Im Interview: Melanie Fraunschiel, vegane olympische Boxerin

Friday 05th, August 2016 / 18:17 von
Im Interview: Melanie Fraunschiel, vegane olympische BoxerinAlle Bilder: Stephan Rökl - Foto Roekl e.U

Wenn ich Melanie Fraunschiel mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich nicht “Veganerin” sagen oder “Boxerin”, auch nicht “Staatsmeisterin”, obwohl alles das auf sie zutrifft. Meine Beschreibung für Melanie wäre “Vorbild”. Und das in vielerlei Hinsicht. Sich als Frau in der Boxszene einen Namen zu machen mag für viele schon etwas Unübliches sein. Dies als Veganerin erreicht zu haben und so ein weiteres Argument gegen das Klischee zu liefern, dass Sport und Veganismus einander ausschließen, macht sie für mich zu einer Inspiration in einer Welt, die leider noch viel zu sehr von Vorurteilen und Stereotypen geprägt ist.

Mit dem Boxen hat Melanie 2010 begonnen, mittlerweile ist sie dreifache österreichische Staatsmeisterin, boxt für das Nationalteam und hat bis dato 55 Kämpfe absolviert. Wir durften Melanie zum Interview bitten und haben ihr alle eure Fragen gestellt. Vielen Dank an euch für den interessanten und spannenden Input!

Edda: Melanie, wie lange lebst du schon vegan?

Melanie: Vegan ernähre ich mich seit Mitte 2014. Veganen Geburtstag habe ich leider keinen, da der Übergang fließend war.

Was hat dich zum Boxsport geführt?

Nach zehn Jahren Kyokushinkai-Karate wechselte ich während meiner Bundesheerlaufbahn nach dem Studium an der Technischen Universität Wien über zum Boxsport. Dort habe ich meinen Boxtrainer Gerald Pelikan kennen gelernt und war bereit für eine neue Herausforderung. Allerdings ist das Umlernen auf eine andere Kampfsportart ein schwieriger Prozess, aber genau diese Herausforderung war für mich eine starke Motivation.

Und was hat dich zur veganen Lebensweise gebracht?

Mit der Ernährung auseinandergesetzt habe ich mich, seit ich in den Boxsport gewechselt bin um abzunehmen um in der olympischen Klasse bis 60 Kilogramm antreten zu können. Leider haben sich die mir empfohlenen unterschiedlichen Ernährungsformen wie Low Carb und Metabolic Balance sehr negativ auf meine Haut, Regenerationsfähigkeit und Gesundheit ausgewirkt. Dank des Tipps eines Freundes, das Buch „THRIVE“ von Brendan Brazier zu lesen, habe ich auf die vegane Ernährungsform umgeschwenkt und bin diese Probleme losgeworden.

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Sport und vegan, geht das? Was muss man dabei beachten? Welche veganen Energiequellen kannst du empfehlen?

Die vielen Trainingseinheiten und die Leistungsfähigkeit halte ich nicht trotz der pflanzenbasierten Ernährung, sondern gerade deswegen aufrecht. Durch Training im hoch-laktaziden Bereich entstehen Säuren welche mit Hilfe von basenbildenden Vitalstoffen zu Neutralsalzen neutralisiert werden. Dadurch, dass ich keine säurebildenden Lebensmittel esse, sondern nur basische entstehen keine Säuren durch die Verdauung und mein Körper kann sich auf die Neutralisierung von Säuren, die durch das Training entstanden sind, kümmern. Ich bringe damit eine bessere Leistung mit geringerem Aufwand und regeneriere schneller.

Ich achte darauf, dass meine Nahrungsmittel so natürlich, regional und biologisch wie möglich sind. Je natürlicher die Lebensmittel, desto effizienter kann der Körper die Vitalstoffe nutzen. Empfehlen kann ich jegliches Obst und Gemüse und vor allem Datteln als Energiequelle. Zwecks Proteinversorgung braucht man sich auch keine Sorgen zu machen, da jede Pflanze Aminosäuren enthält. Ich integriere zusätzlich Hanfsamen in meine Ernährung, da diese alle essentiellen Aminosäuren abdecken.

Wie ist die Reaktion anderer BoxerInnen, wenn sie erfahren, dass du vegan lebst? Gibt es noch weitere vegane BoxerInnen? Und wie ist das Interesse an Veganismus generell in der Boxszene?

Viele sind verwundert und fragen mich, wie ich mit pflanzlicher Ernährung meinen Proteinbedarf decke oder ob ich Mängel habe, da leider noch immer der Gedanke vertreten ist, dass Sportlernahrung vorwiegend aus tierischen Produkten zu bestehen hat. Allerdings habe ich eben keinen Mangel mehr, da ich keine Produkte mehr esse, die Mineralstoffe und Spurenelemente daran hindern, aufgenommen zu werden. Mike Tyson und David Haye machen es vor! Weltbekannte Profiboxer, einer nicht mehr aktiv, der andere aktiv, ernähren sich vegan. Unter den Box-Kollegen ist Interesse vorhanden, aber auch begleitet von Skepsis. Ich lebe vor, wie gut diese Art der Ernährung funktioniert und gebe Auskunft, wenn ich darauf angesprochen werde.

Mit welchen Klischees wirst du im Alltag konfrontiert?

Klischees im Bereich des Boxsports oder der veganen Ernährung? Oder als vegane Boxerin, die sich vorwiegend rohköstlich ernährt? Die Resonanz ist meistens sehr positiv, wenn auch erstaunt. Mir wird meistens die Frage gestellt, wie ich meinen Proteinbedarf decke. Scheinbar ist der Gedanke eines Proteinmangels in vielen Köpfen stark verankert, wobei in unseren Breitengraden so eine Krankheit nicht einmal auftaucht. Im Gegenteil. Es werden zu viele und für den Körper sehr schlecht verwertbaren Proteine gegessen. Ansonsten bediene ich glaube ich keine Klischees.

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Wie hat sich deine Box-Leistung verändert, seit du vegan lebst? Hast du konkrete Unterschiede festgestellt?

Den größten Unterschied erkenne ich im Bereich der Leistungsfähigkeit auf Turnieren und im Training zwischen „Low Carb“ mit Tierprodukten und „High Carb“ pflanzenbasiert. Der Energielevel könnte unterschiedlicher nicht sein. Ich muss mich auch nicht mehr so quälen um auf die geforderten 60 Kilogramm zu kommen. Das hat früher viel Energie gezehrt. Die vier Runden beim Boxen halte ich auch leichter durch, da sich die Fließeigenschaft des Blutes verbessert hat. Ich kann dadurch mehr und intensiver trainieren, und nicht zu vergessen länger! Ich trainiere mehr und mir geht es immer besser, obwohl ich älter werde.

Verwendest du vegane Boxhandschuhe?

Leider wird teilweise noch Rindsleder verarbeitet. Einige Modelle sind aber auch schon aus Kunstleder. Ich verwende beides, da es momentan noch nicht anders umsetzbar ist.

Wie sieht ein typischer Tag in der Wettkampfvorbereitung aus?

Mein Tag beginnt um 6 Uhr früh. Bevor ich außer Haus gehe bereite ich einen Green Smoothie zu und packe den Rucksack für den Tag. Ich laufe ins CrossFIT Pantheon, trainiere dort eine Stunde oder mache einen Intervall-Lauf und laufe dann weiter ins Büro. Im Büro angekommen trinke ich meinen Green Smoothie mit Superfoods und viel Obst. Dort wartet ein achtstündiger Arbeitstag im IT-Bereich auf mich. Mittags esse ich einen großen Salat mit zum Beispiel einer Kartoffel. Nachmittags esse ich wieder Obst bevor ich abends in den Boxclub fahre. Nach dem Training mixe ich mir zuhause einen Regenerationsdrink. Spätestens zwei Wochen vor einem Turnier oder einem Boxkampf achte ich ganz genau auf die Mengen, die ich esse, und trainiere nur noch mit langem Trainingsgewand. Je näher der Wettkampf rückt, desto spezieller werden die Trainingseinheiten. Weg von allgemeinen Workouts hin zu wettkampfnahen Trainingseinheiten wie Sparring.

Kannst du vom Boxen leben oder hast du einen anderen Hauptjob?

Ich betreibe olympisches Boxen und habe einen Vollzeitjob an der MedUni Wien im IT-Bereich. Beim olympischen Boxen verdient man zwar kein Geld, aber man muss dafür auch nichts ausgeben.

Welche Hobbys hast du neben dem Boxen?

Meine Leidenschaft gilt den Sportarten mit einem Brett unter den Füßen! Ich liebe Wakeboarden und Snowboarden! Ist dafür gerade keine Saison gehe ich Mountainbiken.

Welche Produkte nutzt du als Veganerin zur Körperpflege?

Ich bin begeistert von den Shampoos und Duschgels von O’Right. Ansonsten verwende ich immer wieder Naturseifen und als Zahnpasta Kokosöl mit Xylit oder die Zahncreme von Santé.

Vielen Dank für das Interview, Melanie!

 

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Über den Autor

Edda ist die Herausgeberin und Chefredakteurin von The bird's new nest. Sie wohnt an der südlichen Stadtgrenze Wiens, ist Veganerin, kauft ausschließlich Bio-Produkte und ist ein riesiger Tierfreund. Außerdem liebt sie Bücher, Sonnenschein und ihre Badewanne.

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1 Comments on “Im Interview: Melanie Fraunschiel, vegane olympische Boxerin

  • Man sagt ja immer, dass Fleisch Kraft gibt und Tests hätten bewiesen, dass die eine Gruppe, die kein Fleisch aß sportlich schlechter abschloss als die Gruppe mit Fleisch. Du beweist ja hier genau das Gegenteil.

    LG Sabine

    Reply

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