Good to know – der Unterschied zwischen den Textilstandards Oeko-Tex 100 und GOTS

Sunday 16th, March 2014 / 22:55 von
Good to know – der Unterschied zwischen den Textilstandards Oeko-Tex 100 und GOTSBild: Oeko-Tex, GOTS

Diesen Artikel schreibe ich nun zum zweiten Mal. Ich habe ihn komplett umgeworfen. Und das ist auch gut so! Eigentlich wollte ich euch an dieser Stelle den Oeko-Tex 100 Standard vorstellen, denn dieser gab mir bisher immer ein gutes Gefühl. Ich dachte, wenn ich ein damit zertifiziertes Textil kaufe, bin ich auf der sicheren Seite und habe sogar nachhaltig gehandelt. Da bin ich aber klar der Werbung auf den Leim gegangen, denn das Wort “Oeko” implizierte für mich klar eine nachhaltige Zertifizierung. Seitdem ich mich für diesen Artikel genauer mit den Anforderungen des Standards auseinandergesetzt habe, weiß ich aber, dass es weit grünere Label als den Oeko-Tex 100 gibt.

Oeko-Tex 100

Versteht mich nicht falsch, Oeko-Tex 100 ist ganz und gar kein schlechtes Label. Es garantiert mir eine unabhängige Prüfung der enthaltenen Schadstoffmengen durch die Hohenheim Institute, eine der bedeutendsten Forschungs- und Prüfungsreinrichtungen im textilen Sektor und wird in allen Segmenten des Handels angeboten. Trotzdem hat er nichts mit einem echten Bio-Zertifikat zu tun, denn er zielt an erster Stelle auf den Gesundheitsaspekt der Kleidung ab. Dies betrifft vor allem hautnah getragene Textilien wie Wäsche, Oberbekleidung oder Heimtextilien. Je intensiver der Hautkontakt eines Produktes, desto strenger sind die human-ökologischen Anforderungen. Es müssen sämtliche Bestandteile eines Artikels ausnahmslos den geforderten Kriterien entsprechen, also nicht nur der Oberstoff, sondern auch Nähgarne, Drucke und Reißverschlüsse müssen unter den Grenzwerten liegen. Wem allein der gesundheitliche Aspekt wichtig ist, der findet in dem Oeko-Tex 100 einen vertrauensvoller Wegweiser. Wer von einem Textil aber noch mehr erwartet und auch Anforderungen an Umweltschutz oder Sozialverträglichkeit der Arbeiter stellt, ist mit einem anderen Standard besser beraten.

Die Steigerung – der GOTS

An dieser Stelle möchte ich auf den GOTS-Standard (Global Organic Textile Standard) verweisen, den weltweit führenden Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Es gibt nicht nur hohe umwelttechnische Anforderungen, die bei der Fasergewinnung beginnen und sich bis zu Handel und Vertrieb durchziehen. Es gibt auch die Forderung nach der Einhaltung von sozialen Standards für Textilarbeiter. Um durch den GOTS-Standard ausgezeichnet zu werden, müssen verpflichtende Kriterien eingehalten werden. Überprüft werden diese durch jährliche Vor-Ort Inspektionen von unabhängigen, speziell akkreditieren Prüfinstituten auf der BASIS des GOTS-Überwachungssystems.

Bei der Kennzeichnungsstufe 1 (“kbA/kbT”* bzw. “organic”) müssen mindestens 95% kontrolliert biologisch erzeugte Fasern enthalten sein. Die restlichen 5% dürfen aus konventionell erzeugten natürlichen oder bestimmten synthetischen Fasern bestehen. Die Kennzeichnungsstufe 2 (“hergestellt aus x% kbA/kbT-Fasern” bzw. “made with organic”) bedeutet, dass das Produkt mindestens aus 70% kontrolliert biologischen und 30% konventionell erzeugten Fasern besteht. Darunter dürfen sich maximal 10% synthetische Fasern befinden.

*kbA = kontrolliert biologischer Anbau; kbT = kontrolliert biologische Tierhaltung

Für die Umsetzung des Umweltschutzes gelten folgende Kriterien: Produkte aus biologisch erzeugten Fasern müssen von Produkten aus konventionellen Fasern getrennt und klar identifiziert sein. Die chemischen Zusätze, die zum Beispiel in der Färbung zum Einsatz kommen, müssen vor dem Gebrauch getestet werden und die Grundanforderungen erfüllen. Problematische Zusätze, wie toxische Schwermetalle oder gentechnisch veränderte Organismen sind verboten. Wenn Textilien gebleicht werden, dann nur mit Bleiche, die auf Sauerstoff basiert. Die Betriebe müssen sich verpflichten, Abfälle und Abwässer zu minimieren. Alle Verpackungen müssen aus Papier oder Pappe bestehen und recycelt sein.

Auch die Sozialstandards wurden aussagekräftig formuliert. Hier heißt es beispielsweise: Die Produzenten müssen die sozialen Mindestkriterien auf Grundlage der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erfüllen. Es muss in jedem Betrieb ein soziales Managementsystem mit festgelegten Elementen geben, das die Einhaltung der Kriterien sicherstellt. Die Arbeitnehmer müssen die freie Wahl ihrer Beschäftigung haben, das heißt es gibt keine Zwangsarbeit. Regelungen zum Arbeitsschutz garantieren sichere und hygienische Arbeitsbedingungen. Kinderarbeit ist verboten. Es gibt einen Mindestlohn, einen wöchentlichen Ruhetag und eine begrenzte Arbeitszeit. Außerdem ist die Diskriminierung, zum Beispiel durch die Auszahlung unterschiedlicher Löhne bei gleicher Arbeit, verboten.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der GOTS-Standard einen großen Vorteil gegenüber dem Oeko-Tex 100 hat: Er kombiniert hohe ökologische Anforderungen mit sozialer Verträglichkeit und kann daher mit Bestimmtheit als nachhaltiges Label bezeichnet werden. Trotzdem ist auch dieses Label nicht ausgefeilt. Es bezieht sich nämlich nur auf Naturfasern und sieht von der Zertifizierung von Textilien mit einem hohen Anteil an Kunstfasern (selbst wenn diese recycelt und somit nachhaltig sind) komplett ab. Die wenigen in den Mischungen enthaltenen Synthesefasern müssen außerdem keine Bedingungen erfüllen. Auch wenn dieser Standard (noch) nicht perfekt ist, stellt er für mich als Konsument einen guten Anhaltspunkt für soziale und ökologische Textilien dar. Nachdem es in der Textilindustrie mittlerweile noch andere aussagekräftige Label gibt, könnt ihr euch schon auf meinen nächsten Artikel freuen. Denn darin stelle ich zwei weitere vor.

Über den Autor

Claudia wohnt im von ihr geliebten Südwesten Deutschlands. Zur Zeit befindet sich die Lehramtsstudentin noch im Examensstress, aber sobald dies geschafft ist, möchte sie sich voll und ganz der Schreiberei widmen und sich dabei vor allem mit der Nachhaltigkeit in der Modewelt beschäftigen.

Alle Artikel von Claudia B.

3 Comments on “Good to know – der Unterschied zwischen den Textilstandards Oeko-Tex 100 und GOTS

  • ..bei der Recherche für meinen Vortrag zu dem Thema Oekotex bin ich über diesen Artikel hier gestolpert, und ich stimme meinem Vorredner da zu, mit dem Hinweis darauf das der erwähnte Oeko-Tex-1000-Standard inzwischen obsolet und überholt sowie von der Oekotex-Gemeinschaft durch deren neuen Standard “STeP” abgelöst ist – der sich sehr viel besser mit GOTS vergleichen liesse, und demnach zumindest in einer Anmerkung Erwähnung verdient hätte. Ohne über die einzelnen Kriterien der Standards da auch nur ein Wort sagen zu wollen, eine Wertung liegt mir fern.
    lg

    Reply
  • Abgesehen davon, dass ich Ökotex auch ziemlich unvollständig halte und dieser meiner Meinung nach oft verwendet wird um die Konsumenten zu beruhigen, hätte der Ökotex-Standard 1000 auch zumindest kurz Erwähnung finden können. 🙂

    Reply

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