Vom Samen bis zur Ernte: Potatobox, erster Teil

Saturday 31st, May 2014 / 19:00 von
Vom Samen bis zur Ernte: Potatobox, erster TeilBild: Toni

Die Kartoffel ist eine oft unterschätzte Pflanze. Sie ernährt einen großen Teil der Welt, ist sehr genügsam, robust und kann sehr viel Ertrag pro Quadratmeter Anbaufläche liefern. Außerdem lässt sie sich auf verschiedenste Arten zubereiten und verzehren. Sie wird teils an Tiere verfüttert oder zu Alkohol verarbeitet.

Und weil die Kartoffel so eine tolle Pflanze ist, möchte ich dir heute eine Anbaumethode vorstellen, welche die positiven Eigenschaften der Kartoffel angeblich optimal nutzt, um einen unglaublichen Ertrag pro Quadratmeter zu liefern. Ich teste diese Methode selbst gerade zum ersten Mal, ob sie funktioniert, oder nicht, kann ich dir leider nicht garantieren. Aber das gehört so und so zum Gärtnern – neue Sachen probieren, neues erfahren und gelegentliche Misserfolge erleben. Wenn du dir unsicher bist, kannst du auch einfach auf meinen zweiten Teil zur Potatobox warten, dann werde ich von meinen Erfahrungen berichten.

Aber vorerst die Liste von Pflanzen die du im Juni aussäen und pflanzen kannst. Vergiss nicht, auch Pflanzen die in den vorherigen Listen standen, können auch jetzt noch ausgesät werden. Außerdem kannst du jetzt hervorragend mit neuen Pflanzen experimentieren und deine ersten Erfahrungen sammeln um im nächsten Jahr bessere Erfolge zu erzielen. Hier die Liste:

Gemüse
Säen: Blumenkohl, Buschbohnen, Rote Rüben, Winterendivien, Herbst- und Winterrettich
Pflanzen: Kohlrabi, Radicchio

Pilze
Champignon und Schopftintling kultivieren

Obst
Früchte ausdünnen, Erdbeeren wässern, Schnecken bekämpfen

Potatobox – Die Idee

Um Kartoffeln zu vermehren verwendet man meistens Knollen aus dem Vorjahr und lässt sie ein wenig im Licht liegen. Nach relativ kurzer Zeit wird sie dann Triebe bilden. Wenn man die Kartoffel in Stücke schneidet und darauf achtet, dass jedes Stück mindestens einen Trieb besitzt, dann kann man jedes dieser Stücke einpflanzen und erhält aus fast jedem davon eine eigene Kartoffelpflanze. Du siehst also, Kartoffeln lassen sich relativ leicht und günstig anbauen.

Einige Kartoffelarten haben die Eigenschaft, dass sie entlang dem grünen Teil der Pflanze neue Knollen bilden, wenn man diesen mit Erde, Stroh oder Papierschnipseln bedeckt. Wichtig ist nur, dass man einen Teil der Pflanze unbedeckt lässt, damit sie weiterhin Photosynthese betreiben kann. Wenn die Pflanze wächst, kann man wieder etwas mehr Erde aufhäufen. Auf diese Weise wächst die Kartoffel immer höher und bildet in den Erdschichten immer neue Knollen.

Damit man keinen großen Hügel an Erde für die Kartoffeln auftürmen muss, baut man eine “Box” um die Kartoffel auf. Immer wenn die Erde am Rand der obersten Boxreihe ankommt, setzt man eine frische Reihe darauf. So sind die Blätter frei für die Photosynthese und die Erde nicht quer über den Boden verteilt.

Wenn man alles richtig macht, sollte man auf nicht einmal einem halben Quadratmeter bis zu 50 Kilogramm Kartoffeln ernten können. Zumindest wenn es nach den unten verlinkten Internetseiten und YouTube-Videos geht.

Anleitung

Als erstes braucht man einen Standort mit viel Tageslicht und mindestens 70 mal 70 Zentimetern Platz. Um die Potatobox zu bauen brauchst du: Vier 5x5x60 bis 80 Zentimeter lange Pfosten, einige Holzbretter (größere und breitere Bretter wären besser, aber falls du andere hast, verwende ruhig diese, sie werden genauso gut funktionieren), 60 bis 100 Schrauben (so lang, dass sie beim Bohren mindestens durchs Brett und etwas über die Hälfte des Pfostens kommen)

Die Längenangaben sind keine Pflicht sondern nur ein Hilfsmaß. Du kannst die Größe selbst bestimmen. Denke nur daran, dass die Konstruktion Erde zusammen halten muss. Sie wird feucht oder sogar nass sein und wird über kurz oder lang auch verrotten. Je weniger Platz die Kartoffeln haben, desto weniger wird es zu ernten geben. Aber auch die beste Kartoffel wird wahrscheinlich nicht viel mehr als eine 100 Zentimeter hohe Box benötigen. Du kannst die Box auch als dekoratives Element in deinen Garten einbauen, wenn du die Dimensionen und Material richtig wählst und die Bretter auf künstlerische Art und Weise verschraubst. Einige Anleitungen findest du unten bei den Links, teils mit sehr anschaulichen Bildern. Aber ich bin mir sicher du bekommst das auch so hin.

Baue nicht gleich die komplette Box zusammen, sondern montiere die Bretter auf der Sonnenseite erst dann wenn du sie brauchst, um die Erde zu fixieren. Setze die Konstruktion vorsichtig an seinen Platz und fange nun an die Kartoffeln zu pflanzen. Pflanze einfach mehrere ganze, oder Kartoffelstücke mit Trieben in die Erde innerhalb des Rahmens. Keine Angst, pflanze deine Kartoffeln ruhig ein paar Zentimeter tief unter die Erde, sie finden ihren Weg schon nach Oben. Stich mit einer Schaufel in die Erde, hebe sie ein wenig an und wirf oder lege die Kartoffel ins entstandene Loch. Zieh dann die Schaufel einfach vorsichtig aus dem Loch und bedecke die Kartoffel mit etwas Erde, falls sie nicht komplett bedeckt sein sollte. Am Ende gießt du sie noch gründlich an und wartest, bis die Pflanzen sich durch die Erddecke bohren. Das kann eine Weile dauern, aber wenn sie es geschafft haben, werden sie sehr schnell wachsen. Wenn sie erst einmal ihre ersten 15 bis 25 Zentimeter geschafft haben, oder wenn sie groß und stark aussehen, kannst du auch schon mit dem Anhäufen beginnen.

Häufe so lange Erde, Stroh oder Papierschnipsel um die Kartoffelpflanze an, bis sie nur etwa zehn Zentimeter daraus hervor ragt. Sollte das Material aus der Box fallen, montiere einfach das nächste Brett an der Seite der Potatobox. Diesen Vorgang kann man theoretisch so lange wiederholen, bis die Pflanze zu sterben beginnt, oder bis die Pflanze oder die Box die gewünschte Höhe erreicht haben.

Wann ernten?

Das ist relativ einfach: Wenn die Pflanze über der Erde abstirbt wartest du am besten noch ein bis zwei Wochen und schraubst dann eine Seitenwand wieder ab. Dann kannst du vorsichtig das Material entfernen und die Kartoffeln aus der Potatobox ernten. Gerüchteweise können einige Kartoffelbauern die Ernte aber auch nicht abwarten und montieren bereits vorher ein paar der Bretter nahe am Boden ab um die Kartoffeln von unten aus der Box zu entfernen. Das bleibt natürlich dir überlassen.

Kritik

Die Idee der Potatobox klingt fast zu schön um wahr zu sein und vielleicht ist sie das auch. Es gibt viele Berichte von Menschen die damit mäßigen oder gar keinen Erfolg damit hatten. Es dürften sich wohl einige Sorten sehr schlecht dafür eignen und andere wiederum um einiges besser. Ich fürchte, ohne ein paar Versuche wird man darüber nicht viel sagen können, außer man hat bereits beim ersten Mal einen recht eindeutigen Erfolg. Was mich persönlich ein wenig stört, ist die Menge an Erde die man in die Box füllt. Wenn man Stroh, Kompost und Papier verwendet, ist das vielleicht sogar ganz gut um direkt in der Box auch noch zu kompostieren, aber falls man die Erde extra kauft, sollte man sie am Ende auch entsprechend im Garten verwenden. Denn für den Müll ist sie zu schade. Grundsätzlich solltest du einen Platz für deine alte Erde finden und sie nicht einfach im Mist entsorgen.

Fazit

Mir gefällt die Idee der Potatobox sehr gut. Sie ist leicht und günstig zu bauen, man kann altes und gebrauchtes Material wieder verwenden, vielleicht sogar etwas anderes als Holzbretter, zum Beispiel alte Autoreifen und Ziegelsteine. Interessant finde ich die Idee vor allem, weil man auf diese Art vielleicht eine wirklich beachtliche Menge an Kartoffeln auf kleinem Raum gewinnen kann und zumindest den Energiebedarf eines Menschen mit relativ wenig Platz sicherstellen kann. Eine durchaus wichtige Sache wenn man bedenkt, wie viel Platz auf der Welt alleine für die Produktion unserer Nahrungsmittel verwendet wird und dass unsere Bevölkerung weiterhin wächst. Man kann dabei so unnötigen Abfall wie Papiermüll aus Büros, aber auch Post, loswerden und wieder zu guter Erde kompostieren. Leider scheint die Methode aber noch lange nicht ausgereift zu sein, außerdem braucht man einen Platz für die anfallende Erde, denn man muss jedes Jahr neue Erde verwenden.

Bis zum nächsten Mal: Danke für das Lesen meines Artikels! Ich hoffe, du probierst diese Methode zum Kartoffelanbau einmal aus und schilderst deine Erfahrungen in den Kommentaren unter diesem Artikel. In den Kommentaren kannst du wie immer auch gerne Fragen, Anmerkungen und Kritik hinterlassen, ich werde sie gerne beantworten. Gutes Gelingen und lass dich nicht pflanzen!

 

Links

Video zur Kartoffelpyramide, schöner als die Box und scheint gut zu funktionieren
Video zur Kartoffel im Hochbeet mit verschiedenen teils alten und seltenen Sorten
Umfassende englische Anleitung zu Bau und Pflege einer Potatobox
Kurze englische Anleitung zum Bau und Pflege einer Potatobox
Die Kartoffel auf Wikipedia

Über den Autor

Toni lebt in Wien und ist seit vier Jahren Hobbygärtner. Er möchte mit anderen Menschen die Freude am selbst geschaffenen Essen teilen und zeigen, wie man möglichst einfach sein eigenes Gemüse, Kräuter und Obst anbauen kann.

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