Meine ZEAM und ich: Wie man mit einem Baum verreist

Thursday 04th, October 2012 / 01:04 von
Meine ZEAM und ich: Wie man mit einem Baum verreistAlle BIlder: Doris

Solite heißt sie, meine neue Reisebegleitung. Nachhaltig ist sie, natürlich und vor allem ganz schön alt. Über 300 Jahre genauer gesagt. Und sie ist nicht allein. 51.242 ihrer Geschwister sollen in die Welt hinaus geschickt werden. Diese abertausenden kleinen Zirbenholzstücke, ZEAM genannt, haben eines gemeinsam: Sie alle stammen von einer 300jährigen Zirbe am Zirbitzkogel in der Steiermark. Ein Baum, der jetzt die Welt erobert entdeckt – Stück für Stück.

“Dir geht es um nachhaltige und bewusste Reisegeschichten – ich denke, wir passen zusammen.” Mit diesem Mail begann meine Geschichte mit Solite. Oder besser gesagt mit Martin Neitz, der mich kontaktiert und mir heute meine ZEAM (steirisch für Zirbe) mit auf den Weg gegeben hat. Er ist nicht nur “Reiseführer” des Baums, auch die Idee für das Projekt stammt von ihm. Ursprünglich hätte es ein Ahornbaum sein sollen, der in Einzelteilen in die Weltgeschichte geschickt werden wollte. Dass es dann doch die Zirbe wurde – eine der heilsamsten Bäume, der entschleunigt und dem sogar die Fähigkeit zugesprochen wird, die Herzfrequenz zu senken – hat wohl so kommen müssen.

Vor einem Jahr war der Moment, als Martin am steirischen Zirbitzkogel “seine” Zirbe gefunden und selbst geschnitten hat. Alt war sie, hatte kaum mehr grüne Zweige. Jetzt steht an ihrer Stelle eine neue Zirbe. Und aus dem Baum, der “am Ende” war, entstand etwas Neues: 300 – 400 dieser ZEAM, die Martin jeweils einzeln bearbeitet, schleift und formt, sind schon unterwegs. Verschickt oder übergeben in einem recycelten Pappkarton kann so der Baum im Sinn der Nachhaltigkeit weiterleben.

Über 123.489 Kilometer in 19 Ländern haben die ZEAM bereits zurück gelegt und so “eine Verbindung über den Erdball geschaffen”, heißt es auf der Website. Woher man das weiß? Jedes Zirbenholzstück hat seinen eigenen Code und einen Namen (wie meine Solite): Registriert man sich damit auf zeam.at, kann man die Reise der ZEAM aufzeichnen und verfolgen. Nicht nur seine, sondern auch andere, die unterwegs sind.

Da hängt eine ZEAM am Zaun mit Blick auf die Wüste. In einem Video erlebt eine ZEAM mit selbst gebastelter Sonnenbrille, die der ihrer Besitzerin aufs Haar gleicht, Xtreme Strassenbahnfahring in Wien. Ja, die Zirbenholzstücke kommen ohne Zweifel ganz schön viel herum. “Die meisten wollen ihre ZEAM gar nicht mehr hergeben”, erzählt mir Martin mit einem lachenden und weinenden Auge, ist das doch Teil der Idee: Die kleinen Holzstücke sollen weiter gegeben werden und dann mit einem anderen Menschen ihre Reise fortsetzen.

“Erst neulich habe ich ein Mail von einem gewissen Karl Gamper in meiner Inbox gehabt, der meine Visitenkarte zusammen mit einer ZEAM auf seinem Schreibtisch gefunden hat,”, berichtet Martin, der nicht nur mit Leidenschaft, sondern auch mit finanziellen Mitteln voll und ganz bei der Sache ist, “wie er dazu gekommen ist, das ist mir und ihm ein Rätsel.” Ja, die Wege der ZEAM sind unergründlich. Als Zeichen der Dankbarkeit, der Wertschätzung der Verbundenheit können die Zirbenholzstücke verschenkt werden. “Einer der Reisenden gibt die ZEAM als Erinnerung an seine verstorbene Frau weiter.”, so Martin, der berührende Geschichten wie diese seit dem Start des Projekts vor einigen Monaten öfters erlebt.

Und Solite und ich? Wir haben unsere Reisefreundschaft im ersten, einzigen und sensationellen (!) Bio-Lokal Kärntens, dem Petit Café in Klagenfurt erst einmal gebührend gefeiert. Mit einem unfreiwilligen Bad in einer Taufe mit Gelbem Muskateller. Nicht das Ende, sondern erst der Anfang von der Reise eines (Stück) Baumes.

 

Wer auch eine ZEAM sein Eigen nennen oder an einen lieben Menschen verschenken möchte, kann sie derzeit online bestellen (8,23 Euro zuzügl. Versandkosten). In Zukunft sollen die Zirbenholzstücke darüber hinaus in ausgewählten Läden verkauft werden. 

Ab sofort erhält man auch Newsflashes über den aktuellen Status seiner ZEAM in die Inbox. Die Reise von Solite könnt Ihr auf zeam.at/zeam/Solite/ weiter verfolgen. 

Über den Autor

Doris ist Schreibende, Reisende mit Basis in Wien und vor allem eine, die nicht still sitzen kann. Am liebsten schreibt sie inspirierende, mutmachende Geschichten von unterwegs oder daheim. Dabei geht es ihr um Menschen, die die Welt nicht nur entdecken, sondern in ihr auch positive Spuren hinterlassen.

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6 Comments on “Meine ZEAM und ich: Wie man mit einem Baum verreist

  • Wer hätte gedacht, was man so alles mit “Zeam” (Zirben) machen kann und wozu die alles gut sind? Ich war letztens in einem Bio-Hotel in Jerzens und habe mich gewundert, was diese Zirben so alles können. Offenbar sind sie in Polster- und Bettauflagenform sogar in der Lage, dass man besser schläft und sich an die 3.500 Herzschläge pro Nacht spart. Aber am besten einfach selbst nachlesen:

    http://alpenblogger.at/wellness/pitztal-zirbe-biohotel-panorama.html

    Liebe Grüße an alle, die die Zirbe mögen 🙂

    Markus

    Reply
  • Oh, was für ein schöner Artikel – da freu ich mich, und meine Zeam freut sich auch 🙂
    Mich hat das Projekt auch sehr angesprochen, weil ich die Idee so schön finde, wie Verbundenheit – auch über große Entfernungen – hier sichtbar gemacht wird. Weil es mich anregt, nachzudenken und nachzuspüren, was es bedeutet, “von einem Stück Holz” zu sein. Weil es mich zum Philosophieren einlädt über die Erkenntnisse aus der Quantenphysik – das spontane “Zwillings”Verhalten von Partikeln, die Lichtjahre von einander entfernt sind.

    Ich mag die Idee, etwas so Archaisches wie einen Baum mit moderner Kommunikationstechnologie zu verknüpfen und so neue Formen der sozialen Verbundenheit herzustellen.

    Meine Zeam ist noch nicht viel herumgekommen und ich warte noch auf die “richtige” Gelegenheit, um sie auf ihre Reise zu schicken, mit jemand anderem. Ich hab sie schon sehr lieb gewonnen. Morgen machen wir gemeinsam einen kleinen Ausflug auf den Semmering 🙂

    Liebe Grüße an die Füße 🙂 und an alle Zeam

    Reply
    • Hallo Ira, danke herzlich für deinen Beitrag und liebe Grüße von uns beiden, meiner ZEAM und mir 😉 lg Doris

      Reply
  • Liebe Doris,
    nenn mich oberkritisch und doof, aber ich habe auch nach Lesen der Webseite nicht kapiert, worum es geht. Hab ich heute einfach ein Brett vor dem Kopf?
    Was ist denn die Nachhaltigkeit an dieser Idee? Und was passiert mit dem Geld, was der Martin einnimmt? So beim Überfliegen hatte ich das Gefühl, dass da nur einer Geld mit Holzstückchen macht… Ich hab irgendwas übersehen – oder?
    Sorry, hier so kritisch zu sein. aber das ist wirklich keine platte Nörgelei sondern eine ernsthafte Frage, greade WEIL ich ein Fan Deiner Seite bin. 🙂
    LG /inka

    Reply
    • littlemissitchyfeet

      hallo inka, ma, bin ich dankbar ueber dein feedback. danke. ich versuche nachzutragen, was ich gestern offenbar nicht geschafft hab (schade).
      die website finde ich auch tw. etwas unergruendlich, das gebe ich auch gern nochmals als feedback weiter.
      erstmal: das nachhaltige daran ist, dass martin aus einem alten holz etwas neues geschaffen hat; das freude oder sogar mehr, naemlich verbindung, begegnung ermoeglicht. (zu esoterisch moechte ich jetzt nicht werden 🙂 )
      abgesehen davon, dass alles haendisch von ihm gemacht wird und die verpackung, in der die zeam kommt, aus recyclingpapier stammt.
      die einnahmen werden zur kostendeckung des projekts verwendet (baumtransport, website,…), da steckt nicht nur herzblut drin.
      Ich halte es auch nicht für verwerflich, wenn jemand Geld damit verdient – auch wenn das (noch?) nicht passiert. wenn das produkt gutes bewirkt ist und eine schoene idee von unserer verbundenheit mit der natur, miteinander verbreitet, finde ich das dennoch schoen. genau das hat und die ehrlichkeit hinter dem projekt beruehrt.
      ich werde die punkte noch einarbeiten: danke fuer die hinweise!

      liebe gruesse vom hemmaberg in kaernten 🙂

      Reply

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