Volunteer Correct, Project Cape Town: Die Kunst der Videobearbeitung

Thursday 19th, February 2015 / 19:13 von
Volunteer Correct, Project Cape Town: Die Kunst der VideobearbeitungAlle Bilder: Volunteer Correct

Als ich mich für Volunteer Correct beworben habe, habe ich Schreiben als eine meiner Fähigkeiten in meinem Lebenslauf angegeben. Mir macht Schreiben Spaß und ich weiß mich auszudrücken. Aber hier, beim “Project Cape Town”, sehe ich mich einer neuen Herausforderung gegenüber: Videos zu machen! Das heißt, filmen und bearbeiten. Beim Schreiben spielt man mit den eigenen Worten. Bei der Videobearbeitung spielt man mit den Worten anderer. Beides erzählt Geschichten, aber das ist das erste Mal in meinem Leben, dass es sich anfühlt wie… Journalismus! Man beginnt mit einem Plan, die Botschaft stark und eindringlich zu vermitteln und dadurch echte Aufmerksamkeit zu bekommen.

In unserer Gruppe haben wir an einem Beitrag über den Spaßfaktor beim “Voluntourism” gearbeitet: Wie passt die ehrenamtliche Arbeit derer, die von außerhalb nach Kapstadt kommen, mit den anderen Erwartungen der Ehrenamtlichen zusammen? Und was wird von den Firmen erwartet, die zwischen den Ehrenamtlichen und den jeweiligen Arbeitsstätten vermitteln? Wir haben sowohl Ehrenamtliche als auch die Manager einiger Agenturen interviewt und haben über 75 Minuten Filmmaterial. Wie bringt man das in einem Film von nur sieben Minuten Länge unter?

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Nach dem Filmen, waren wir vier Teammitglieder der Meinung, dass wir einige gute Zitate, bedeutungsvolle Fakten und Meinungen von den Befragten erhalten hatten. Aber wie erstellt man eine Storyline in die das alles hineinpasst? Einerseits entsteht sie in deinem Kopf, während du die brauchbaren Teile des Interviews auswählst. Tatsächlich war die Geschichte schon in unserem Kopf noch bevor wir zu filmen begonnen haben. Bis zu einem gewissen Punkt weiß man, was die Leute sagen werden und auch, was du hören willst. Aber schlussendlich ist man total erstaunt darüber wie die Befragten die Geschichte, die man sich vorgestellt hatte, noch besser formulieren, als man es sich erhofft hatte. Ich befand mich in der Zwickmühle, was die Reihenfolge betrifft, in der sich die Geschichte entwickeln sollte: Beginnt man mit seiner eigenen Geschichte und fügt die Antworten der interviewten Personen hinzu? Oder distanziert man sich von den Aussagen und baut damit seine eigene Geschichte auf? Im Endeffekt wird es ein bisschen von beidem sein, und wir wussten, wir wollten den Zusammenhang von Spaß und ehrenamtlicher Arbeit zeigen.

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Dann beginnst du mit der Videobearbeitung am Computer. Du nimmst die vielversprechendsten Teile der Interviews und schneidest sie grob auf 15 Minuten Material zusammen. Bis hierhin gab es keinerlei Überraschungen, obwohl ich keine Erfahrung mit dieser Art von Arbeit hatte. Aber dann taten sich mir ein paar seltsame Einblicke auf: Die Fragmente konnten komplett alleine, ohne Zusammenhang bestehen. Dir wird klar, dass der Zuschauer deines Films nicht weiß, was vor und nach dieser einen Szene gesagt wird. Es wird noch besser (oder schlimmer?): Du kannst die einzelnen Bruchstücke beliebig kombinieren und die Leute sagen plötzlich das, was du sie sagen lassen willst.

Während der Arbeiten an unserem Film, in Übereinstimmung mit unserer Story, konzentrierten wir uns mehr darauf, das touristische Konsumverhalten der Ehrenamtlichen zu zeigen, als das eigentliche Ziel von ehrenamtlichen Touristen: Die ehrenamtliche Arbeit. In einer Szene erzählte ein junger Mann, der in einem Kinderheim arbeitet, über die Kinder dort: “Sie lieben die Ehrenamtlichen.” In der nächsten Szene, die keine zehn Minuten danach aufgenommen wurde, fügte er hinzu: “Wir brachten sie zu McDonald’s und kauften ihnen ein Happy Meal!”

Beim Schneiden und Zusammenfügen der einzelnen Szenen, hast du die Gelegenheit, die Aussagen der Befragten zu verstärken: “Sie lieben die Freiwilligen, wir brachten sie zu McDonald’s.” Wenn du diese Aussagen zusammenfügst, was tust du dann in Wahrheit? Hilfst du der Wirklichkeit ein bisschen nach, so dass es besser klingt, oder täuscht du deine Seher?

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Während wir also an unseren Beiträgen arbeiteten und mitbekamen, wie die anderen Gruppen an den ihren arbeiteten, sahen wir die jeweiligen Projekte entstehen. Und wir alle haben herausgefunden, dass weniger mehr ist: Videobearbeitung ist Schneiden und Kombinieren, und bis zu einem gewissen Punkt… etwas komplett Neues, komplett Anderes zu kreieren. Es ist einfach, so eine Realität zu erschaffen. Natürlich weiß jeder im Großen und Ganzen wie Videojournalismus funktioniert, wir lesen alle Zeitung und sehen fern. Aber es fühlt sich ganz anders an, wenn du auf der anderen Seite stehst. Für mich war es das erste Mal, sehr seltsam und aufregend.

Viel Vergnügen mit unserem Resultat!

 

The art of editing

When I applied for Volunteer Correct, I put writing as a skill on my CV. I enjoy writing and I know how to write. But here, working for “Project Cape Town”, I face a new challenge: making videos. That means filming and EDITING. Writing is playing with your own words. Editing is playing with words of others. Both are storytelling, but for the first time in my life it really feels like… journalism! Start out with a strategy and tactics about how to make the message strong and persuasive. And how to get real attention.

In our group we worked on a video item about the role of fun in “voluntourism”: how does the work of volunteers coming to Cape Town from abroad match with the other objectives of the volunteers? And how is this anticipated by companies that intermediate between volunteers and their volunteering placements? We interviewed volunteers and the managers of some agencies and ended up with more than 75 minutes of film. How to bring it down to a film of seven minutes, and no more than that?

After the filming, the four of us thought some really good quotes and some meaningful facts and opinions were put forward by the people we interviewed. But how do you compose a storyline in which all of these fit? In a way, the storyline is in your head while you pick the useful parts of interview. In fact, the storyline was already in our head before shooting the raw material. To a certain extent you know what people will say and also… what you want to hear. But in the end you’re thrilled to see your subjects formulate that imagined story even better than you hoped for. I encountered a compelling dilemma about the order in which a story develops: do you start with your own ‘story’ and fill it with the answers of the people that are being interviewed? Or do you depart from what your subject has to say and build ‘your’ story with that? The truth will likely be a bit of both, and we knew we wanted to show how fun and volunteering are intertwined.

Then you start editing on the computer. You take out the most promising fragments of the interviews and bring the material back to 15 minutes. Up to here no surprises about the process, even though I have had no experience with this kind of work at all. But then I got some weird insights during the process of editing. The fragments suddenly seemed to be able to stand on their own. You realize that the viewers of your film are not aware of what is said before and after. And it even gets better (or worse?): you can combine fragments and that way you suddenly are able to let the people tell just you what you want!

In the makeing of the film, in accordance with our ‘story’, we were aiming on catching the volunteers focusing far more on their touristic consuming behaviour than about their supposedly primary goal: the volunteering work. In one fragment, a boy working in a children’s home said about the children he was taking care of : ‘they love volunteers’. In another fragment, in reality more then ten minutes after this mentioned fragment, he also said ‘we took them to McDonald’s and gave them a happy meal’.

Cutting the fragments and combining them the way you want, gives you the opportunity to make it stronger: ‘They love volunteers. We took them to McDonald’s. When you put them together like this, what is it you are really doing: pushing reality a little bit, so that it sounds even better? Or are you fooling your audience?

As we worked on our items and saw the other groups work on theirs at the same time, we saw each other’s products come to life. And all of us began to experience that you really can tell more with less: editing is cutting and combining and, to a certain extent….. making something totally new, totally different. It is easy to create reality by editing. Of course, we all generally know how video journalism works in advance, we all read papers and watch TV. But it feels very different when you’re on the other side. For me, it was for the first time. Very strange and exciting.

Please enjoy the result of what we made!

Über den Autor

Niko hat kürzlich seinen Job gekündigt, um sich auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren: Für seinen Blog zu schreiben und bei interessanten Projekte mitzuarbeiten. So wurde er auch zu einem der Teilnehmer des "Project Cape Town" von Volunteer Correct.

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