Wo ich in Bhutan ein Stück Glück gefunden habe

Friday 18th, January 2013 / 13:21 von
Wo ich in Bhutan ein Stück Glück gefunden habeAlle Bilder: Doris

So, ja, genauso habe ich mir das vorgestellt! Erschöpft und zufrieden zugleich starre ich ins Nichts, auf die Silhouette der Berge rings um mich und hinunter auf den steilen Sandweg, von dem wir gekommen sind. Schweißperlen tropfen mir von der Nase, die Ärmeln meines Funktionsshirts habe ich hoch gestrickt und die drei weiteren Schichten endlich einmal ausziehen können. Zum ersten Mal, seitdem ich vor einigen Tagen im winterlich-kalten Königreich Bhutan angekommen bin! Und es ist auch das erste Mal seit meiner Ankunft, dass ich mich in diesem “Land des Donnerdrachen” so richtig glücklich fühle.

Gleich nach dem Frühstück sind wir aufgebrochen, um eine Halbtageswanderung zu einem Meditationszentrum in den Bergen nahe der Hauptstadt Thimphu zu unternehmen. Statt mit dem Auto von einer bhutanischen Festung und jetzigem Verwaltungssitzen, den sogenannten Dzongs, zum nächsten Kloster gebracht zu werden, steht heute endlich einmal ein bisschen Bewegung auf dem Plan. Bisher hat uns unser Guide samt Chauffeur bei jeder kleinsten Distanz ins Auto geladen und bei der Sehenswürdigkeit wieder abgesetzt. Ob das daran liegt, dass die Bhutaner der Ansicht sind, Gehen sei schädlich – zumindest für uns TouristInnen? Oder ob es viel eher damit zu tun hat, dass die Gäste in Bhutan üblicherweise in die Altersklasse 50+ fallen? Egal, heute wird marschiert!

Statt TouristInnen kommen uns hier nur Mönche entgegen. Foto: Doris

Nicht nur aufs Gehen freue ich mich, sondern endlich einmal auf Natur. Bisher waren wir ausschließlich in Städten unterwegs. Gut, Thimphu mag zwar mit seinen 80.000 EinwohnerInnen keine Metropole sein, einer richtigen Stadt gleicht sie durchaus. Internationale Küche neben bhutanischen Ständen; Shops, die unseren billig-Asia-Läden gleichen; westlich gekleidete Jugendliche mit Sonnenbrille zwischen Mantren betenden Alten. Und gestern habe ich dann auch noch ein von Tripadvisor bewertetes Kaffeehaus mit englischer Beschilderung und schnellem Wifi entdeckt, wo neben den blonden Expads bhutanische Mönche mit Ipads und Iphones sitzen. Hier in der Stadt, die übrigens zu den am schnellsten wachsenden Orten Asiens zählt, ist der Kontrast zwischen Tradition und Moderne nicht zu übersehen.

Das ist der Blick nach unten nach einem steilen Aufstieg. Foto: Doris

Eine rund halbstündige Fahrt von Thimphu entfernt sieht das Ganze gleich anders aus. Auf der einen Seite lockt das Eingangsschild in den Jigme Dorji Nationalpark, auf der anderen geht es über eine Brücke hinauf Richtung Kloster, dem “Chacri Meditation Center”. Auf der einen Seite warten “rote Pandas, blaue Schafe, Schneeleoparden und schwarze Bären”, so sagt es ein Informationsblatt – auf der anderen das erste Kloster, das Shabdrung, Gründervater Bhutans, 1620 erbauen ließ. Wie viele andere Religionsstätten wurde es in einem unwegsamen, unerreichbaren Gelände in 2.800 Meter Höhe in den Bergen errichtet. Wie, das übersteigt meine Phantasie!

Über die Brücke drüber führt der Weg zum Chacri Meditationszentrum. Foto: Doris

Der Nationalpark zahle sich nur für zwei- bis dreitägige Trekkings aus, macht unser Guide meine Hoffnung (oder Angst) auf eine Begegnung mit den Tieren zunichte. Also folgen wir der Gruppe Mönche, die mit Sack und Pack belastet den steilen Sandweg nach oben zum Kloster einschlägt. Bis heute gibt es keine andere Möglichkeit, die 400 Höhenmeter zu bezwingen als den Fußmarsch. Die orange und rot gekleideten, mehr oder weniger alten Herren sind die Einzigen, die wir in der nächsten Stunde des Aufstiegs zu Gesicht bekommen werden. Keine AusländerInnen – die kommen nämlich selten hier herauf, auch wenn wir uns sonst mit unserer Route leider auf den üblichen Touristenpfaden bewegen. Nur die Mönche und ein paar Bhutaner, Frauen, Kinder, die den beschwerlichen Weg zum buddhistischen Kloster in Angriff nehmen – nicht aus Trainingszwecken wie wir, sondern um dort zu beten, Opfer darzubringen oder einfach nur ihrem Glauben Ausdruck verleihen. Ob für die Namensgebung der Kinder, bei Krankheit, Unfruchtbarkeit, selbst bei mangelndem Erfolg im Job, nach dem Tod – überall wird in Bhutan geopfert, gepilgert, Astrologie angesehen, Mönche um den Segen und Beistand gebeten, Gebetsräder gedreht, Stupas umrundet…

Hoch oben thront das erste von Shabdung erbaute Kloster in Bhutan. Foto: Doris

Heute wird das Kloster, das Shabdrung damals mit 30 Mönchen bewohnt hat, als Meditationszentrum genutzt: Alle Mönche müssen nach Abschluss ihrer Ausbildung drei Monate meditieren, um das erworbene Wissen zu verdauen. Ein Ansatz und eine Zeit, die ich mir auch schon oft gewünscht hätte – genauso wie die Abgeschiedenheit und die Ruhe, die da oben in den Bergen herrscht. Schade, dass nur Mönche diese Gelegenheit haben: Anders als in Thailand können in Bhutan “normale Menschen” nämlich nicht auf Zeit ins Kloster gehen.

Sie hat die Ruhe weg - im Chacri Meditationszentrum kein Wunder. Foto: Doris

Doch sie können so wie wir das Zentrum besuchen oder andere, ähnliche Tageswanderungen machen, denn Trekking-Wege gibt es überall in Bhutan – ob zu heiligen Stätten wie dem berühmten Tiger Nest, das wir natürlich am letzten Tag auch noch sehen, oder einfach so. Und irgendwie genügt das schon! Mir zumindest. Für heute. Ich bin wunschlos glücklich. Naja, fast: Frühjahr oder Sommer könnte noch sein, denn wie schön muss das Ganze erst mit üppigem Grün und farbig blühender Vegetation aussehen.

Mein breites Grinsen hat damit zu tun, dass ich in Bhutan ein Stück Glück gefunden habe. Foto: Estelle

 

 

Offenlegung: Ich bin von Bhutan Tourismus und Active Bhutan Tours zu einem FamTrip eingeladen. Die Kosten für den Aufenthalt vor Ort werden genauso wie 50 Prozent der Flugkosten von Bangkok nach Paro von den Veranstaltern getragen. Danke dafür! Den Flug von Wien nach Bangkok habe ich selbst bezahlt (danke, Emirates , für die Unterstützung), ebenso die Visum-Kosten von 40 USD. Meinungen und Ansichten bleiben wie immer meine eigenen. 

Über den Autor

Doris ist Schreibende, Reisende mit Basis in Wien und vor allem eine, die nicht still sitzen kann. Am liebsten schreibt sie inspirierende, mutmachende Geschichten von unterwegs oder daheim. Dabei geht es ihr um Menschen, die die Welt nicht nur entdecken, sondern in ihr auch positive Spuren hinterlassen.

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12 Comments on “Wo ich in Bhutan ein Stück Glück gefunden habe

  • Vielen Dank für die tollen Einblicke!

    Habe soeben erst den Film “What Happiness Is” im Kino gesehen und bin jetzt ganz “happy”, hier mehr über Land und Leute zu erfahren.

    Herzliche Grüße
    M21.

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    • Hallo, ach super, der Film ist toll und hat mich js auch erst ins Koenigreich Bhutan gebracht 🙂 lg Doris

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  • Toller Bericht. Seit ich ich eine Reportage über Bhutan und das Bruttoinlandsprodukt gesehen habe interessiert mich das Land auch total. Dann kann ich ja endlich nochmal meine Trekkingschuhe einpacken 😉

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    • Hi, danke, freut mich, dass dir der Bericht gefällt. Und ja, Trekkingschuhe sind gut – vorher arrangieren noch besser! lg Doris

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  • littlemissitchyfeet

    Hallo, ja, ich bin auch ein bisschen gespalten … Aber das kannst du ohnehin lesen 🙂 Bei solchen Wanderungen sind Berg/ Wanderschuhe gut – die hab ich immer dabei. Sonst brauchst du dafuer nichts. Bei laengeren Touren ist der Komfort der grosse Unterschied zu Nepal: Im KR Bhutan hast du Traeger, Ausruestung alles. Und dafuer sind die 200 bzw 250 usd pro Tag ok. Lgd

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  • Binnensegler

    Das ist jetzt schon der dritte Artikel von Dir den ich über Bhutan lese. ich habe schon öfter mit dem Gedanken gespielt, das Land zu besuchen, aber immer wieder hat mich, was Du auch bemängelst, die fehlende Möglichkeit die Reise selber zu gestalten, gestört. 2008 war ich in Nepal und habe dort schon versucht mich auf “abwegen” zu bewegen, was ungefähr erst ab 3000 Höhenkilomentern möglich ist 😉
    Aber Deine Berichte machen dann natürlich schon Lust auf einen Besuch.. War das ein richtiger Trek den Ihr gelaufen seid, oder kann man so etwas noch mit normalen Stiefeln laufen? Hast Du immer eine ganze Trekkingausrüstung dabei?
    Das war mir in Nepal etwas zu anstrengend, die Winterjacken vom Mount Everest Trek mit in die Hitze des Terrai zu schleppen und wieder zurück.

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  • hallo wolfgang, super, herzlichen dank. schoen, dass ich helfen konnte. und ja, bitte berichte mir, wies im osten ist/ war! wuensche euch eine spannende reise – und wenn ihr kontakte/ infos braucht, melde dich. alles liebe, doris

    Reply
  • Wolfgang Römer

    Ich hätte nichts Interessanteres finden können als diese brandaktuellen Berichte aus Bhutan! Nachdem wir in knapp zwei Monaten, am 23. März, zu dritt eine Bhutan-Reise unternehmen werden, suche ich momentan immer wieder nach Infos – und die sehr differenzierten Einschätzungen von dir, liebe Doris, sind da wohl das Beste, was ich gefunden habe!
    Macht auf jeden Fall noch mehr “Appetit” auf unsere Reiseroute – wir werden nämlich auf dem Landweg im Südosten einreisen, von Guwahati in Assam gelangen wir zunächst nach Samdrup Jongkhar und von dort aus dann langsam westwärts (ausreisen müssen wir dann per Flugzeug über Paro).
    Ich kann ja dann nach meiner Rückkehr gerne mal mitteilen, ob der Osten Bhutans wirklich noch deutlich “ursprünglicher” als der Westen ist, bzw. wie wir das empfunden haben!

    Viele Grüße aus Donauwörth

    Reply

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