Jagdliches Spiel zur Förderung der Gewaltakzeptanz bei Kindern

Tuesday 19th, July 2016 / 19:43 von
Jagdliches Spiel zur Förderung der Gewaltakzeptanz bei KindernGewehre aus Holz mit Gummiband-Schieß-Vorrichtung. | Alle Bilder: Victoria

Abknallen, Erschießen, Töten – eine kulturelle Praxis erfordert die Sozialisierung des Nachwuchses.

 “Kindchen, schieß’ doch mal das Wildschwein nieder!”

Den kleinen Gästen am „Fest der Natur 2016“ in Linz (Organisation: Ressort für Naturschutz (FPÖ) und Genussland Oberösterreich) wurden am Stand des OÖ Landesjagdverbandes Gewehre mit Gummiband-Schieß-Vorrichtung aus Holz angeboten und dazu eingeladen Wildschweine und Hirsche (ebenfalls aus Holz) abzuschießen.

Schießstand für Kinder am „Fest der Natur“. Aussteller: OÖ Landesjagdverband

Ein unverfängliches Spiel? Der Anschein von Harmlosigkeit und Sanftmut verstärkt sich durch ein Malbuch mit dem Titel „Wir malen was lebt in Wald und Flur“ und eine Fototafel, diese zeigt einen älteren Jäger, der gemeinsam mit einer jungen weiblichen Person, im Beisein eines Hundes, ein Bäumchen pflanzt.

“Es ist in Ordnung andere Lebewesen mit Waffen zu verletzen.”

Die Präsentation des Kinder-Schießstandes und die Aufforderung zum Töten-Spielen mit Waffen erzeugt und bestätigt soziale und ethische Normativitäten. Die Einführung von Kindern in die gebräuchliche Gewaltpraxis und die Verwendung von Waffen erfolgt spielerisch und mit dem Anspruch auf Selbstverständlichkeit. Vermittelt wird, dass die Gewaltausübung an Lebewesen und die Benutzung von Schusswaffen als „normal“, „unproblematisch“ und „gesellschaftlich anerkannt“, gilt und zu akzeptieren ist.

Waffenattrappe und Tiere aus Holz zum Töten-Spielen

Stell sich die Frage: Was hat die Einladung zum Waffengebrauch und Töten-Spielen auf einer „familienfreundlichen“ Veranstaltung des Landes Oberösterreich zu suchen?

Über den Autor

Victoria ist freie Journalistin, Kulturwissenschafterin, Zeitungs- und Radioredakteurin. Sie schreibt, weil das Selbstverständliche befragenswert und das Nicht-Sichtbare sehenswert ist. Sie schätzt kritische Unbequemlichkeiten und lässt sich von Stille bezaubern. In ihrer Kolumne KUNST HALLT NACH schreibt sie über nachhal(l)tige Kunst.

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7 Comments on “Jagdliches Spiel zur Förderung der Gewaltakzeptanz bei Kindern

  • Brigitte Schostal

    Die Organisatoren werden sich wohl gedacht haben, dass man nie zu früh anfangen kann, den Kleinen die wichtigen Dinge im Leben und das Gefühl für “richtigen Spaß” zu vermitteln. Zustände wie in den USA, wo manch vierjähriges Mädchen sein eigenes hübsches rosa Gewehr stolz präsentiert, sind ja auch für uns in Österreich so erstrebenswert. (Ist ja auch viel fortschrittlicher, wenn Jugendliche bei den kleinsten Unstimmigkeiten nicht mehr mit der Faust – gute alte Zeit! – sondern gleich mit einer Schusswaffe aufeinander losgehen, mit der sie bereits gut umgehen können. Als ob nicht die Messer in den Rucksäcken schon eine Katastrophe wären!) Außerdem: Neue kleine Jägerlein braucht das Land! Und wenn man Gewalt und Tötung vorerst einmal niedlich in Holzfigürchen und -flinten verpackt, ist’s ja auch gar nicht so schlimm. – Oder vielleicht doch? .

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    • Victoria Post author

      Hallo Brigitte!

      Interessante Beobachtungen, danke für deinen Kommentar.
      Ich denke auch, dass die Medien des Spielerischen hier u.a. zur Beschwichtigung und Verkennung der Problematik beitragen.

      Liebe Grüße
      victoria

      Reply
  • Wo bitte ist das problem? Wenn es menschen wären auf die geschossen werden soll versteh ich die aufregung, aber wenn man mit einem stück holz auf ein stück holz “schiesst” wo ist das problem?

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    • Victoria Post author

      Hallo Inge!
      Danke für deine wichtigen Fragen.

      Tja, dem „Stück Holz“, als vorhandenes Material, ist seine ursprüngliche „Neutralität“ abhanden gekommen, es steht aufgrund seiner Form und dem Kontext stellvertretend für Wildschweine und Hirsche und ist somit, auch für Kinder, an ganz konkrete, nicht-neutrale Vorstellungen geknüpft.

      Die Frage, wer erschossen werden darf/kann/soll, verhält sich bejahend zur angewendeten Gewalt und klammert die Frage nach dieser selbst aus. Es wird nicht nach der Legitimität der Gewaltanwendung selbst gefragt, sondern danach, an wen Gewalt angewendet werden darf/kann/soll. Sie beruht auf der Annahme, dass Gewalt gegenüber bestimmten „Gruppen“ legitim ist und gegenüber anderen „Gruppen“ nicht, das wiederum setzt eine breites System von zuvor erzeugten und wiederholten Zuschreibungen, Kategorisierungen und Bewertungen zur Abgrenzung von Gruppen gegenüber anderen Gruppen voraus.
      Dieses Denken beruht auf vorherrschenden sozialen und ethischen Normativitäten, die in einer Gesellschaft als selbstverständlich, unproblematisch und normal angesehen werden.

      Eine Problematisierung findet statt, wenn diese Normativitäten als solche erkannt und betrachtet werden und eine Auseinandersetzung mit Gewaltanwendungen als legitimes Mittel, innerhalb einer Gesellschaft, stattfindet.

      Hab einen schönen Tag, liebe Grüße
      Victoria

      Reply
    • Victoria Post author

      Liebe Verena!

      Vielen Dank für dein positives Feedback, das freut mich.
      Liebe Grüße
      Victoria

      Reply

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