Licht ins Dunkel: Energiesparlampen, Teil 1

Tuesday 03rd, June 2014 / 21:55 von
Licht ins Dunkel: Energiesparlampen, Teil 1Bild: PublicDomainPictures / pixabay.com

Bei jedem von uns hängen oder stehen sie in verschiedensten Formen um uns Licht zu spenden – Lampen. Uns allen ist klar, sie benötigen Strom. Aber wie viel davon ist notwendig und welches Leuchtmittel ist das ökologischste?

Im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie 2005/32/EG1 hat die EU beschlossen, dass energieineffiziente Leuchtmittel schrittweise bis zum Jahr 2016 nicht mehr produziert und in den Großhandel gebracht werden dürfen. Speziallampen (zum Beispiel in Kühlschränken, Backöfen) sind von dem Verbot nicht betroffen.

Was ist eigentlich so schlimm an der Glühbirne?

Herkömmliche Glühlampen erreichen die Energieeffizienzklassen D, E, F oder G. Bei einer Skala von A bis G ist das natürlich nicht sehr effizient. Der hohe Stromverbrauch kommt daher, weil die Glühbirne nur etwa fünf Prozent der elektrischen Leistung in sichtbare Strahlung umwandelt. Die restlichen 95 Prozent sind hauptsächlich Infrarotstrahlen, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. Lediglich die Wärme, die dadurch abgegeben wird, nehmen wir wahr. Das bedeutet, dass die Glühbirne tatsächlich sehr ineffizient arbeitet.Warum sich die Glühbirne trotzdem über 100 Jahre durchgesetzt und in dieser Zeit kaum verändert hat, ist schnell erklärt: Die Glühbirne ist umweltschonend in der Herstellung, enthält keine giftigen Stoffe – nur Glas, ein bisschen Blech für das Schraubgewinde, geringe Mengen an Edelgas und den Wolframfaden (Glühfaden) -, sie ist überall einsetzbar, billig an jeder Ecke zu bekommen und wenn sie kaputt geht, muss sie nicht wie Sondermüll behandelt werden. Eigentlich perfekt, wenn da die Sache mit dem hohen Stromverbrauch nicht wäre.

Dann also in Zukunft nur noch Energiesparlampen kaufen?

Wenn es rein um die Energieausbeute und den Verbrauch im Haushalt ginge, könnte man diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Betrachtet man die Kompaktleuchtstofflampe (so heißt die umgangssprachlich genannte “Energiesparlampe” eigentlich) jedoch näher, gibt es einige Punkte die dagegen sprechen. Das Erste, was auffällt, wenn man eine Energiesparlampe benutzt ist, dass sie nach dem Einschalten nicht gleich ihre volle Leuchtkraft hat. Bis zu mehreren Minuten kann es dauern, bis die ganze Helligkeit vorhanden ist. Außerdem ist nicht jede Kompaktleuchtstofflampe dimmbar. Nur eine speziell angepasste und noch teurere Birne kann für diese Zwecke genutzt werden.

Der Teufel liegt im Detail

Leider sind das nicht die einzigen Nachteile. Warum Energiesparlampen nämlich so sparsam sind, liegt in ihrem Aufbau. Anders als eine Glühbirne wird nicht einfach ein Glühdraht zum Leuchten gebracht, sondern jede Kompaktstoffleuchte ist im Grunde eine kleine Leuchtstoffröhre. Durch Heizwendeln werden geringe Mengen von Quecksilber erhitzt, bis dieses in den gasförmigen Zustand übertritt. Das Gasgemisch wiederum erzeugt ultraviolette Strahlung. Da die ultraviolette Strahlung für das menschliche Auge nahezu unsichtbar ist, befinden sich auf den Wänden der Glasröhre drei bis fünf verschiedene Leuchtstoffe, die das UV-Licht in sichtbares Licht umwandeln.Jeder von uns kennt das Licht einer mehr oder weniger flackernden Leuchtstoffröhre. Technisch ist die Kompaktleuchtstofflampe genau dasselbe. Damit das unangenehme Flackern aber Geschichte ist, befindet sich in jeder Energiesparlampe ein elektronisches Vorschaltgerät, welches das Flackern zwar nicht verhindern kann, aber die Frequenz derart erhöht, dass es vom menschlichen Auge nicht wahr genommen werden kann. Ob das jedoch schädlich für das Nervensystem ist, kann man noch nicht genau sagen. Außerdem gibt das Vorschaltgerät wie jedes elektronische Gerät Strahlung ab, den so genannten “Elektrosmog”. Zwar können laut Studien “keine Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt werden”, dennoch ist die Belastung mit der eines Schnurlostelefons zu vergleichen und es wird empfohlen, Energiesparlampen nicht im unmittelbaren Kopfbereich zu montieren. Man sollte jedoch beachten, dass ein Mobiltelefon nur mit Strahlung funktionieren kann, eine Lampe sollte eigentlich nur leuchten, summiert sich aber trotzdem mit der Strahlung aller anderen Geräte im Haushalt.

Fünf Milligramm Quecksilber verseuchen 5.000 Liter Wasser

Der größte Nachteil ist jedoch das giftige Quecksilber, welches in den Lampen enthalten ist. Auch wenn es nur eine geringe Menge ist – gesetzlich erlaubt sind derzeit 3,5 Milligramm pro Lampe <50 Watt -, ist es dennoch eine hochgiftige Substanz. Fünf Milligramm Quecksilber können bereits 5.000 Liter Wasser verseuchen. Zwar sollte theoretisch das Quecksilber bei einer intakten Energiesparlampe nicht austreten können, eine Untersuchung des deutschen Umweltbundesamtes ergab jedoch sehr wohl eine geringe Abgabe an die Raumluft. Auch wenn das Fazit wie folgt ausfiel: “Die hier gemessenen niedrigen Konzentrationen sind in einem realen Wohn- oder Arbeitsraum vermutlich vernachlässigbar gering.” Geht eine Lampe kaputt, verteilt sich das vorhandene Quecksilber definitiv im Raum und in der Atemluft. Mittlerweile gibt es auch Energiesparlampen, die das Quecksilber in Form von Amalgam bündeln. Im ausgeschalteten Zustand kann das Quecksilber somit auch bei einer zerbrochenen Lampe nicht mehr verdampfen, im eingeschalteten Zustand, in dem die Teilchen voneinander getrennt sind, sehr wohl. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn eine eingeschaltete Stehlampe umfällt oder Gegenstände die Lampe treffen.

Umweltschäden schon vor der Nutzung

Zu bedenken ist außerdem bei jedem Kauf einer Lampe, dass für den Bau von elektronischen Teilen, wie sie eben auch in der Energiesparlampe vorhanden sind, Seltene Erden verwendet werden, von denen es weltweit nur wenige konzentrierte Vorkommen gibt. Sieben Prozent dieser wertvollen Ressourcen gehen in die Produktion von Leuchtmitteln.Der Abbau von Seltenen Erden erfolgt über Säuren, mit denen die Metalle aus den Bohrlöchern gewaschen werden. Der dabei vergiftete Schlamm bleibt zurück. Überdies fallen große Mengen an Rückständen an, die giftige Abfälle enthalten (Thorium, Uran, Schwermetalle, Säuren, Fluoride). Der Schlamm wird in künstlichen Teichen gelagert, die insbesondere im größten Förderungsland China aufgrund fehlender Umweltauflagen keinesfalls sicher sind. Neben dieser Gefahr für das Grundwasser besteht ein permanentes Risiko für das Austreten von Radioaktivität, da viele Seltene Erden hauptsächlich in Verbindung mit radioaktiven Mineralien wie Thorium oder Uran vorkommen.

Sondermüll mit Folgen

Energiesparlampen sind Sondermüll. Ausgebrannte oder zerbrochene Lampen dürfen auf keinen Fall einfach in den Restmüll geworfen werden, da sonst das vorhandene Quecksilber in unsere Umwelt gelangt und so auch in die Nahrungskette. Des Weiteren befindet sich durch das elektronische Vorschaltgerät in jeder Energiesparlampe einiges an Elektroschrott. Beim Verwertungsprozess fallen rund fünf Masseprozent an Aluminium an, dieses verwendet die Metallindustrie weiter. 90 Prozent der Lampe sind Natron-Kalk-Glas, das unter anderem zur Herstellung von Glaswolle als Dämmmaterial verwendet wird. Die restlichen 5,5 Prozent sind quecksilberhaltige Abfälle. Diese können jedoch nicht recycelt, sondern nur gesammelt und wie Atommüll endgelagert werden.In Wien gibt es neben den 19 Problemstoffsammelstellen auf den Mistplätzen noch 54 stationäre und mobile Möglichkeiten, Problemstoffe zu entsorgen. Außerhalb Wiens gibt es viele weitere Problemstoffsammelstellen, wo die Lampen zurückgegeben werden können. Auch Elektrofachhändler und Supermärkte ab einer Verkaufsfläche von 150 Quadratmeter sind in Österreich dazu verpflichtet, Energiesparlampen anzunehmen – zumindest dann, wenn damit der Kauf einer neuen Lampe einhergeht.

Auch in Deutschland stehen bundesweit Wertstoffhöfe und Sammelstellen zur Verfügung, die Energiesparlampen kostenlos entgegennehmen. Viele Händler nehmen ebenfalls Lampen zurück. Gesetzliche Regelung gibts es dafür jedoch keine. In der Schweiz ist die Entsorgung sehr einfach organisiert. Ausgediente Leuchtmittel können in über 450 Sammelstellen und im Handel jederzeit kostenlos zurückgegeben werden.

Entsorgung zerbrochener Lampen

Zerbricht eine Energiesparlampe, müssen sofort Fenster und Türen geöffnet werden, um den Raum gut zu lüften. Auf keinen Fall darf man zum Staubsauger greifen, denn dieser verteilt das Quecksilber im ganzen Raum und erhöht die Gefahr des Einatmens. Die Reste müssen vorsichtig mit Besen und Schaufel zusammengekehrt werden. Von einem Teppich lassen sich die Reste mit einem Klebeband ablösen. Quecksilber verdampft langsam, aber doch, bei Raumtemperatur – so kann ein kleines Quecksilberkügelchen in einer Parkettritze seine Wirkung über einen langen Zeitraum entfalten. Sollte der Fall eintreten, dass eine Lampe im eingeschalten Zustand zerbricht, weil zum Beispiel die Leuchte umfällt, wird empfohlen, alle Türen zum Zimmer zu schließen, die Fenster zu öffnen und den Raum für etwa eine halbe Stunde zu verlassen. In jedem Fall sollte man die Stelle, an der die Lampe zerbrochen ist, mit einem nassen Tuch reinigen. Chemieexperten empfehlen, die Lampenreste, Kehrbesen und Tuch dann in einen verschließbaren Behälter zu stecken, diesen luftdicht zu verschließen und mit einem Zettel “Achtung, kann Quecksilberreste von Kompaktleuchtstofflampen enthalten” bei einer Problemstoffsammelstelle abzugeben.

Alternative: LED

Leuchtdioden (Light-emitting diode, LED) sind klein, robust, schaltfest und dimmbar. Sie verfügen über eine deutlich höhere Lichtausbeute als Glühlampen bei einer äußerst hohen Lebensdauer von bis zu 100.000 Stunden und können damit im Vergleich rund 80 Prozent Energie einsparen. Die Weiterentwicklung der LED-Lampen erfolgt mit hohem Tempo, wodurch sie immer besser und günstiger werden. Die Lichtstimmung der LED-Lampen ist heute dem Licht der klassischen Glühbirnen sehr ähnlich. Außerdem sind sie umweltfreundlicher als Energiesparlampen oder Halogenbirnen und enthalten außerdem keine giftigen Stoffe wie Quecksilber.Eine LED ist deutlich unempfindlicher gegenüber Schaltvorgängen als Glühlampen oder Energiesparlampen. Leuchtdioden werden nach und nach schwächer, fallen aber in der Regel nicht plötzlich aus. Dennoch kommen plötzliche Ausfälle von LED-Lampen vor. Diese sind jedoch im verwendeten Netzteil beziehungsweise in der Steuerelektronik zu finden, welche technisch bedingt in jeder LED-Lampe vorhanden ist. Diese Elektronik hält nur einer begrenzten Anzahl von Schaltzyklen stand. LED-Leuchtmittel sind aber auch inklusive Vorschaltelektronik meist deutlich schaltfester als normale Energiesparlampen. Durch diese höhere Schaltfestigkeit sowie der höheren Lebensdauer in Einschaltstunden und der höheren Lichteffizienz beziehungsweise Lichtausbeute in Lumen pro Watt sind LED-Lampen in den meisten Fällen, trotz höherer Anschaffungskosten, insgesamt wirtschaftlicher als Energiesparlampen oder Glühbirnen.

Not the best but better than the rest?

Doch auch bei der LED-Lampe ist nicht alles so perfekt wie man es sich wünscht. Genau wie die Energiesparlampe kommt die LED-Lampe nicht ohne einiges an Elektronik aus. Und auch hier wird Strahlung abgegeben. Da unsere Zellen mittels elektrischer Signale kommunizieren, kann ein äußeres elektrisches, magnetisches oder elektromagnetisches Feld die Zellkommunikation stören. Deshalb ist es aus Vorsorgeüberlegungen sinnvoll, Elektrosmog so weit wie möglich zu verringern. Postitiv ist allerdings, dass die Belastung durch elektromagnetische Strahlung bei LEDs weitaus geringer ist, als bei Energiesparlampen. Auch die Elektronik der LEDs kommt nicht ohne die schon bei den Energiesparlampen beschriebenen Seltenen Erden aus, mit all ihren Nachteilen. LEDs sind frei von gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen wie Quecksilber, müssen aber dennoch als kleine Elektroaltgeräte über die Problemstoffsammlung entsorgt werden und dürfen nicht einfach im Restmüll landen. Teilweise nehmen auch Händler beim Kauf einer neuen Lampe die alte zurück, um sie fachgerecht zu entsorgen.

Fazit

Es ist wie man sieht gar nicht so einfach das beste Leuchtmittel zu finden. Jedes hat seine Vor- und Nachteile. Ganz klar erkennbar ist jedoch, je weniger wir benötigen, desto besser. Denn jedes Herstellungsverfahren bringt seine Tücken mit sich. Sei es das gesundheitsgefährdende Quecksilber in den Energiesparlampen oder der Elektroschrott mit den seltenen Erden bei Energiesparlampe und LED. Licht benötigen wir nun einmal zum Leben und daran ist auch nichts verwerfliches, aber brauchen wir tatsächlich leuchtende Blumentöpfe und Geschenkschleifen? Nur weil eine LED nicht viel Strom verbraucht, heißt das nicht, dass wir diese Einsparung durch möglichst viele LEDs wieder wettmachen sollen.Mein Appell: Überlegt genau welches Licht ihr tatsächlich benötigt und dreht nur dieses auf. Auch wenn moderne Leuchten nur noch einen Bruchteil der Stromkosten verursachen, jedes Mal Einschalten geht auf die Lebensdauer der Lampe und verbraucht neue Ressourcen.

Über den Autor

Tanja lebt gemeinsam mit ihrem Freund etwas außerhalb von Wien. Sie liebt Tiere und ihre Küche, versucht bewusst zu leben, immer weniger Müll zu produzieren und dem Konsumwahn aus dem Weg zu gehen. Sie findet, weniger ist oft mehr und macht glücklicher.

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