Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

Sunday 05th, January 2014 / 16:24 von
Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für GutesBild: Sabine R.

Die Krux mit dem Überfluss – In Anlehnung an John Naishs “Genug”

Laut Wörterbuch bezeichnet Überfluss den Zustand, wenn eine Menge von etwas vorhanden ist, die viel größer ist als der Bedarf. Soviel zur Erklärung. Die Frage, die sich mir aufdrängt: Wo ist das bei uns der Fall? Wovon haben wir möglicherweise zu viel? Haben wir überhaupt zu viel?

Ausgehend von meinem Leben fiel mir beginnend bei Verschleißmaterial wie Stifte oder Papier über Schmuck und Bücher bis hin zu Dekorationsmaterial gleich mal einiges ein. Und ja, ich denke jeder Mensch der westlichen Gesellschaft besitzt zu viel. Ich habe alleine vier Paar schwarze Stöckelschuhe, wobei ich doch ohnehin nur eines auf einmal tragen kann. Warum kaufe ich mir Bücher anstatt sie auszuleihen, obwohl ich mir nur selten die Zeit nehme, ein Exemplar erneut zu lesen? Aus welchem Grund dekoriere ich mein Heim mit Figuren, wenn ich mich doch insgeheim ärgere, da sie mich auf den Verstaubungsgrad meiner Möbel aufmerksam machen?

Ein großer Schritt, um der eigenen Konsumtretmühle ein Ende zu setzen, ist zu hinterfragen, was mir meine Habseligkeiten bedeuten. Sofern sie für mich emotionalen oder finanziellen Wert oder einen Verwendungszweck haben, werde ich sie behalten. Die Kunst liegt darin, die übrigen Dinge herauszufiltern und sich von ihnen zu trennen. Damit meine ich bedeutungslose Dinge, denen keine Beachtung geschenkt wird und die im Keller verstauben.

Ich persönliche verfolge die Absicht, von Zeit zu Zeit zehn Sachen aus meinem Heim zu entfernen, die ich nicht mehr benötige. Darunter fallen ungelesene Magazine, nie eingelöste Gutscheine, Schmuck und Kleidung, die ich nicht mehr trage – oder auch nie getragen habe – und ähnliches. Des Weiteren kategorisiere ich gerne. Beispielsweise habe ich Kisten mit den Aufschriften “Dinge, die ich liebe”, “Dinge, die einen zweitrangig sentimentalen Wert für mich haben” und “Dinge, die ich immer mal tun wollte”. Somit fällt es mir leichter, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Weg damit! Aber wohin?

Um den ausgewählten Sachen noch ein zweites Leben einzuhauchen, verschenke ich sie. Dies erfordert zwar Mühe, doch meines Erachtens lohnt sich der Aufwand im Nachhinein sehr. Für Bekleidung und Bettwäsche gibt es in jedem größeren Ort meist Container von Hilfsorganisationen. Bücher können in offenen Bücherregalen einen neuen Besitzer finden – oder ihr ein neues Buch. Für größere oder speziellere Dinge eignen sich Tauschbörsen im Internet oder Share&Care-Gruppen auf Facebook. Durch solche Aktionen bin ich schon vielen Menschen begegnet, die mir durch ihre Dankbarkeit den Aufwand des Verschenkens und den Verlust des Gegenstandes allemal zurückgezahlt haben.

Bereits nach kurzer Zeit machte mir dieses Entrümpeln und Aussortieren viel Spaß. Mittlerweile genieße ich es, mich von alten Dingen zu trennen und sie weiter zu geben. Nachdem ich wieder einmal ein oder zwei Schachteln verschenkt habe, fühle ich mich in meinem Zuhause noch wohler, da den verbliebenen Sachen mehr Ausdruck verliehen wird und sich ein befreiendes Gefühl in mir einstellt.

“Genug – Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen”

Für all jene unter euch, die jetzt auf den Geschmack gekommen sind, kann ich John Naishs “Genug – Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen” sehr empfehlen. Es behandelt gleich mehrere Aspekte des Überflusses wie Informationen, Essen, Auswahl, Glück und Wachstum. Naish ergründet die menschlichen Verhaltensmuster des Sammelns, zeigt dem Leser Bereiche auf, an die er wahrscheinlich nie gedacht hätte und gibt am Ende jedes Kapitels Anleitungen und Hilfestellungen für sinnvolle Reduktion.

Durch dieses Buch wurde ich sensibilisiert, dass es allerhand neue Technologien gibt, die uns nur suggerieren, dass sie einen positiven Einfluss auf unser Leben haben. Anstatt dessen werden wir subtil davon abhängig. Viel zu oft rauben uns Kommunikationsmittel und Informationsmedien unsere kostbarsten Güter: Zeit, Aufmerksamkeit und Energie. Der Autor stellt die richtige Frage, deren Antwort niemand von uns in einem Katalog oder Einkaufszentrum finden sollte. Was ist wirklich wichtig?

Das Buch ist versehen mit vielen themenspezifischen Zitaten, die zum Nachdenken anregen. Eines davon führe ich hier an: “Sie hatte Freunde, die ernsthaft mit Yoga begonnen hatten oder Antidepressiva schluckten oder Survival-Expeditionen in die Wildnis unternahmen, wo man Trinkwasser gewinnt, indem man Tau auf Plastikplanen sammelt. Sie verstand, dass sie sich selbst nicht genug waren. Dass sie fürchteten, nicht glücklich genug oder wertvoll genug oder hübsch genug zu sein – und nicht genug, um eine Leere auszufüllen.” Jean Thompson, “Wide Blue Yonder”

Über den Autor

Sabine schreibt für The bird's new nest, weil sie ihre Erfahrungen im Bezug auf ein nachhaltiges, rücksichtsvolles Leben teilen möchte und eine Schwäche fürs Schreiben hat. Sie studiert in Wien und kommt aus Oberösterreich. Ihr Herz gehört dem Punkrock und den Tieren. Neben dem Reiten fährt sie leidenschaftlich gerne Schi. Außerdem ist sie eine Leseratte. Und eine Nachtkatze.

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7 Comments on “Sonntagslektüre: Nimm dir Zeit für Gutes

  • Ein guter Artikel! Aber Yoga mache ich wirklich für mich, weil es mich total entspannt 😉
    Diese Woche habe ich wieder eine riesige IKEA-Tüte Bücher aussortiert. Was sollen sie im Regal rumstehen und Platz wegnehmen? Ich denke das Problem liegt oft in den Gedanken “Das könnte man nochmal gebrauchen …” oder “Das hat mal xxx Euro gekostet. Aus diesem Grund kann ich es nicht einfach wegeben.” Damit Blockieren wir uns oft selbst.
    Liebe Grüße
    Nicole

    Reply
  • Danke ein super Artikel – das Buch werde ich mir eventuell holen und es dann wieder weitergeben apropos nicht horten. 😀

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  • Ganz toller Artikel. Bei mir hat es zum Glück schon vor Jahren Klick gemacht, aber es gibt dann doch immer wieder mal Phasen, wo ich kurzfristig in alte Muster falle und ich mich erneut wieder besinnen muss. Es ist einfach toll, wenn man ganz ehrlich zu sich sagen kann “Mir geht es gut, ich habe alles was ich brauche und ich bin Glücklich”.
    Wenn ich dann etwas kaufe versuche ich Qualität zu kaufen und richtig Freude dran zu haben. HIer wird nicht gejammert was das alles schonw ieder kostet, sondern wenn mal ein gutes Stück gekauft wird, freue ich mich einfach daran und dazwischen wird einfach nichts gekauft.
    Sonst ist Willhaben mein größer Freund. Egal ob Bücher, Möbel oder anderes. Man kann sparen und gleichzeitig den Konsumwahn ein bisschen durchbrechen. Sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf.

    Den Buchtipp finde ich klasse. Klingt sehr interessant!

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  • Manchmal komme ich mir auch vor wie ein zu groß geratener Hamster … kurz und gut, ich hab vor etwa drei Jahren auch die Notbremse gezogen, als ich mir endlich bewusst gemacht habe, dass ich von vielen Dingen einfach zu viel besitze, zB von etwas fünf verschiedene Varianten, wo eine mehr als ausreicht. Ich arbeite mich da zwar nur mit kleinen Schritten voran, aber besser kleine als gar keine. Was nicht gebraucht wird, wird verkauft oder verschenkt und bei Neuanschaffungen denke ich mittlerweile genau nach, ob ich etwas tatsächlich brauche und wenn ja, eventuell gebraucht kaufen oder gar leihen könnte. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich mir nie etwas Nettes gönne, aber wenn dann wohl überlegt und ich weiß es im Endeffekt auch viel mehr zu schätzen als all die Sachen, die ich früher im Kaufrausch gehamstert hab, nur weil’s vielleicht sooo günstig war (und dann eh nie wieder Tageslicht gesehen hat).
    Den Tipp mit den Tauschbörsen finde ich übrigens auch toll, wobei ich persönlich ja generell reduzieren möchte und nicht ein Teil gegen ein anderes tauschen.
    Das Buch, das du im Artikel erwähnst, werde ich mir wohl auch zulegen (Bücher gehen nämlich immer), aber (mangels g’scheiter Bibliothek in meiner Stadt) werde ich mich nach einer gebrauchten Kopie umsehen. Bemerkung am Rande – jahrelang habe ich Bücher neu gekauft, einmal gelesen und nie wieder angeschaut. Nachdem das ewig schade ist (und auch ins Geld ging), kommen bei mir mittlerweile fast nur noch gebrauchte Bücher ins Regal und wenn ich mit ihnen fertig bin, werden sie – du ahnst es sicherlich – verkauft oder verschenkt! 🙂

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    • Schön, dass du deine Sicht der Dinge schilderst, Birgit.
      Falls du in meiner Reichweite bist, borg ich dir das Buch gerne 🙂

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    • Bei einer Tauschparty musst du ja nichts entgegennehmen, du kannst ja auch einfach nur gegen ein Lächeln tauschen. 😉

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