Symbolisches Tierblut auf meiner Haut: Umzingelt von Tierversuchen? (Teil 1)

Sunday 07th, June 2015 / 13:36 von
Symbolisches Tierblut auf meiner Haut: Umzingelt von Tierversuchen? (Teil 1)Bild: Pezibear / pixabay.com

Mein Zugang: Nichts ahnend. An einem gemütlichen Abend saß ich in der Badewanne und weil ich nichts zu Lesen bei der Hand hatte, griff ich nach dem Duschgel in der Hoffnung, einen interessanten Text auf der Rückseite zu finden. Diesen habe ich dann, neben einem kurzen Marketing-Absatz und den Inhaltsstoffen, auch tatsächlich gefunden: „Hergestellt ohne Tierversuche“ stand da. Das war nicht die Art von Text, die ich erwartet hatte. Zuerst dachte ich noch, dass das in der heutigen Zeit logisch sei, die Wissenschaft müsse doch schon längst soweit sein, auf diese verzichten zu können. Leider weit gefehlt.

Die ersten Zweifel kamen auf, als ich mein zweites Duschgel – die gleiche Marke, andere Sorte – unter die Lupe nahm: „Hergestellt ohne künstliche Aromen“ stand auf dem Platz, der bei der anderen Flasche den Tierversuchen vorbehalten war. Es folgte eine langwierige und umfassende Online-Recherche zu dem Thema und die Feststellung, dass vermutlich so gut wie all meine Kosmetikprodukte mit Tierversuchen in Verbindung stehen. Was leider auf den Großteil der im Fernsehen und in den glänzenden Magazinen beworbenen Kosmetika zutrifft. Unternehmen, die gänzlich ohne Tierversuche auskommen sind offensichtlich eine Seltenheit – und entsprechende Produkte ein Glücksgriff im Drogeriemarkt-Regal oder aber eher eine gezielte Suche nach diesen. Die Liste dieser Artikel ist quasi genau das Gegenteil von bekannten und vielfach beworbenen Produkten.

Kurzer Exkurs: Geschichtliches

Die Thematik der Tierschutz-Gesetze geht bis zur Zeit vor Christi Geburt zurück, wurde aber speziell im 19. Jahrhundert vermehrt aufgegriffen, mit der Forderung, diese zu verstärken. 1930 gab es diesbezüglich bereits mehr als 700 Vereine und Organisationen in Deutschland und schließlich machten sich die Nationalsozialisten das beliebte Thema zu Nutze: Viele Pelzhändler, Mediziner und Biologen waren Juden, in deren Kultur auch das Schächten (Ausbluten) verankert war. Dieses wurde, ebenso wie sämtliche Tierexperimente, vom NS-Regime per Gesetz verboten.
Für „kriegswichtige“ Projekte und für die „Volksgesundheit“ wurden aber schon zu dieser Zeit Ausnahmen zugelassen.

Aktuelles

Seit 11. März 2013 gibt es ein neues EU-Gesetz, welches Tierversuche für kosmetische Endprodukte sowie deren Rohstoffe verbietet. Entsprechende Produkte dürfen auch nicht mehr eingeführt werden. Ein schönes Zwischenziel, bei dem es allerdings noch einige offene Fragen und Unklarheiten gibt. Rohstoffe, die ihren Anwendungspunkt beispielsweise nicht ausschließlich (!) in kosmetischen Produkten finden, gelten als Chemikalie. Und Chemikalien fallen unter die Chemikalien-Richtlinie, für die europaweit Tierversuche verlangt werden, sofern es nicht zumindest sehr ähnliche, bereits getestete Stoffe gibt, durch die eine Vorhersage der Eigenschaften möglich wird. Auch wenn ein Inhaltsstoff in den medizinischen Bereich eingeordnet werden kann, sind Tierversuche meist gesetzlich vorgeschrieben.

Ebenso dürfen Konzerne nach wie vor außerhalb Europas Tiertests für Beauty-Produkte und deren Inhaltsstoffe durchführen, solange betroffene Einzelartikel nur nicht am europäischen Markt landen. Auf der anderen Seite gibt es nämlich Länder wie China – Hongkong & Taiwan ausgenommen -, die (erneute) Tierversuche zwingend vorschreiben und auch keine anderswo bereits anerkannten Alternativmethoden akzeptieren. Dies führt nun dazu, dass sich Unternehmen entscheiden müssen, an Tieren getestete Produkte am chinesischen Markt zu verkaufen und dafür auf den europäischen zu verzichten, oder umgekehrt.

Anmerken möchte ich auch, das sich dieses EU-Gesetz lediglich auf Produkte bezieht, die nach dem 11. März 2013 auf den Markt eingeführt wurden. Alle davor erschienenen Artikel sind von der Tierversuchsfreiheit ausgeschlossen und müssen auch nicht gesondert gekennzeichnet werden. Zu guter Letzt bleibt diesbezüglich noch zu sagen, dass die Durchsetzung und Kontrolle dieses Verkaufsverbots jedem einzelnen EU-Staat obliegt, wobei davon ausgegangen werden darf, dass nicht alle die Mittel hierfür haben.

Tierversuche? Nein, danke!

Man könnte nun natürlich sagen, dass das egal ist und für das eigene (europäische) Duschgel eventuell keine Tierversuche stattgefunden haben, sofern die Inhaltsstoffe nicht auch zum Beispiel Verwendung in Waschmitteln oder ähnlichem finden und somit als Chemikalie gelten, aber so lange ein Unternehmen irgendwo auf der Welt Tierversuche für irgendetwas durchführen lässt, finanziere ich mit dem Kauf dessen Produkte auch genau dies. Tierleid und die Firmen, die diese Tests in irgendeiner Form „gut heißen“ oder als notwendig erachten, möchte ich nach Möglichkeit aber nicht unterstützen, mit keinem noch so geringen Beitrag. Es gibt Alternativen und es gibt Firmen, die ohne Tierversuche auskommen.

Mehr dazu im zweiten Teil dieser Artikelserie.

 

Quellenangaben und weitere Infos:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tierversuch
http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/infos/kosmetik-chemikalien/118-kosmetik-und-tierversuche
http://www.animalfair.at/2013/03/animal-fair-berichtet-kosmetik-tierversuche-in-eu-verboten/
http://echa.europa.eu/de/chemicals-in-our-life/animal-testing-under-reach
http://www.tierschutzbund.de/kosmetik-positivliste.html
http://www.gocrueltyfree.org/consumer/the-leaping-bunny
http://www.kontrollierte-naturkosmetik.de/richtlinie.htm
http://kosmetik.peta.de/

Über den Autor

Daniela lebt mit ihrer Dackelmix-Hündin südlich von Wien. Die beiden verbindet unter anderem die Neugier, Landschaften, mystische Wälder und alte Bauwerke zu erkunden. Daheim liest sie gerne bei einer Tasse Tee oder recherchiert. Sie findet Wissen sexy, versucht bewusst zu leben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

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7 Comments on “Symbolisches Tierblut auf meiner Haut: Umzingelt von Tierversuchen? (Teil 1)

  • Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Einsatz in dieser traurigen Angelegenheit! Es sollen keine Tiere leiden, das soll uns immer beim Kauf von Kosmetika bewusst sein…
    Veronika

    Reply
    • Danke! Bewusstsein ist ein gutes Stichwort, leider wird das Thema oft schön geredet oder unter den Teppich gekehrt und erst wenn man sich näher damit auseinander setzt, bemerkt man, wie verworren und unschön das ganze Thema auch heute noch ist. Mich hat da buchstäblich “der Schlag getroffen” als ich einen Fuß in dieses Thema gesetzt hatte. Und mittlerweile habe ich wirklich fast alle – früher gern von mir verwendeten – Marken aus meinem Badezimmer aufgebraucht und durch andere, wirklich tierversuchsfreie ersetzt (also wirklich quasi ALLES ersetzt). Da fühlt man sich dann nicht nur von außen schön beim Eincremen 😉

      Reply
      • Hallo Daniela! Ich habe mir einige deiner Beiträge durchgelesen und bin beeindruckt von deiner ruhigen Berichterstattung bzw. deinen Erfahrungsberichten. Möchtest du dein Repertoire an tierversuchsfreien Kosmetika um den Aspekt füllstoffrei, chemiefrei und frisch erweitern? Dann kontaktiere mich doch einfach mal mit einem Mail: pap@firstimpression.at oder einem Anruf unter 06641108598. Ich wohne in Wien und habe ähnliche Erfahrungen wie du gemacht. lg
        robert

        Reply
  • finde es toll, wie du dich dafür einsetzt, dass die Gedanken der Menschen bewegt werden – denn wenn es in den Köpfen der Einkäufer geschieht, tut sich auch schon
    Großes !!! mama

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  • Michaela Novy

    Dieser Artikel ist sehr gut geschrieben und interessant! Echt toll warte schon wie es weitergeht! Michaela

    Reply

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