Seele 2.0 – Welchen Wolf fütterst du?

Tuesday 10th, June 2014 / 14:26 von
Seele 2.0 – Welchen Wolf fütterst du?Bild: Nadja Petranovskaja

Zu Beginn eine kurze Übung. Spüre in dich hinein – wie fühlst du dich jetzt? Aufgeregt oder gelangweilt? Satt oder hungrig? Ist dir warm oder kalt? Hast du Ruhe oder bist du in Eile? Schließe kurz die Augen und spüre das.

Und nun eine Frage. Denkst du, dass du selbst dafür verantwortlich bist, wie du dich fühlst? Glaubst du, dass du selbst zu 100 Prozent beeinflussen kannst, wie es dir geht? Denke kurz nach – schreibe deine Antwort gern auf.

Die Wölfe in deinem Herzen

Eine Indianerweisheit sagt, in unseren Herzen tobt ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Sorgen, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst. Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit. Willst du wissen, welcher der beiden Wölfe gewinnt? Die Antwort ist einfach. Es gewinnt der Wolf, den du fütterst.

Wie du dich fühlst, ist deine Entscheidung

Viele Menschen denken, dass Gefühle entstehen, weil uns etwas passiert. Ich bin zum Beispiel unzufrieden, wenn der Bus nicht pünktlich kommt und ich im Regen stehe. Oder ich fühle mich verärgert, weil meine Tochter nicht anruft. Doch unsere Gefühle entstehen vielmehr durch unsere Bewertung der Situation, in der wir uns befinden, und durch unsere Gedanken.

Das bedeutet, in gleicher Situation können zwei verschiedene Menschen komplett unterschiedliche Gefühle bekommen. Der Bus kommt nicht und ich werde gerade nass im Regen? “Toll!”, denkt der Teenager, der heute verspätet nach Hause kommen wird. “Dann werde ich von meiner Mutter nicht so ausgeschimpft, denn sie sorgt sich so sehr um meine Gesundheit”. Klar, niemand hat gern nasse Schuhe, dennoch hilft es nicht, aus Busverspätung und Regen eine Tragödie zu machen.

Zeitlich befristete Umstände sind nämlich keineswegs eine bleibende Realität, und vom Mond aus gesehen sind all diese Probleme sowieso klitzeklein. Stehst du an der Bushaltestelle im Regen, so ist es ganz und gar deine Entscheidung, ob du dich darauf fokussierst, wie schlecht dein Leben ist oder dich darauf freust, deine nassen Schuhe auszuziehen und den Abend mit einer Tasse Tee und guter Musik ausklingen zu lassen. Du entscheidest, wie du dich fühlst. Jede einzelne Minute.

Stärken stärken statt Schwächen schwächen

Stell dir vor, du läufst mit einer Taschenlampe im Dunklen und leuchtest nur auf positive und fröhliche Objekte. Die anderen Objekte sind immer noch da, doch du nimmst sie nicht wahr. Worauf du dich fokussierst, das wächst, wird größer und stärker, wird zur Gewohnheit. Fütterst du den bösen Wolf, wird dieser in dir präsent, dein Gesichtsausdruck und deine Körperhaltung folgen deinen Gedanken – und das steckt die Menschen um dich herum an. (Wie das mit der Ansteckung funktioniert, kannst du in einem anderen Artikel nachlesen – klicke hier.)

Und wie reagieren Menschen auf jemanden, der mit einem Böser-Wolf-Gesichtsausdruck durch die Gegend läuft? Sind sie freundlich zu ihm? Geben sie ihm gern, wonach er fragt? Oder beißen sie zurück? Alles, was du nicht kannst, was du nicht magst, was du noch nicht hast – lass es im Dunklen. Fokussiere dich stattdessen auf alles, was dir gut gelingt und worin du gut bist. Stärke deine Stärken und zeige der Welt, wie großartig du als Person bist.

Eine Übung für Zwischendurch

Atme tief ein und aus und schüttle kurz deinen Körper durch. Erinnere dich bewusst an Ereignisse, in denen du dich gut gefühlt hast. Male dir dabei ganz lebendig aus, wie die Situation ausgesehen hat, mit welchen Menschen du zusammen warst, und was du gesagt, getan und gefühlt hast. Hast du gesessen oder gestanden? Wenn möglich, nimm die gleiche Körperhaltung an wie in der Situation – stehe auf oder bewege dich. Spüre nochmal in dich hinein: Wie ging es dir? War das schön? War das großartig?

Und nun stell dir vor, du fühlst dich genau so für die nächsten sieben Tage. Was ist dann alles möglich? Was wirst du alles bewältigen? Was kannst du alles schaffen? Wem kannst du helfen? Wen kannst du überzeugen, wenn du dich genau so fühlst? Und nun stell dir vor, du fühlst dich so für die nächsten drei Monate. Das ganze nächste Jahr. Dein ganzes restliches Leben…

Seelenkaries vermeiden

Die Formel ist simpel: Tue es täglich! Hole dir täglich ein Puzzleteil deines Lebens aus einer Situation, in der du dich großartig gefühlt hast. Atme tief ein und aus, bewege deinen Körper und merke, wie deine Gedanken vor der Situation geflutet werden. Du bist ganz und gar in diesem positiven Erlebnis.

Mache es jeden Tag. Jeden Tag, an dem du dich großartig fühlen willst. Es wird dir nicht sofort gelingen, denn du musst an dieser Stelle erst mal “Muskeln” bilden und dich daran gewöhnen. Eins ist sicher: Je mehr du deine positiven Gefühle pflegst, umso stärker werden diese und umso häufiger spürst du diese.

So wie wir uns die Zähne putzen, können wir auch unsere Gedankenwelt reinigen, indem wir nur den guten Wolf füttern und ihn siegen lassen. Du bist großartig – zeige es der Welt!

Über den Autor

Nadja aus Hamburg mag die Zukunft und erlebt an ihren eigenen Kindern, wie schnell sich die Generationsinteressen durch das Internet verändern. Aus dieser Beobachtung ist die Frage entstanden: Wie können wir auch in der heutigen hektischen Zeit zu Besinnung und Potenzialentfaltung kommen und wie kümmern wir uns um nachhaltige psychische Gesundheit (bevor Burnout so normal wird wie Kopfschmerzen). Über diese und angrenzende Themen schreibt Nadja in ihrem Blog unter Petranovskaja.

Alle Artikel von Nadja

1 Comments on “Seele 2.0 – Welchen Wolf fütterst du?

  • Das ist garnicht mal so einfach, denn bei mir siegt oft der böse Wolf……Danke für deinen Text und Sichtweise!

    Reply

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