Mein (fast) plastikfreies Leben – Keine Plastiktüte, bitte!

Monday 10th, March 2014 / 23:09 von
Mein (fast) plastikfreies Leben – Keine Plastiktüte, bitte!Bild: Eva-Melina Gibson-Gilljohann

Keine Plastiktüte, bitte! oder: Wie ich lernte, freundlich Nein zu sagen und dabei eine Diskussion in Gang zu setzen.

Jahrelang war ich es zwar gewohnt, meinen Jutebeutel für den Einkauf im Supermarkt zu benutzen, alle anderen Plastiktüten waren für mich aber in Ordnung. Ich nutzte sie als Mülltüten, machte mir wenig Gedanken und verdrängte das Problem in meinem Schrank voller Plastiktüten – auch wenn ich stets mehr Mülltüten als Müll hatte.

Mit dem “Plastikfasten” setzte ein Umdenken bei mir ein. Zum ersten Mal ging ich in ein Buchgeschäft, ohne es mit einer Plastiktüte zu verlassen. (Ja, ich erkläre mich für schuldig. Ich bin besessen von Buchläden und sollte aus eigenem Schutz von ihnen fern gehalten werden.) Die Verkäuferin war so schnell, dass sie mir meine neueste literarische Errungenschaft in eine Tüte gepackt hatte, bevor ich etwas dagegen sagen konnte. Etwas zögerlich holte ich meinen Jutebeutel hervor und bat sie, das Buch heraus zu nehmen. Ich erklärte ihr, dass ich gerade “plastikfasten” würde und die Tüte daher nicht annehmen könnte – ihre Reaktion: Unverständnis. “Aber dann wird das Buch doch nass”, entgegnete sie mir fast ein wenig vorwurfsvoll. Ich zeigte ihr wortlos meinen tropfenden Regenschirm, sie zuckte etwas beleidigt mit den Schultern und ich verließ den Laden mit hochroter Birne.

Diese Situation sollte sich in der Zukunft noch einige Male wiederholen. Meist sind die Verkäufer so routiniert und schnell, dass man sie bitten muss, die Ware wieder aus der Tüte zu nehmen. Das mache ich mittlerweile zum Glück, ohne dass es mir peinlich ist. Am Anfang versuchte ich noch, Leute von meiner Idee zu überzeugen und erzählte ihnen sofort und ungefragt, dass ich versuchen würde, ohne Plastik auszukommen. Damit traf ich zwar oft auf tolle Reaktionen, genauso häufig aber auch auf Unverständnis – gerade bei Personen, die sich eben noch nicht so sehr mit dem Thema Plastikmüll auseinandergesetzt haben. Vielleicht klingt “Plastikfasten” für den einen oder anderen etwas zu extrem, vielleicht schwingt für sie auch der erhobene Zeigefinger mit – ich weiß es nicht. Was mir jedoch bewusst wurde: Man lässt die Verkäufer mit einem Fragezeichen im Gesicht, im schlimmsten Falle sogar mit dem Gefühl, unfreundlich behandelt worden zu sein, im Laden stehen. Genau das wollte ich verhindern.

Wie bei den Plastikbestandteilen in Einmachglasdeckeln, einem Thema meines letzten Kolumnenbeitrags, komme ich daher auch diesmal zu einem eher pragmatischen Schluss. Ich sage einfach: “Nein, danke. Ich habe schon so schrecklich viele Plastiktüten zu Hause.” Aus irgendeinem Grund scheint diese Aussage ein wahrer Eisbrecher zu sein. Fast immer entgegnen mir die Verkäufer, dass es ihnen genauso geht. Oft schließt sich daran sogar eine wirklich konstruktive Diskussion an.

Das ist auch mein Tipp an alle, die es mir gleich tun wollen. Wenn man selber ohne Plastik auskommen will, setzt man sich selbstverständlich sehr damit auseinander und denkt viel daran. In dem ganzen Eifer will man seine Überzeugung natürlich an andere weitergeben – man muss nur sehr aufpassen, dass man nicht zu übereifrig daher kommt, sonst wird die Diskussion oft bereits im Keim erstickt. Ein vorsichtiges Herantasten über ein recht unverfängliches Thema wie “Wir haben viel zu viele Plastiktüten zu Hause.” funktioniert oft besser als den Leuten ins Gesicht zu sagen “Ich lebe ohne Plastik”.

Wie seht ihr das, ist es euch auch schon einmal so gegangen, zum Beispiel auch bei den Themen Vegetarismus und Veganismus? Würdet ihr genauso handeln oder bevorzugt ihr eine offensivere Herangehensweise?

Über den Autor

Eva-Melina lebt (fast) plastiklos in Düsseldorf und bloggt auf ingloriousplastics über Müllvermeidung, Upcyling und andere grüne Themen. Warum ihr Mann angesichts ihrer Einmachglas-Sammlung die Krise kriegt, die Leute an der Supermarkt-Frischetheke sie mit Vornamen kennen und Gespräche über Klopapier-Ersatz bei ihr mittlerweile zum Alltag gehören, erfahrt ihr in ihrer Kolumne "Mein (fast) plastikfreies Leben" auf The bird's new nest.

Alle Artikel von Eva-Melina

5 Comments on “Mein (fast) plastikfreies Leben – Keine Plastiktüte, bitte!

  • Super Beitrag! Fand ihn sehr interessant und lehrreich. Ich habe selbst einmal ein Kleid gekauft und die vorschnelle Verkäuferin gebeten, dieses wieder aus der Plastiktüte zu holen. Ihre Reaktion: “Aber jetzt habe ich es schon hineingetan!” Meine Antwort:”Dann tun Sie es einfach wieder heraus.”
    Deine Herangehensweise an Verkäufer finde ich eine gute und für mich Idee. Vielleicht lässt sich dies auch auf andere Bereiche erweitern. Als Vegetarier/Veganer könnte man einem Omnivoren zur Antwort geben, wieso man keine Fleisch/tierische Produkte konsumiert: “Nein danke, ich habe als Kind schon Salamie für ein ganzes Leben gegessen.” 😉

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  • Hallo Eva-Melina,
    dein Projekt ist toll und nachahmenswert! Ich spaziere auch immer mit einem Stoffbeutel durch die Stadt und finde das immer ganz vorbildlich von mir.
    Dein Eisbrecher mit den vielen Tüten hat bei mir auch schon oft funktioniert – einmal sogar zu gut. Ich war in einem Sportgeschäft und wollte keine Tüte für das neue Top und die Verkäuferin lamentierte dann eeewig darüber, dass sie es hasse, so viele Plastiktüten am Tag in Umlauf zu bringen und dass ihr Chef sie schon mal gerüffelt habe, weil die Kunden den Laden als Werbeträger selbstverständlich MIT Tüte verlassen sollten.
    Ich denke, es ist also gut, auf der Konsumentenebene anzusetzen, aber man sollte auch versuchen, diejenigen zu erreichen, die am anderen Ende sitzen und die Tüten erst in Umlauf bringen. Da fehlt es noch am Umdenken 😉

    Viele liebe Grüße
    Julia

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    • Hallo Julia, vielen Dank für das Kompliment. Ich stimme dir voll zu – es ist gut, als Konsument auf seinen Plastikverbrauch zu achten – aber auch die Unternehmen müssen etwas tun. Ich hoffe, dass sich dort in der Zukunft noch etwas tut, vor allem wenn mehr und mehr Leute in den Plastiktüten-Streik gehen. Liebe Grüße, Eva

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  • Ein tolles Projekt! Ich bin eigentlich auch darauf bedacht, keine Plastiktüten mitzunehmen, aber ehrlich gesagt lasse ich mir auch oft welche “aufschwatzen”. (Man könnte fast meinen die kriegen Provision…) Ich halte immer meinen Rucksack hoch und sage “nein danke, brauch ich nicht” und dann kriege ich trotzdem noch eine Minitüte für die Kleinteile oder den Flyer… (ähh) Du hast mich definitiv inspiriert da mehr Nachdruck zu verleihen! Danke dafür 🙂

    Und zu deiner Frage: ja die Erfahrung habe ich auch gemacht, daß es leichter ist, zu sagen “Ich mag das nicht” als “Ich esse vegan”. Jeder Grund wird lieber akzeptiert als ein ideologischer… aber warum ist das so? Löst das ein schlechtes Gewissen aus, das sofort abgewehrt werden muss? Als ob ich damit sagen würde “Ich bin besser als du!”?

    Liebe Grüße, Janina

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  • Geht mir eigentlich genau so. Ich verzichte gänzlich auf Plastiktüten, da ich sowieso meist nen Rucksack mit ner zusätzlichen Tasche drin dabei habe. Von einem “fast” Plastik freien Leben zu sprechen, halte ich allerdings für sehr gewagt. Ich denke selbst viel über Plastik nach und umso mehr fällt mir auf was eigentlich alles aus Plastik ist und was ich nun wieder unfreiwillig in Plastik eingepackt kaufen muss. Da ist die Tüte glaub die Spitze vom Eisberg. Auf die verzichte ich aber wie gesagt radikal und das ohne rot zu werden. 😉

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