Symbolisches Tierblut auf meiner Haut: Alternatives Einkaufen (Teil 3)

Saturday 18th, July 2015 / 22:45 von
Symbolisches Tierblut auf meiner Haut: Alternatives Einkaufen (Teil 3)Alle Bilder: Daniela

Nach dem ersten Teil der Serie “Symbolisches Tierblut auf meiner Haut”, der einen ersten Einblick in den derzeitigen Stand betreffend Tierversuche und Kosmetik gegeben hat, sowie den zweiten Teil, der sich damit auseinander setzt, wie Unternehmen versuchen zu verschleiern, dass für ihre Produkte Tierversuche durchgeführt wurden, folgt nun der dritte und letzte Teil dieser Artikelserie.

In der Vergangenheit haben bereits etliche Tierversuche für diverse Stoffe stattgefunden, deshalb ist es kaum möglich, ein Produkt zu entwickeln, für dessen Rohstoffe garantiert noch nie ein Tier leiden musste. Bei den folgenden Siegeln geht es also weniger darum, absolut ewige Tierversuchsfreiheit zu versichern, als mehr einen Stichtag festzulegen, ab dem man dies auch wirklich zu 100 Prozent garantieren kann.

Ich möchte hier nun Auszeichnungen aufzählen, die sich umfassend mit der Problematik auseinandersetzen und dank denen man “beruhigter” einkaufen kann, soweit man sich mit deren Kriterien identifizieren kann: The Leaping Bunny, die Positivliste beziehungsweise Marke des Deutschen Tierschutzbundes e.V. / IHTN und die Positivliste von PETA Deutschland e.V. (beziehungsweise PETA USA).

The Leaping Bunny

leaping_bunny_DSC_0051

Eines der strengsten, wenn nicht das strengste aller Siegel. Wie der Name schon verrät, ist auf diesem internationalen Siegel ein springender Hase zu sehen, umgeben von zwei Balken und zwei Sternen. Hinter der Kennzeichnung stecken mehrere internationale Tierschutzorganisationen, die sich zusammengeschlossen haben. Es wird weltweit die gesamte Produktpalette (!) der jeweiligen zertifizierten Unternehmen geprüft – sobald auch nur ein Produkt in einem Land, welches Tierversuche verlangt, vertrieben wird, darf es diese Auszeichnung nicht mehr tragen. Dies bezieht sich – im Gegensatz zum EU-Gesetz – auf alle Inhaltsstoffe (nicht nur jene, die offiziell als Kosmetik definiert werden). Deshalb gibt es diese Auszeichnung auch für Haushaltsprodukte. Beim Leaping Bunny-Siegel dürfen die Firmen den Stichtag der Tierversuchsfreiheit selbst wählen, ab diesem müssen die Produkte zu 100 Prozent tierversuchsfrei sein (gültig für alle Lieferanten, Labore, Inhaltsstoffe und den Vertrieb in sämtlichen Ländern). Auch muss ein Kontrollsystem in die Lieferkette eingebaut werden, welches regelmäßig von einem unabhängigen Kontrollinstitut überprüft wird. Kommt ein Unternehmen gänzlich ohne Tierversuche aus, gehört aber einem Mutterkonzern an, der dies nicht tut, darf das Siegel verwendet werden, das entsprechende Unternehmen wird aber auf der Online-Shopping-Liste  beziehungsweise in der PDF-Shopping-Liste  gesondert (mit einem Quadrat) gekennzeichnet, wie zum Beispiel The Body Shop, welcher zu L’Oréal gehört. Anmerken möchte ich hier auch, dass die Listen leider nicht ganz aktuell sind – ich habe bei meiner Recherche mehr Produkte mit dieser Auszeichnung in Österreich gesehen, als hier angegeben.

IHTN / Deutscher Tierschutzbund e.V.

IHTN_Hase
Auf diesem Zeichen ist ein Hase mit schützender Hand zu sehen. Verwendete Inhaltsstoffe dürfen ab dem 1. Januar 1979 nicht mehr an Tieren getestet worden sein. Wurde nach diesem Datum ein Tierversuch durchgeführt, darf das Unternehmen in keinem Zusammenhang mit der entsprechenden Firma stehen. Allgemein ist keine wirtschaftliche Abhängigkeit zu Firmen erlaubt, die Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben. Auch dürfen ausgezeichnete Firmen ihre Produkte nicht in Länder exportieren, wenn damit Tierversuche verbunden sind. Sobald die Gewinnung eines Stoffes mit Tierquälerei, Ausrottung oder der Tötung von Tieren zu tun hat, darf dieser ebenso nicht mehr verwendet werden. Um dieses Siegel zu erhalten, muss eine rechtsverbindliche Erklärung abgegeben werden, dass die Standards eingehalten werden. Bei Falschangaben droht eine Strafe von bis zu 10.000 Euro. Anmerken möchte ich, dass dieses Logo nicht alle Firmen, die auf der Positivliste stehen, auf ihren Produkten tragen – eine Firmenliste findet ihr hier.

PETA-Positivliste

PETA Hase
Um auf dieser Liste aufscheinen zu dürfen beziehungsweise den PETA-Hasen tragen zu dürfen, müssen die Firmen schriftlich versichern, dass sie weltweit keine Tierversuche bei Endprodukten oder für Rohstoffe durchführen oder durchführen lassen. Auch dürfen sie ihre Produkte nicht in Ländern vermarkten, in denen Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben sind. Anders formuliert heißt es auf der Website auch, dass Firmen klar Stellung gegen Tierversuche beziehen müssen. Verdutzt hat mich persönlich dann allerdings, dass auf einigen Produkten der selben Marke der PETA-Hase abgebildet ist, auf anderen nicht… ?

Andere Auszeichnungen

BDIH_Siegel
Auch das BDIH-Siegel hat zwar in seinen Richtlinien kurz mit drei Sätzen das Verbot von Tierversuchen beziehungsweise Rohstoffen, die nach 31. Dezember 1997 getestet wurden, angeführt, wird aber zum Teil auch von Kosmetikfirmen mitentwickelt. Ebenso beziehen sich die Richtlinien leider auch nur auf kosmetische Rohstoffe, sind also in diesem Punkt nicht weiter entwickelt als das EU-Gesetz. Ende 2013 gab es eine Presseaussendung, in der es hieß, die Tierversuchsfreiheit gelte weltweit und die „Konformität mit dem BDIH-Siegel sei bei einem Export nach China gefährdet“ – bis jetzt wurden aber weder die Richtlinien auf der Homepage aktualisiert, noch gab es meines Wissens nach eine weitere Aussendung dieses Thema betreffend.

keine empfehlung veganblume natrue eco cert
Andere Logos, wie zum Beispiel die Veganblume oder das NATRUE-Label, möchte ich nicht empfehlen, da diesen Auszeichnungen keine ausgefeilten Regelungen für Tierversuche zugrunde liegen und diese ihren Schwerpunkt in anderen Bereichen haben. Das NATRUE-Label verweist beim Thema Tierversuche beispielsweise auf das EU-Recht (Problematik „Chemikalien“), welches lediglich global ausgeweitet wird – auch wird dieses Siegel meist einzeln für jedes Produkt einer Firma vergeben, hat also nichts mit der allgemeinen Firmenpolitik zu tun. Auch die Natur- bzw. Biokosmetik-Auszeichnung ECOCERT verweist beim Thema Tierversuche in einem einzigen kurzen Satz lediglich auf das EU-Gesetz mit all seinen Schlupflöchern.

Wie umständlich wird Shopping ab jetzt, wenn ich die Tierschutz-Logos berücksichtigen möchte? Kann ich noch in „normalen“ Geschäften einkaufen gehen?

Ja, entsprechende Produkte sind beispielsweise bei dm, Müller, in anderen Drogeriemärkten, Parfümerien oder Reformhäusern und Bio-Supermärkten zu finden. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase hat man auch schnell herausgefunden, welche Produkte man wo kaufen kann. Je nachdem, welchen Siegeln man persönlich den Vorzug geben möchte, wird es leichter oder etwas aufwendiger, entsprechende Artikel zu finden.

Weil es im Wirr-Warr der Logos meine liebste Auszeichnung ist, möchte ich euch noch einige damit ausgezeichnete Firmen, deren Produktsortimente und vermarktende Geschäfte auflisten:

Firmen mit Leaping-Bunny-Logo

firmen leaping bunny logo

Urtekram: Verschiedene Shampoo-Varianten, Balsam, Bodylotion, Duschgel, Handseife, Deo, Handcreme, Tagescreme, Body-Scrub, Lippenbalsam, Body-Butter, Fußcreme, Produkte fürs Baby, Conditioner, Zahnpasta – immer größer werdendes Sortiment gesehen bei: dm, Reformhaus, in Österreich: BIPA
Santaverde: Gesichtsreinigung, Gesichtstoner, diverse Gesichtscremen, Augencreme, Gesichtsmasken, Anti-Aging-Produkte, Duschgel, Körpergel, Bodylotion, Handcreme, reines Aloe-Vera-Gel beziehungsweise -Saft – gesehen bei Marionnaud
Bulldog (Skincare For Men): Waschgel, Feuchtigkeitscremen, After Shave Balsam, Deo, Duschgel, Rasiergel und Rasiercreme – gesehen bei dm, in Österreich: BIPA
Intelligent Nutrients: Shampoo, Contitioner, Haarpflegeöl, Haarspray und -Gel, Gesichtspflegeprodukte, Körperpflege-Produkte, Lippenpflege und -gloss – gesehen im Reformhaus
Montagne Jeunesse: Gesichts- und Haarmasken, Körperpflegeprodukte – gesehen bei Müller, in Österreich: BIPA

Auch Reinigungsprodukte mit diesem Siegel sind vorhanden:
Ecover: Sämtliche Reinigungsartikel wie Scheuermilch, Bad-Reiniger, Kalk-Entferner, Allzweck-Reiniger, Bodenseife, Glas-Reiniger, WC-Reiniger, Weichspüler, Fleck-Entferner, Aktivsauerstoff-Bleiche, Woll- und Feinwaschmittel, Flüssigwaschmittel, Spülmittel und Spülmaschinen-Tabs – umfassendes Sortiment gesehen bei dm, Müller

Persönliche Erfahrungen

Geschultes Personal in einem von vier Fällen (zwei Reformhäuser, zwei Parfümerien). Beim Nachfragen erklärte mir eine Mitarbeiterin zum Beispiel stolz, dass all ihre Produkte tierversuchsfrei seien und ich keine Bedenken haben müsse – das habe sie erst auf einem Seminar gelernt. Auf mein Beharren hin fragte sie aber noch ihre Kollegin und voilá – plötzlich blieben von dem riesigen Sortiment nur noch drei Marken über, alle aber leider auch ohne Siegel… In nur einer Parfümerie erhielt ich wirklich gute und umfassende Auskunft über entsprechende Firmen. Nach der Recherche für diese Artikelserie kann ich nur sagen, dass große Firmen (bei kleinen Unternehmen mag es ja vielleicht anders sein, weil zu viel Aufwand und Kosten), die kein entsprechendes Siegel führen, leider meist auch einen Grund dafür haben.

Fazit: Augen auf!

Es fanden in den letzten Jahren genügend Tierversuche statt – es sind bereits ausreichend Stoffe erforscht, um sämtliche Artikel herstellen zu können. Ich denke, niemand kann beim heutigen Angebot sagen, dass diese Mittel „nicht funktionieren“ und weiter erforscht und verbessert werden müssen. Es würde theoretisch reichen, auf die bereits vor Jahren getesteten Inhaltsstoffe zurückzugreifen. Wenn es aber doch gänzlich neue Artikel sein sollen, sollten die Unternehmen nicht nur fortschrittlich und kreativ sein, was angebliche produktbezogene Revolutionen angeht, sondern auch die Forschung betreffend, um gänzlich auf Tierleid verzichten zu können. Auch würde ich mir wünschen, dass Unternehmen Ethik vor Profitgier stellen und gänzlich auf dubiose Märkte verzichten.

Welche tierversuchsfreien Marken und Produkte sind eure Favoriten? Und wo kauft ihr diese ein?

Über den Autor

Daniela lebt mit ihrer Dackelmix-Hündin südlich von Wien. Die beiden verbindet unter anderem die Neugier, Landschaften, mystische Wälder und alte Bauwerke zu erkunden. Daheim liest sie gerne bei einer Tasse Tee oder recherchiert. Sie findet Wissen sexy, versucht bewusst zu leben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Alle Artikel von Daniela

4 Comments on “Symbolisches Tierblut auf meiner Haut: Alternatives Einkaufen (Teil 3)

  • Melanie Arlt

    Danke für diesen tollen umfangreichen Informationen. Man muss ständig aufpassen und gucken, was man kauft. Viele Firmen ändert oftmals auch die Rezeptoren oder werden an andere Marken verkauft, die bspw. nach Asien exportieren und dann machen sie wieder Tierversuche. Es ist echt traurig und so unnötig. 🙁

    Reply
    • Liebe Melanie, danke für dein Feedback. Es geht leider wirklich sehr schnell, dass sich Informationen (leider nicht unbedingt zum Positiven) ändern – auch während dem Verfassen dieser Artikelserie musste ich zwischenzeitlich ein paar wenige Absätze ändern beziehungsweise streichen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich in Zukunft mehr Menschen mit diesem Thema befassen und die Firmen beginnen umzudenken, weil sie auf ihren – an Tieren getesteten – Produkten “sitzen bleiben”.

      Reply
  • Danke für die vielen Infos! Leider hast Du mit der Beratung recht, die ist selten professionell 🙁 Ich selbst verwende großteils Ringana! 100% Vegan, biologisch, hochwertig und von einem TOP-nachhaltigen österreichischen Unternehmen. Besser geht’s wohl nicht 🙂 Ist auch auf der Postiv-Liste von PETA! Beratung und Bestellung gerne direkt bei mir auf http://www.ringana.com/251054 Über veganRABATT.at gibt es einen 10% Gutschein!

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    • Danke für dein Feedback und den Link! Ringana habe ich selbst noch nicht probiert, aber auch schon viel Positives darüber gehört

      Reply

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