausforderung, sondern wirkt auf mich sehr entspannend. Kaum an einem anderen Ort komme ich so gut zur Ruhe wie in der Sauna, im Sommer im Freien liegend oder eben beim Hot Yoga. Und noch etwas sprach für Bikram Yoga – vor einiger Zeit hat in meiner Nähe Bikram Yoga Wien Süd eröffnet. Also alles klar, oder?

Leider waren die Anlaufschwierigkeiten doch grösser als gedacht. Denn eigentlich wollte ich im Zuge meines Neujahrsvorsatzes, wieder Sport zu machen, schon im Januar erneut mit Bikram Yoga anfangen. Aber natürlich gab es immer einen guten Grund, nicht zu beginnen. Zu viel zu tun die eine Woche, sich nicht motiviert fühlen in der nächsten. Und außerdem: Bikram Yoga war schon ziemlich anstrengend, schaffe ich das überhaupt nach über zwei Jahren kompletter Sportabstinenz? Zu meinem Wiedereinstieg brachte mich dann nicht meine überragende Disziplin, sondern die Tatsache, dass mein Gutschein für fünf Einheiten in besagtem Studio am Verfallen war. Nun, besser so als gar nicht.

Meine Befürchtungen betreffend der ersten Wiedereinstiegs-Einheit waren tatsächlich völlig unbegründet. Die 90 Minuten waren zwar sehr anstrengend, aber trotz meiner langen Pause waren manche Asanas für mich leichter als ich es in Erinnerung hatte. Außerdem hatte ich meine Wasserflasche vergessen und habe mich spontan dazu entschlossen, kein Wasser zu kaufen, sondern es einfach ohne zu probieren. Auch das funktionierte ohne Probleme, seitdem verzichte ich komplett auf Wasser während der Einheiten. Dass ich schon lange keinen Sport mehr gemacht hatte, bekam ich aber direkt nach dem Yoga zu spüren. Ich war so müde und erschöpft, als hätte ich fünf Stunden Bikram Yoga gemacht, aber es fühlte sich unglaublich gut an. Danach war ich aber zu nichts anderem mehr fähig, als mich in die heiße Badewanne zu legen. Und dann ging es nur noch am kürzesten Weg ab ins Bett.

Der Muskelkater am nächsten Tag war ebenfalls viel weniger schlimm als gedacht, auch hier war es eher ein gutes Gefühl, endlich wieder genug Bewegung gemacht zu haben, um überhaupt etwas Muskelkater zu bekommen. Nach dieser ersten Einheit trug ich mir die restlichen vier Mal Bikram Yoga für jede Woche fix in den Kalender ein. Nach den fünf Einheiten Bikram Yoga waren meine Rückenschmerzen tatsächlich verschwunden. Meine Immobilität auf der linken Seite war zwar nicht weg, aber ich merkte eine leichte Verbesserung. Und ich fühlte mich definitiv ausgeglichener und weniger gestresst. Deshalb war für mich absolut klar: Ich mache weiter!

bikram-yoga-camel-pose

Nach rund zehn Einheiten hat sich mittlerweile auch meine Figur deutlich gestrafft und meine Jeans sitzen wieder besser. Ich fühle mich fitter und freue mich über die schon so früh eingetretenen positiven Effekte. Außerdem habe ich durch Bikram Yoga immer wieder interessante Erkenntnisse. Wie zum Beispiel dass ich für mich schwierige Asanas nicht schaffe, wenn ich Angst davor habe oder denke, dass ich die Position nicht gut halten kann. Als Experiment habe ich mir kürzlich vor der für mich schwierigsten Position, der Camel Pose – siehe Bild – gesagt: „Ich probiere die Asana einfach, es wird schon irgendwie gehen.“ Und auf einmal war die Position kein so großes Problem mehr. Meine Erkenntnis: Man kann sich Erfolg oder Probleme einfach her- oder auch wegdenken. Die eigene Einstellung zu einer Sache ist das wesentlichste Kriterium.

Habt ihr Fragen zu Bikram Yoga? Stellt sie einfach in den Kommentaren!

Teile diesen Beitrag auf...