Keine Gülle ins Trinkwasser: Jetzt Petition unterschreiben!

Saturday 11th, April 2015 / 17:24 von
Keine Gülle ins Trinkwasser: Jetzt Petition unterschreiben!Bild: Campact

Dass für den Fleischkonsum Tiere leiden und sterben müssen liegt auf der Hand. Auch, dass es wesentlich ökologischer ist, Getreide und Gemüse direkt zu essen, statt über den Umweg Fleisch, der dabei weit mehr Ressourcen und Anbaufläche verschlingt. Was aber noch erschwerend hinzu kommt und dennoch meist außer Acht gelassen wird ist, dass alleine die 750 Million Tiere, die jährlich in Deutschland geschlachtet werden, einiges an an Mist produzieren.

Unterzeichne auch du den Appell an Agrarminister Schmidt: Zur Petition

Gülle als ökologischer Dünger?

In einer symbiotischen Landwirtschaft ist es natürlich ideal, diese Abfälle gleichzeitig zur Düngung von Getreide und Gemüse zu verwenden, um keinen Kunstdünger einsetzen zu müssen. Das spart Geld und ist gut für die Umwelt.

Leider bleibt es aber nicht bei dieser idyllischen Kleinbauernbewirtschaftung. Die Anzahl der Zuchtbetriebe sinkt immer weiter, während die Fleischproduktion stetig gestiegen ist. Das bedeutet immer größere “Megaställe” mit über 10.000 Tieren. Was hier an Exkrementen anfällt, kann für teures Geld gelagert beziehungsweise entsorgt werden oder, was für die Betriebe viel wirtschaftlicher ist, als Dünger auf die Felder ausgebracht werden. So viel Mist wird in der Landwirtschaft jedoch gar nicht benötigt und der Überschuss sickert so ungehindert in unser Trinkwasser.

Gefahren durch Nitrate

In Deutschland werden 70 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. Dabei lässt sich Nitrat nur unter großem Aufwand und hohen Kosten aus dem Grundwasser filtern. Noch behelfen sich die Wasserwerke damit, stark nitrathaltiges Wasser mit weniger belastetem Wasser zu vermischen und so den Schnitt zu senken. Andere bohren immer tiefere Brunnen. Doch beides ist langfristig keine Lösung. Wenn die Politik nicht handelt, landet über kurz oder lang zu viel Nitrat im Trinkwasser.

Grundsätzlich sind Nitrate nicht giftig, sie sind sogar ein Grundbaustein des Lebens. Pflanzen brauchen diese Verbindungen von Stickstoff und Sauerstoff zum Wachsen. Weswegen die Ausbringung von Gülle auf dem Feld sinnvoll ist. Aber es ist wie überall: Die Menge macht’s.

Im menschlichen Körper können sich Nitrate in Nitrit verwandeln. Dieses ist für Kleinkinder und Säuglinge unmittelbar gefährlich und zwar schon in geringen Mengen unter dem gesetzlichen Grenzwert, weil Nitrite den Sauerstofftransport stören und im schlimmsten Fall zum Ersticken führen kann. “Blausucht” heißt das im Volksmund. Auch bei Erwachsenen sind  größere Mengen an Nitrit problematisch. Denn daraus können sich krebserregende Substanzen bilden, etwa Nitrosamine. Die Nitrat- und Nitritzufuhr beim Menschen sollte folglich soweit wie möglich reduziert werden.

Für die Umwelt ist Nitrat im Übermaß ebenfalls schädlich. Die Gefahren von Stickstoffüberschüssen sind vielfältig. Sie bedrohten die Artenvielfalt, die Luftqualität und verschärften den Klimawandel. Ganz zu schweigen von der Überdüngung der Meere, die zu Sauerstoffmangel und Fischsterben führt.

Düngeverordnung muss geändert werden

Mitschuld an der steigenden Belastung trägt ein laxes deutsches Düngerecht, das die Bedürfnisse der Landwirtschaft über den Wasserschutz stellt. Deswegen und wegen anhaltend hoher Nitratwerte hat die EU im Oktober ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet.

Nun ist die Bundesregierung in Deutschland dazu gezwungen, die Düngeverordnung zu ändern, sonst drohen Strafzahlungen. In der Petition wird daher gefordert, dass das Trinkwasser in Zukunft besser geschützt wird und die Nitrat-Belastung deutlich sinken muss.

Dies soll erreicht werden, indem die gesamte Nährstoffbilanz eines Agrarbetriebs lückenlos erfasst wird und pro Hektar und Jahr höchstens 170 Kilogramm Stickstoff ausgebracht werden dürfen. Dies muss streng kontrolliert und bei Verstoß geahndet werden. Neue Tierfabriken sollen nicht genehmigt werden und die Anzahl der Tiere, die ein Betrieb halten darf, soll an die Fläche dessen Acker- und Grünlands gekoppelt sein.

Ist das Problem dann damit behoben?

Die geänderte Düngeverordnung ist natürlich ein ganz wichtiger Schritt. Wenn man allerdings die Problematik näher betrachtet, nämlich der immense Fleischkonsum, und eben auch die Forderung, keine neuen Tierfabriken zu genehmigen beziehungsweise die Anzahl der Tiere an Acker- und Grünlandfläche zu koppeln, kommt man um eines nicht herum: Wir müssen weniger Fleisch produzieren, sonst ist das nicht machbar. Dies kann wiederum jeder einzelne Konsument aktiv mitbewirken, indem er sein Kaufverhalten überdenkt und danach handelt.

Fordern wir außerdem die Regierung dazu auf, auch ihren Beitrag zu leisten und den Trinkwasserschutz über die Landwirte zu stellen: Zur Petition

Über den Autor

Tanja lebt gemeinsam mit ihrem Freund etwas außerhalb von Wien. Sie liebt Tiere und ihre Küche, versucht bewusst zu leben, immer weniger Müll zu produzieren und dem Konsumwahn aus dem Weg zu gehen. Sie findet, weniger ist oft mehr und macht glücklicher.

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2 Comments on “Keine Gülle ins Trinkwasser: Jetzt Petition unterschreiben!

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