Mein erstes Mal: Eine Nacht im veganen Hotel

Sunday 16th, June 2013 / 22:20 von
Mein erstes Mal: Eine Nacht im veganen Hotel

“Vor einiger Zeit haben wir einen Teppich aus Wolle entdeckt”, erklärt mir der junge Mann an der Rezeption, “den haben wir natürlich gleich entsorgt.” Nein, in der Loving Hut Pension ist alles Tierfrei: Keine Wolle, kein Leder, keine Daunen und schon gar keine tierischen Produkte, dafür aber viel Biologisches und FairTrade, auf den Tellern. Die Loving Hut Pension ist schließlich eine rein vegane Unterkunft. Letzteres ist auch der Grund, warum ich hier am Klopeiner See in Kärnten gelandet bin.

So sieht der Schlüssel zum Glück, ähm, zur veganen Loving Hut Pension aus. Foto: Doris

So sieht der Schlüssel zum Glück, ähm, zur veganen Loving Hut Pension aus. Foto: Doris

“Wie wäre es denn mit der Loving Hut Pension in Kärnten?” – so lautete die Einladung einer Leserin über Facebook, als ich mich nach alternativen Reiseplänen erkundigt habe. Klar, dass ich sofort hellhörig wurde: In den Lokalen der veganen Fastfoodkette Loving Hut bin ich ja öfters, das Essen ist einfach zu gut. Aber seit wann haben die denn auch vegane Unterkünfte? Und dann ausgerechnet in Kärnten, dem Bundesland, das ich zwar wegen einiger dort beheimateter Freunde und seiner Landschaft liebe; wo aber bei meinem letzten Besuch das Finden eines vegetarischen Lokals in der Hauptstadt Klagenfurt nicht ganz einfach war – und wo im einzigen (!) Bio-Restaurant, dem Petit Café, das Essen zwar köstlich schmeckt, aber die Interpretation von vegetarisch ganz dem Wirt überlassen ist. Da wird dann schon mal Fisch in die Suppe gegeben – wegen des Geschmacks, ist ja trotzdem vegetarisch … naja, nicht ganz…

Das könnte im Loving Hut nicht passieren. Im Juli 2010 wurde die Pension am Klopeiner See als weltweit erste Übernachtungsmöglichkeit der Kette eröffnet, in der es nicht nur vegan, sondern auch nicht-rauchend und alkoholfrei zugeht. Direkt neben dem veganen Loving Hut-Lokal, das über die Seepromenade zugänglich ist. In dem wird auch das Frühstück, das im – ab 74 € ohne Seeblick in der Nebensaison eher teurem – Zimmerpreisinkludiert ist, serviert. Außerdem können Gäste der Pension wie andere Besucher dort Mittag- und Abendessen konsumieren.

Bunt und knallig sticht die Loving Hut Pension hervor. Foto: Doris

Bunt und knallig sticht die Loving Hut Pension hervor. Foto: Doris

Nähert man sich von der Hinterseite, sticht das in knalligem, freundlichen Blau-Gelb gehaltene Gebäude aus dem Meer an Privatpensionen und Hotels hervor. Früher war das Gebäude, das lange leer gestanden ist, wohl eines von vielen hier: Seit der Übernahme durch drei Asiaten, die in die Liegenschaft am Klopeiner See investiert haben, ist das anders. Spätestens wenn man beim Zauntor hineingeht, wird das vermutlich jedem klar: Ein schön gepflegter Garten mit fein säuberlich geschnittenem Gras, auf dem alle möglichen Tonstatuen von Tieren verstreut sind. Ein bunter Gockel steht neben einem bemalten Pferd, eine Schar Gänse – nicht echt natürlich – bevölkern die Wiese, ein Papagei hängt auch irgendwo herum – ein bisschen kitschig ist es schon.

Tontiere, Sitzmöglichkeiten, bunte Lampions - der Garten des Loving Hut ist ziemlich voll und sehr gepflegt. Foto: Doris

Tontiere, Sitzmöglichkeiten, bunte Lampions – der Garten des Loving Hut ist ziemlich voll und sehr gepflegt. Foto: Doris

Noch deutlicher wird der asiatische Einfluss des Überladenen in der Pension selbst: Stile werden miteinander gemixt, bunte Möbel hier, dicke Teppiche dort, Lampions und Glaslampen, die von der Decke hängen, Plastikblumen in den Zimmern (,weil auch dieses Leben geschützt werden muss?). Daneben Poster von veganen und dementsprechend erfolgreichen Promis, Prospekte, die zeigen, wie sexy, gesund und glücklich man ohne tierische Produkte sein kann. Am positiven Effekt des Veganismus für den Menschen wie auch für die Umwelt zweifle ich als Vegetarierin ohnehin nicht. Hier aber packt mich zugegebenermaßen das schlechte Gewissen, bisher nicht völlig ohne tierische Produkte zu leben. Wie sich da wohl Fleischesser fühlen?

Ein Teil des Eingangsbereichs von der Loving Hut Pension. Foto: Doris

Ein Teil des Eingangsbereichs von der Loving Hut Pension. Foto: Doris

Am Gewöhnungsbedürftigsten für mich aber ist, dass Loving Hut zur religiösen Gruppierung rund um Supreme Master Ching Hai gehört – und das ist in der Pension nicht zu übersehen. Was mir in den Loving Hut Lokalen bisher nie so aufgefallen ist, wird hier deutlich: Die Kritik an der religiösen Führerin, eine Meisterin der Selbstpromotion zu sein, kommt nicht von ungefähr! Für meinen Geschmack lächelt sie mir hier zu oft von den Wänden entgegen, auf dem Flatscreen in der Eingangshalle werden Videos von Vorträgen und Konferenzen der Gruppe gezeigt – Programme, die unter anderem auch als Fernsehchannel im Zimmer laufen, wie ich später merke. Den Bücher und Weisheiten der Vietnamesin, der nicht nur die Loving Hut Gruppe gehört, sondern die auch ein Mode- und Schmuckbusiness betreibt, ist ein ganzes Zimmer gewidmet.

Jedes Zimmer ist mit einem Balkon ausgestattet - meiner sogar mit Seeblick, wobei Letzterer etwas enttäuschend ist. Foto: Doris

Jedes Zimmer ist mit einem Balkon ausgestattet – meiner sogar mit Seeblick, wobei Letzterer etwas enttäuschend ist. Foto: Doris

Hat man sich an diese Gegebenheiten gewöhnt, kann man sich aber in der Pension richtig wohl fühlen: Die Multi-Kulti-Mitarbeiter sind ruhig, freundlich und unaufdringlich, überall liegen Infos auch zu Ausflugsmöglichkeiten in der Region herum, dass jedes Zimmer einen Balkon hat, ist ein schöner Luxus, und dass man das “Fehlen” von tierischen Produkten nicht einmal merkt, zeigt, dass wir sehr wohl ohne eben solche auskommen können. Sehr gut sogar!

Der Seezugang von der Loving Hut Pension ist ebenfalls ein Pluspunkt. Foto: Doris

Der Seezugang von der Loving Hut Pension ist ebenfalls ein Pluspunkt. Foto: Doris

Und dann ist da natürlich die Lage: Die Loving Hut Pension hätte sich eine schlechtere Location aussuchen können – der Klopeiner See zählt nicht nur zu den wärmsten Seen Kärntens (28 Grad Celsius!), sondern auch zu einem der Schönsten! Wie gut, dass gegenüber von der Pension eine private Wiese für Gäste vom Loving Hut geöffnet wurde – mit Steg und einem der herrlichsten Seezugänge überhaupt.

Der herrlichste Seezugang gehört zum Loving Hut. Foto: Doris

Der herrlichste Seezugang gehört zum Loving Hut. Foto: Doris

Was sagt Ihr: Da lässt sich doch locker ein Tag in der Sonne verbringen… ? Und danach gibt es die kulinarische Belohnung im Loving Hut. Denn dass vegane Ernährung alles andere als Entbehrung oder Verzicht bedeutet, davon hat die Kette schon einige überzeugt. Zum Beispiel die Leute aus der Nachbarschaft oder andere Touristen, die ebenfalls vorbei kommen, um im Loving Hut zu speisen. “Das ist das Beste, was ich seit langem gegessen habe”, schwärmt da eine ältere Dame mit Schweizer Akzent am Nebentisch und leckt die letzten Stücke der Schoko-(Käse)Topfentorte von der Gabel. Ich hätte es nicht besser formulieren können…

Ja, die ist vegan: Schoko-Käsetorte. Foto: Doris

Ja, die ist vegan: Schoko-Käsetorte. Foto: Doris

 
Loving Hut Pension
Am See XII 7/7a, A-9122 Sankt Kanzian
Tel.: +43 (0)4239 40150, Fax: +43 (0)4239 40150836, Email: info@lovinghutpension.at
Betrieb von Mai bis Oktober, Restaurant-Öffnungszeiten täglich: 11:00-14:30, 17:30-21:00 Uhr
Tipp: Die Runde um den Klopeinersee (ca. 5 km) ist eine herrliche Laufstrecke. Dringend empfohlen ist auch der Besuch der Wiese mit Seezugang und Privatsteg, das zur Loving Hut Pension gehört. Dort ist es wirklich schön!
 

Über den Autor

Doris ist Schreibende, Reisende mit Basis in Wien und vor allem eine, die nicht still sitzen kann. Am liebsten schreibt sie inspirierende, mutmachende Geschichten von unterwegs oder daheim. Dabei geht es ihr um Menschen, die die Welt nicht nur entdecken, sondern in ihr auch positive Spuren hinterlassen.

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7 Comments on “Mein erstes Mal: Eine Nacht im veganen Hotel

  • Aha, Du hattest also Dein erstes Mal in einem veganen Hotel 🙂 Im Ernst, sehr interessanter Artikel! Ich ernähre mich zu 95 % vegan und ab dem 1. Januar möchte ich ganz auf pflanzliche Kost umstellen. Da sauge ich solche Infos natürlich auf wie ein Schwamm.

    Auf meiner nächstjährigen Wanderung von Salzburg nach Triest komme zwar nicht am Klopeiner See vorbei, aber auch durch Kärnten. Vielleicht hast Du, Doris, oder jemand anders einen Tipp, wo ich auf meiner Route vegan essen oder sogar schlafen kann.

    Viele Grüße

    Christof

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      • Danke, aber Klagenfurt liegt auch nicht auf der Route. Vermutlich ist meine Tour zu alpin, als dass da was vegan gehen würde. Am ehesten vielleicht noch in der Ecke Weißensee/Hermagor …

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  • Super, dass vegane Ernährung populärer wird und die Wahlmöglichkeit, vegan zu essen zugänglicher… nunja, in Kärnten und in den Metropolen… Während meiner veganen Zeit (mal ein Jahr) habe ich tolle neue Möglichkeiten entdeckt, die meinen Speiseplan auch heute noch bereichern 🙂

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    • Hi Stefanie, Kärnten und die Metropolen – die Aussage finde ich lustig 😉 Aber absolut, vegan & vegetarisch essen ist gar keine Entbehrung, null!

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  • Davon abgesehen, dass ich lustigerweise genau heute drüber nachdachte, ob wohl in 15 Jahren das vegane Leben sehr viel einfacher ist, weil es dann hoffentlich vegane Shops en masse gibt, die einem die ganze Arbeit des Suchens und Herausfindens abnehmen (also, ich bin _keine_ Veganerin, kann das aber natürlich nur unterstützen und denke, je mehr desto besser), frage ich mich, ob das nicht dann manchmal zu Lasten der Umwelt geht. Woraus sind denn z.B. die Teppiche? Alle aus Hanf? Oder vielleicht doch ab und zu aus der praktischen Plastikfaser, die dann leider mit fiesen chemischen Mitteln hergestellt wird?
    Ist halt leider echt schwierig heute. Aber selbst _wenn_ sie solche Teppiche hätten und auch einige vielleicht fragwürdige Dinge dahinter stehen: Das Grundkonzept ist super und ich hoffe, davon wird es mehr und mehr geben.
    LG /inka

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    • Hi Inka, ja, das Grundkonzept ist gut – und sollte ein Beispiel für viele sein. Ich wundere mich ja schon, dass es nicht mehr vegane Hotels (also nicht nur auf dem Teller vegan, sondern überall) gibt. Was das Thema “woraus sind die Teppiche?” betrifft: Ich habe nicht gefragt, die Chance hatte ich einfach nicht. Ich hoffe – hoffe – hoffe, dass da auch weiter gedacht und Umweltschonendes eingesetzt wurde, vor allem, weil ja in Sachen Nahrung schon auf Bio- und Fairtrade Wert gelegt wird. Wenn nicht: Ein Ansatz für ein weiteres veganes Hotel. Ich finde es jedenfalls gut, dass vegane Läden überall mehr und mehr werden – weil es zeigt, dass ein solches Leben ohne Verzicht möglich ist und somit auch Chancen bestehen, einen Umstieg leichter zu machen. Aber klar gilt: Vegan ist nicht gleichzeitig gesund und/oder Umweltverträglich. Doch wer ganzheitlich denkt, wird feststellen, dass beides vereinbar ist und sein soll.

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