Mit grüner Brille durch Berlin

Monday 24th, September 2012 / 08:23 von
Mit grüner Brille durch Berlin

Sieht gemütlich aus, der Kaffeeklatsch: Auf zwei Gartenstühlen sitzen sie, die zwei Frauen, die Zigarette in der Hand und wegen der frostigen Herbsttemperaturen in mehrere Schichten eingepackt. Auf der anderen Seite sind zwei Hipster mit einer Runde Tischfußball genauso beschäftigt wie der eine, der hier sein hoffentlich noch warmes Mittagessen mehr in sich hinein schaufelt als genießt.

Irgendwie beschleicht mich aber das dumpfe Gefühl, als Schaulustige mit Kamera bewaffnet zu stören, in diesem grünen Alltagsidyll mitten in der Stadt, umringt von Pflanzenstauden, Kräutern und Blumengewirr, von etwas angegriffenen Gemüsebeeten und Erdsäcken. Doch er darf auf keiner Tour durchs nachhaltige Berlin fehlen, der Prinzessinnengarten*.

Das hat sich wohl auch unser Guide Katharina gedacht, die uns im Rahmen einer Pressereise durch Kreuzberg, über den Morizplatz und die Oranienstraße führt. Gemeinsam mit der GoArt-Chefin Miriam Bers hat sie die “Green Design Tours” initiiert, um “Berlins kreative, ökologische, faire, eben nachhaltige Lifestyle-Seiten erlebbar zu machen.”, wie es auf der Website heißt.

Dazu gehört der Conceptstore “Schöner wär’s wenn’s schöner wär“, der sich praktischerweise gleich gegenüber des Prinzessinnengartens befindet. Begonnen haben die Inhaberinnen Nicole und Sylke wie der Community-Garden 2009 mit einem Blog, mittlerweile gibt es nicht nur das Geschäft rund um nachhaltiges Wohnen und Schenken in Kreuzberg, sondern – zu meiner Freude – auch einen Onlineshop!

“Was, stehen wir jetzt schon im Stadtführer?”, freut sich Christoph, einer der Gründer des Co-Workings-Spaces betahaus, als wir ihm zufällig vor der Haustür begegnen. Was wie ein Café aussieht, lädt Kreative zum stunden-/tage-/monatsweisen Arbeiten an neuen – nachhaltigen (?) – Projekten ein. Hinten gibt es außerdem eine Werkstatt und natürlich “richtige Büros”.

Teil der Tour ist auch eine Fahrt zu einer besonders riesigen grünen Seite Berlins: Zum Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof, wo mittlerweile der größte Park der Stadt zum Erskaten, Erlaufen, Erradeln, Ergärtnern oder anderem Erleben einlädt.

Und sonst? Ein paar Ökoläden, ein “grünes” Papiergeschäft, ein Eckladen für Bio-Küche… wirklich spannende Projekte zeigt der rund dreistündige Spaziergang kaum. Ob es daran liegt, dass in Berlin alles weiter verstreut ist und die Wege zu lang für eine zeitlich befristete Tour sind? Oder vielleicht wären wir mit einer “Creative sustainability tour” von ID22 besser beraten gewesen? Oder waren wir schlicht und einfach zur falschen Zeit am falschen Ort? Ich fand es jedenfalls schade, hat doch die deutsche Bundeshauptstadt, die sich mit Extremen wie “grünste, Auto freiste Stadt, Radfahrparadies” nur so überschlägt, garantiert mehr zu bieten. Das verspricht zumindest die 15-seitige (!) Information, die uns visitBerlin mitgegeben hat.

Einen Apfelstrudel in Deutschlands erstem klimaneutralen Restaurant kosten, in einem der 30 individuell von KünstlerInnen gestalteten Zimmer des ersten Bio-Hotels der Stadt übernachten, das Kultur- und Sozialzentrum ufaFabrik besuchen, dessen Energie aus Blockheizkraftwerken gewonnen wird, mit einem Solar-Hausboot die Wasserwege entlang schippern: Berlin sieht mich jedenfalls (nicht nur deshalb) wieder! Vielleicht schon um den 17./ 18. November zur “ersten Verbrauchermesse rund um den nachhaltigen Genuss, Konsum und energieeffizienten Technik”, dem 5. Berliner Heldenmarkt im Postbahnhof.

*Seit 2009 belebt das mehrfach ausgezeichnete Ökolandbau- und Community-Projekt Prinzessinnengarten die Nachbarschaft des prekären Viertels Kreuzberg und zeigt, wie die Städte der Zukunft gestaltet und wie Menschen integriert werden können.

 

Eingeladen von Deutsche Zentrale für Tourismus in Kooperation mit Tourismus Marketing Brandenburg, Fly Niki und visitBerlin durfte ich einige Tage in Brandenburg und Berlin verbringen. Herzlichen Dank dafür! Die Meinungen und Ansichten in dieser Geschichte bleiben meine Eigenen. 

Nähere Infos zum Reisen in Berlin findet ihr hier: visitBerlin

Über den Autor

Doris ist Schreibende, Reisende mit Basis in Wien und vor allem eine, die nicht still sitzen kann. Am liebsten schreibt sie inspirierende, mutmachende Geschichten von unterwegs oder daheim. Dabei geht es ihr um Menschen, die die Welt nicht nur entdecken, sondern in ihr auch positive Spuren hinterlassen.

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4 Comments on “Mit grüner Brille durch Berlin

  • Och, das tut mir ein bisschen leid, dass das teils auch langweilig war. Ich würde sagen, das war eine Kombi aus
    – Wetter (Berlin ist an grauen Tagen wirklich finster zu ertragen. 🙂 Und es sieht recht grau aus auf den Bildern)
    – Die langen Wege, da hast du Recht: Es gibt im Prenzlberg, Mitte, Südlich noch so viele Sachen, das war vermutlich einfach zu weit weg
    – Die Leute, die Euch das nahe gebracht haben? Ich finde ja, dass es immer sehr viel mit Emotionen/Motivation/Geschichtenerzählenkönnen zu tun hat, um Begeisterung zu erzeugen.

    Und btw: “Autofreieste” ist natürlich beknackt. Im Vergleich zu einigen Weltstädten mag die Autodichte niedriger sein, trotzdem ist es hier so autovoll, dass ich mich persönlich NICHT aufs Rad traue. So viel auch noch zum “Radfahrerparadies”.

    Ganz toll geschrieben und zusammengefasst.

    Liebe Grüße /inka

    Reply
    • Hi Inka,

      oh, danke für dein Feedback – doch keine Sorge: Ich liebe Berlin, und finde viele grüne Projekte sehr spannend. Auch die Tour begann ganz gut, hat diesen positiven Start jedoch nicht fortgesetzt. Das tat mir leid, aber wie du sagst: Eine Kombi aus vielem.

      Bei zwei Dingen muss und will ich aber korrigieren: Berlin hat uns sehr wohl mit Sonne begrüßt!
      Die Finsternis lag an der späteren Stunde (die zwei outdoor-Bilder entstanden um 17.30 in Tempelhof). Und beim Besuch des Prinzessinnengartens hab ich mich an das Bitte-keine-Bilder-schießen-Gebot dort gehalten, nachdem die Nonprofit-Organisation ja auch durch den Verkauf von Fotos etwas Geld für den Erhalt des Ganzen bekommt.

      Und zum Thema Autofreiheit: Klar hinken alle “größer-weiter”-Vergleiche immer hinterher. Aber ich finde, Berlin macht seine Sache schon gut – gerade was die Radfreundlichkeit angeht!

      Reply

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