Sort of Sophie – Dieses Jahr wird irgendwie alles besser.

Tuesday 11th, February 2014 / 18:38 von
Sort of Sophie – Dieses Jahr wird irgendwie alles besser.Bild: acandraja / pixabay.com

Heute geht es wie angekündigt um das Thema Auszeit. Zeit für Auszeit, um genau zu sein. Wir alle sind auf sie angewiesen. Ein gesunder Geist braucht einen gesunden Körper und beides kann nur mit ausreichenden Entspannungsphasen zwischendurch erreicht und in weiterer Folge auch aufrecht erhalten werden.

Und doch hetzen wir die meiste Zeit durch das viel zu kurze Leben, anstatt immer wieder bewusst einen Schritt zurück zu machen und die Ruhe regieren zu lassen. Wir stressen uns von einem Termin zum nächsten, stopfen jede noch so kleine Lücke in unseren Terminkalendern mit Verpflichtungen und Verabredungen zu, um nur ja nichts zu verpassen. Dreimal die Woche zum Sport, weil man fit sein muss. Volkshochschulkurs, man will sich schließlich weiterbilden. Tanzen gehen, weil man sich selbst und den anderen zeigen will, dass man es noch kann. Essen und Trinken mit Freunden, weil die sozialen Kontakte unbedingt gepflegt werden müssen, denn sonst wird bestimmt schlecht von einem gedacht. Gehören auch noch Partner und Kinder zum Leben, sieht der Tagesablauf gleich noch etwas gedrängter aus.

Da ist es wirklich kein Wunder, dass einem früher oder später die Luft zum Atmen fehlt. Man arbeitet Terminpläne und To-Do-Listen lange Zeit pflichtbewusst und voller Energie ab, ist irgendwann aber plötzlich erst morgens, bald auch tagsüber müde, bekämpft solche Gefühle der “Schwäche” jedoch mit Hilfe von Kaffee oder Energydrinks. Nur nicht zeigen, dass man jetzt eigentlich etwas anderes braucht. Man kommt am Abend nach Hause und was ist dann? Sobald man die Wohnungstür hinter sich geschlossen hat, bricht die Erschöpfung über einen herein. Tun wir etwas dagegen? Nein. Am nächsten Morgen beginnt das Spiel von Neuem. Und so etwas nennen wir tatsächlich Leben? Hier läuft doch etwas gehörig falsch.

Wenn sich diese Ohnmacht erst einmal eingestellt hat, ist es meist schon zu spät, um vorsorglich zu handeln. Man hat bereits viel zu lange die Bedürfnisse von Körper und Geist ignoriert. Dementsprechend lange braucht es auch, um beides wieder in Einklang zu bringen. Und doch ist es keineswegs unmöglich. Man muss sich nur der Tatsache bewusst werden, dass es auf die gewohnte Art und Weise nicht mehr weiter gehen kann, und die offenbar ungesunde Lebensweise ändern.

Der erste Schritt dazu lautet: Termine streichen.

Ja, es tut mir leid, aber es ist so. Es führt kein Weg daran vorbei. Mit einem vollen Terminkalender kann man sich nicht entspannen. Sobald Termine mehr Belastung als Freude darstellen, muss man sich – zumindest von einigen – vorläufig trennen. Man muss nicht jeden Tag und jeden Abend auf Achse sein, wenn es einem mehr Energie raubt, als es gibt. Es ist weder Schande, noch ist es ein Ausdruck von Schwäche, wenn man sich einmal ganz bewusst zurückzieht, um durchzuatmen. Und einfach mal nichts zu tun.

“Was, Nichtstun? Iiiiiieh, das geht doch nicht!” werden jetzt viele denken. Zu Unrecht. Nichtstun fällt heutzutage den meisten Menschen schwer, denn:

“Das ist vergeudete Zeit!”
“Aber ich habe doch so viel zu tun!”
“Ich kann nicht, ich muss… !”
“Das ist langweilig!”
“Das bringt doch nichts!”
“Nichtstun ist asozial!”

Dabei wird übersehen, dass Nichtstun nicht mit dem meist negativ behafteten Wort Untätigkeit verwechselt werden darf. Unsere italienischen Nachbarn wissen schon deutlich mehr damit anzufangen. “Dolce far niente” – das süße Nichtstun. Müßiggang. Sich einfach mal treiben lassen. Das klingt doch gleich viel besser, oder?

Aber nicht nur Nichtstun fällt den Menschen schwer, auch das bewusste Alleinsein. Alleine zu sein hat aber nicht automatisch mit Einsamkeit zu tun. Sondern mit Selbstrespekt und Regeneration. Viele Kinder lernen in der heutigen Zeit nicht mehr, dass man sich auch alleine beschäftigen kann und sollte. Ohne Freunde, ohne Ablenkung elektronischer Geräte. Immer muss der Schalter auf “On” stehen, denn “Off” wäre Schwäche. Und Schwäche darf nicht sein. Schwäche ist böse. So ist bei vielen Kindern und Erwachsenen Überforderung vorprogrammiert. Dabei benötigt ein Kinderhirn genauso wie das Hirn eines Erwachsenen Pausen, um sich weiterentwickeln zu können. Wenn man die ganze Zeit nur auf “Aufnahme” gestellt ist, geht irgendwann gar nichts mehr. Ein Muskel benötigt auch eine Regenerationsphase, um wachsen zu können. Dem Muskel gestatten wir diese Phase des Nichtstuns. Unserem Geist nicht. Dabei hat er es mindestens genauso nötig.

Probiert es aus! Tretet einfach einmal einen Schritt zurück, streicht einen Termin aus eurem Kalender – oder falls ihr nicht anders könnt, tragt euch einen Termin dafür ein – und macht nichts. Ihr werdet erstaunt sein, was euer Kopf so alles zustande bringt, wenn ihr ihn komplett frei macht. Wenn ihr einmal nicht an To-Do-Listen, Geschäftstermine, Kinder, die schmutzige Wäsche oder den Geburtstag der Schwiegermutter denkt. Schließt die Augen und nehmt euch selbst und eure Atmung wahr.

Es funktioniert nicht? Es schwirren alle möglichen Gedanken durch den Kopf? Der Geist will nicht zur Ruhe kommen und ihr ertappt euch, wie ihr an eure Pflichten denkt? Dann ist es umso wichtiger, diese Übung immer und immer wieder zu machen. Nur Geduld – auch Nichtstun will gelernt sein.

Über den Autor

Sophie lernt durch ihre Arbeit für The bird's new nest Tag für Tag Spannendes zum Thema Nachhaltigkeit. Ihrer ganz besonderen Liebe zur veganen Ernährung verleiht sie auf ihrem Foodblog somehowsophie Ausdruck.

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6 Comments on “Sort of Sophie – Dieses Jahr wird irgendwie alles besser.

  • Hallo Sophie, ich liebe deine Kolumne und diesen Artikel, auch wenn er mir mal wieder vor Augen führt, das ich genau so ein Kandidat bin, der immer auf Achse ist und sich nie Zeit für “nichts” nimmt. Es ist schon komisch, obwohl man es ja genau weiß, dass man es brauchen würde, jetzt mal eine Stunde keinen Termin zu haben, tut man es nicht, denn es wäre verschwendete Zeit!
    Danke das du darüber geschrieben hast, jetzt werde ich immer an deine Worte denken wenn es mir mal wieder zu viel wird, und vielleicht schaffe ich es dann schon bald, auch mal nichts zu tun! 🙂

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    • Ich danke dir! Wir sind ja im Endeffekt alle noch am Lernen. Auch ich muss mich immer wieder selbst dazu disziplinieren bzw. daran erinnern, nicht so durchs Leben zu hetzen. Alte Gewohnheiten abzustreifen dauert eben seine Zeit! 🙂

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  • silversheep1

    Hallo Sophie, guter Artikel – da gebe ich dir Recht, es ist wichtig sich Zeit für sich selbst und zur Entspannung zu nehmen! Ich habe seit letzten Herbst mit Meditation begonnen und festgestellt, dass das gar nicht so einfach ist wie gedacht “anzuschalten” und “einen leeren Kopf” zu bekommen – sich auf den Atem zu konzentrieren ist, wie du geschrieben hast, eine mögliche Art. Für den Alltag hilft es auch achtsamer zu sein, z.B. langsamer zu gehen und dabei nicht schon ans nächste zu denken, langsamer und bewusster zu Essen, etc. – da merkt man wieviel Entspannung man zwischendurch einbauen kann. 🙂

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    • Liebes silversheep, auf jeden Fall! Es geht so vieles auch “nebenbei”, man muss nur den Schritt wagen! Hast du vielleicht Tricks oder Erfahrungen bzgl. Meditation, die du mit uns teilen magst?

      Reply
      • Hallo Sophie, leider hab ich deine Antwort erst jetzt gelesen, sonst hätte ich dir gleich geantwortet!
        Ich will einen Artikel schreiben, in dem ich verschiedene Meditations-, und Achtsamkeitstechniken vorstelle…ich hoffe dass ich bald dazukomme, hab gerade einige Ideen im Kopf herumschwirren. 🙂

        Reply

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