Eco. Life. Style.

Autor: Anie

Vegane Superfoods – Super lecker!

Ein Kochbuch mit einem Making-Of-Video? Vielleicht ist es auch ein Fotoband. Oder ein Reisebericht. Oder von allem ein bisschen. Von allem das Beste ist das Ergebnis meiner Rechnung (die gebundene Ausgabe…

Ein Kochbuch mit einem Making-Of-Video? Vielleicht ist es auch ein Fotoband. Oder ein Reisebericht. Oder von allem ein bisschen. Von allem das Beste ist das Ergebnis meiner Rechnung (die gebundene Ausgabe „Vegane Superfoods“ von Surdham Göb kostet im Handel um die 19,90 Euro). Dieses Buch war mein Glücksfall des noch jungen Jahres und ihr sollt erfahren warum.

Seit einigen Jahren sprießen auf der Kochbuchlichtung im großen Buchmarktwald immer mehr vegetarische und vegane Rezeptsammlungen aus dem Boden. Das ist gut so und ich versinke auch gerne in der Buchhandlung meines Vertrauens, um in den vielen Schönheiten zu blättern. Selten aber kaufe ich eines. Oft gleichen die Rezepte einander zu sehr, als dass es sich lohnte das eine, tolle Buch in meinem Schrank durch ein neues zu ergänzen. Manchmal, und das ist das Schlimmste, das einem Kochbuch passieren kann, sind die Bilder einfach nicht schön. Nicht schön bis latent unappetitlich. Bücher dieser Art schlage ich sofort wieder zu. Vielleicht liegt es an meinem ausgeprägten Faible für gute Foodfotografie, aber mal ehrlich: Ein Kochbuch mit schlechten Bildern? Wer liest das gern?

Sammlungen, die ihren Fokus darauf legen, zu zeigen mit welchen Zutaten man Fleisch möglichst unauffällig ersetzen kann, langweilen mich auch schnell. Sie haben ihre Berechtigung, keine Frage. Ich aber möchte kochen und Geschmäcker entdecken, ohne das Fehlen von Fleisch (und anderen tierischen Produkten) kaschieren zu müssen. Gut, nun wisst ihr, was mich ein Veggie-Kochbuch wieder ins Verkaufsregal stellen lässt. Aber ich habe ja eines gekauft. Warum? Liebe auf den ersten Blick. Nee, das ist zu pathetisch. Hunger auf den ersten Blick. Appetit. Und ein höher schlagendes Fotografinnenherz. Das mag es gewesen sein. Surdham Göb hat mit seinem Team ein durch und durch besonderes Bucherlebnis geschaffen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich schon einige furchtbar leckere Rezepte ausprobieren konnte, die weder meinen Geldbeutel noch mein Zeitkonto noch meine Kochkünste überstrapaziert haben (ich empfehle besonders: Veggy-Burger mit Avocadocreme auf Seite 106). Außerdem ist es schon ein Genuss dieses Buch durchzublättern und auf jeder Seite neu zu denken „Oh mein Gott, wie schön!“ und zu spüren, wie viel Herzblut in diesem Konzept steckt.

Großartige Fotografie von Oliver Brachat (übrigens auch gelernter Koch) nimmt mich mit nach Bali, wo dieses Buch entstanden ist und auf einmal finde ich mich auf einem riesigen Markt wieder, bin überwältigt von den Farben und Gerüchen, höre Menschen lachen und möchte mich mit dem Koch auf das Moped schwingen um den Rest des Tages in der kleinen, improvisierten Küche zu verbringen. Ja, dieses Buch ist auch ein bisschen Reisebericht. Der Bericht einer Lebensreise durch viele kulinarische Welten und Surdham Göb ist nicht gerade geizig mit seinen Inspirationen. Gut für mich, denn wenn ich irgendwann mal wieder keine Lust habe zu kochen, habe ich jetzt ein kleines Wundermittel im Schrank stehen. Ich bin ich einfach nur begeistert. Vielleicht seid ihr es ja auch bald.

Für alle, die einen Ausflug nach München für machbar halten: Surdham Göb lebt hier und erteilt Kochkurse sowie Vorträge über veganes Kochen und nachhaltige Lebensführung. Zu guter Letzt: Schaut euch das Video an, es spiegelt so sehr die Atmosphäre des Buches wider. Aber Achtung: Fernwehgefahr. Lasst es euch schmecken!

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selber. machen. denken

Stell dir vor, du hast zu einem gemütlichen Filmabend eingeladen, sogar irgendwo einen Beamer organisiert um das echte Kinofeeling zu kreieren. Chips und Dips und Popcorn stehen bereit, die DVD…

Stell dir vor, du hast zu einem gemütlichen Filmabend eingeladen, sogar irgendwo einen Beamer organisiert um das echte Kinofeeling zu kreieren. Chips und Dips und Popcorn stehen bereit, die DVD ist mittels Konsensentscheidung (Oh, dazu bald einmal mehr) ausgewählt und alle warten gespannt. Und dann – die DVD hakt, obwohl sie ganz neu ist. Muss am Player liegen. Drei andere Menschen versuchen es, aber die beste Technikaura bringt nichts, der Player ist kaputt. „Weiß irgendjemand auf die Schnelle, wie der repariert werden könnte?“ „Äh, nee. Musste halt zu Mediamarkt, aber da kannste dir dann auch gleich nen Neuen kaufen.“ Deine Gäste sind ganz cool mit der Sache und entscheiden, dann eben noch feiern zu gehen. Dir hat das ganze Ding aber ordentlich die Laune strapaziert. „Ja, nächstes Mal dann, aber wie kann es denn sein, dass so ein kleines technisches Teufelsding mich so zum Narren macht? Wahrscheinlich hängt nur irgendwo ein Kabel schief, aber was weiß ich schon. Und überhaupt, warum weiß ich das nicht? Und was hat mir technischer Fortschritt und Spezialisierungswahn noch alles abgenommen?“

„Wieso genommen? Uns ist heute doch so viel möglich, daran war nie zu denken, nicht mal in den Science-Fiction-Romanen unserer Kindheit. Computer, die so einfach zu bedienen sind, dass so gut wie alle Menschen diese nutzen können; die Möglichkeit für Familien und Freunde über unfassbar weite Entfernungen miteinander in Kontakt zu bleiben; die Welt zu entdecken, ohne dafür Jahre auf Schiffen unterwegs zu sein; unabhängig von Ort und Zeit miteinander zu kommunizieren, Gleichgesinnte zu finden und sich zu organisieren; Autos, die mit Strom oder Mais fahren; kleine Minicomputer, die alles Wichtige deines Lebens in deiner Hosentasche speichern können; stylische Klamotten, die mensch sich auch leisten kann; die Möglichkeit auch um 22 Uhr noch dein neues Lieblingsobst für das morgige Frühstück kaufen zu können – du verstehst was ich meine?“

„Ja, ich verstehe. Und trotzdem! Ganz abgesehen von den Produktionsbedingungen und der Chemie auf meiner Haut, lasse ich mir von H&M vorschreiben, was für Klamotten ich tragen kann. Ich treffe eine Wahl aus einer nicht von mir getroffenen Wahl und manchmal ist das ein echt beschissener Kompromiss. Ich kann mit dir reden, egal, wo auf der Welt du und ich gerade sind. Das ist großartig, aber auch Google und die NSA und was weiß ich noch wer, wissen wo wir sind und wo wir hinwollen. Maracuja ist eindeutig das leckerste Obst, das ich kenne, aber ich hab keine Ahnung wie die Apfelsorte heißt, die bei mir vorm Haus steht. Ich bin superfroh darüber, dass auch meine Mama durch die intuitive Oberfläche ihres Betriebssystems gern die Möglichkeiten des Internets nutzt und Spaß daran hat, Neues zu entdecken, aber mir wird mulmig bei dem Gedanken, dass weder sie noch ich wirklich verstehen und kontrollieren können, was da in diesen Datennetzen wirklich abgeht.
Ich fühle mich manchmal echt machtlos! Ich muss darauf vertrauen, dass da Menschen (oder Dinge?) am Werk sind, die es gut mit mir und der Welt meinen, die mir helfen, wenn das Fernlicht meines Autos kaputt ist, die meinen DVD-Player reparieren und mich nicht zu einem Neukauf überreden, nur weil es für sie rentabler ist. Ich bin so verstrickt in die Strukturen in meinem Alltag und erlebe Bedürfnisse und Wünsche als meine, die mir in einigen lichten Momenten doch eher fremd vorkommen. Ich will das nicht mehr.

Ich hab Bock. Ich hab Bock selber zu denken. Ich will Dinge verstehen und selber machen können. Ich möchte anderen mein Wissen weitergeben können, anstatt mich zu freuen, dass ich mehr weiß, mehr kann und vielleicht sogar mehr Chancen habe als sie. Und was ich nicht verstehen kann, bin ja nu keen Superbrain, das will ich zumindest immer mal wieder kritisch hinterfragen oder schauen, ob ich darauf in meinem Leben und in meinem Glücklichsein wirklich so angewiesen bin. Ich mag Ohnmacht und Unmündigkeit nicht. Ich hab doch eine Stimme und graue Zellen zum Denken und eine Bauch-Herz-Connection für das wirklich Wichtige. Und ich hab Bock auf andere Menschen, die sich auch Fragen stellen, die selber denken und lernen wollen und denen das Leben auf diesem Planeten am Herzen liegt, denn ich glaube gemeinsam geht da was; mehr als ich mir allein vorstellen kann. So stell‘ ich mir übrigens Demokratie vor. Wieso Herrschaft? Es geht um Selbstermächtigung, Teilhabe und Gerechtigkeit.“ „Klingt voll nach ’nem Plan. Du solltest darüber schreiben.“ Mach ich! Hier. Für euch. Und nun gehen wir feiern und beim nächsten Mal gibt es eine gepflegte Runde Munchkin.

Dies war Ausgabe 1 der Kolumne Anie will selber. machen . denken

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