NaturkosmetikCamp 2015 – Wir sind viele!

Saturday 11th, July 2015 / 01:56 von
NaturkosmetikCamp 2015 – Wir sind viele!Alle Bilder: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst

Nachdem ich letztes Jahr das erste NaturkosmetikCamp leider verpasst hatte – vertreten hat uns Jennifer, ihren Bericht könnt ihr hier lesen -, wollte ich es mir dieses Jahr auf keinen Fall entgehen lassen. Also machte ich mich gemeinsam mit Tanja am 26. Juni 2015 nach Bad Häring in Tirol auf, um uns zwei Tage lang gemeinsam mit Produzenten, Händler und anderen Insidern mit dem Thema Naturkosmetik zu beschäftigen.

Am Freitag war Ankommen, Einstimmen und Kennenlernen angesagt. Um 18 Uhr startete der Check-in und man konnte sich beim Get together auf der Terrasse mit einem Glas Sekt von der Anfahrt erholen und schon die ersten Kontakte knüpfen.

Das Hotel, in dem das NaturkosmetikCamp letztes und dieses Jahr stattfand und der Großteil der TeilnehmerInnen untergebracht war, heißt nicht umsonst Wellness Schloss Panorama Royal. Der Panoramablick half definitiv beim Entspannen nach der sechsstündigen Anreise!

Um 19 Uhr startete die Vorstellungsrunde, die dieses Jahr von Samstag auf Freitag vorgezogen wurde – bei 130 Personen braucht diese natürlich entsprechend Zeit. Mit Mikrofon ausgestattet konnte sich jeder mit seinem Namen und drei Tags vorstellen. Lange konnte ich mir über meine Tags nicht den Kopf zerbrechen, weil ich gleich zu Beginn an der Reihe war, meine Vorstell-Tags wurden “The bird’s new nest”, “Nachhaltigkeit” und “Veganismus”.

Gleich danach ging es in den Camp-Bereich, um die eingereichten Themen für die Sessions zu bewerten. Alle TeilnehmerInnen konnten Themen einreichen, diese wurden dann während des Camps in Sessions bearbeitet. Um den Ablauf und die Größe der jeweils zugeordneten Räume bestimmen zu können, bekam jeder von uns sechs Sterne, die wir auf die Themen verteilen konnten, an denen wir teilnehmen wollten. Keine leichte Wahl bei 18 eingereichten Themen. Meine Sterne bekamen letzten Endes folgende Sessions: “Aktuelle Trends Naturkosmetik”, “Vom Nischenmarkt zum Mainstream: der schwindende USP in der Naturkosmetik”, “PR und Blogger Relations: Neue Trends in der Kommunikation”, “Vegan leben – vegan pflegen. Wie beeinflusst der Lebensstil die Kosmetikwahl?”, “Postwachstum in einer Luxus-Branche: Utopie oder Chance?” und “Naturkosmetik 2.0 – Nachhaltig kommunizieren im WWW”.

Nun war es Zeit für das Abendessen – unter dem Motto “Kulinarische Reise um die Welt” wurde ein umfassendes Buffet präsentiert, das zu meiner großen Freude sehr viele vegane Optionen bereit hielt. Die Desserts waren soweit ich mich erinnere sogar alle vegan, und ich habe das bis jetzt beste vegane Tiramisu gegessen – und das, obwohl ich Tiramisu normalerweise nicht sonderlich mag. Je nachdem, mit wem man sich am Tisch zusammengesetzt hatte, wurde weiter genetzwerkt oder sich wie in unserem Fall über Bloggen unterhalten – Tanja und ich sassen gemeinsam mit Regina von Sonnensprossen an einem Tisch auf der Terrasse mit wunderbarem Panoramablick. Bevor es ins Bett ging sagten wir noch kurz einigen anderen Bloggerinnen Hallo, unter anderem Rosa von PuraLiv.

Am nächsten Tag hieß es Treffpunkt um acht Uhr Früh beim Frühstück, um neun Uhr wuren wir offiziell von Wolfgang, dem Organisator des NaturkosmetikCamps begrüsst.

Die Roadmap, also der gesamte Ablauf des NaturkosmetikCamps wurde vorgestellt, genauso wie der finale Themenplan und wann und in welchen Räumen diese stattfinden würden. Immer drei Sessions liefen parallel, unterbrochen nur durch Pausen und die Keynote. Ich hatte Glück, bis auf eine Überschneidung konnte ich an allen Sessions teilnehmen und hatte somit auch einen lückenlosen Zeitplan für das gesamte Camp.

Jede Session hatte einen ähnlichen Ablauf: Es gab eine Einführung oder Präsentation zum jeweiligen Thema, dann wurde diskutiert oder bei einzelnen Themen auch anders interagiert und zuletzt wurde von jeder/m TeilnehmerIn ein Thesenblatt ausgefüllt, mit Thesen/Erkenntnissen, die man sich aus der jeweiligen Session mitgenommen hat. Alle Thesenblätter wurden anschliessend gesammelt, um die fünf Hauptthesen für jedes Thema herauszufinden. Diese könnt ihr für alle Sessions auf der Homepage nachlesen. Natürlich wurde auch in den Pausen fleissig genetzwerkt, während die nächsten Sessions vorbereitet wurden.

Sehr interessant fand ich die Session “PR und Blogger Relations: Neue Trends in der Kommunikation” von Imke Sturm von STURM! Public Relations, vor allem weil vielen Teilnehmenden das Potenzial von Blogs, Social Media und den dementsprechenden Möglichkeiten noch kaum bewusst war. Folgende Thesen entstanden aus dieser Session:

1. Blogger Relations und Social Media sind die Marketingkanäle der Zukunft: Eine der Thesen, die ich absolut vertrete, vor allem für KMUs gibt es hier viele Chancen, sich bei einer attraktiven Zielgruppe zu positionieren.
2. Häufigkeit ist nicht gleich hohe Aufmerksamkeit: Sprich es geht auch um Story Telling und Content Marketing, nicht nur darum, dass möglichst viele Blogger über das betreffende Unternehmen oder dessen Produkte schreiben.
3. Blogger: Ausgewählte Kontakte wichtig. Format muss zum Produkt und zur Zielgruppe passen: Blogger Relations ist viel mehr, als an eine Blogger-Mailingliste Pressemitteilungen zu senden. Es geht unter anderem darum, langfristige Beziehungen zu Bloggern aufzubauen, die auch zu einer Art Sprachrohr für das Unternehmen werden können.
4. Weniger ist mehr: Overflow lässt Glaubwürdigkeit sinken: Wenn bekannte Markenhersteller an 5.000 Blogger im deutschsprachigen Raum Proben ihrer neuen Haarpflegelinie senden, führt das zu tausenden Blogposts mit immer dem gleichen Thema. Das generiert zwar viele Verlinkungen und eine entsprechende Reichweite, bietet aber keinen wirklichen Mehrwert für die LeserInnen.
5. Shitstorm ist nicht gleich Shitstorm. Es gibt große und kleine: Oder auch, wie man mit negativem Feedback am besten umgeht. Leider war hier kaum mehr Zeit, um umfassend auf diesen Punkt einzugehen.

Eines der absoluten Highlights des Camps war die Keynote von Christian Felber zum Thema “Gemeinwohl-Ökonomie: Wirtschaftsmodell mit Zukunft”. Kurz und knackig wurden die Probleme des derzeitigen Wirtschaftssystems, Kapitalismus, aufgezeigt, das Unternehmen belohnt, die ihren Fokus hauptsächlich auf Gewinnmaximierung legen und so negative Verhaltensweisen wie Rücksichtslosigkeit belohnt werden.

Als Gegenbeispiel wurde die Gemeinwohl-Ökonomie vorgestellt, in der das Ziel von Unternehmen und Organisationen tatsächlich das Gemeinwohl sein sollte, so wie es eigentlich auch in den Verfassungen weltweit zu lesen ist. Was hier vielleicht etwas trocken klingt war sehr interessant aufgebaut und vorgetragen und hat mich dazu bewogen, mich zukünftig näher mit diesem Thema auseinandersetzen zu wollen.

Naturkosmetikcamp_0615

Eine weitere Session, die ich als sehr interessant empfunden habe, und die auch thematisch gut zu der vorher stattfindenden Keynote gepasst hat, war “Postwachstum in einer Luxus-Branche: Utopie oder Chance?”. Sophie von Lilienfeld-Toal von der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsethik besprach die Problematik eines Wirtschaftssystems, das auf Wachstum ausgelegt ist, in einem zwangsläufig beschränktem Gefüge, nämlich unserem Planeten. Folgende Thesen wurden formuliert:

1. Postwachstum wird kommen (müssen), die planetarischen Grenzen sind überschritten.
2. Politik muss sich vorreitend bewegen und das Marktversagen ausgleichen, weil…
3. …das Konsumieren eine starke emotionale Komponente hat.
4. Baustelle insgesamt: Die Wirtschaft muss es nicht nur anders machen, sondern auch kommunizieren, dass sie es anders macht.
5. Konkrete Baustelle für Naturkosmetik: Nachhaltige Verpackung und die “Schmackhaft-Machung” für den Verbraucher.

Ein weiterer Punkt auf der Agenda war ein gemeinsamer Motto-Workshop zum Thema “Natur- und Bio-Kosmetik – von Vor(Ur)-Teilen zu einzigartigen Vorteilen”. Im Vorfeld gab es einen kurzen Podiums-Talk, der von Julia von Beautyjagd moderiert wurde. Im Anschluss ging es dann in Gruppen um Vorurteile wie “Naturkosmetik bekomme ich nicht überall.” oder “Naturkosmetik ist teuer.” zu besprechen und Gegenargumente zu formulieren. Sämtliche Vorurteile und deren Entkräftungen könnt ihr hier nachlesen.

Abends wartete dann ein Gala Dinner mit veganen Schwerpunkten auf alle TeilnehmerInnen, es wurde wieder fleißig genetzwerkt und ich durfte jede Menge interessanter Menschen kennen lernen. Die gesamte Teilnehmerliste gibt es hier.

Sonntag musste ich es dann etwas ruhiger angehen lassen, nachdem ich zu den Letzten gehörte, die den Weg ins Bett gefunden hatten. Mit vier Stunden Schlaf und einem Gesamt-Schlafdefizit der letzten Tage von rund 11 Stunden war der Start in den Tag etwas mühsam. Deshalb ging es auch erst um 8:30 zum Frühstück, im Anschluss wartete nach zwei Sessions schon die Zusammenfassung und die Ergebnisse aus den Sessions auf uns alle. Eine Feedback- und Abschlussrunde läutete das Ende des zweiten NaturkosmetikCamp ein, und nach einem letzten Mittagessen nutzten wir noch den wunderschönen Außenbereich um vor der Heimfahrt etwas Energie zu tanken.

Das NaturkosmetikCamp 2015 war mein erstes BarCamp und es war sehr spannend und interessant auf so viele Menschen zu treffen, die sich beruflich, aber auch privat mit dem Thema Naturkosmetik auseinander setzen. Das Camp ist eine ideale Möglichkeit, sein Netzwerk auszubauen, bei 130 Teilnehmern gibt es reichlich Möglichkeiten für anregende Gespräche, neue Sichtweisen und zukünftige Kooperationen. Der Zeitplan war ziemlich eng gestrickt, was am Sonntag dann schon zu schwereren Ermüdungserscheinungen führte. Wer mit vollem Einsatz bei allen Sessions dabei war, konnte sich einerseits viel mitnehmen, andererseits war das volle Programm doch relativ anstrengend.

Das NaturkosmetikCamp hat mein Interesse an BarCamps auf jeden Fall geweckt, sehr ansprechend fand ich auch, dass vom Produzenten über Händler, Naturkosmetik-Blogger, Konsumenten und PR-Agenturen ein weites Feld an Sichtweisen vertreten war. Wie auf BarCamps üblich waren alle per Du, was auch mögliche Barrieren für Gespräche nochmals senkte. Somit war das NaturkosmetikCamp eine gelungene Veranstaltung, die ich jedem ans Herz legen kann, der einen Branchentreff der etwas anderen Art besuchen möchte – nächstes Jahr habt ihr wieder die Gelegenheit dazu!

Im Zuge des NaturkosmetikCamps wurde auch ein Video produziert, hier könnt ihr euch einen bewegten Eindruck vom Camp machen:

Weitere Informationen zum Naturkosmetikcamp findet ihr auf der Homepage: naturkosmetikcamp.com

Hier geht es zur Facebook-Seite des NaturkosmetikCamp: facebook.com/naturkosmetikcamp

Und zum Twitter-Account: twitter.com/NaturKosmCamp

 

Nachdem jeder Rückblick eine sehr individuelle Sache ist, findet ihr hier die Links zu den Berichten aller anderer auf dem Camp vertretenen Bloggerinnen:
Life of Larimare
Beautyjagd
Herbs&Flowers
PuraLiv
Sonnensprossen
ElisabethGreen

Über den Autor

Edda ist die Herausgeberin und Chefredakteurin von The bird's new nest. Sie wohnt an der südlichen Stadtgrenze Wiens, ist Veganerin, kauft ausschließlich Bio-Produkte und ist ein riesiger Tierfreund. Außerdem liebt sie Bücher, Sonnenschein und ihre Badewanne.

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4 Comments on “NaturkosmetikCamp 2015 – Wir sind viele!

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