Mein (fast) plastikfreies Leben – Wo steckt überall Plastik drin? Einstieg in die Verwirrung.

Monday 24th, February 2014 / 22:05 von
Mein (fast) plastikfreies Leben – Wo steckt überall Plastik drin? Einstieg in die Verwirrung.Alle Bilder: Eva-Melina

Bei meinem allerersten plastiklosen Einkauf stürzte ich mich voller Eifer, Optimismus und bepackt mit Jutetüten in die Geschäfte. So schwer kann das doch wohl nicht sein, dachte ich mir. Als ich zu Hause meine Ausbeute näher begutachtete, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen: Ich bin reingelegt worden!

Aber jetzt noch einmal ganz von vorne. Mein erstes Ziel als plastikmeidende Konsumentin waren natürlich diverse Bioläden und Supermärkte. Entschlossen griff ich zu Pappschachteln, Papierbeuteln und Gläsern. Soweit so gut. Zu Hause angekommen wollte ich mich sofort über eine Packung Sojageschnetzeltes hermachen. Also riss ich die Pappschachtel auf und fand – drei Mal dürft ihr raten – in Plastik eingeschweißtes Soja. Mein Frust war riesig. Statt Verpackung zu sparen (früher griff ich immer zu Soja-Geschnetzeltem aus der Plastikverpackung), hatte ich doppelt so viel Müll produziert. Gleiches passierte mir bei drei weiteren Packungen. Immerhin hatte ich eines gelernt: Wenn man sicher gehen will, dass ein Produkt in einer Pappschachtel nicht doch noch eine zusätzliche Plastikschicht enthält, muss man es ordentlich schütteln. Der eine oder andere mag euch dabei vielleicht komisch anschauen, aber daran gewöhnt man sich – oder ihr fangt einfach mit der Packung in der Hand zu tanzen an. Das ist eine lohnenswerte, von mir erprobte Alternative.

Auch bei vermeintlichen Papierverpackungen muss man aufpassen. Einige sind innen noch mit einer Plastikfolie beschichtet. Das kommt zum Beispiel bei einigen Produkten wie Zucker, Tee oder Buchweizen vor. Dies kann man im Vorfeld leider ganz schwer feststellen. Wenn man die Verpackung ein wenig knautscht, hört man es unter Umständen. Auch ein Sichtfenster aus Plastik kann ein Hinweis darauf sein. Man muss allerdings aufpassen, dass man nichts kaputt macht, sonst muss man dafür zahlen. Oft hilft daher nur die Devise “Lerne aus deinen Fehleinkäufen!” und der Vorsatz, die überflüssige Verpackung wenigstens zur Entsorgung im entsprechenden Laden zu lassen. In den meisten Supermärkten kann man Papier und Plastik in Recycling-Containern verstauen. Dann müssen sich die Betreiber mit dem Müllproblem auseinandersetzen. Wenn das viele Kunden machen, müssen die Supermärkte im Zweifelsfall sogar höhere Müllgebühren zahlen – und beim Geld hört für die meisten Unternehmen bekanntlich der Spaß auf.

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Der zweite große Schock kam für mich, als mir ein Bekannter davon erzählte, dass selbst meine geliebten Glasverpackungen nicht gänzlich ohne Plastik auskommen. Die meisten Deckel enthalten nämlich PVC. Das könnt ihr an der Gummierung auf der Innenseite des Deckels erkennen. Der einzige mir bekannte Hersteller, der darauf verzichtet, ist Zwergenwiese. Deren Aufstriche, Saucen und Senf-Sorten kann man also zum Glück reuelos genießen.

Aber was mache ich mit den restlichen Gläsern? Diese Frage quälte mich noch einige Tage. Das Problem ist, dass man gewisse Dinge einfach nicht 100 Prozent plastikfrei bekommt. Seien es Speiseöl-Flaschen, die eine Gießvorrichtung aus Plastik haben, Essigessenz-Reiniger mit Plastikkappe oder mein geliebtes Kokosfett im Glas mit PVC im Deckel – manchmal findet man leider einfach keine vollkommen perfekte Alternative. Aus diesem Grund beschloss ich, mich zwar weiterhin nach Produkten umzusehen, deren Verpackungen gänzlich ohne Plastik auskommen und so viel wie möglich selbst herzustellen, aber ich drücke in den oben genannten Fällen gezwungenermaßen auch einmal ein Auge zu. Schade, dass es für die Verpackungsbestandteile keine Kennzeichnungspflicht gibt. Immerhin kann man Gläser und Flaschen wunderbar wiederverwenden – zum Beispiel als Soßen- und Speisenbehälter, als Windlicht oder um seine eigenen Limonaden, Smoothies oder Kräuteröle zu machen.

Wie seht ihr das? Haltet ihr meinen Kompromiss für faul? Und wie erkennt ihr, ob eine Verpackung tatsächlich plastikfrei ist? Vielleicht habt ihr ja noch den einen oder anderen Tipp für mich parat.

Über den Autor

Eva-Melina lebt (fast) plastiklos in Düsseldorf und bloggt auf ingloriousplastics über Müllvermeidung, Upcyling und andere grüne Themen. Warum ihr Mann angesichts ihrer Einmachglas-Sammlung die Krise kriegt, die Leute an der Supermarkt-Frischetheke sie mit Vornamen kennen und Gespräche über Klopapier-Ersatz bei ihr mittlerweile zum Alltag gehören, erfahrt ihr in ihrer Kolumne "Mein (fast) plastikfreies Leben" auf The bird's new nest.

Alle Artikel von Eva-Melina

3 Comments on “Mein (fast) plastikfreies Leben – Wo steckt überall Plastik drin? Einstieg in die Verwirrung.

  • Was ich richtig traurig und sinnlos finde, ist dass man doch oft Gemüse und Obst nur in Plastik eingeschweißt kaufen kann. ich habe schon meinen Mann animiert, Paprika lose und nicht in einer 3er Packung in Plastik eingeschweißt zu kaufen, aber z.B. Bio-Bananen sind IMMER in Folie eingeschweißt (“normale”- nicht), und bei Aldi sind es sogar alle (Bananen), was vermutlich daran liegt, dass es dort keine Waage zum Abwiegen gibt… Ich habe echt schweren Herzens letzte Woche bei Aldi Bananen in Folie gekauft. Der Grund des Kaufs: Bananen mussten her und ich war zu Fuß unterwegs… Aber es war (hoffe ich) eine Ausnahme, was meinen Kauf betrifft, aber dass Bananen und anderes Obst und Gemüse weiterhin in Plastik verkauft werden, finde ich trotzdem seltsam.

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  • Ich versuche gerade jetzt in der Fastenzeit auch plastikfrei zu leben um konsequenter in die Materie einzusteigen, aber es ist echt teilweise unmöglich. Eben sowas wie die Verschlüsse von Flaschen und Gläsern, die immer eine Kunststoffdichtung oder sowas haben… Aber so gut es geht werde ich es durchziehen und hoffentlich dann auch weiterführen ^_^
    Tipps hab ich noch keine neuen, aber bei dir werd ich gleich mal stöbern gehn 😀
    Liebe Grüße, Sabine

    Reply
  • Die ganzen La Selva Produkte und Aufstriche von Alnatura im Glas sind auch mit diesem blauen Deckel, soweit ich mich erinnern kann. Bei dm gibt es auch Geschirspültabs mit Folie, die sich selber auflöst. Waschmittel kauf ich in Pulverform von Frosch und komplett plastikfrei. Keine Ahnung ob es das auch in Ö gibt. Obst und Gemüse werden ganz einfach lose gekauft. Nudeln kauf ich nur von Barilla im Pappkarton, genauso wie Bulgur, Cous Cous und Erbsen. Bei manchen Sachen geht es halt nicht plastikfrei, damit muss man eben klarkommen 🙂

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