Vom Samen bis zur Ernte: Erste Schritte

Friday 10th, January 2014 / 21:47 von
Vom Samen bis zur Ernte: Erste SchritteBild: fill / pixabay.com

Das richtige Saatgu

Wer hat noch nie darüber nachgedacht sein eigenes Gemüse anzubauen? Man kann zwar immer beginnen seine ersten Versuche zu starten, aber keine Jahreszeit ist dafür besser geeignet als der Winter. Denn im Winter hast du Zeit, dir die wichtigsten Fragen zu stellen und dich auf deine ersten Versuche vorzubereiten.

Eigentlich brauchst du für den Anfang nur ein paar Samen von der Pflanze deiner Wahl, etwas Erde und ein Gefäß in dem du beides aufbewahren kannst. Wenn du dir aber vorher schon ein paar Gedanken um die Bedürfnisse deiner Pflanzen machst, kannst du dir viel Ärger ersparen, die Gesundheit deiner Pflanzen verbessern und ein schöneres Gewächs mit höherem und besserem Ertrag erhalten.

Mit welcher Pflanze willst du beginnen? Wahrscheinlich gibt es Obst oder Gemüse, das du besonders gerne hast. Mit diesem könntest du beginnen. Falls du Angst hast dich zu übernehmen, gibt es auch leicht zu pflegende Arten. Schnittlauch, Kresse, Radischen, Kartoffeln, Paprika, Tomaten, Salat und Erdbeeren sind in unseren Breitengraden gute Kandidaten für einen ersten Versuch. Egal für welche Pflanzen du dich letztlich entscheidest, Hauptsache du machst den ersten Schritt! Es wird immer Probleme und Rückschläge geben, aber du wirst von Jahr zu Jahr besser werden.

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Bild: PublicDomainPictures / pixabay.com

Wenn du dich nicht nur auf eine Pflanzenart konzentrierst, wirst du früher deine ersten Erfolge verbuchen. Die besten Pflanzen sind immer die, mit denen du Freude hast. Ein Tipp von mir: Baue keine Sorten an, die du im Supermarkt kaufen kannst! Baue dir seltene Sorten an. Dein eigenes Gemüse sollte etwas Besonderes sein und die Massenware kannst du immer noch kaufen. Wieso solltest du diese also mit viel Fleiß selbst anbauen? Seltene Arten gibt es in vielen Farben und Formen, die Vielfalt ist unglaublich. Aber sie unterscheiden sich nicht nur äußerlich, sondern vor allem auch durch einen individuellen Geschmack. Es gibt lila Kartoffeln und grün abreifende Tomaten! Lass dir dieses Erlebnis nicht entgehen. Bringe ein wenig Abwechslung auf den Teller. Am Ende des Artikels findest du eine persönliche Empfehlung von mir zu Händlern aus Österreich, bei denen du Samen seltener Sorten erwerben kannst. Achte darauf, kein Saatgut mit der Aufschrift F1 zu erwerben, dabei handelt es sich um die Kreuzung zweier Arten, eine sogenannte Hybride. Ihr Ertrag kann zwar gut sein, doch dafür ist das Saatgut der Pflanze meistens unfruchtbar und du musst dir schon im nächsten Jahr neues kaufen. Dadurch kannst du auch kein Saatgut gewinnen, welches optimal an deinen Standort angepasst ist. Darauf werde ich in einem späteren Artikel noch zurückkommen.

Dokumentiere deine Erfahrungen mit den verschiedenen Arten und Sorten, fotografiere die Verpackung der Samen, die Pflanzen und Früchte. So kannst du Erfahrungen sammeln und in der Zukunft als Entscheidungshilfe verwenden. Gärtner dokumentieren leider viel zu selten ihre Arbeit und bereuen das oft. Wenn du Abkürzungen verwendest, notiere dir unbedingt deren Bedeutung.

Wenn du deine Wahl getroffen hast, kontrolliere nochmals ob du die Bedingungen der Pflanzen erfüllen kannst. Eine Pflanze, die viel Sonnenlicht und hohe Temperaturen braucht, wird auf der Schattenseite eines Hauses entweder gar keinen, oder nur sehr wenig und schlechten Ertrag liefern. Wichtig ist hierbei vor allem auf Sonnenlicht, Temperatur und Boden zu achten. Alle Faktoren außer dem mangelnden Sonnenlicht lassen sich bis zu einem gewissen Grad durch Tricks beeinflussen. So kann man zum Beispiel eine Pflanze, die Licht nicht gut verträgt, in den Schatten einer anderen Pflanze setzen.

Überlege, ob du eine Mischkultur betreiben willst. Unter einer Mischkultur versteht man das Setzen von zwei, oder mehr verschiedenen Arten auf dem selben Raum. Ein sehr bekanntes Beispiel dafür sind Zwiebeln und Karotten. Sie halten sich gegenseitig die schädlichen Fliegen fern und streiten sich nicht um Nährstoffe im Boden. Dadurch kannst du mehr auf weniger Raum anbauen, hast weniger Ärger mit Schädlingen, dein Gemüse lebt gesünder und liefert einen besseren Ertrag. Generell gilt: Pflanzen aus nahe verwandten Familien solltest du nicht zu dicht zusammen setzen. Sie brauchen meistens die selben Nährstoffe und werden von den selben Schädlingen und Krankheiten befallen. Unter diesem Link findest du Mischkulturtabellen. Sie zeigen dir, welche Pflanzen sich gut vertragen und welche du lieber nicht nebeneinander setzen solltest.

Den nächsten Artikel widme ich dem Platz der Pflanze. Topf, Hochbeet, Boden, oder Gewächshaus, was sind die Vor- und Nachteile und worauf du achten solltest.

In den Kommentaren kannst du gerne Fragen, Anmerkungen und Kritik hinterlassen. Gutes Gelingen und lass dich nicht pflanzen!

Links zu Saatgutquellen aus Österreich mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit:
Arche Noah
Ochsenherz Gärnterhof
Samen Maier

Über den Autor

Toni lebt in Wien und ist seit vier Jahren Hobbygärtner. Er möchte mit anderen Menschen die Freude am selbst geschaffenen Essen teilen und zeigen, wie man möglichst einfach sein eigenes Gemüse, Kräuter und Obst anbauen kann.

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6 Comments on “Vom Samen bis zur Ernte: Erste Schritte

  • Ein toller Artikel!
    Du schreibst von außergewöhnlicheren Pflanzen zum selbst züchten…
    Ich habe selbst mal gelbe Tomaten angebaut und war super zufrieden mit dem Ertrag! Leider sind sie wohl nur Einjährig…
    Hast du denn abgesehen von den genannten noch weitere kreative Vorschläge?
    In unserem Garten haben wir relativ wenig Sonne (aber für die Tomaten z.b. hats gereicht 🙂 ) ansonsten kann ich nun nicht so viel dazu sagen…
    Aber dein Bericht hat mir so richtig lust gemacht, mal wieder ein par Pflänzchen selbst zu ziehen und da wäre so etwas besonderes schon schön 😉
    Die typischen Kräuter hab ich übrigens schon in einer Kräuterschnecke… sieht sehr hübsch aus und ist überaus praktisch beim kochen <3

    LG

    Reply
    • Erstmal danke für das Kompliment.

      Ich glaube dieses Bild war mal im National Geographic und zeigt einen kleinen Teil aller Kartoffelsorten: http://environmentalgeography.files.wordpress.com/2012/02/potato.png

      Zum Thema Schatten: Einfach ausprobieren, wenn sogar Tomaten dort erfolgreich getragen haben, dann sollte auch alles andere funktionieren. Der Nachteil ist natürlich, dass es mit Sonne immer etwas besser gehen wird. Salate, Spinat, Kartoffeln, Karotten, Bohnen, Erbsen, Gurken und Zucchini kann man auf jeden Fall probieren. Gerade im Sommer sind einige Pflanzen eh lieber im Schatten.

      Zu den Sorten: Ich bin ein großer Fan vom Gärtnerhof Ochsenherz. Dort kann man sich ab 6 Portionen (3€/Stück) Saatgut bestellen und die haben zum Beispiel allein ca. 20 verschiedene Sorten Tomaten. Von klassisch rot, gelb, orange bis grün und schwarz ist da alles dabei. Bei Tomaten nehme ich immer die Cocktails, die haben am meisten Geschmack. Die Andenbeere/ Physalis werde ich auch ausprobieren. Sieht aus wie eine Tomate, ist aber mehr Obst. Dann haben sie noch einen Karotten-Gärtnermix im Sortiment, das ist ein Gemisch aus mehreren Sorten, auf das bin ich auch gespannt. http://www.ochsenherz.at/bio-saatgut-fruchtgemuese.html

      Bei vielen Sorten muss man daran denken, dass sie vor allem für den Großbauern gezüchtet wurden. Also dicke Schalen für den weiten Transport, leicht zu ernten für Maschinen und resistent gegen Pestizide. Geschmack ist da oft eher nebensächlich.

      Ich hab bisher auch eher die Standardsorten aus dem Supermarkt gepflanzt, deshalb kann ich leider noch keine Empfehlungen abgeben. Aber es ist einfach ein wenig schade, wenn man die Zeit investiert und nachher erst den selben Geschmack wie aus dem Supermarkt erlebt.

      Reply
  • Ich ziehe zwar erst im Oktober um, würde aber gerne auf meinem Balkon vor allem Gewürze anbauen, da die weniger Platz brauchen – ich hoffe, ich liege damit nicht falsch? Nachdem ich leider alles andere als einen grünen Daumen habe – was hältst du von den schon “ausgewachsenen” Pflanzen von Ja! Natürlich oder Spar NaturPur zum Üben?

    Reply
    • Ich habe die beiden Marken nie getestet, aber ich habe mit Kräutern vom Supermarkt eher schlechte Erfahrungen. Bei mir wollten die nie wirklich wachsen, trotz Umtopfen. Für mich ist das nur eine Möglichkeit länger frische Kräuter zu haben. Aus heutiger Sicht lag es vielleicht auch an fehlender Düngung, obwohl ich die Pflanzen in frische Erde gepflanzt habe. Ich persönlich finde es einfach schöner mit Samen zu beginnen, dann ist das Erfolgserlebnis einfach größer. Außerdem bekommt man fürs gleiche Geld weit mehr Vielfalt und Versuche. In Wien gibt es übrigens die Möglichkeit gratis an sehr hochwertige Erde zu kommen. Bis zu 2 m³ kann man sich bei den Wiener Müllplätzen abholen, Lieferung ist für einen gewissen Preis auch möglich. Als Topf kann man Plastikverpackungen, Klappboxen und Co verwenden. Solange es nicht schnell verrottet und man Löcher in den Boden bohren kann, eignet es sich hervorragend als Topf.

      Reply
    • Ich bin zwar jetzt auch kein Profigärtner, aber seit 2 Jahren taste ich mich an verschiedenes am Balkon heran. Ja! Natrülich habe ich vorher immer wieder gekauft aber das wollte nie wachsen. Mir ist das immer eingegangen, egal was ich gemacht habe. Letztes Jahr habe ich dann Jungpflanzen von Arche Noa gekauf und bin restlos überzeugt. Sowohl Kräuter als auch die Tomaten und Salat haben einen enormen Ertrag gebracht. Das kann ich also voll empfehlen und rate vom Supermakt eher ab.

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