Welcome to the Re:evolution: Globale Freifahrt für alle

Wednesday 20th, February 2013 / 23:10 von
Welcome to the Re:evolution: Globale Freifahrt für alleBild: Doris

Was haben Bangkok und Tallinn gemeinsam? Beide sind Vorreiter im öffentlichen Nahverkehr. Der ist nämlich dort gratis! Klingt zu schön um wahr zu sein? Zugegeben, ganz so paradiesisch sind die Zustände dann doch nicht. Zumindest in der thailändischen Hauptstadt kann ich sagen, dass ich von kostenlosen Öffis vor ein paar Wochen nichts mitbekommen habe. Das liegt wohl daran, dass nicht BTS oder Boote gratis sind, sondern “bloß” die Hälfte der roten, nicht klimatisierten Busse umsonst benutzt werden können. Gut, die Ersparnis von 0,17 Euro pro Fahrt mag für uns Reisende nicht immens sein – für die lokale Bevölkerung aber sieht die Sache schon wieder anders aus.

Und in Tallinn? Da ist das System des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs seit 1. Januar 2013 im Gang. Nur für die Einheimischen und Leute unter 19 Jahren, wohlgemerkt. Die Bevölkerung zahlt trotzdem: 70 Prozent der Öffi-Kosten werden durch Parkgebühren, Mineralölsteuer oder Umwidmung von Pendlerpauschalen aufgebracht. Finanziert wird es also durch jede(n), egal, ob er/sie öffentlich fährt oder nicht. Eine Idee, die Seattle oder Portland wieder abgesetzt haben – da muss man für früher freie Busse wieder zahlen -, die aber in Estlands Hauptstadt ein voller Erfolg ist – 10 Prozent der Bevölkerung hat ihr Motorfahrzeug stehen lassen, heißt es in Berichten.

Freifahrt ist ökologisch, weil gut für die Umwelt.
Freifahrt ist sozial, weil ein Angebot für alle.
Freifahrt ist machbar, wenn politisch gewollt.

freifahrtlinz.at

Aussagen wie diese könnten genauso gut von Christian Tengblad kommen. Der Schwede ist Teil der Organisation Planka.nu Stockholm, die sich für einen gratis öffentlichen Nahverkehr für alle einsetzt. Vor sechs Jahren haben Christian und seine Freunde den Free Public Transport Day ins Leben gerufen. Mit Aktionen auf der ganzen Welt (nur nicht in Österreich*). “In Stockholm werden wir heuer eine Parade gemeinsam mit verschiedenen Gruppen wie der Piraten Partei, der Feministischen Partei und den Jungen Linken haben.”, erzählt mir Christian von den Plänen und fügt hinzu, “Wir haben schon unser Kontingent an Luftballonen aufgestockt.” Dass das Thema dennoch noch immer ein globales Randthema ist, frustriert – trotz aller Positivbeispiele. Nicht nur im Großen, sondern auch in kleineren Gemeinden wie der belgischen Stadt Hasselt oder dem schwedischen Kölsillre:

Wie können wir zur Initiative beitragen – vor allem, wenn es in unserer Gegend noch keine dementsprechende Organisation gibt? “Ich denke, dass anfangs schon Flugblätter verteilen, darüber bloggen, das Schreiben von Briefen an Medien oder das Zeigen von spannenden Filmen zu dem Thema ein guter Start für jede Kampagne ist.”, meint Christian. Und auf die Frage, ob er schon einmal etwas über eine Aktion aus Österreich gehört hat, meint er “das Schwarzfahren Wien hat sich nach einer interessanten Sache angehört.”

Naja, bei meinem Glück mit den “Schwarzkapplern” (Für Nicht-Österreicher: So heißen die Kontrolleure umgangssprachlich) blogge ich dann doch lieber darüber…

 

Hier findet ihr die Liste aller Städte mit freier Fahrt – aber Achtung, sie ist leider nicht auf dem letzten Stand (so ist in Seattle und Portland wie gesagt das kostenlose Öffi-Fahren wieder vorbei).

* Auch wenn Free Public Transport nichts davon weiß, gibt es sehr wohl eine – parteipolitische – Initiative in Österreich. In Linz plädiert die KPÖ für freien öffentlichen Nahverkehr: freifahrtlinz.at

Über den Autor

Doris ist Schreibende, Reisende mit Basis in Wien und vor allem eine, die nicht still sitzen kann. Am liebsten schreibt sie inspirierende, mutmachende Geschichten von unterwegs oder daheim. Dabei geht es ihr um Menschen, die die Welt nicht nur entdecken, sondern in ihr auch positive Spuren hinterlassen.

Alle Artikel von Doris

10 Comments on “Welcome to the Re:evolution: Globale Freifahrt für alle

  • Genau! Kritiker bringen ja gerne so Sprüche wie “Wo kämen wir hin, wenn das jede Stadt machen würde” oder “Wer soll das zahlen, wenn das nun gang und gäbe wird”. Macht aber nicht jeder. Es geht ja meist darum, das Bewusstsein zu wecken. Es gibt ja auch Mensche, die ohne Geld und vom Müll leben. Er setzt damit ein wichtiges Zeichen! Deswegen macht das jetzt noch lange nicht jeder.

    Schönen Restsonntag,

    Christof

    Reply
  • mir wurde erzählt, fürher gabs mal sowas wie eine “schwarzfahr-versicherung” in wien. da konnte man bei einer vereinigung einen jahresbeitrag zahlen, und vom pot wurden dann die strafen bezahlt, die reingetrudelt sind. dürfte sich aber irgendwann nicht mehr ausgegangen sein.

    Reply
    • littlemissitchyfeet

      Ehrlich gesagt weiss ich davon nichts – aber danke fuer den Hinweis, ich geh dem mal nach.

      Reply
    • Schwarzfahrerversicherungen gibt es und gabs schon in verschiedenen Städten. Habe erst kürzlich gelesen (ich glaube in dem Buch “Was man für Geld nicht kaufen kann” von Michael J. Sandel), dass man etwa in Paris eine abschließen kann.

      Viele Grüße,

      Christof

      Reply
      • Danke für die Aufklärung, Christof. Ist zwar nicht die Lösung, das Schwarzfahren, wie ich finde, aber gut zu wissen, dass es da schon “Versicherungen” gibt.

        Reply
        • Gerne! Brauche diese Versicherung auch nicht und für mich muss der öffentliche Nahverkehr auch nicht kostenlos sein, obwohl ich es gut finde, wenn er hier und da nichts kostet. Dadurch wird ja der Nahverkehr gefördert und das halte ich für wichtig! Für die Stadt oder Regierung zahlt sich eine Förderung der Öffentlichen in der Regel aus, denn die Folgekosten (Umwelt, Straßenbau etc.) reduzieren sich ja deutlich. In großen Städten ist in Deutschland (in Österreich vermutlich auch) der Nahverkehr meist sehr gut ausgebaut. Schlechter sieht es leider auf dem Land aus. Da herrscht die Meinung vor, dass man ohne Auto nicht leben kann. Auch hier wäre eine Förderung anstelle eines weiteren Abbaus erstrebenswert.

          Viele Grüße aus Franken,

          Christof

          Reply
          • littlemissitchyfeet

            Christof, genauso seh ich das auch. Und deshalb finde ich solche Bewusstmachaktionen wichtig. Liebe Gruesse.

  • Kostenlos mit den Öffis fahren – das hört sich toll an. 🙂 Wobei: Mich stört es auch nicht für eine Leistung zu bezahlen. Bin ich mit dem Auto unterwegs zapfe ich ja auch nicht kostenlos den Treibstoff. Über etwas günstigere Tarife würde ich mich dennoch freuen, ich finde vor allem Einzelfahrten in Mitteleuropa zum Großteil sehr happig.

    Was mir als Reisender noch mehr helfen würde als kostenlose Busse wären bessere Informationen über die Öffentlichen Verkehrsmittel. Greifen wir das Beispiel Bangkok noch einmal auf: Hier sind viele Busse unterwegs – auch die roten habe ich gesehen und bin auch schon damit gefahren. Aber leider weiß man bei den wenigstens wohin und wann sie fahren. Ich habe mir zwar einen Plan mit Linieninformationen besorgt – leider sehr fehlerhaft und veraltet. Mit Ausnahme der schienengebundenen Metro-Systeme ist’s mit der Information für Touristen im Großteil der Welt eher schlech bestellt. Um mit Öffis weiterzukommen muß man oft einiges an Abenteuerlust an den Tag legen.

    Reply
    • Hallo Gerhard,

      zum Thema öffentliche Verkehrsmittel & der Wunschliste für uns Reisende gebe ich dir absolut recht. WIe oft ich in Bogotá z.B. in einen Bus eingestiegen bin, den ich für den Richtigen hielt, und dann am anderen Ende der Stadt angekommen bin, das möchte ich gar nicht wissen. So eine Kommunikation / Information/ Service wäre natürlich ein Wahnsinn!

      Der Public Free Transport Initiative geht es weniger um Reisende, als um uns alle, die wir unterwegs sind – und das finde ich gut und wichtig. Es geht um die Verfügbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln, und die generelle Möglichkeit, sich von A nach B bewegen zu können. Und da ist das Stichwort “Kosten” natürlich gegeben. Schließlich, wie du sagst, sind Preise der Öffis oft happig (und summieren sich so, dass man dann wieder beim Auto oder Motorroller oder so bleibt, was wiederum auf die Kosten der Umwelt schlägt).. Aber da geht es auch – wie das schwedische Beispiel zeigt – um die allgemeine Verfügbarkeit, dass überhaupt Öffis angeboten werden. Und in diesem Sinn finde ich die Diskussion und so einen “Awareness-Tag” absolut richtig und wichtig.

      Danke für deinen Input, Andersreisender 🙂

      Reply
      • Die Verfügbarkeit von Öffis finde ich auch sehr wichtig. Ich denke noch mit schrecken an einen Geschäftstermin im Ampflwang in Oberösterreich, den ich eigentlich mit Bahn und Bus absolvieren wollte. Samstag – früher Nachmittag. Hinfahrt im Stundentakt möglich. Gottseidank checkte ich auch die Rückfahrt: Ab 14 Uhr ging bis Montag Früh (!!) kein Bus mehr. Ich wäre festgesessen – und mir tun dort die Einheimischen extrem leid. Keine Möglichkeit in der ganzen Region sich ohne eigenes Fahrzeug zu bewegen.

        Reply

Kommentar verfassen

Suche

The bird’s new nest auf…

Give-Away.

Newsletter.

Hier kannst du dich für den wöchentlichen Newsletter von The bird's new nest anmelden:

Schon gelesen?

Ads.

Blogheim.at Logo