Eco. Life. Style.

Autor: Jenny

Roland Düringers Weg zu einem guten Leben und was wir daraus lernen können

Er verzichtet auf Handy, Bankomatkarte*, fährt (weitgehend) Bahn, meidet Supermärkte und hat darin seine Erfüllung gefunden. Roland Düringer erwähnt oft das „gute Leben“ als erstrebenswertes Ziel und betrachtet seine als…

Er verzichtet auf Handy, Bankomatkarte*, fährt (weitgehend) Bahn, meidet Supermärkte und hat darin seine Erfüllung gefunden. Roland Düringer erwähnt oft das „gute Leben“ als erstrebenswertes Ziel und betrachtet seine als Experiment gestartete Lebensänderung nun als eben dieses. Als gutes Leben.

In seinem Buch Leb wohl, Schlaraffenland erzählt er über seinen Weg, welche Erlebnisse ihn geprägt haben und beschäftigen. Von manchen Menschen wird er als „Öko-Spinner“ abgetan, anfangs wurden Gerüchte in die Welt gesetzt, er lebe im Wald und verrichte auch ausschließlich dort seine Notdurft. Man ging davon aus, den Roland Düringer, den ganz Österreich als motorfanatischen Kabarettisten kannte, gäbe es nun nicht mehr. Das ist allerdings ganz und gar unwahr. Er distanziert sich in keinster Weise von dem, was er ist und immer war. Er lebt ein gänzlich normales, zivilisiertes Leben – zwar ziemlich fern von zeitgemäßen Luxusgütern, gönnt sich jedoch Ausnahmen. Sei es der Bequemlichkeit halber oder wenn er beispielsweise das Auto wegen schwerer Transporte verwenden muss und es daher schlicht und ergreifend unmöglich ist.

Zu Beginn des Selbstversuches startete er ein Videotagebuch auf der Seite www.gueltigestimme.at das er– auch lange nach dem eigentlichen Experiment – weiterführt und darin von Dingen erzählt, die ihm wichtig erscheinen. Er bezeichnet seinen Lebensstil nicht mehr als einen Versuch, nein, das sei jetzt sein Leben. Und bei näherer (oder auch ferner) Betrachtung möchte man seinen inneren Hut vor ihm ziehen, allein wegen seiner selbst und wie er das Leben, das er vorerst nur ausprobieren wollte, nun verinnerlicht hat.

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht und sich nicht vor allem verschließt, was schlecht läuft, lässt sich inspirieren. Überdenkt gewisse Lebensmuster, die uns aufoktroyiert werden, durch die Wirtschaft, durch die Schnelllebigkeit der Zeit und durch unser Umfeld. „Der Düringer kann sich’s halt leisten, unsereins kann ja nicht einfach so sein Leben ändern und wie früher leben!“ hört und liest man oft in Bezug auf seine Umsetzung. Sieht man jedoch näher hin und überlegt, wie dieses Überdenken des gewohnten Systems auf das eigene, finanziell vielleicht nicht so privilegierte Leben umzulegen wäre, kommt man zu der Erkenntnis, dass vieles von dem durchaus möglich wäre. Es geht vor allem um Abhängigkeiten, um die Freiheit, das Leben nicht von Technik und Druck beherrschen zu lassen.

Ein weiterer Punkt, den Düringer verteufelt, ist die Sucht nach Messbarkeit. Alles müsse in Zahlen dargestellt sein, um echt zu sein. Wenn wir ehrlich sind, befindet sich jeder von uns bis zu einem gewissen Grad in diesem Hamsterrad. Ein Beispiel: Ich spaziere an einem herrlich sonnigen Frühlingstag im Wald und mir fällt auf, dass es außerordentlich warm ist. Sofort zücke ich das iPhone und tippe auf die App „Wetter“. Jetzt weiß ich, dass es zwölf Grad Celsius hat. Fein. Fühlt es sich deshalb besser an? Ist es deswegen noch wärmer oder ist die Wärme dadurch wertvoller? Hätte ich die zwei Minuten, die mich der Vorgang des Messens gekostet hat, einfach tief Luft geholt und die wundervollen Gerüche und die Sonne genossen, hätte das nicht mehr Wert gehabt?

Eine von Düringers dringlichsten Fragen ist: Wo ist die Zeit, die wir durch all die modernen Geräte sparen? Alles Neue ist auf Zeitersparnis ausgerichtet, doch die Leute klagen stets über zu wenig davon. Er behauptet, diese Zeit gefunden zu haben. Allein dadurch, die zeitersparenden Dinge wegzulassen. Das wäre eine genauso logische wie unlogische Rechnung. Klingt komplex und irgendwie auch nicht. So strikt seine Einstellung auch klingen mag, er lässt andere Meinungen und andere Lebensweisen zu. Er ist nicht daran interessiert, die Menschen zu missionieren oder von seinem Wandel zu überzeugen. Auch Ausnahmen sind okay, er fährt mit dem Auto zum Bahnhof und sieht auf dem Smartphone nach, wann der nächste Zug fährt. Doch er schätzt diese Hilfsmittel als eben solche und nicht als Alltagsgegenstände. Vielleicht ist genau das der Schlüssel zum Geheimnis des guten Lebens und der verbleibenden Zeit, die er gefunden hat. Dass Alltag nicht aus Smartphone, Fernseher, Auto, Social Networks und Internet besteht. Sein Alltag besteht aus direkter, echter Kommunikation, aus der Wahrnehmung von vielen kleinen, wunderbaren Dingen und dem Bewusstsein echter Werte. Wie auch immer man Roland Düringer betrachten mag, eine Frage stellt sich in jedem Fall: Er hat doch recht, oder? Was meint ihr?

*EC-Karte

3 Kommentare zu Roland Düringers Weg zu einem guten Leben und was wir daraus lernen können

Was möchtest du finden?